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Schleswiger Nachrichten (30.4.2011)
Das Mindeste
Gerade in der entgrenzten, beschleunigten, atomisierten Welt braucht das Individuum eine Ordnung. Ohne sie ist der Einzelne vereinzelt, wird die Freiheit zur Willkür, führt Konkurrenzkampf zu Rücksichtslosigkeit, lässt Eigennutz alle sozialen Regungen absterben“ (G.Steingart).

Regeln helfen, jene Ordnung zu erhalten, die es braucht, um Arbeit menschengerecht zu gestalten. Das bedeutet, den Rhythmus des Lebens zu achten und nicht ohne Not die Nacht zum Tag zu machen. Das bedeutet, Arbeitszeiten zu begrenzen und Arbeitsprozesse so zu organisieren, dass Menschen nicht an ihrem Beruf erkranken, dass ein möglichst mobbingfreies kollegiales Miteinander erhalten bleibt. Ein gutes Betriebsklima ist kein Zufall und hat etwas mit Entschleunigung“ zu tun. Regeln sind dazu da, Mindeststandards zu gewährleisten.
Um Mindeststandards geht es auch im Predigttext für den 1.Sonntag nach dem Osterfest (Johannesevangelium Kap.21). Der am Seeufer wartende Jesus konfrontiert seine Jünger mit ihrem Arbeitsleben, wenn er die übermüdeten und ohne Fang heimkehrenden Fischer anspricht. Er fragt nicht: Wart ihr erfolgreich?“ Oder: Habt ihr Gewinn gemacht?“ Sondern: Habt ihr nichts zu essen?“ Es geht ihm um das Mindeste, um das Genug, ohne dass es ein auskömmliches Leben mit Zukunftsperspektiven nicht geben kann, weder für den Einzelnen und erst recht nicht für Familien mit Kindern. Haben wir unser Auskommen mit unserem Einkommen aus einer Vollzeitbeschäftigung oder nicht? Wie verhält es sich mit Teilzeitarbeit, wie mit befristeter Arbeit oder Leiharbeit?
Das DGB-Motto zum 1.Mai – Das ist das Mindeste! Faire Löhne, Gute Arbeit, Soziale Sicherheit“ beschreibt Standards, um die es gehen muss, wenn unsere Wirtschaftsordung das Prädikat soziale Marktwirtschaft“ weiterhin zu Recht führen will.
Pastor Harald Schrader
Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt (KDA)
1. Angelner Handwerkergottesdienst