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Setzen sich unter anderem ein für ein neues Auto: V.l.n.r.: Ernst Otto Löwenstrom, Wolfgang Speck und Pastor Frank Schnoor (Foto: Pfaff)

Der Tafelbetrieb in Süderbrarup geht weiter. Aber: Kuh noch nicht vom Eis

01.11.2019

Die Schließung der Süderbraruper Tafel ist vom Tisch – zumindest erst einmal „Wir sind froh, dass die Tafel auch nach dem 1.11.2019 weiter Lebensmittel an Bedürftige ausgeben kann“, sagt der Geschäftsführer des Diakonischen Werkes, Ernst-Otto Löwenstrom.

Derzeit versorgt die Süderbraruper Tafel ca. 350 Menschen, darunter 160 Kinder und eine immer weiter steigende Zahl an Rentner*innen, einmal wöchentlich mit Lebensmitteln. „Sie alle haben wegen ihrer sozialen Notlage nicht genug Geld für die täglichen Mahlzeiten. Das sind erschreckende Zahlen für einen ländlichen Bereich wie Süderbrarup“, sagt der Gemeindepastor vor Ort, Frank Schnoor, der die Tafel 2005 gemeinsam mit dem Diakonischen Werk, anderen Gemeindepastor*innen der Region und einem engagierten Ehepaar geründet hat.

Langfristiger Betrieb der Tafel immer noch ungewiss
Aber: Auch wenn die Lebensmittelausgabe erstmal weitergeht, bleibt es eine große Aufgabe, den Betrieb langfristig zu sichern, denn es gibt nach wie vor drei große Baustellen. „Die Kuh ist noch nicht vom Eis“, sagt Ernst-Otto Löwenstrom. 

Schwierige Standortsuche
Zum einen muss die Tafel neue Räume finden. Derzeit ist sie mietfrei im Gemeindehaus der Kirchengemeinde untergebracht, aber der Ausgaberaum ist viel zu klein geworden und auch der Lagerraum (eine ehemalige Garage) reicht von der Größe nicht mehr. Das Sortieren der Ware muss deshalb auch bei Wind und Wetter auf dem Hofplatz stattfinden. „Ein unzumutbarer Zustand für die Ehrenamtlichen“, sagt Löwenstrom, der außerdem beklagt, dass es für die wartenden Kunden keine Unterstellmöglichkeit gibt. Aber es gibt Hoffnung: Nach einem Presseartikel und Informationen über die Situation der Tafel in sozialen Netzwerken haben Menschen andere Räumlichkeiten angeboten– unter anderem eine Halle, die zentrumsnah liegt. Die möglichen neue Räume werden derzeit besichtigt. Je nach Umbaunotwendigkeiten und Umzugszeitpunkt an einen neuen Standort muss eine Zwischenlösung gefunden werden, an der Kommunalpolitiker, das Amt Süderbrarup und das Diakonische Werk parallel zur Standortsuche gemeinsam arbeiten.

Es fehlen noch Ehrenamtliche
Die zweite Baustelle: Das Team der Ehrenamtlichen muss wachsen, damit die Aufgaben zu bewältigen sind, denn ihnen kommt bei der Versorgung der von Armut betroffenen Menschen eine Schlüsselfunktion zu, wie der ehrenamtliche Leiter der Tafel, Manfred Speck erklärt. Sie holen die Waren bei den Händlern, Bäckereien und Schlachtereien ab, sortieren diese und geben sie freitags von 13:30 bis 17:00 Uhr an die Bedürftigen aus. Und sie sorgen dafür, dass die überschüssige Ware an die Nachbartafeln und teilweise auch an andere Tafeln in Schleswig-Holstein weitergegeben wird bzw. dass Waren untereinander getauscht werden. In der Summe sind das ca. 120 Stunden Arbeit pro Woche, die auf möglichst viele Schultern verteilt werden muss. Manfred Speck sagt: „Nach Konflikten in den vergangenen Jahren ist das Team kleiner geworden, die derzeit 16 Ehrenamtlichen können die ganze Arbeit langfristig nicht meistern.“ Auch hier gibt es Hoffnung auf Hilfe: Nach einem Facebook-Aufruf von Christian Hansen, der sich als engagierter Bürger, Gemeindevertreter und Mitglied im Süderbraruper Wirtschaftsverein für die Tafel einsetzt, haben sich 30 Personen gemeldet, die, die Interesse haben, die Tafel mit ihrem ehrenamtlichen Engagement zu unterstützen. Manfred Speck nimmt derzeit jeweils Kontakt auf, um die Möglichkeiten individuell zu besprechen. 

Anschaffungen notwendig
Um die dritte Herausforderung zu meistern, ist die Tafel vor allem auf Geldspenden angewiesen: Sie braucht ein neues Kühlfahrzeug, weil das vorhandene in die Jahre gekommen ist und weder in seiner Größe und Nutzlast den heutigen Anforderungen entspricht. Die benachbarte Tafel in Sörup hat angeboten, dass die Süderbraruper Tafel ihr Kühlfahrzeug für eine Übergangszeit mitbenutzen kann, aber langfristig muss ein Neues her. Trotz Rabatten ist mit 40.000 Euro zu rechnen. Ob die Tafel einen Zuschuss von bis zu 10.000 von der Lidl-Pfandstiftung bekommt, entscheidet sich noch im November. Aber auch im Falle einer Förderung sind weitere Spenden nötig sind, um das Fahrzeug zu finanzieren.

Ernst-Otto Löwenstrom hat Hoffnung, dass der Tafel-Betrieb auch langfristig gesichert werden kann. Dafür sei aber das Engagement Vieler notwendig – Kirche und Politiker seien genauso gefragt wie Unternehmen und engagierte Bürger*innen, die Zeit oder Geld spenden. Er sagt: „Es geht um ein gutes Miteinander hier vor Ort und dass wir solidarisch sind mit denjenigen, die Unterstützung brauchen. Hand in Hand kann es gelingen“ 

Spenden sind willkommen
Wer Geld für das Fahrzeug oder die Tafel allgemein spenden will, kann dies per Überweisung an Diakonisches Werk Evangelisch-Lutherischer Kirchenkreis Schleswig-Flensburg, Spendenkonto: DE61 5206 0410 0806 4036 54, Verwendungszweck: Tafel Süderbrarup Kst 2310.

  Onlinespende
Sie haben hier die Möglichkeit, auch online für den Erhalt der Tafel zu spenden:
altruja.de/tafelsuederbrarup