Ausschnitt vom Altar in Uelsby: Opferung Isaaks

Predigt zum Sonntag Judika, 29.03.2020

27.03.2020

Predigt zum Sonntag Judika, 29.03.2020, zum Predigttext Epistel Hebr. 13, 12-14 Hier in der Übersetzung „Hoffnung für alle“ Verfasser Detlef Tauscher Pastor in Böklund und Uelsby

So starb auch Jesus außerhalb der Stadt, um durch sein Blut die Menschen von ihrer Schuld zu befreien. Lasst uns zu ihm hinausgehen und die Verachtung mittragen, die ihn getroffen hat. Denn auf dieser Erde gibt es keine Stadt, in der wir für immer zu Hause sein können. Sehnsüchtig warten wir auf die Stadt, die im Himmel für uns erbaut ist. (Hebr.13,12-14)

Liebe Gemeinde, liebe Leserin, lieber Leser!

Wenn Kinder mit mir unsere Kirche in Böklund betreten, halten viele am großen Triumphkreuz inne, das an der nördlichen Schiffswand aufragt. Rechts und links neben dem Kreuz zwei  „Assistenzfiguren“:  Maria (Mutter Jesu) und der Jünger Johannes, 2002 geschaffen vom  Schleswiger Künstlers Dietrich Bieber- als vergängliche Papp-Maché Figuren aus abgelegten und gesammelten Zeitungsseiten der  ZEIT …

Es ist nicht einfach, den Kindern zu erklären, wofür diese riesige Holzskulptur des Gekreuzigten aus dem 14./15. Jahrhundert steht, eines der ältesten Teile unserer Böklunder Kirche.

Und wenn wir dann im Altarraum ganz vorn angekommen sind, stehen wir schon vor dem  nächsten Bild vom Gekreuzigten, einem  eher düsteren Gemälde von 1703, das den Gekreuzigten wiederum  in Gesellschaft seiner Mutter Maria und Johannes zeigt, dazu  am Kreuz trauernd in ihrer Mitte noch Maria Magdalena, die einzige Gestalt, die keinen „Heiligenschein“ abbekommen hat …


Altar Kirche Böklund

Im Hintergrund der Kreuzigungsszene sehen wir die Stadt Jerusalem mit Mauer und Häusern gemalt, ganz wie im Hebräerbrief beschrieben: Jesus starb außerhalb der Stadt, vor den Toren …

Das Gemälde ist eine spätere Zufügung im hölzernen Altaraufbau, der  als Stiftung der Familie Clementz, wahrscheinlich angefertigt in der der Tischlerei Ringering in  Angeln,  1607 in die Kirche gelangte…

Mit Kindern über das Ende Jesu am Kreuz reden? Leichter und schneller gelingt es ganz sicherlich, mit Kindern über den wunderbaren Anfang des Lebens Jesu ins Gespräch zu kommen, über die Geburtsszene im Stall von Bethlehem, die ein Bild  im Kanzelrelief der Böklunder Kirche  vor die Augen stellt (1604 geschaffen), oder mit den Kindern  über das Bild vom  Besuch des Engels bei der jungen Frau Maria zu sprechen, das sich auf dem Boden der Taufschüssel (1766) befindet.

Das Kreuz, ein starkes Zeichen- ein Zeichen, das vertraut ist und denen, die „in der Kirche und im  Glauben zuhause sind“-  Ermutigung und Trost vermittelt, das aber genauso Fragen und Erstaunen,  ja manchmal Verstörung und Irritation bei anderen hervorruft, zuletzt beim Böklunder Sternsingen, bei dem sich auch zwei muslimische Kinder erfreulicherweise beteiligten. „Was hat denn Jesus so Schlimmes getan, das er zur Strafe am Kreuz aufgehängt wurde?“

Wie würden Sie, liebe Leser und liebe Leserin, diese Frage beantworten?

Als ich unseren Hund Balou heute morgen Gassi führte, kam ich wie jeden Morgen an der Seniorenwohnanlange „Zum Wald“ vorbei. Ich kam auf zwei Bewohnerinnen zu, die einen morgendlichen Plausch hielten, im gehörigen Abstand. Nun tauschten wir mit mir zu dritt unseren Gruss und Morgengedanken aus. Soviel Spielraum zur Kontaktpflege- im Abstand-   muss und darf sein, jetzt zu CORONA Zeiten …

Und dann fiel der Satz „Auf der anderen Seite scheint die Sonne“- aus dem Mund der einen Bewohnerin, die sich mit diesem Satz von ihrer Tür- Nachbarin verabschiedete, bevor beide in ihrer dunklen Wohnung verschwanden- und auch ich meinen Gang im ersten Morgenlicht hinter unserem Hund fortsetzte, der unseren Wortwechsel geduldig abgewartet hatte.

Gemeint war mit dem Satz: auf der anderen Hausseite, also uns genau gegenüber, auf der südlichen Hausseite mit  Terrassen und einer großzügigen Grünanlage , „da ist es jetzt richtig schön – im Licht und  in der Wärme der Sonnenstrahlen. Da ist  die  Kälte  des Morgens gut auszuhalten auch nach einer frostigen Nacht…“

…  auf der Sonnenseite der Appartements, wo die Bewohner*innen nicht nur im Sommer von ihrem Terrassenausgang aus gern und viel zusammen kommen, zum nachbarschaftlichen Klönschnack, zum Kaffeetrinken oder Grillen und und und …

„Auf der anderen Seite scheint die Sonne“- ja, in diese Richtung würde ich  die schwierige Kinderfrage im Anblick des Gekreuzigten lenken, „warum stirbt Jesus so grausam am Kreuz? Was hat er verbrochen, dass Menschen ihn so auf das Kreuz gelegt haben?“- die eigentlich kaum zu beantworten ist …

Aber so geht es vielleicht doch: „Auf der anderen Seite“  des Todes, des Abgrunds, dessen Tiefen auch der Sohn Gottes erfahren und erleiden muss, ist Licht, ist Wärme, ist Liebe, die stärker ist als der Tod … 

… ist Gott selbst , der uns schon jetzt einlädt, sich die andere Seite auch noch  in der Kältenoch im  Angesicht des Todes vorzustellen und nichts weniger als Ihn selbst zu erwarten.

Er macht alles neu und schön wie die Sonne, die jetzt im Frühling nach dem Dunkel und der Kälte des Winters neues Leben aus dem Schoß der Erde weckt …

Auf der anderen Seite, wenn die  Corona-Krise vorüber ist, die nachzuarbeiten uns voraussichtlich auch nach der Lockerung der uns jetzt auferlegten Kontaktsperre und der vielfältigen Einschränkungen des öffentlichen Lebens noch unabsehbar lange beschäftigen wird,

… scheint die Sonne-, auf der anderen Seite von Kampf und Leiden, von Angst und Sorgen, von Tränen und Schweiß, von Schrecken und Irritationen, die sich jetzt mit CORONA weit ausgebreitet haben …

Was ist das für ein Jesus, der uns am Kreuz stumm in allen unseren Kirchen vom Kreuz herab grüßt?

Jesus- keiner, der am Ende seines Leben auf ein erfolgreiches Arbeitsleben und Wirken zurückschauen konnte, am Kreuz mit einer ansehnlichen Bilanz großer Worte und Taten von der Lebensbühne abtritt; 

keiner, der in seinem Leben häusliche, familiäre Geborgenheit erfahren hat, die wir zusammen mit unserer Arbeit, unseren Aufgaben und unserer Beschäftigung als  tragende Mitte unseres Lebens ansehen; mit dem häuslichen Nest mit Partner, mit Kindern und weiteren Familienangehörigen, mit Haustieren, mit dem mehr oder weniger umfangreichen Programm und Equipment für Unterhaltung, Zerstreuung und Bildung …

„Die Füchse haben Gruben und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege.“ Lk. 9,58

So war Jesus: so ganz anders als wir, einer, der am Kreuz bitter leidet und von allen Menschen verlassen einsam stirbt-

Lasst uns zu ihm hinausgehen….Doch, an seinem Ende, an seinem Kreuz trauten sich einige  wenige, dann immer mehr, hinauszugehen zu ihm, unter sein Kreuz;  aus den  Verstecken der Jünger, in die  die meisten abgetaucht waren, wagten sie sich vorsichtig hervor:

voran Maria, die Mutter Jesu, und Maria von Magdala, die Jesus besonders innig geliebt und aus Liebe gesalbt hat,  und Johannes, der beim letzten Mahl an der Brust des geliebten Meisters liegen durfte… sie trauen sich, und  das ist  auf vielen Bildern vom Gekreuzigten auch in anderen Kirchen  zu sehen. …

Die Worte im Hebräerbrief „Lasst uns zu ihm hinausgehen und die Verachtung mittragen, die ihn getroffen hat.“ … sind  ein eindringlicher  Ruf, an die Seite des Gekreuzigten mitzukommen wie die Mutter Jesu mit Johannes und Maria Magdalena;

Heute mitzukommen-  und  Solidarität zu üben, an der Seite  aller Leidenden und Schwachen, aller Benachteiligten und nicht nur durch CORONA Gefährdeten,

an der Seite aller, die auf der anderen Seite des Lichtes, noch auf der Schattenseite um ihr Leben und ihr Überleben kämpfen....

Hinausgehen,  um Solidarität zu  üben-  mit allen  von der CORONA Erkrankung vielfältig Betroffenen,

mit den Kranken selbst, aber auch mit den ungezählten mittelbar Betroffenen, deren wirtschaftliche Existenz jetzt auf dem Spiel steht, deren Arbeitsplatz und Familien-Einkommen, Unternehmen, Betrieb und Geschäft gefährdet,  deren weitere  irdische Lebenszukunft unsicher geworden ist …

In weiten Bereichen unserer Gesellschaft und nicht weniger in vielen Ländern weltweit, in denen es nicht wie bei uns eine Gesundheitsversorgung gibt, die auch in Krisenzeiten immer noch so gut funktioniert, dass wir sogar noch Hilfesuchende aus anderen Ländern bei uns aufnehmen und versorgen  können … Hinausgehen-

Hingehen zu den Leidenden, Fragenden, Sorgenden und unsicher Gewordenen,  wo immer sie uns begegnen, in so vielen Menschen, die zur sogenannten Risikogruppe gehören und noch mehr  abgeschnitten sind vom Leben der anderen als wir-

So viele Ältere,  an Leib und Seele geschwächte Menschen; zur Zeit müssen  die meisten der  unter 60 Jährigen (meine Frau und ich gehören als Jahrgangsmitglieder des Geburtsjahrgangs 1957  nicht mehr zu den U- 60 ern!)  zu ihnen allerdings auf Abstand bleiben,

zu denen, die sich jetzt abhängt und einsam fühlen, wie meine 87 jährige Mutter, die dies kürzlich am Telefon aus ihrer Seniorenwohnanlage in Hamburg beklagte-

Auf Distanz gehalten, können wir jetzt manchmal nicht viel für sie  tun, aber wir können doch telefonierenBriefe schreiben, in  Gedanken und Gebeten beieinander sein,

auch bei den vielen, die wie es jetzt immer wieder zu hören ist, „den Laden am Laufen halten“…

Wo immer das Leben leidet und kämpft- wie in den Flüchtlingslagern auf Lesbos, oder an den  Orten, wo Menschen gestrandet sind, als Arbeiter und Billiglohnkräfte, die jetzt aufgrund von mobilitätseinschränkenden Maßnahmen nicht nur in Russland vergebens auf ihre Weiterreise nachhause warten - überall braucht es jetzt Menschen, braucht es auch uns, unsere Gedanken, unser Mitgefühl, unsere Mithilfe und Solidarität, unsere Freundlichkeit und unser Beten - unsere Zuwendung, unsere Aufmerksamkeit und vielleicht auch unsere  Spenden  oder andere kleine Geschenke

Das Kreuz steht an der Seite notleidender, geängstigter Menschen, die sich vor dem Tod fürchten, vor Einsamkeit und Verlassenheit; es drückt wie nichts anderes menschliche Ohnmacht aus, die  jetzt weltweit gefühlt wird,  die  Hilflosigkeit vieler Menschen weltweit  -

Das Kreuz  lädt uns ein, hinter unseren Mauern hervorzukommen, die nach wie vor Menschen voneinander trennen, Mauern, die Gemeinschaft und Teilen verhindern;

das Kreuz lädt ein, den vermeintlich sicheren Ort im Leben, die Stadt, zu verlassen, aus den Verstecken und auch nur gedanklichen Blasen, in denen wir uns eingerichtet haben, herauszukommen, wie die beiden Frauen   und wie Johannes, die auf dem Böklunder Altarbild zu sehen sind.


Altar Kirche Uelsby

In der Uelsbyer Kirche sind  am Altar neben vielen Gestalten rund um den Gekreuzigten im Mittelteil  noch  zwei Bilderfriese in der Altarrückwand zu sehen, die auf ihre Weise zur Botschaft des Gekreuzigten in der Mitte des Uelsbyer Altars weitere Aussagen machen und den heutigen Predigttext auslegen: 

über der   Abendmahlsszene- die hier nicht weiter angesprochen werden soll-  ist auf dem zweiten oberen Bilderfries der Opfergang von Vater Abraham gemalt, der am heutigen Sonntag Judika in der biblischen Lesung aus dem ersten Teil der Bibel geschildert wird:

hoch auf dem Steinaltar sehen wir Abrahams Sohn Isaak;  der Vater hat das Messer zu seiner  Opferung schon erhoben; doch im letzten Augenblick greift ein Engel in das Geschehen ein und hindert Abraham, seinen Sohn zu opfern (1. Mose 22, 1-13) :

„Da rief der Engel des HERRN vom Himmel Abraham  und sprach: Abraham! Abraham! Er antwortete: Hier bin ich. Er sprach: Lege deine Hand nicht an den Knaben und tu ihm nichts; denn nun weiß ich, dass du Gott fürchtest und hast deines einzigen Sohnes nicht verschont um meinetwillen. Da hob Abraham seine Augen auf und sah einen Widder hinter sich in der Hecke mit seinen Hörnern hängen und ging hin und nahm den Widder und opferte ihn zum Brandopfer an seines Sohnes statt.“

Mit dem Kreuz, an dem Jesus stirbt, kommt nun genau dieses  Unvorstellbare doch  in den Blick, das bei  Abraham und seinem Sohn durch Gottes Eingreifen verhindert wird: das blutige Opfer am Kreuz, das jetzt uns, aber anders als unsere Kinder, weiterfragen lässt: will Gott wirklich ein solches Opfer haben, auf das sich Versöhnung und Frieden gründen,

wie es der erste Satz in unserem Predigtabschnitt nahelegt: Jesus starb außerhalb der Stadt, um durch sein Blut die Menschen von ihrer Schuld zu befreien? …

Hier tut es sicherlich gut, nocheinmal den Satz „auf der anderen Seite scheint die Sonne“ zu hören und den Rat Martin Luthers zu beherzigen, uns nicht weiter in Betrachtungen der dunklen Seiten Gottes zu verlieren, uns mit dem  Deus absconditus zu befassen, „dem verborgenen Gott“,  wie es Luther formulierte,

sondern uns an den Deus revelatus zu halten, an den offenbar gewordenen Gott, der uns seine helle und wärmende Liebe in Jesus zeigen wollte.

Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele (Mk. 10,45)

Hören wir im letzten Satz des Sonntagsevangeliums heute (Markus 10, 35-45). So hält auch Gott das Leben am Laufen, den ganzen Laden dieser Welt, wie im schon erwähnten Ausspruch dieser Tage oft zu hören: „Danke allen, die den Laden in CORONAR Zeiten am Laufen halten- die Kassiererin an der Ladenkasse, der Apotheker, die Pflegekraft im Pflegeheim, und Ärztin und Krankenpfleger im Krankenhaus…“

… und nicht zu vergessen: Dank auch Gott, der immer wieder das Seine dazutut, dass wir schon jetzt, in diesem Leben, noch mitten in  der Krise, des Dunkels und der Kälte „auch schon wieder an die andere Seite denken und auf sie hoffen dürfen,

auf die Zeit nach der Krise, die Zeit nach dem unvorstellbaren Zeitgeschehen, durch das wir dieser Tage gehen, „durch nie dagewesene Lebensumstände…“

Nie dagewesen? Doch, das Unvorstellbare  ist schon dagewesen, damals, als Jesus starb, draußen, vor der sicheren Stadt; jedes  Kreuz erinnert uns nachdrücklich daran, an diesen „Ort draußen vor der sicheren Stadt, draußen vor den verschlossenen Toren, die das Grauen von den Menschen in der Stadt fernhalten sollen…“

Danke Gott, der unser aller  Leben am Laufen hält, das irdische Leben, dem Gott seinen Odem verliehen hat;

Danke Gott, der unserem Leben mit seiner Liebe dient  und nichts für sich zurückhält, der alles gibt und  alles schenkt … dass wir immer wieder auf die andere Seite gelangen dürfen, wo das Leben hell aufscheint

wie die Sonne nach der Nacht, nach dem Winter Licht und Wärme und neues Leben schenkt ..

„Wir haben hier keine bleibende Stadt“ hören wir in der letzten Mahnung der Hebräerbrief-Lesung;

wie wahr, wenn wir daran denken, wie jäh das Leben in der sicher geglaubten Stadt auch anders werden, auf den Kopf gestellt werden kann, wie wir es jetzt erlebt haben in den letzten Tagen und Wochen. …

Auf jeder Trauerfeier hören wir den Satz des Hebräerbriefes am Ende, vor dem Ausgang zum Grab mit Sarg oder Urne. „Wir haben hier keine bleibende Stadt“…

Der Satz erinnert daran, dass alles  irdisches Leben sich auf das sichere Ende zubewegt, und  der Trauerzug am Ende der Trauerfeier betritt mit  diesen Worten im Ohr  den Acker Gottes,  um da die  irdischen, vorläufigen Hüllen zu begraben, die unserem Leben nur auf Zeit an unsicherem Ort dienen konnten.

„Wir suchen die zukünftige“: ein Zug zugleich mit der Hoffnung im Ohr, „dass auf der anderen Seite die Sonne scheint“ – auf der anderen Seite des Todes, im ewigen Leben.

So dürfen wir jetzt auch in beängstigenden CORONA-Krisentagen unserer Zeit Hoffnung wagen; mit dem Leben neu aufbrechen, der Sonne entgegen,

auch wenn wir wissen, dass wir alle noch viel Dunkel im Leben- und noch die dunkle Todesnacht nach dem irdischen Leben vor uns haben, und wir dem nichts als unsere Zuversicht und Hoffnung entgegensetzen können. Unser manchmal so kleines, gebrochenes Vertrauen   auf die Macht dessen, der stärker ist als der Tod.

„Wir suchen die zukünftige Stadt“ – so dürfen wir jetzt auch in CORONA  Zeiten schon von der  österlichen Botschaft reden und uns vorfreuen, wenn wir das Kreuz vor Augen haben, an dem Jesus gestorben ist, im letzten Zutrauen auf diese Macht, die ihn aus dem Tod retten konnte: „Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist.“ (Matthäus 23,46)

In unseren Häusern haben viele von uns wohl  kein Bild vom Gekreuzigten, wie es in vielen katholischen Häusern und natürlich in allen Kirchen zu finden ist; aber vielleicht findet sich ja zuhause doch das Bild einer Kirche, geschmückt mit einem Kreuz auf dem Turm, mit einem Kreuz im verborgenen Kircheninneren, das wir uns  dann  vorstellen müssen …

Dabei könnten wir es  machen wie unsere Konfirmanden, die auch in diesem Jahr wieder auf  Konfirmandenfahrt in den Osterferien mit mir gehen wollten und deren Reise nun erst einmal auf die Herbstferien verschoben werden musste:

aus Naturmaterialien und anderem, was wir auf einem Spaziergang im Freien finden, fertigen  wir am letzten Tag der Freizeit immer ein  Legebild an, mit Materialien, Pflanzenresten, Steinchen, Stöckchen, mit  manchen Hinterlassenschaften auch von uns Menschen, die achtlos weggeworfen am Weg liegen.

Ein Legebild  mit dem Bild des Kreuzes, oder eines anderen Symbols, das zu GlaubeLiebe und  Hoffnung ruft, mit Herz und  Anker,  mit Haus oder  Schiff auf dem Meer der Zeit ….

Wir könnten jetzt auch  der Anregung der christlichen Pfadfinderschaft folgen, die dazu aufgerufen hat, bis Ostern Steine zu sammeln:

„Sammelt Steine, noch so unscheinbare, kleine oder größere, und beschriftet sie, erinnert so schon vor Ostern an die österliche Hoffnung,

dass der, der nicht verhindert hat, dass Jesus auf das Kreuz gelegt wurde, stärker ist als der Tod, und durch ihn, durch seine Engel, der Stein, der das Grab verschlossen hat, weggewälzt wurde…“

Stärker als der Tod, stärker als die Schrecken, die uns am Kreuz geradezu brutal vor die Augen gemalt sind, stärker als die Schrecken, die durch Menschen und durch dunkle Schicksale immer wieder über uns hereinbrechen, wie sie auch Jesus selbst erlitten hat  und erfahren musste …

Ja, so könnten wir mit unseren Kindern mitten in der CORONA Krise vom Kreuz reden, ein Kreuz als Bild aus gesammelten Teilen legen, als Hoffnungszeichen für das Leben  nach dem Tod;

moder auch einfach  Steine sammeln und sie zuhause an einem imaginären Kreuz ablegen, als Vor-Zeichen in der Zeit vor  Ostern, und dann von dieser Hoffnung singen (siehe unten) , dass Gottes Liebe stärker ist als der Tod, stärker als CORONA, stärker auch  als alle anderen dunklen Mächte, die in dieser Welt dem Leben schaden können. …

Steine, bemalte Steine, die wir dann, bei einem Besuch der Kirche oder auch nur auf dem Friedhof an einem  Grab, an einem Grab- Kreuz irgendwo auslegen, österliche (Vor-) Boten-Steine,  und mit unseren Kindern dann davon reden, „wie schön es auf der anderen Seite ist, auf der anderen Seite des Todes, auf die  uns Kreuz und Stein schon hinweisen, wo die Sonne scheint, und Gottes Liebe das Leben neu macht, die so viel stärker ist  als der Tod…“

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag und eine gesegnete neue Woche! Bleiben Sie gesund und behütet!

Amen.


Von der Hoffnung singen, das können wir mit den Worten eines Liedes von Kurt Ihlenfeld, das für diesen Sonntag ausgewählt wurde (Strophen aus: Evangelisches Gesangbuch Nr. 94, aus dem Jahr 1967):

4.: So hat es Gott gefallen,
so gibt er sich uns allen.
Das Ja erscheint im Nein,
der Sieg im Unterliegen,
der Segen im Versiegen,
die Liebe will verborgen sein. 

5.:  Wir sind nicht mehr die Knechte
der alten Todesmächte
und ihrer Tyrannei.
Der Sohn, der es erduldet,
hat uns am Kreuz entschuldet.
Auch wir sind Söhne (und Töchter!)  und sind frei.