Predigt zum Sonntag Lätare 22. März 2020

22.03.2020

Predigt zum Sonntag Lätare 22. März 2020 von Pastorin Dörte Boysen für die Region Angeln-Süd.

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Gemeinde !

An diesem besonderen Sonntag, dem zweiten ohne öffentliche Gottesdienste, grüße ich Sie und Euch ganz herzlich.

Unsere zehn Dorfkirchen in der Region Angeln-Süd, unsere Schatzkästchen und manchmal auch Sorgenkinder, ersatzweise unsere Gemeindehäuser, sollen sonntags um 10 geöffnet sein für Menschen wie Sie, die in die besondere Atmosphäre des Gotteshauses eintauchen und sich stärken lassen wollen.

Das Leben hat sich durch einen winzigen Virus von einem Tag auf den anderen geändert, und jeden Tag kommen neue Änderungen hinzu.

Mir ist manchmal ganz schwindelig von all diesen neuen Nachrichten, Updates, Vorschriften und Verboten. Aber alle getroffenen Maßnahmen haben ja den Zweck, Leben zu schützen. Darum unterstützen wir Pastorinnen und Pastoren sie uneingeschränkt.

Gott sagt uns an diesem Sonntag mit den Worten des  Propheten Jesaja: (Kapitel 54):

7 Ich habe dich einen kleinen Augenblick verlassen, aber mit großer Barmherzigkeit will ich dich sammeln.  8 Ich habe mein Angesicht im Augenblick des Zorns ein wenig vor dir verborgen, aber mit ewiger Gnade will ich mich deiner erbarmen, spricht der HERR, dein Erlöser.  9 Ich halte es wie zur Zeit Noahs, als ich schwor, dass die Wasser Noahs nicht mehr über die Erde gehen sollten. So habe ich geschworen, dass ich nicht mehr über dich zürnen und dich nicht mehr schelten will.  10 Denn es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der HERR, dein Erbarmer.

So erinnert Gott in den Worten des Propheten an frühere Zeiten, an die Sintflutgeschichte. Sie ist eigentlich eine Versöhnungsgeschichte. Gott lässt es regnen, und er vernichtet damit Menschen und Tiere. Nur die Menschen und Tiere, die sich mit Noah auf die Arche gerettet haben, überleben. Diese Katastrophe verstehen die Israeliten als Zorn und Strafe Gottes: „Als aber der HERR sah, dass der Menschen Bosheit groß war auf Erden und alles Dichten und Trachten ihres Herzens nur böse war immerdar, da reute es ihn, dass er die Menschen gemacht hatte auf Erden.“ (1. Mose 7,5)

Doch nach der Sintflut erneuert Gott die Gemeinschaft mit den Menschen. Er verspricht, dass dies nicht mehr passieren wird. Als Zeichen dafür setzt er seinen Kriegsbogen als Regenbogen in die Wolken. Ein Zeichen der Versöhnung mit den Menschen. Daran können wir uns erinnern, bei jedem Regenbogen, den wir sehen. Gott zeigt: ich will mit euch sein. Nach der Sintflut entsteht neues Leben, und neue Hoffnung. Ich denke an die Taube, die mit einem grünen Zweig zur Arche zurückkehrt. Die Gefahr ist vorüber. Und Noah dankt Gott für die Bewahrung. Von nun an soll nichts mehr zwischen Gott und den Menschen stehen.

„Es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der Herr, dein Erbarmer.“

Alles kann ins Wanken geraten. Die Welt mag erschüttert werden, aber ich bin bei dir. Was immer Du für Fehler machst, ich werde zu dir halten. Dieser unzerstörbare Bund mit Gott beginnt für uns Christen mit der Taufe.

Auch für Jesus war die Taufe, die er als Erwachsener erlebte, ein neuer Anfang. „Du bist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.“ So spricht Gott in diesem Moment zu ihm, und etwas von diesem göttlichen Wohlgefallen, von dieser lichtvollen Zuneigung Gottes spüren wir bei jeder Taufe. Die Erinnerung an diese Worte, an die Taube, die den heiligen Geist verkörpert und Frieden bringt, hat ihm Kraft gegeben für seinen Weg der unbeirrbaren Liebe. Wie ein Weizenkorn, das in die Erde ausgesät wird und stirbt, so hat er sein Leben verschenkt.

Jesus sieht sich selbst im Symbol des Weizenkorns. „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein. Wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“ Johannes 12,24

Aber, meine Lieben, wie schwer muss es für ihn gewesen sein, zu akzeptieren, dass er zum Sterben bestimmt ist, zu einem frühen und gewaltsamen Tod am Kreuz, und damit allem Anschein nach zum Scheitern, zu einer Niederlage.

In der Betrachtung des Weizenkorns geht ihm dann auf, dass Gott ihn womöglich gerade darin den Kampf gegen das Böse gewinnen lässt. Sein Leib muss zwar sterben und begraben werden. Aber dann wird er auferstehen und noch viel mehr Glauben stiften als zu seiner Lebenszeit. (In dem Film von Franco Zeffirelli sagt der Hoheprieseter Kaiphas, der ein kluger Mann ist: Dieser Jesus könnte uns jetzt, wo er tot ist, noch viel gefährlicher werden als im Leben.)

Weil die Auferstehung die Beglaubigung seines Lebens ist, und erst dadurch eindeutig klar wird: Die Liebe ist stärker als der Tod. Die Sanftmut stärker als die Gewalt. Und die Saat des furchtlosen Glaubens, die Saat der Gotteskindschaft, die Saat des unerschütterlichen Gottvertrauens, dieser Lebenskeim, den seine Feinde mit der Kreuzigung für immer vernichten wollten, diese Saat hat sich ausgesät und immer wieder hundertfach Frucht getragen, bis zum heutigen Tag.

Gottes Bund mit uns, in der Taufe geschlossen, in der Konfirmation bestätigt, der hat Bestand über alle Krisenzeiten, über alle inneren und äußeren Erdbeben hinaus. Gott bleibt uns ganz unbeirrt mit seinem freundlichen Gesicht zugewandt, egal ob wir es merken oder nicht, egal ob wir es verdienen oder nicht. Seine Gnade wird nicht von mir und von dir weichen, egal was auch immer geschieht, egal was auch immer wir ausgesät oder geerntet haben, egal ob wir leben oder schon auf der anderen Seite angekommen sind. „Leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir so sterben wir dem Herrn.“ Ob wir leben oder sterben, immer gehören wir zu ihm, der uns zu seinem Ebenbild erschaffen und zu seinen Kindern erwählt hat.

Was für ein Saatkorn werde ich sein, wenn ich einmal gestorben bin ? Ein Weizenkorn, ein Gras, ein Löwenzahn, eine Sonnenblume, eine Brennnessel, ein Dornbusch, eine Eiche ? Welche Worte, Gedanken, Botschaften säe ich heute aus, mit meinen digitalen Nachrichten, mit meinen Briefen und Besuchen, aber auch mit meinem Schweigen?

Gott sagt uns an diesem Sonntag: Fürchtet euch nicht, sondern freut euch. Das Leben ist ständig im Wandel,  auch die Erde verändert sich,  aber meine Liebe zu euch bleibt unverändert. Sie strahlt wie die Frühlingssonne in eure Herzen hinein und gibt euch Frieden.

Es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der HERR, dein Erbarmer.

Amen.

 

Lied 98 aus dem Gesangbuch:

Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt.
Keim, der aus dem Acker in den Morgen dringt -
Liebe lebt auf, die längst erstorben schien:
Liebe wächst wie Weizen,
und ihr Halm ist grün.

Über Gottes Liebe brach die Welt den Stab,
wälzte ihren Felsen vor der Liebe Grab.
Jesus ist tot. Wie sollte er noch fliehn?
Liebe wächst wie Weizen,
und ihr Halm ist grün. 

Im Gestein verloren Gottes Samenkorn,
unser herz gefangen in Gestrüpp und Dorn -
hin ging die Nacht, der dritte Tag erschien:
Liebe wächst wie Weizen,
und ihr Halm ist grün.

 

Segen:

Gott segne dich und behüte dich.
Er lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig.
Gott erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir
Frieden.

Amen.