Predigt zum Sonntag Rogate, 17.5.2020 von Dörte Boysen

15.05.2020

Predigt zum Sonntag Rogate, 17.5.2020 von Dörte Boysen Pastorin in Brodersby-Kahleby-Moldenit und Taarstedt

Richtig beten, wie geht das ?

Liebe Leserinnen und Leser !

Richtig beten, das ist zugleich ganz schwer und ganz leicht.

Schwer fällt es mir oft, zur Ruhe zu kommen, mich zu konzentrieren, das Gedankenkarussell anzuhalten und still zu werden. Außen und innen ruhig zu werden. Eine Kerze hilft, oder ein Blick in den Abendhimmel.

In der Kirche gelingt es mir leichter. Da tritt das Alltägliche zurück. Der Blick fällt auf das Christusfenster, das Altarbild, das Kreuz. Auch auf die Blumen, auf die Kerzen. Kein Telefon, kein Handy, keine Ablenkung von dem, was jetzt wichtig ist.

Die Jünger fragten Jesus, wie man richtig betet. Und er lehrt es so:

Unser Vater im Himmel.
Eine einfache und vertrauensvolle Anrede. Wir dürfen Gott „Vater“ nennen, dürfen Du zu ihm sagen. Natürlich können wir uns Gott auch als Mutter vorstellen: Wir verdanken ihm oder ihr das Leben.  Jesus hat damals keine  hymnisch überhöhte Anrede gewählt, keine Distanz, keine übertriebene Unterwürfigkeit im Ton. Gott steht himmelhoch über uns. Er ist der Schöpfer, der das All gemacht hat. Trotzdem dürfen wir Menschen ihn so vertrauensvoll  anreden: „Unser Vater“.

Geheiligt werde dein Name.
Größer als alle menschlichen  Namen, tiefer als das Meer, heller als die Sonne ist der Name Gottes, der sein Wesen beschreibt. „Ich bin, der ich bin. Ich bin bei euch.“  Geheimnisvoll und kostbar ist dieser Name. Wir dürfen ihn rufen, loben, verehren, seufzen oder stammeln. Wir dürfen ihn zu allem Guten gebrauchen.

Dein Reich komme. 
Ein Reich des Friedens,  der Barmherzigkeit und Vergebung. Ein Reich der Gerechtigkeit und Glückseligkeit. Das ist uns versprochen, und es hat schon angefangen, damals am Ostermorgen.  Da wo Gott König ist, regiert die Liebe. Da wird die Angst weniger, die Traurigkeit schwindet, Licht scheint in die  Dunkelheit.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auch auf Erden.
Gott hat Gedanken des Friedens für uns. Er will uns Hoffnung geben. Wenn sein Wille geschieht, geht es der Erde gut.

Unser tägliches Brot gib uns heute.
Eine Ration, die bis zum Abend reicht. Das genügt. Sorge dich nicht um das Brot für Morgen. Gott weiß, was du brauchst.  Er gibt dir, soviel du brauchst. Sorge dich nicht.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Die bewusste und die unbewusste Sünde, die ungerechten Strukturen und die lieblosen Taten – Gott kennt mein Herz und meine Gedanken, meine Verstrickungen und meine Schwachheit. Vor ihm brauche ich mich nicht zu verstellen. Gott sieht mich mit unbestechlichen, aber liebevollen Augen. Er will und kann alles vergeben. Und er freut sich, wenn ich es ihm gleich tue.

Und führe mich nicht in Versuchung, sondern erlöse mich von dem Bösen.
Das Böse ist real. Es ist in der Welt, und es ist in mir. Da ist so viel Dunkelheit, so viel Unrecht, und Traurigkeit und Gewalt. Aber Christus ist das Licht. Er ist der Erlöser, unser Befreier. Das Böse, das Dunkle kann  mich nicht für immer beherrschen. Es gibt Grund zur Hoffnung, für die Erde und für jeden Menschen.

Denn Gott ist noch immer der Herr dieser Welt.

Bei ihm ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, jetzt und in Ewigkeit.

Jedes Mal wenn du betest, betrittst du dieses Reich. Dann kannst Du Gottes Kraft anzapfen wie eine Stromquelle, dich neu aufladen mit seiner Energie. Beten bringt dir den inneren Frieden zurück, ja noch mehr: Es zündet ein Licht an in dir. Einen Funken von der Herrlichkeit des Himmels.

Dieser Sonntag „Rogate“ lädt uns neu zum Beten ein. Im privaten Zuhause, in der Kirche oder draußen in der Natur. Einfach nur den Himmel sehen, die aufblühende Natur wahrnehmen, einfach nur  „Danke“ sagen. Das ist eigentlich gar nicht schwer.

Beten kann jeder. Und Beten tut einfach gut.

Einen gesegneten Sonntag wünscht
Dörte Boysen