Texte und Predigt für den Sonntag „Quasimodogeniti“,  den 1. Sonntag nach Ostern, 19.04.20

Psalm 116,1-9.13

Evangelium: Johannes 20,19-29

Predigt zu Jesaja 40, 26 – 31  ( mit Dank für die Inspiration an Pfarrerin Melanie Lohwasser )

 

Liebe Gemeinde,

"Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten“.

So heißt es im Wochenspruch aus dem ersten Petrusbrief für den heutigen Sonntag. Für mich bleibt von diesem Satz vor allem hängen: Wir sind wiedergeboren zu einer lebendigen Hoffnung. Das bedeutet doch: wir sind nicht nur erfüllt von Hoffnung- das wäre ja auch schon viel! Gerade jetzt in den Zeiten der Corona-Pandemie. Aber hier wird ja noch mehr verheißen: Jeder und jede von uns, wir alle gemeinsam, wir sind lebendige Hoffnung – von Ostern her.

Lebendige Hoffnung sein …  Ich denke daran, dass vor einer Woche im Ostergottesdienst eine neue Osterkerze entzündet worden wäre. Eigentlich. In „normalen Zeiten“. Nun haben wir alle ein Ostern erlebt wie noch nie: kein Gottesdienst, kein gemeinsames Singen und Beten, kein gemeinsames Entzünden des Osterlichtes. Vielleicht haben Sie an diesem Ostern von zu Hause aus auf das Läuten der Glocken gehört so intensiv wie selten zuvor? Haben wie ich die Gemeinschaft gerade am Ostersonntag schmerzlich vermisst. Doch gleichzeitig habe ich mich an diesem Ostern mit der Gemeinde, aber auch mit Christen und Christinnen auf der ganzen Welt so ernsthaft und tief verbunden gefühlt wie an kaum einem Osterfest zuvor. Es ist so als würde das neue Licht der Osterkerze in uns nur anders brennen. Nicht äußerlich zu sehen sondern in uns selbst. Flackernd vielleicht durch Beunruhigung und Angst in diesen Tagen. Aber wie viele kleine Kerzen, die leuchten als Hoffnungslichter. Denn das ist Ostern zutiefst – Hoffnungslicht gegen Angst und Tod.

Verbunden zu einer lebendigen Hoffnung, wie Kerzen, die ins uns leuchten, sind wir auch mit Menschen auf der ganzen Welt.

Wir sind lebendige Hoffnung. Hoffnungslichter. Mal hell leuchtend, mal flackernd. Doch nicht aus uns selbst kommt das Licht. Sondern von Gott her. Gottes Licht, das uns leuchtet, gerade auch in der Finsternis und sei es der Tod.                                                                                                          Davon erzählt auf eigene Weise auch die Verheißung des Propheten Jesaja. Eine Verheißung an die Israeliten, in die wir als Christen und Christinnen aber hineingenommen werden durch Jesus Christus. So heißt es bei Jesaja im 40. Kapitel:

 

26 Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat all dies geschaffen? Er führt ihr Heer vollzählig heraus und ruft sie alle mit Namen; seine Macht und starke Kraft ist so groß, dass nicht eins von ihnen fehlt.

27 Warum sprichst du denn, Jakob, und du, Israel, sagst: »Mein Weg ist dem HERRN verborgen, und mein Recht geht an meinem Gott vorüber«?

28 Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der HERR, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich.

29 Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug den Ohnmächtigen.

30 Jünglinge werden müde und matt, und Männer straucheln und fallen;

31 aber die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.

 

Liebe Gemeinde,

Hoffnungslicht in finsterer Zeit. Das hatten die Menschen, denen diese Verheißung aus dem Buch des Propheten Jesaja zuerst zugesprochen wurde, bitter nötig. Denn wie finster waren die Zeiten! Die Babylonier waren in Jerusalem eingefallen und hatten den Tempel niedergebrannt. In Schutt und Asche lag der Ort, an dem sich Juden und Jüdinnen damals Gott ganz besonders nahe gefühlt hatten. Der Ort des Glaubens, der Zuversicht und des Trostes- verbrannt. –

Die Juden und Jüdinnen konnten nicht mehr im Tempel feiern, sie mussten das in ihren Häusern tun, wie nah ist uns diese Erfahrung heute!

In den Trümmern des Tempels und in den niedergebrannten Häusern damals: Menschen, die um ihre Angehörigen trauern. Frauen und Männer, die in dieser Situation jeden Halt verlieren. Andere, die gerade jetzt politisch Verantwortung übernehmen und damit auch überfordert sind. Wie sehr klingen unsere Erfahrungen in diesen Corona-Wochen in den alten Bibeltext hinein. Noch dazu, wenn wir auch auf andere Länder wie Italien, Spanien und die USA sehen.

 

In diese finstere Zeit hinein also spricht der Prophet Jesaja die Verheißung Gottes. Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat all dies geschaffen? Zu etwas, was bis heute schwerfällt, gerade auch in diesen Wochen der Corona-Krise, dazu ermutigt Gott durch den Propheten: nämlich den Blick nicht allein auf die Finsternis zu richten.  Es kann so gut tun, den Blick zu heben - bei einem Spaziergang. Oder wenn wir in Quarantäne sind, aus dem Fenster: Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat all dies geschaffen?

 Gott, geheimnisvoll und unerforschlich, bleibt uns nahe. Trotz und gerade in der Finsternis. Gerade jetzt! Und hier wird die Verheißung des Propheten Jesaja ganz persönlich und seelsorgerlich: Gott gibt den Müden Kraft und Stärke genug den Ohnmächtigen. Und wie viele Menschen sind müde in diesen Tagen: Frauen und Männer, die im Krankenhaus und in der Pflege arbeiten. Eltern, die um ihre Kinder sorgen und sich redlich bemühen, irgendwie die Sozialkontakte zu Freundinnen und Freunden zu ersetzen. Ältere Menschen, die sich isoliert fühlen und darunter leiden ihre Liebsten nicht sehen zu dürfen ... Uns allen, den Müden und Ohnmächtigen gibt Gott Kraft und wir dürfen das auch ganz persönlich hören. Aber die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden. Wie schön ist das denn?!

Gott wird neue Kraft schenken, dass auch wir auffahren mit Flügeln. Wir haben hier in unseren Breiten vielleicht nicht so sehr Adler vor Augen. Sondern jetzt in den Frühlingstagen eher Amseln oder Meisen. Doch auffahren mit Flügeln wie eine Amsel, das wäre ja schon mal was!

 Den Blick nicht allein auf die Finsternis richten. Sondern den Blick heben und weiten, auch auf die Schöpfung um uns herum. Und zu erfahren – Gott ist nahe trotz und gerade in der Finsternis. In diesem Leben und über den Tod hinaus. Das dürfen wir auch als Hoffnung von Ostern her begreifen.

 Erfüllt von dieser Hoffnung, können wir selbst zur lebendigen Hoffnung werden. Wir alle, wie ein Licht, das an der Osterkerze entzündet wurde. Besonders innerlich! Wir alle. Mal hell leuchtend. Mal flackernd. Aber ein Licht, verbunden zu einem Lichtermeer  auf der ganzen Welt, überall dort, wo christliche und jüdische Gemeinden geistlich verbunden sind. Gerade jetzt. Amen