Andacht zum Frühling 2020

Liebe Leserinnen und Leser,

 

der Frühling kommt. Die Natur zeigt uns, wie das Leben wieder aufblüht und das nassgraue Dunkel allmählich von hellen, warmen und freundlichen Farben abgelöst wird. Auch Menschen blühen auf, wirken fröhlicher, entspannter und genießen die Sonnenstrahlen.

Ich beobachte diesen Wechsel der Natur jedes Jahr wieder mit neuem Staunen. So dunkel und kalt die Zeiten sein mögen, so sehr kann daraus etwas Schönes, Freundliches und Warmes entstehen. Eine starke Hoffnung angesichts der vielen Nachrichten über Pandemien, Kriege, Gewalt von rechts oder schwimmende Barrieren auf dem Mittelmenschen vor Menschen in Not.

Ob die Jünger Jesu vor 2000 Jahren Ähnliches erlebt haben? Im damals besetzten Israel war Friede ebenso fragil wie heute. Als Jesus ihnen von seinem Plan erzählt, nach Jerusalem zu gehen, ahnen einige, was Jesus blüht. Doch soll man angesichts drohender Gewalt lieber nicht gehen? Würde dann die von Jesus verkündete Nächstenliebe, Vergebung und Barmherzigkeit nicht erst Recht als schwach und weltfremd gelten? „Meine Worte werden nicht vergehen“, sagt Jesus ihnen noch und warnt sie vor falschen Propheten, die das Blaue vom Himmel versprechen. Denn wer der Welt im Sinne Jesu ein freundliches Gesicht geben will, muss fest bleiben in seiner Hoffnung und in seinen Überzeugungen, der darf nicht so schnell einknicken. „Jesus Christus spricht: Wachet!“ (Mk 13,37) So deutlich sagt er es schließlich im Monatsspruch für März. Bleibt am Ball, haltet euren Glauben fest, lasst euch nichts einreden und v.a. lasst euch nicht einschüchtern. Ein aktuelles Wort für unsere Zeiten, in denen Christen weniger werden und unsere Gesellschaft 75 Jahre nach dem Holocaust wieder mit Fremdenhass, Antisemitismus und Faschismus zu tun hat oder in denen schwimmende Barrieren vor Menschen in Not errichtet werden. Wer wachsam im Glauben bleibt, kann Antworten geben und weiß, dass man keine Menschen ertrinken lässt und Antisemitismus nicht als harmlose Meinungsäußerung abtut. Bleiben wir wachsam und setzen dem Dunkel dieser Welt den Schutz von Menschenwürde, Freiheit und Demokratie entgegen. Lassen wir nicht nach, Mitgefühl und Solidarität mit Schwachen, Ausgegrenzten, Armen und Kranken einzufordern und Fürbitte zu halten für Menschen, die von einer Pandemie bedroht sind.

„Wachet!“ Das ist ein mahnender und zugleich tröstlicher Satz für die Passionszeit und für unsere bewegten Zeiten heute. An Jesu Worten können wir uns orientieren. Denn sie bleiben, während alles andere vergeht. Und zum anderen können wir getrost sein: „Jesus Christus spricht: ich bin die Auferstehung und das Leben.“ (Joh 11,25) Auch diese Worte sind wahr und bleiben. Am Ende siegt das Leben. Das feiern wir an Ostern, mitten im Frühling.

 

Gesegnete Passions- und Osterzeit,

 

Ihr

Jörg Jackisch, P.