Friedhof einmal anders

Kirchengemeinde Medelby nimmt 2017 erstmals am nationalen "Tag des Friedhofes" teil

Auf einem Friedhof zusammenzukommen um sich zu unterhalten, vielleicht auch zu lachen oder gar Kaffee zu trinken, mag zuerst sicherlich befremdlich klingen. Genau dies geschah allerdings am 16. September, als die Kirchengemeinde Medelby erstmals am nationalen „Tag des Friedhofes“ teilnahm. Dieses Jahr fand er unter dem Motto „Raum für Erinnerung“ statt. Ziel der Aktion ist es, die Bedeutung von Friedhof zu erweitern und sich einmal anders mit dieser Thematik auseinanderzusetzen. Immer noch gelten Tod und Trauer als Tabuthemen oder sind überwiegend negativ besetzt. Dem soll mit dem „Tag des Friedhofes“ entgegengewirkt werden. Denn Friedhof kann noch viel mehr sein, weil er als besonderer Ort zum Lebensraum in der Gemeinde dazu gehört. Man kann dort nicht nur trauern und Trost finden – Friedhöfe können auch zum Spazieren gehen einladen, zum Entspannen oder um Hoffnung zu schöpfen. Hinterbliebene finden hier einen geschützten Raum, ihrer Verstorbenen zu gedenken. Durch Pflege und Verschönerung der Gräber mit Blumen kann die Trauer besser verarbeitet werden. Dadurch wird ein Friedhof so etwas wie ein Garten, der auch die Möglichkeit für das Aufkommen positiver Gefühle bietet. Diese sollen mit Aktionen am „Tag des Friedhofes“ hervorgehoben werden. So kann an wie keinem anderen Tag gezeigt werden, dass nicht die düstere Stimmung dominiert, sondern auch Hoffnung und Zuversicht in Zusammenhang mit dem Sterben stehen, dass ein Friedhof auch ein Ort des Lebens sein kann. Sich dieser Sichtweise zu öffnen und sie für sich auszuprobieren, dazu hatten Interessierte an diesem Tag auf dem Medelbyer Friedhof die Gelegenheit. Viele nahmen die Gelegenheit wahr, sich in einem gemütlichen, herbstlich dekorierten Pavillon bei Kaffee, Kuchen und von den Konfirmanden frisch gebackenen Waffeln zu treffen. Unter der liebevollen Anleitung von Gudrun Engelbrecht konnte Grab- oder Gartenschmuck aus Beton hergestellt werden. Eine Führung über den Friedhof bot die Möglichkeit, sich über dessen Geschichte und Entwicklung zu informieren, sich an historische Besonderheiten zu erinnern aber auch etwas über neue Projekte zu erfahren. Dass während der gemeinsamen Stunden die Herbstsonne strahlte, unterstrich die Idee des „Tag des Friedhofes“ und trug zu einer gelösten, positiven Stimmung bei.

Ein Baumfrieden in Medelby

Die Urnenbestattung wird immer häufiger der Erdbestattung vorgezogen. Können Angehörige die Grabpflege zeitlich nicht leisten oder wohnen zu weit weg vom Bestattungsort, kann die Pflege zwar dem Friedhof übertragen werden. Dennoch gibt es in der Gesellschaft die Tendenz, sich gegen eine eigene Grabstätte zu entscheiden und das Interesse an anderen Möglichkeiten der Bestattung wächst. Am Fuße eines alten Baumes Ruhe finden zu können, ist für viele ein großer Wunsch. Mit der Realisierung des Baumfriedens erweitert der Friedhof Medelby sein Bestattungsangebot um eine neuartige Methode und kombiniert das Konzept des Bestattungswaldes mit den Vorteilen eines Friedhofs. Unter der Leitung der Architektin Sarah Philipp konnte das Projekt im Oktober fertiggestellt werden. Da der ursprünglich ausgewählte Ahorn wegen eines Befalls als Zentrum der Anlage nicht mehr in Frage kam, befindet diese sich nun im Westen des Friedhofes, an der Ecke zwischen der Friedhofsmauer und dem Erinnerungswall. Der Baumfrieden besteht aus einer Sitzbank, die sich halbrund an den Stamm der Schwarzkiefer anschmiegt. Der Trauernde kann, mit dem Baum als symbolischer Stütze im Rücken, Platz nehmen und seines Verstorbenen gedenken. Dort sitzend hat man Blick auf ein Gestell, das vertikale Lärchenholzplatten beinhaltet. Auf diesen sind Plexiglasscheiben mit Gravur der Namen der Verstorbenen befestigt. Zu jedem ist in der oberen Führung des Gestells ein Ring für eine Grabvase angebracht. So wird den Hinterbliebenen die Möglichkeit geboten, Blumen mitzubringen. Von der Kirche aus auf das Gestell blickend ist der Spruch von Paul Tillich zu lesen: „Mensch und Natur gehören zusammen in ihrer erschaffenen Herrlichkeit, in ihrer Tragik und in ihrem Heil“. Bank und Gestell sind aus Stahl in Rostoptik und Lärchenholz gefertigt. Zur optischen Vervollständigung wurden zwei weitere Bäume gepflanzt.

Es können bereits Reservierungen vorgenommen werden.