Sven Rosch nach dem Gottesdienst

Die Orgel ist geweiht

12.05.2019

„Stille ist der Zustand, in dem Musik geboren wird.“ (Roger Willemsen, in: Musik. Über ein Lebensgefühl, S. 5) Das stimmt und stimmt nicht für den lang ersehnten Gottesdienst, am Sonntag, den 12. Mai. Aufregung und Spannung sind selten still und waren es auch hier nicht, in der langfristigen und kurzfristigen Vorbereitung auf den Festgottesdienst, in dem die Orgel von Bischof Magaard geweiht wurde und dann endlich ihre ersten Töne hören ließ.

Bis zur letzten Minute wurde intoniert, geprüft, getönt. Firma Paschen hat große Arbeit geleistet. Organist Sven Rösch hatte schlaflose Nächte und keine Gelegenheit, sich vertraut zu machen mit dem neuen Instrument oder gar die für den Gottesdienst ausgewählten Stücke zu proben. Gemerkt hat das keiner, als nach Momenten der Stille – denn Spannung und Aufregung sind manchmal von absoluter Stille – die ersten Pfeifen zu hören waren. Gänsehaut hatten sicherlich die meisten der über 350 Gottesdienstbesucher und -besucherinnen in diesem besonderen Moment. Wie ein Orchester erhoben sich die Stimmen der einzelnen Register und erfüllten Stück für Stück den gesamten Kirchraum. Jan Mulder „Nun danket alle Gott“ hatte der Organist ausgewählt. Die Gemeinde stimmte ein und ließ sich tragen von dem Instrument.

Bischof Magaard bat um den Segen Gottes für diesen Ort, dieses Instrument und das musikalische Tun. „Gib, dass dieses Instrument zu deiner Ehre klingt!“ mit diesen Worte stellte er die neue Paschen-Orgel in den Dienst Gottes und verlieh der Orgel damit auch im geistlichen Sinne ihre Stimmung.

Pröpstin Carmen Rahlf verwies in ihrer Predigt auf die Weisheit, die die Vielfalt der Schöpfung liebt und sich ihrer Kreativität erfreut. Mit dem mutigen Entwurf des Orgelprospekts und seiner Gestaltung durch Uwe Appold haben wir also auch Frau Weisheit auf unserer Seite, auch wenn das Grün zum „Stadtgespräch“ geworden sei, wie die Pröpstin anerkennend hervorhob.

Als nach der Predigt die Travers-Flöte mit ihren zarten Tönen im Kirchenschiff erklang, stand vielen ein seliges Lächeln im Gesicht. Die ausgewählten Werke von Georg Böhm und Andre Campra waren ein Vorgeschmack auf all das, womit diese Orgel und ihre Musiker das Ohr der Gemeinde und das Gottes berühren wird. Auch das Zusammenspiel mit dem Bläserchor klappte auf Anhieb.

Aus dem Applaus der Gemeinde, in dem sich die vielleicht auch ängstliche Spannung und die Vorfreude löste, waren Dank und Anerkennung, Jubel und Halleluja herauszuhören.

Im Anschluss an den Gottesdienst wurde gefeiert. Fünf Jahre der Planung, der Findung, der Entscheidung, der Konzipierung, des Um-Spenden-Bittens und des Spenden-Bekommens, des Abbauens und Aufbauens, des Intonierens, des Hoffens, Bangens und Betens und so manch anderem liegen hinter den Beteiligten und der ganzen Gemeinde. Viele haben mitgeholfen, viele haben sich beteiligt und auf unterschiedliche Weise diese Orgelpfeifen auf die (Holz-)Beine gestellt. Viele nutzten bei Grillwurst, Waffeln und Getränken die Gelegenheit zu Gesprächen, dem Teilen von Eindrücken, bevor dann um 13 Uhr die Orgel ein weiteres Mal an diesem Tag zu hören war.