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Predigten zum Nachlesen

09.04.2020

Die aktuelle Predigt zum letzten Sonntag des Kirchenjahres, dem Ewigkeitssonntag vom 22. November 2020 gibt es hier zum Nachlesen neben ausgewählten Predigten der vorherigen Wochen

Predigt vom 22. November 2020 von Pastor Stefan Henrich:

Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen

Offenbarung des Johannes Kap 21,1-6:
Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr. Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann.

Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Völker sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.

Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu! Und er spricht: Schreibe, denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiss! Und er sprach zu mir: Es ist geschehen. Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende. Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.


Liebe Gemeinde,

„Mutter ist gestorben“, sagte der auch schon etwas ältere Sohn, als er mich anrief. „Gestern Nacht ist sie eingeschlafen. Als ich in ihr Zimmer kam, war alles so still, die Pflegerinnen hatten die Uhr angehalten und eine Kerze angezündet. Mutterns Hände waren gefaltet und ihre Augen waren geschlossen, ganz friedlich sah sie aus, wie befreit von allem Schweren der Krankheit. Ich habe mich in Ruhe dazugesetzt, habe geweint und gebetet, beides habe ich lange schon nicht mehr gekonnt.
Nur eine Sache hat mich dann irritiert. Am Kleiderschrank an einem Bügel, da hing das alte vergilbte Brautkleid, ein wenig Mottenkugelduft verströmte es, naja nach über sechzig Jahren im Schrank ja auch kein Wunder.
Was aber sollte das bedeuten? Eine Schwester sagte mir dann, dass Mutter sich das für ihren Tod so gewünscht hätte, dass sie das Brautkleid anhaben wollte, wenn sie in den Sarg gelegt wird.“

 Liebe Gemeinde, mir fiel diese lange Zeit zurückliegende anrührende Szene ein, als ich diesen Gottesdienst bedachte.
Wir sind heute als trauernde Gemeinde zusammengekommen. Wir bedenken, dass der Tod uns liebe Menschen genommen hat, wir lesen die Namen derjenigen aus unser christlichen Gemeinde, von denen wir im vergangenen Kirchenjahr Abschied nehmen mussten.
Erinnerung und Trauer bestimmen diesen Tag und dann doch auch dies: Dass wir uns bergen können in dieser Kirche, dass wir nicht alleingelassen sind mit unseren Gefühlen, dass da andere sind, die sich uns verbunden wissen und dass Gott da ist , der zu uns spricht durch das Wort der Bibel. Wir geben Zeichen der Hoffnung, wir beten und nachher zünden wir Kerzen an für eine jede und einen jeden, der gestorben ist in diesem Kirchenjahr .
Wort und Zeichen kommen zusammen an diesem Tag, Wort und Zeichen weisen darauf hin, dass Gott stärker ist als der Tod. Unsere Tränen, so heißt es in der Bibel, sollen getrocknet werden und Gott wird sein alles in allem, da wird kein Tod mehr sein und keine Angst, da wird Licht sein und Liebe,  Gott wird uns umhüllen und Jesus Christus wird uns erlösen, wir werden frei sein und doch geborgen.
Das ist die Hoffnung, die wir haben als Christen, wir teilen diesen Glauben in Nähe und Sympathie, gerade und zuerst mit denen, die traurig sind und allein und wir teilen Sie auch über räumliche Grenzen hinweg besonders mit denen, die aufgrund von Vorsichtsmaßnahmen angesichts der Pandemie heute zuhause an ihre nahen und lieben Verstorbenen denken.
Und doch mag manch einer heute morgen auch ein wenig irritiert sein wegen der Bilder, die der Text aus der Offenbarung des Johannes bereithält. Da ist eher von einer Hochzeit die Rede als von einer Trauerfeier, da scheint das Abstandgebot aufgehoben, wenn die heiligen Stadt sich niedersenkt in die Einsamkeit des Lebens hinein. Ein Fest scheint zu starten, wenn die Stadt wie eine  geschmückte Braut vom Himmel herabkommt um den Bräutigam in die Arme schließen.
Man könnte versucht sein zu fragen, ob wir im dunkelgrauen November mit den Erinnerungen an Vergänglichkeit und Sterben nicht die falschen Seiten im Buch der Bibel aufgeschlagen haben, so quer scheint das zu stehen, was wir lesen.
Die alte Frau mit dem Hochzeitsgewand am Sterbebett belehrt mich eines besseren.     
Sie scheint die Verbindung von Hochzeit und todesaufsprengender Hoffnung ganz einfach und schlicht in ihr Leben integriert zu haben.

Der Sohn erzählte, dass die Mutter auf ihrem beschwerlichen Lebensweg mit Krieg, Hunger und Flucht ihr Hochzeitskleid mitgeschleppt habe, als hinge daran ihr Leben.
Der Mann, der Vater, war im Krieg geblieben, aber Mutter hatte den einzigen Sohn retten können.
Auf der Flucht hatte die Mutter den Jungen in Frost und Kälte in das Brautkleid gewickelt, über schwere See seien sie dann nach Schleswig- Holstein gekommen, hätten hier mit nichts angefangen, aber doch leben können.
Dass Mutter dann aber das Brautkleid neben dem Taufkleid über die Jahre gut bis zum Tod verwahrt hatte, das wusste der Junge nicht.      
Nun war er überrascht und irritiert, und doch verstand er wohl inwendig den Wunsch der Mutter, in eben diesem Kleid begraben zu werden.

Ich fand, die Mutter hat mit diesem Wunsch einen starken geradezu biblischen Glauben zum Ausdruck gebracht, der sich aus zwei Quellen speist, die zu einem großen mitreißend schönem Strom werden.
Die eine Quelle ist die Erinnerung. Alles schöne genauso wie alle Schwere und Traurige findet in diesem Kleid sein Zeichen. Die Hochzeit und die Geburt des Kindes, die Freude, dass das Kind in Friedenszeiten dann groß werden darf und gleichzeitig sind da die Trauer und der Schmerz, dass der Vater das Leben des Kindes und die weitere Ehe nicht erleben kann.

In diese Erinnerungen hinein sprudelt die andere Quelle, genährt durch den Glauben und die Hoffnung, dass unser ganzes Leben von Gott umfangen ist. Und nicht nur unser Leben, vielmehr auch unser Sterben.
Kleidet mich dann einmal, als ginge es zum schönsten Fest des Lebens, legt mir das Brautkleid an, damit ich gut bereitet bin, wenn ich heimkehre an die Quelle des Lebens, wenn ich heim gerufen werde zu Gott und Jesus Christus, unserem Heiland und Erlöser.  
Denn Er macht alles neu, er kommt uns entgegen mit seinem Heil und Frieden, er birgt uns einmal in dem Reich seiner Herrlichkeit in Ewigkeit, das ist der Grund, warum ich das Hochzeitskleid anhaben will.

So, liebe Gemeinde, habe ich das am Schrank hängende Kleid gedeutet und verstanden, auf der Trauerfeier haben wir dann neben „So nimm denn meine Hände“ auch „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ gesungen.

 In diesem Jahr durften wir nicht singen in unseren Trauerfeiern. Und vielfach kamen Sie, die Angehörigen, mit einer doppelten Trauer zum Abschiednehmen. Sie konnten nicht so nah sein, wie sie wollten, die Schutzmaßnahmen in Pflegeheimen und Kliniken schränkten die Nähe oft ein. Die Wunden darüber sind offen, ein Umdenken in Hinblick auf die Sterbebegleitung ist nötig und in Gange.
Für viele ist in der Trauer aber der christliche Glaube noch einmal wichtiger geworden, weil er Zeichen, Texte und einen Zusammenhalt bereithält, der größer ist als unser Verstand:
Gott ist bei uns und bei den Toten, ein neuer Himmel und einen Erde warten ihrer und unser, kein Tod und kein Leid wird da mehr sein und Gott selber ist bei uns und trocknet unsere Tränen.

Zum Schluss:
Meinen Hochzeitsanzug habe ich noch, aber ich passe wohl nicht mehr hinein. Ich will darin auch nicht unbedingt beerdigt werden. Was ich aber gerne möchte ist, dass ich die Hoffnung behalte von Gott in Liebe umfangen zu sein im Leben und im Sterben und das Jesus Christus mein Heiland ist und mein Erlöser jetzt und hier in dem Zeit und Raum dieser Welt und dann einmal in Ewigkeit in dem Reich seiner Herrlichkeit. Amen   



 

Predigt vom 15. November 2020 von Pastor Stefan Henrich:

Römer 8,18-23
Denn ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll. Denn das ängstliche Harren der Kreatur wartet darauf, dass die Kinder Gottes offenbar werden. Die Schöpfung ist ja unterworfen der Vergänglichkeit – ohne ihren Willen, sondern durch den, der sie unterworfen hat –, doch auf Hoffnung; denn auch die Schöpfung wird frei werden von der Knechtschaft der Vergänglichkeit zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes. Denn wir wissen, dass die ganze Schöpfung bis zu diesem Augenblick seufzt und in Wehen liegt.


Liebe Gemeinde,

Heute ist der Tag, der Opfer von Krieg und Gewalt zu gedenken, wir bitten für die Toten und nehmen Teil am Leid der Trauernden, wir bitten um Vergebung und um Versöhnung, wir bitten um Gerechtigkeit und um Frieden.  Wir erinnern dabei die Vergangenheit auch um unsere Gegenwart und Zukunft zu bedenken.

Einige wenige Skizzen der ganz anderen Zeit:
heute vor 80 Jahren, in der Nacht vom 14. zum 15. November 1940 zerstörten deutsche Bomber die englische Stadt Coventry und ihre Kathedrale in einem großen Fliegerangriff.
Wenige Tage später kam die überlebende Gemeinde in der ausgebrannten Ruine zum Gottesdienst zusammen.
Der Altar ist aus Trümmersteinen errichtet, verkohlte Dachbalken bilden das Altarkreuz.
In die Chorwand der Kirchenruine hatte der damalige Dompropst Richard Howard einmeißeln lassen: FATHER FORGIVE! - VATER, VERGIB! -.

Der Krieg dauerte an, noch viereinhalb Jahre, dann erst wird der nationalsozialistische Terror beendet sein, die Welt ist mit Krieg überzogen, das schlimmste Verbrechen in der Menschheitsgeschichte war verübt, im  Holocaust sind sechs Millionen Juden alleine ermordet worden.

Hier in den Städten und Dörfern beklagte und beweinte man in den Familien die Kriegstoten, die Männer waren meist als Soldaten an die Front gekommen, so viele kamen nicht zurück, nachher am Gedenkmal werden wir ihrer und aller Opfer gedenken.

Im Oktober ist es 76 Jahre her gewesen, dass meine Großmutter bei einem Bombenangriff unter den Trümmern ihres Hauses lebendig begraben war.
Sie war nach einem ersten Fliegerangriff aus dem Luftschutzkeller auf der Treppe nach oben gewesen, als die Bombe eines weiteren Angriffs traf. Meine Großmutter lag zwischen zwei Treppen eingequetscht in einem kleinen Hohlraum.  Sie wurde ausgegraben und gerettet. Wenige Tage danach kam die Nachricht, dass auch ihr zweiter Sohn gefallen war.
Wir selber können uns oft nur schwer vorstellen, was es heißt im Krieg zu leben, welche Not und wie viel Trauer sich über die Familien, Länder und Völker gelegt hatte.
Der Verstand findet nicht immer Worte das Grauenvolle zu sagen.
 
Unser Gedenken um die Opfer bringen wir vor Gott, ihm vertrauen wir uns an, hören auf sein Wort und bitten um den Geist seines Friedens.

Das  Wort, das für heute als Predigttext aufgegeben ist, reißt in einem ganz anderen Zusammenhang einen weiten Horizont auf vom Leid zum Leben, von Ängsten und Tod zur  Freiheit der Kinder Gottes.
Die Bewegung der Worte kommt von der Vergänglichkeit her und geht auf die Erlösung zu, sehr persönlich mit Bildern schön deutet Paulus an, was er sich erhofft und was er glaubt.
In einem Satz gesagt:
Es wird nicht bei dem Tod dieser Welt bleiben, sondern vielmehr wird die Herrlichkeit Gottes das Leben wiederbringen.

Vor den Schrecken seiner eigenen Vergangenheit hält Paulus daran fest, an die heilvolle Zukunft bei Gott zu glauben. Die Vergangenheit wird nicht ausgeblendet, aber von der Zukunft Gottes her fällt ein anderes Licht auf die Gegenwart.
Wenn wir sagen, dass wir Lehren aus der Vergangenheit ziehen müssen, dann ist das richtig und geboten, - gleichzeitig aber ist das, was Paulus meint auch noch etwas Anderes, Weitergehendes.
Paulus erinnert sich an sein eigenes Leiden: wie er um seines Glaubens willen verfolgt wurde und bestraft, wie er Schiffbruch erlitten hat nicht nur auf hoher See ganz wortwörtlich, sondern auch sonst. Ausgepeitscht wurde er und ins Gefängnis geworfen, Hunger, Tod und Gefahr drohten ihm und all das wirft er hin und sagt, es sei nichts gegenüber der Herrlichkeit, die Gott durch Christus uns erweisen wird.
Paulus lässt den Gedanken zu, dass bei Gott die Verwundungen dieser Welt geheilt werden, dass die Täter nicht über den Opfern triumphieren werden, sondern vielmehr die Opfer aufgerichtet werden.

Wir sehnen uns nach Erlösung aus allen Fesseln des Bösen, und wir werden sie finden, die Herrlichkeit Gottes, die uns frei macht.
Der ganze Todeskreislauf der Schöpfung wird aufgebrochen werden zur Freiheit hin.
Es ist, so sagt Paulus das in einem Bilde schön, als wenn ein Frau in den Wehen liegt und da sind alle Schmerzen und Ängste und Fragen, ob die Geburt glücken wird. Und dann ist es wie eine Explosion alles Guten, ein Schrei und das neue Leben ist da, mein Kind, dein Kind ist da, wir können unser Glück nicht fassen.
Mütter sagen öfter, dass die Schmerzen der Geburt nachher vergessen sind, weil das Glück des Lebens überströmt, und doch liegt darin ja gerade keine Vergessen, sondern vielmehr eine Verwandlung, eine Transformation vom Schmerz zur Freude.
Vom Leid zur Herrlichkeit, die Transformation erhofft Paulus für sich.
Paulus weiß sich gerettet auf Hoffnung hin. Es ist noch nicht da, was wir sein werden, aber als Hoffnungspotential bestimmt das die Wirklichkeit trotz aller gegenteiligen Erfahrung von Tod und Vergänglichkeit. Das Kind weiß auch nichts von dem Leben, was ihm blüht, und doch lebt es ihm entgegen bei der Geburt durch die Geburt.

Hoffen lernen wir durch den Glauben und durch Vertrauen und durch Liebe,- das was wir nicht sehen, erhoffen  wir trotzdem, weil wir es erwarten.

Zum Schluss die Rückkehr an den Anfang:

In dem Schutt und der Asche der Holzbalken der Kathedrale von Coventry  hatten die Leute Eisennägel aus dem 14.Jahrhundert gefunden und aufgesammelt, daraus  formten sie Kreuze, die später in alle Welt als Zeichen der Versöhnung in Kirchen gegeben werden.

Als ich klein war, erzählte, meine Großmutter mir, wie das war, als sie unter den Bombentrümmern ihres Hauses lag. Dass sie da ganz ruhig war und dachte: Wenn ich sterbe, bin ich bei Gott und dann sehe ich meinen Jungen wieder, und wenn ich hier rauskomme, dann weiß ich auch, was ich zu tun habe.
Sie wartete unter den Trümmern auf das, was kam, wohl in Geduld und auch voll Hoffnung.
Liebe Gemeinde, die Erzählung meiner Großmutter war prägend für mein Leben. Sie hat meinen Glauben geformt und das, was ich denke über Krieg und Frieden.
In das Reich Gottes, das mitten unter uns ist, gehören  Krieg und Gewalt, Hass und Terror, Tod und Vernichtung  nicht hinein.
Deshalb bitten wir darum, dass der Friede Gottes unser Herz erreicht und unsere Wirklichkeit bestimmt, wir bitten um heilvolle Zukunft und um  Erinnerung, die die Opfer nicht dem Vergessen preisgibt. Wir bitten Gott, dass er sich erbarmt über Lebende und Tote und dem Bösen wehrt. Amen  

 

nagelkreuz.org/versoehnung/versoehnungsgebet

 

Predigt vom 18 Oktober 2020 von Pastor Stefan Henrich in St. Jürgen:


Predigttext Eph 4,22-32

Legt von euch ab den alten Menschen mit seinem früheren Wandel, der sich durch trügerische Begierden zugrunde richtet. Erneuert euch aber in eurem Geist und Sinn und zieht den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit.

Darum legt die Lüge ab und redet die Wahrheit, ein jeder mit seinem Nächsten, weil wir untereinander Glieder sind. Zürnt ihr, so sündigt nicht; lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen und gebt nicht Raum dem Teufel. Wer gestohlen hat, der stehle nicht mehr, sondern arbeite und schaffe mit eigenen Händen das nötige Gut, damit er dem Bedürftigen abgeben kann. Lasst kein faules Geschwätz aus eurem Mund gehen, sondern redet, was gut ist, was erbaut und was notwendig ist, damit es Gnade bringe denen, die es hören. Und betrübt nicht den Heiligen Geist Gottes, mit dem ihr versiegelt seid für den Tag der Erlösung. Alle Bitterkeit und Grimm und Zorn und Geschrei und Lästerung seien fern von euch samt aller Bosheit. Seid aber untereinander freundlich und herzlich und vergebt einer dem andern, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus.

 

Liebe Gemeinde,

in einem Spiegel Interview gibt in dieser Woche anlässlich der Buchmesse die Schriftstellerin Jagoda Marinić Auskunft über ihren derzeitigen Gefühlszustand.

Auf die Frage „Wie ist Ihre gegenwärtige Geistesverfassung?“ antwortet sie:

"Ich warte auf die wirklichen Tage. Das hier, denke ich jeden Tag, kann doch nicht mein Leben sein.

Das allerdings", sagt Frau Marinić, " ist ein altes Gefühl in mir, das ich in einem Gedicht von Hilde Domin verstanden habe:

Auf der anderen Seite des Mondes
gehen
in goldene Kleider gehüllt
deine wirklichen Tage

heißt es da. Das begleitet mich immer. Doch noch nie so stark wie jetzt."

www.spiegel.de/kultur/literatur/jagoda-marinic-die-seele-braucht-geschichten-a-df655d0e-7ddf-4422-9f5c-812767a90cd6


Und dann spricht Jagoda Marinić davon, dass das Land in dem sie lebt „sich in einer Art Selbstzerfleischungsmodus“ befindet. „Dieser Eindruck verstärkt sich“ so sagt sie „wohl durch die zu viele Zeit, die ich seit März in den sozialen Medien und im Netz verbringe. Das, was wir gesellschaftlicher Diskurs nennen, zersetzt sich. Ich habe den Eindruck, das Thema wechselt (Corona, Rassismus, Klima,...), aber die Drehzahl bleibt durchgehend hoch, ohne Ergebnisse zu erzeugen oder zu einem Ziel zu führen. Manchmal wünsche ich mir in dieser Nation die Nachmittage als Jugendliche zurück, als das Wichtigste war, ob Goran Ivanisevic gegen Boris Becker gewinnt.“

Was wünschen Sie sich angesichts der Zustände dieser Welt und was hat das ganze mit dem Predigtext zu tun?

Ich wünsche mir eine Welt ohne Lüge und ohne Haß, ein Leben ohne Betrug und ohne schnelle Twittermeldungen; ich wünsche mir ein Leben ohne Masken, dass wir uns wieder von Angesicht zu Angesicht sehen können und ich wünsche mir mir dass die Diebe von gestern die Wohltäter von morgen werden.
„Manchmal wünsch ich mir mein Schaukelpferd zurück“, so  sangen Karat oder Peter Maffay in dem Lied „Über sieben Brücken mußt du gehen“ und in all dem drückt sich die Sehnsucht nach einer heilen Welt aus, in der wir wie Kinder fromm und fröhlich sein können, unschuldig, neugierig und lebensfroh.
Die Welt aber ist nicht so…

Paulus äußert in seinem Brief an die Epheser keine Wünsche, er redet aber davon, dass der Mensch die Möglichkeit hat, neu zu werden und ermuntert dazu, dass in einem entsprechenden Lebenswandel auch zu zeigen.
Dass er dabei im Grunde moralische Selbstverständlichkeiten beschreibt, sei ihm zugestanden. Ich frage mich aber auch, ob die Leute in der Gemeinde zu Ephesus wirklich so waren, dass Paulus diese Ratschläge zu einem neuen besseren Leben geben muss.
Waren das alles Lügner und Betrüger, Dummschwätzer und Diebe, die voller Zorn Schrecken und Hass um sich breiteten?
Man könnte es fast annehmen und doch glaube ich, dass Paulus hier ein bisschen übertreibt und stark auf die Pauke der dunklen Seiten des Menschen haut, um um so heller und schöner für die neuen Möglichkeiten zu werben.

Du kannst neu werden, du darfst aus deiner alten Haut herausschlüpfen, du darfst Versagen, Fehler, Niederlagen abstreifen,– das ist doch worum Paulus wirbt, weil er überzeugt ist, dass der Grund dafür gelegt ist.
Wie das?

Paulus ist der festen Überzeugung, dass wir durch die Taufe zu einem neuem Menschen geboren werden; zu  einem Menschen, der dem Teufelskreis des Negativen enthoben wird.
Alles Böse dieser Welt, von dem wir so oft lesen in den Zeitungen unserer Welt, darf nicht die letzte Macht haben über dir. Du darfst anders, kannst besser leben als Christ, du kannst es.   
Und Paulus stellt dann ganz lebenspraktisch vor Augen, wie das neue Leben aussehen kann, vermutlich auch deshalb, weil er genau weiß, dass das neue Leben kein Selbstgänger ist, sondern Einübung und manchmal harte Arbeit. Ganz konkret wird er dabei:
„Legt die Lüge ab“ „Redet die Wahrheit, ein jeder mit seinem Nächsten,“ und wenn ihr „zürnt, so sündigt nicht!“

Ein weiterer Rat leuchtet unmittelbar ein, egal, ob es um schweren Raub oder um jugendlichen Kaufhausdiebstahl geht: „Wer gestohlen hat, der stehle nicht mehr, sondern arbeite und schaffe mit eigenen Händen das nötige Gut, damit er dem Bedürftigen abgeben kann.“
Interessant dabei der Nachsatz: Nicht nur um den Schutz des Eigentums geht es, sondern auch um die Sozialpflicht. Eigentum verpflichtet: „damit er dem Bedürftigen abgeben kann!“

Die Liste der Ratschläge endet mit einer Zusammenfassung dessen, was schädlich ist - und was gut und recht getan ist. „Alle Bitterkeit und Grimm und Zorn und Geschrei und Lästerung seien fern von euch samt aller Bosheit. Seid aber untereinander freundlich und herzlich und vergebt einer dem andern, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus.“

Die konkreten lebenspraktischen Ratschläge endenschlußendlich  in dem Hinweis auf den uranfänglichen Grund und das Fundament unseres Glaubens: Jesus Christus. In ihm haben wir Erlösung von dem Bösen und Vergebung von eigener Schuld, in seinem Geist und Namen sind wir in den Machtbereich des Vatermutterschöpfergottes hinein getauft. Im Sogfeld seines Geistes können wir so leben, wie es Paulus als die positive Möglichkeit beschreibt.
Indes: Auch für die christliche Gemeinde ist gerade das neue Leben nicht selbstverständlich ein für allemal ein statischer Besitz, sondern es bedarf der eigenen oder der zugesagten Ermunterung immer wieder: „Legt von euch ab den alten Menschen mit seinem früheren Wandel ... Erneuert euch aber in eurem Geist und Sinn ...“
Wir sind angesprochen, auch wenn wir als Christen immer wieder an unseren eigenen Möglichkeiten und Aufgaben zu scheitern drohen. Das Erlösende aber angesichts dessen lautet: wir fahren uns in unserem Versagen nicht auf immer und ewig fest, weil Christus da ist und  uns durch seinen heilsamen  Geist an die Hand nimmt und herausführt aus dem Teufelskreis des Bösen.
Wie sagte einer?
„Die Taufe ist (dabei) ja der Akt der Schöpfung des neuen Menschen. Erneuert zu sein ist aber ständige Bewegung, aktive Wiederholung dessen, wozu wir gemacht sind.“
(Hans Conzelmann, Der Brief an die Epheser, NTD 8, S. 112)

Zum Schluß:

Auf der anderen Seite des Mondes
gehen
in goldene Kleider gehüllt
deine wirklichen Tage

so hatte Hilde Domin gedichtet und Jagoda Marinić es zitiert.
Im weiteren Verlauf des Interviews sagt Frau Marinić:

„Wer Humanität fordert, sollte naturgemäß als Erstes den Menschen sehen und seine Verortung im Wertesystem einer Gesellschaft."

Ich glaube, dass nichts so gut wie die Taufe geeignet ist, den unendlichen Wert eines jeden Menschen als eines geliebten Kindes Gottes zu zeigen. Die Taufe schützt uns nicht vor dem Bösen dieser Welt und auch nicht vor eigenen Fehlern. Sie hüllt uns aber ein in einen Mantel der Liebe Gottes. Dieser Mantel gibt uns die Möglichkeit auch in einer kalten und herzlosen Welt nach einem neuem Muster zu leben, um Wärme und Hilfe zu erfahren und zu geben. Das sind die Goldfäden, die auch dem verschlissenen Stoff des Lebens Glanz zu geben vermögen. Amen

 

Predigt vom 11. Oktober 2020 von Pastor Stefan Henrich in St. Johannis:

 

Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen


Denn das Gebot, das ich dir heute gebiete, ist dir nicht zu hoch und nicht zu fern. Es ist nicht im Himmel, dass du sagen müsstest: Wer will für uns in den Himmel fahren und es uns holen, dass wir’s hören und tun? Es ist auch nicht jenseits des Meeres, dass du sagen müsstest: Wer will für uns über das Meer fahren und es uns holen, dass wir’s hören und tun? Denn es ist das Wort ganz nahe bei dir, in deinem Munde und in deinem Herzen, dass du es tust.    5. Mose 30,11-14

Liebe Gemeinde,


Wo wohnt Gott?

Im Himmel und - oder auf Erden?
Hat Gott ein Haus oder wohnt er unbehaust dort, wo Menschen ihn suchen?
Oder wohnt Gott dort, wo Menschen leiden, um ihnen zur Seite zu stehen mit seinen Engeln.

Wo wohnt Gott?

Eine schöne mir einleuchtende Antwort lautet:
Gott wohnt im Wort der Bibel.
Hier spricht er mit uns, hier gibt er sich zu erkennen, hier lässt er sich finden und hier können wir zu ihm kommen ganz einfach, indem wir das alte Buch von allem Staub befreien und ganz neu zur Hand nehmen und uns anrühren lassen von dem Geist, der darin weht.

Der Predigttext, den ich gerade gelesen habe, der kündet auf unglaublich schöne Weise davon, dass Gott sich in seinem Wort und Gebot uns nähert, damit unser Leben erfüllt ist von einer Gegenwart und Gnade, die Früchte trägt und Gutes wirkt in der Welt.
Siehe ich habe dir heute das Leben und das Glück vorgelegt, den Tod und das Unglück so heißt es im unmittelbaren Fortgang unseres Predigtextes.

Wie sehr das Wort an sich Leben zu wirken vermag, zeigt eine zuerst erschütternd machende Erinnerung:
Am 4. November 1970 fand man in den Vereinigten Staaten ein Mädchen im Alter von 13 Jahren und 7 Monaten.
Genie (wie man sie nannte) war von ihrem psychotischen Vater vom zwanzigsten Lebensmonat an in eine kleine dunkle Kammer eingesperrt worden. Kein menschliches Wort durfte an das Ohr des Mädchens dringen.
Als man es fand, war es 1,35 m groß, wog ganze fünfundzwanzig Kilo und war außerstande, gerade zu stehen oder Nahrung bei der Essensaufnahme zu kauen. -
Seither hat Genie jede Art von Zuwendung und Fürsorge erfahren, um die schweren Entbehrungen so vieler Jahre zu überwinden. Aber es dauerte fast 7 Jahre, ehe man von der nunmehr Zwanzigjährigen berichten konnte, sie habe als erste schriftähnliche Äußerung ein Bild mit ein paar Worten gemalt. Es handelte sich um die Umrißzeichnung einer Frau, die Genie unterschrieben hatte mit dem Worten: „Ich vermisse Mama.“
Die linke Hand dieser Frau hatte sie sehr groß gemalt und eigens hinzugefügt: „Mamas Hand.“
Auf dem Arm dieser Frau aber hatte sie ein puppenähnliches Wesen gezeichnet und dabei geschrieben: „Baby Genie.“

Es gibt in der gesamten psychologische Literatur kein Beispiel, das so erschütternd und nachhaltig zu zeigen vermöchte, was wir Menschen benötigen, um sprechen zu lernen, und was wir als erstes sagen würden, wenn wir sprechen dürften.
(aus: Eugen Drewermann, Das Markusevangelium Bd.1, S. 493f.)

Liebe Gemeinde,
was hier in der Lebensgeschichte von dem Mädchen Genie deutlich wird, möchte ich auf das Wort Gottes hin lesen.
Wird uns sein Wort vorenthalten, verlieren wir Wesentliches im Leben oder können es gar nicht erst entwickeln. Ich meine zuerst ein Vertrauen in das Leben und eine Beziehungsfähigkeit, die daraus wächst und Güte Barmherzigkeit und Einfühlungsvermögen in die Not anderer entwickelt.

Das überraschende nun in unserem Predigttext ist, dass Mose dem Volk Israel sagt, dass Gottes Wort ganz nahe ist, so nahe, dass wir es richtig verinnerlicht in uns tragen dürfen auf der Zunge und im Herzen.

Das mag ja immer schon die Frage gewesen sein, ob das Wort Gottes nicht verhallt in den Weiten des Ozeans oder in der Unendlichkeit des Himmels oder ob es unter den bösen Erfahrungen des Lebens nicht begraben wird als eine enttäuschte Hoffnung.
Nein, das Wort ist nahe und du darfst es hören auf jeder Seite der Bibel und glücklich bist du als Kind, wenn Vater oder Mutter die Geschichten daraus erzählen und dich dann vielleicht bilderbuchartig sagenfragen: "Weißt du eigentlich, wie lieb ich dich habe?"
Antwort: "Bis zum Mond und wieder zurück und über alle sieben Weltmeere bin ich bei dir mit meinen Gedanken und meinen Gebeten."

Das Wort Gottes ist nahe in deinem Munde und Herzen, dass du es tust.

Eine Erläuterung dieses Satzes ist im Jakobusbrief  zu finden (...nebenbei gesagt: die Bibel ist immer noch die beste Auslegerin iher selbst). Hier im Neuen Testament ist ausgeführt, was es heißt, Täter des Wortes zu sein. Jakobus schreibt:

Ihr sollt wissen: Ein jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn. Denn des Menschen Zorn tut nicht, was vor Gott recht ist. Darum legt ab allen Dreck und alle Bosheit und nehmt das Wort an mit Sanftmut, das in euch gepflanzt ist und Kraft hat, eure Seelen selig zu machen.
Seid aber Täter des Worts und nicht Hörer allein; sonst betrügt ihr euch selbst. Denn wenn jemand ein Hörer des Worts ist und nicht ein Täter, der gleicht einem Menschen, der sein leibliches Angesicht im Spiegel beschaut; denn nachdem er sich beschaut hat, geht er davon und vergisst von Stund an, wie er aussah. Wer aber sich vertieft in das vollkommene Gesetz der Freiheit und dabei beharrt und ist nicht ein vergesslicher Hörer, sondern ein Täter, der wird selig sein in seinem Tun.

(Jakobus 1, 19-25)

Was für Wortperlenschätze sind das in diesem Brief, den Martin Luther eine stroherne Epistel genannt hat.
Ich möchte sagen: Wenn schon stroherne Epistel, dann aber goldfädenartig durchwirkt.

Das vollkommene Gesetz der Freiheit, das Kraft hat unsere Seelen selig zu machen ist das Gebot, von dem Mose spricht, wenn er sagt, dass das Wort ganz nahe ist.

Zum Schluß:
Als ich 1979 im psychiatrischen Krankenhaus in Rickling als Zivildienstleistender anfing, da wurde ich vom Pflegedienstleiter auf eine Station mit überwiegend durch den Krieg gebrochenen alten Männern geführt, hier sollte ich arbeiten.
Der Stationsleiter, nicht viel jünger als die Patienten, empfing mich mit skeptischem Blick und unvergesslichen Worten: „Hoffentlich können sie arbeiten und nicht nur reden!“
Zum Glück fiel ihm der Pflededienstleiter ins Wort mit auch scharfem Ton: „Herr Soundso, Reden gehört hier zur Arbeit, das sollten Sie wissen!“

Ich weiß nicht welche Weichenstellung diese kleine Szene für mein Leben gehabt hat, alleine dass ich sie erinnere zeigt, dass es keine geringe war.
Mit den Menschen reden, das ist wichtig. Und das geht nur, wenn man ihnen auch zuhören kann, das ist also das zweite, was wichtig ist.
Und selber auf das Wort Gottes hören, das ist noch wichtiger, weil eben das Wort Leben verheißt und zur Tat anleitet. Und froh bin ich, dass ich immer wieder im meinem Leben hören durfte, dass Christus das eine Wort Gottes ist, in dem alles Leben beschlossen ist.
Amen

 

 

Predigt vom 04. Oktober 2020 von Pastor Stefan Henrich

Als wieder eine große Menge da war und sie nichts zu essen hatten, rief Jesus die Jünger zu sich und sprach zu ihnen: Mich jammert das Volk, denn sie harren nun schon drei Tage bei mir aus und haben nichts zu essen. Und wenn ich sie hungrig heimgehen ließe, würden sie auf dem Wege verschmachten; denn einige sind von ferne gekommen. Seine Jünger antworteten ihm: Woher nehmen wir Brot hier in der Einöde, dass wir sie sättigen? Und er fragte sie: Wie viele Brote habt ihr? Sie sprachen: Sieben. Und er gebot dem Volk, sich auf die Erde zu lagern. Und er nahm die sieben Brote, dankte, brach sie und gab sie seinen Jüngern, dass sie sie austeilten, und sie teilten sie unter das Volk aus. Sie hatten auch einige Fische; und er sprach den Segen darüber und ließ auch diese austeilen. Und sie aßen und wurden satt. Und sie sammelten die übrigen Brocken auf, sieben Körbe voll. Es waren aber etwa viertausend; und er ließ sie gehen. (Markus 8,1-7)

 

Liebe Gemeinde,

das ist nun nicht gerade eine typische Erntegeschichte, die wir im Evangelium gehört haben. Da ist kein Bauer, der sät und da ist kein Bauer der erntet, da wächst nichts auf den Feldern und die Scheunen werden nicht voll von der Ernte.
Stattdessen Einöde, viertausend Menschen, Hunger und Durst und der Weg nach hause ist weit.

Was soll das werden, zumal heute an Erntedank?

Erntedank ist eigentlich ein Fest für alle Sinne, da mag ich mich sattsehen an den Blumen, Beeren und Früchten, an Gemüse, Obst und Getreide,
ich mag den Duft der Ernte aufsaugen und mich laben an den Früchten des Feldes,
ich will loben, danken, preisen, aber in unserem Garten war ein Reh und hat alles junge Gemüse und alle zarten Knospen der Blumen abgefressen, nur den Giersch hat es stehen gelassen.
Und ich steh ich da mit meiner Maske und höre oder lese die letzten Nachrichten: und wieder ist ein Schlachthof betroffen und die Landwirte stöhnen unter der Dürre der letzten Jahre.
Der Lohnunternehmer, der den Mais erntet mit seinen teuren Maschinen fürchtet die Metallstangen, die Kriminelle an den Mais gebunden haben und die wie Geschosse übers Feld jagen, wenn der Häcksler sie erfasst; die Feuer in Australien sind gelöscht, die Brände in Californien aber röten unseren Abendhimmel durch die Aschewolken, die übers Meer treiben bis zu uns.  

Erntedank 2020 ist anders, wir haben einen neuen Predigttext zum Fest und wir haben einen Riß in unserem Land, der ganz viel mit Corona zu tun hat, aber auch mit dem veränderten Klima, dem wirklichen und dem gesellschaftlichen.

4000 waren es damals, die nichts zu essen hatten, einige  sind von ferne gekommen nun harren sie aus und drohen zu verschmachten.
Mir kommen die Bilder aus den Flüchtingslagern in den Sinn, aber auch die ganz anders gearteten aus den Pflegeheimen, wo über Wochen kein Besuch sein durfte. Und ganz anders ferne Erinnerung wie aus einer andern Welt vom Kirchentag etwa, wo tausende auf Papphockern sitzen und sich sehnen nach erfüllter Gemeinschaft und Nähe Gottes unter den Zeichen von Brot und Wein.
Heute wäre an so eine Großveranstaltung nicht mehr zu denken.

Wo ist Christus nahe, damals und heute? Ihn jammert das Volk, im Griechischen heißt es deutlicher, deren Hunger und Not geht ihm an die Nieren.

Und dann sagt er den Satz, der mir wie ein Zeitzeichen aus heutiger Zeit vorkommt: Woher nehmen wir das Brot hier in der Einöde, dass wir sie sättigen?


Ich höre darin auch die Frage: Was machen wir, um in unserer Gegenwart den Hunger nach Nähe und Gemeinschaft neben dem Hunger nach gesunder Nahrung, frischer Luft und klarem Wasser  und der Sehnsucht nach einem sicheren Hafen zu stillen.

Das erstaunliche: Jesus entwirft keinen Plan, er schreibt keine Konzeption, er gründet kein Aktionsbündnis, er fragt nicht die Verwaltung und schimpft nicht auf die Umstände und auch nicht auf die Mächtigen, er erklärt sich aber für zuständig und bezieht seine Freunde mit ein;

Er fragt die Jünger, wie viel Brot sie dabei haben.
Ernüchternde Antwort: Sieben und auch ein paar Fische.
Hoffentlich stinken letztere noch nicht, die Jünger sind ja schon ein paar Tage mit Jesus unterwegs und eine Einöde in Galiläa ist keine Frischhaltebox im Kühlschrank.
Jesus nimmt das Gegebene dankbar an, bricht das Brot, spricht den Segen über den Fischen und die Jünger teilen es aus. Wie auch immer es zu erklären ist, mit dem  Verstand ist es nicht zu fassen, aber die Leute werden satt und es bleibt auch noch was übrig.  

Eine Erntedankgeschichte?
Wir pflügen und wir streuen, nein das ist eher nicht der Fall in dieser Geschichte, aber der Kehrvers doch, der passt:
Alle gute Gabe kommt her von Gott dem Herrn, drum dankt und dankt und hofft auf ihn.

Die Geschichte sagt mir: Vor und nach und in allen deinen Bemühungen, müht Jesus sich um dich:  Er sieht deine Not, vielmehr aber doch den Hunger derer, die zu ihm gekommen sind.
Mit leeren Händen stehen wir oft genug da, und doch ist das kein Grund, dass Jesus sich abwendet. Das wenige, was da ist, setzt er ein, er teilt aus im besten Sinne und die Leute  geben weiter von dem wenigen, was sie haben und siehe aus dem Kleinen wächst das Große, wie fassen es manchmal selber nicht.
Was können wir denn tun, woher nehmen wir das Brot in der Einöde? Wie erreichen wir diejenigen, die sich sehnen nach Nähe, so haben viele sich gefragt und sind dabei erfinderisch geworden. Kinder haben Bilder gemalt und Jugendliche Briefe geschrieben an diejenigen, die keinen Besuch haben durften in dieser Zeit.
Die Kirche hat ein Schiff gekauft um wenigstens einige zu retten.
Schüler haben bei der Ernte geholfen, als die Schulen geschlossen waren
Musik gab es vor den Pflegeheimen und Predigten auf Papier oder online.
Wir haben ganz vielen mit unserem Puzzlegeschenk eine Freude gemacht und am tiefsten hat es mich berührt. wieviel Freude und Rückmeldung es gab  über die in den Briefkasten gesteckten Trost- und Ermutigungsworten aus Bibel und christlicher Tradition mit einem Gruß aus der Gemeinde.

Ich hätte gedacht, das sei ganz wenig und erlebte doch, dass es ganz viel war, was wir zu bringen vermochten. Hier wie im Großen gilt:
Der kleine Anfang bringt mehr als der große Plan, der nicht ausgeführt wird, weil so viele Bedenken da sind.
Jesus handelt angesichts der offensichtlich vor ihm liegenden Not  mit dem ihm Gegebenen. Er handelt dabei aus dem Herzen seines Gottvertrauens heraus und wirkt Wunder.
Als alle satt sind, sagt er nicht, so jetzt müsst ihr mir aber nachfolgen und euren Teil dazu beitragen, dass die Welt besser wird, zumindestaber könntet ihr mir eine kleine Kollekte dafür geben, dass ich euch geholfen habe.
Nein, das alles tut Jesus nicht, auch wenn es ja verständlich gewesen wäre. Was aber tut Jesus?
Er lässt die Leute gehen.
Er entlässt sie in die Freiheit ihrer eigenen Entscheidungen.
Darin, liebe Gemeinde, liegt für mich die eigentlich Größe dieser Geschichte. Die Leute müssen gar nichts tun, sie sind ganz einfach da, um ihrer selbst willen und wenn Not da ist, bekommen sie Hilfe.
So einfach kann sein, was in der Realität so schwierig ist.
Wer in Not ist, bekommt Hilfe.
Dieser einfache Satz soll jetzt nicht in einen moralischen Appell münden, dies oder das zu tun oder zu lassen, aber ich möchte doch sagen, dass dieser Satz als ein Maßstab unseres Handelns die Welt gewaltig verändern würde.


Zum Schluß ein Gedicht, Kurt Marti hat es geschrieben:

gnadenwirtschaft

haben
und teilen

wenig haben
austeilen

weniger haben
mehr austeilen

nichts haben
viel austeilen

in der wüste
die lustige
wirtschaft

wo das wort
zum wirte geworden

bis alles verteilt
und alle gehabt.

Amen

 

Predigt vom 27. Sepember 2020 von Pastor Stefan Henrich

Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.
Darum schäme dich nicht des Zeugnisses von unserm Herrn noch meiner, der ich sein Gefangener bin, sondern leide mit für das Evangelium in der Kraft Gottes.
Er hat uns selig gemacht und berufen mit einem heiligen Ruf, nicht nach unsern Werken, sondern nach seinem Ratschluss und nach der Gnade, die uns gegeben ist in Christus Jesus vor der Zeit der Welt,
jetzt aber offenbart ist durch die Erscheinung unseres Heilands Christus Jesus, der dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht hat durch das Evangelium. (2. Timotheus ,1,7-10)


Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen

Liebe Gemeinde,
ich habe die Freude heute zur Einweihung des Labyrinthes predigen zu dürfen.
Eingangs möchte ich an die alte Sage vom Labyrinth zu Knossos erinnern.
In ihr geht es buchstäblich um Leben und  Tod:

In dem Labyrinth auf der Insel Kreta war der Stiermensch Minotaurus eingesperrt.
Alle neun Jahre wurden sieben junge Männer und sieben junge Frauen ihn das Labyrinth geschickt, wo sie dem Ungeheuer zum Opfer fielen.
Theseus, der Sohn des Königs von Athen, wollte diese Menschenopfer nicht länger hinnehmen.
„Ich geh hinein in das Labyrinth und töte den Minotaurus, so hatte der jugendliche Held es sich vorgenommen.
Zum Glück verliebte er sich in Ariadne, bevor er loszog. Ariadne gab ihm nicht nur ein Schwert mit, sondern vor allem ein Wollknäuel.
Als Theseus dem Minotaurus im Innern des Labyrinthes begegnete, entbrannte ein Kampf auf Leben und Tod, Theseus gewann.
Wie aber sollte er den Weg aus dem Labyrinth herausfinden?
Da kommt das Wollknäuel ins Spiel. Theseus hatte das auf den Rat der Ariadne hin beim Gang hinein abgespult.
Jetzt musste er  nur dem ausgelegten Faden nachlaufen, um den Weg ins Freie zu finden.

Was Theseus mit dem Faden machte, versuchten Hänsel und Gretel später mit weißen Kieselsteinen und Brotkrumen, wir aber kennen seitdem den Ariadnefaden und wissen, dass es in Labyrinthen um Leben und Tod gehen kann.

Was aber hat diese alte Geschichte mit dem Labyrinth zu tun, das wir heute einweihen können?

Die Christen vor allem im Mittelalter legten gern sogenannte Plattenlabyrinthe in ihre Kirchen.
Im Eingangsbereich war es meist dunkel.
Vorn auf dem Altar aber leuchtete das Licht der Kerzen und die Fenster waren dort besonders schön und hoch.
Auf dem Weg dorthin war das Labyrinth zu durchqueren, der schnelle und gerade Weg zu Gottes Herrlichkeit war so geradezu ausgebremst.

Dabei wurde der Gang durchs Labyrinth zum Sinnbild des eigenen Lebens:
Wenn du Gott suchst auf deinem Lebensweg, kommst du durch dein Fragen, Denken und Handeln von einem Wendepunkt zum andern. Du gerätst in ein Gewirr von Gängen, die immer neu in Sackgassen zu enden scheinen und doch weiterführen. Manchmal glaubst du, die Mitte erreicht zu haben - und gleich darauf sieht es so aus, als ständest du erneut am Anfang.
Der Weg aber führt dich gerade auf diesen vermeintlichen  Umwegen ins Zentrum und von dort wieder hinaus ins Weite.
Und wenn du von oben auf das Labyrinth guckst, siehst du, dass in den kreisförmig sich windenden Weg ein Kreuz zu sehen ist, Zeichen für Christus.

Jesus Christus hat dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht durch das Evangelium.
So haben wir es in kraftvollen Worten in der Lesung aus dem Timotheusbrief gehört, dazu das Wort, dass Gott uns nicht den Geist der Furcht gegeben hat, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. (2. Timotheus 1,7ff.)

Die Christen des Mittelalters konnten die Freude darüber ganz freimütig mit ihrem Gang durch das Labyrinth fast tänzerisch schreitend zum Ausdruck bringen:
Das Leben, - mein Leben ist gehalten von Gott. Wenn ich keinen Ausweg sehe, ist der Faden des Lebens gelegt, Christus nimmt mich in die Kraft seiner Auferstehung hinein, ich darf glauben, lieben, hoffen.

Liebe Gemeinde, auch im Labyrinth der frühen Christen ging es um Leben und Tod, dazu um Selbst- und um Gotteserkenntnis.
Wenn wir heute den Spuren eines Labyrinthes folgen, tun wir das auch in der Erinnerung daran, dass ganz viele Geschichten der Bibel Weggeschichten sind voll von Wendungen, Umkehrungen und überraschenden Lebenserfahrungen.

Eine der eindrücklichsten ist die Geschichte, die wir hier vorne auf unserem Altarbild sehen, es ist die Geschichte vom sogenannten verlorenen Sohn, die  Hans Peter Feddersen d.J. 1907 gemalt hat.
Ich will die Geschichte auf einen labyrinthischen Weg hin lesen:

Der Zweitgeborene war weggegangen von zuhause, hatte zuvor dem Vater sein Erbe abgerungen um seine Freiheit zu suchen.
Der Weg verheißt ein Leben in Saus und Braus und führt doch in die Gosse und fast in den Tod.
Als  das Geld weg ist und der Hunger groß, bekommt der Junge nicht mal vom Futter der Schweine was ab, als er darum bittet.
Der Tiefpunkt wird zum Wendepunkt des Lebens, der Junge kehrt um.
Der Weg, der ihn ins Labyrinth der Unsäglichkeiten hineingeführt hatte, führt auch wieder hinaus und siehe da, zuhause erwartet ihn kein Vorwurf und keine Strafe, sondern Liebe freigeworden und überbordend.

So versucht Jesus zu sagen, verhält es sich mit Gott.
Ihm gehst du nicht verloren, nicht im Leben, nicht im Sterben, am Ende bist du noch immer bei ihm, dem liebenden Gott.
Ob der Sohn diese Erfahrung bedingungsloser Liebe ohne die Entfernung und ohne die Umwege im Leben gemacht hätte?
Auch diese Gedanken können einem ja in den Kopf kommen neben den eigenen ganz persönlichen, wenn wir durch ein Labyrinth gehen.

So oder so vermag das Labyrinth ein Symbol dafür sein, dass Gott die Quelle des Lebens ist und Christus der Retter, der uns zu dieser Quelle hinführt.
Apropos Quelle.
Neben dem neu geschaffenen Labyrinth im Garten des Gemeindehauses steht ein Quellstein, aus dem dank technischer Finesse hin und wieder Wasser rinnt.

Stein und Labyrinth sind beide zusammen und je einzeln für sich Symbole, die sowohl die Härten des Lebens, vielmehr aber auch die Freuden und Verheißungen desselben in sich tragen. Wie hieß es in dem eingangs gebeteten Psalm am Ende?
Du tust mir kund den Weg zum Leben. Vor dir ist Freude die Fülle und Wonne zu deiner Rechten ewiglich. (Psalm 16,11)
Das ist ein guter Satz zur Einweihung heute! Amen



Gebet zur Einweihung des Labyrinthes im Garten des Gemeindehauses:
Barmherziger Gott, Vater im Himmel, wir danken dir, dass wir diesen Garten mit dem Labyrinth und dem Quellstein heute einweihen können. Hab Dank für alle, die dabei planend und gestalterisch tätig waren.
Wir bitten dich:
Gib dass dieser Garten ein Ort innerer Einkehr  für diejenigen werde, die Stille und Frieden suchen und gib, dass alle die Gemeinschaft suchen, mit Freude einander hier begegnen können.
Segne diesen Ort und alle, die da kommen und gehen.
Segne die Wendungen und Umwege in unserem Leben und leite uns durch den heiligen Geist Jesu Christi zu deiner Herrlichkeit. Amen





 

 

Predigt vom 06. September 2020 von Pastor Stefan Henrich

Der Predigttext steht in der Apostelgeschichte im 6. Kapitel, Vers 1-7: 


In dieser Zeit wuchs die Gemeinde stetig. Eines Tages beschwerten sich die Zugezogenen. Sie warfen den Einheimischen vor, ihre Witwen bei der täglichen Speisung zu übergehen. Daraufhin beriefen die Zwölf eine Versammlung aller Jünger ein und sagten:»So geht das nicht!Wir können doch nicht die Verkündigung vernachlässigen, um selbst an den Tischen das Essen auszuteilen. Brüder, wählt aus eurer Mitte sieben Männer aus. Sie sollen einen guten Ruf haben und vom Geist Gottes und von Weisheit erfüllt sein. Ihnen werden wir diese Aufgabe übertragen.Wir dagegen werden uns ganz dem Gebet und der Verkündigung widmen.«
Der Vorschlag fand die Zustimmung der Versammlung. Sie wählten Stephanus, einen Mann mit festem Glauben und erfüllt vom Heiligen Geist. Außerdem Philippus, Prochorus ,Nikanor, Timon, Parmenas und Nikolaus aus Antiochia,der früher zum jüdischen Glauben übergetreten war. Diese sieben ließ man vor die Apostel treten. Die beteten für sie und legten ihnen die Hände auf.
Das Wort Gottes breitete sich aus,und die Gemeinde in Jerusalem wuchs immer weiter.

(Übersetzung aus der BasisBibel)

Liebe Gemeinde,

Marianne hieß sie. Sie hatte früh ihren Mann verloren, hatte das gemeinsame Geschäft aufgeben müssen und stand nun mit ihren Kindern in ihrer Trauer alleine da.
Zum Glück hatte sie Hilfe von Ihren Nachbarn und  Eltern, die in der Nähe wohnten. Trost fand sie in den Liedern von Herbert Grönemeyer, besonders die Liedzeile „Du hast den Raum mit Sonne geflutet“ tat ihr gut aber auch „Das Leben ist nicht fair“ entsprach dem, was sie empfand.
Sonntags ging sie oft in der Kirche, die Kinder waren da ja meist beim Fußball oder bei Freunden, sie aber fand Ruhe und innere Kraft in den Worten der Bibel und beim Gebet. Bei der Orgelmusik mußte sie immer weinen, aber auch das tat ihr gut und dann auf dem Friedhof fühlte sie sich ihrem Mann ganz nah. Die Jahre gingen ins Land.
Als die Kinder die Schule beendet hatten und von zu hause auszogen, suchte sie eine neue Aufgabe. Die Trauerkleidung hatte sie lange abgelegt, Lebensmut hatte sie neu gefasst, aber sie hatte nicht vergessen, was auch die Kirche ihr gegeben hatte in schwerster Zeit. Sie wollte ein wenig davon zurückgeben und fragte, wo  in der Gemeinde sie mithelfen könne.
„Beim Essen in Gemeinschaft können wir Hilfe gut gebrauchen“ sagte der Pastor, zu dem sie ein gutes vertrauensvolles Verhältnis über die Jahre der Trauer aufgebaut hatte. Die Mitarbeiterinnen freuten sich und die Gäste beim gemeinsamen Essen auch.
Sie konnte klasse kochen und in der Küche gut mit anpacken, bei Tisch strahlte sie Freundlichkeit und Nähe vor allem für diejenigen der Gäste aus, die es ähnlich schwer gehabt hatten im Leben wie sie.
Nur einmal war sie wieder richtig traurig geworden und  hatte das ihrem Pastor erzählt. Ich habe gehört, wie einige  über mich redeten und da hatte jemand gesagt: „Sie ist doch Witwe.“
„Das Wort mag ich nicht, das klingt so traurig altmodisch und so hilfsbedürftig und so fühle ich mich doch gar nicht mehr.“
Der Pastor verstand den letzten Satz in einem ganz positiven Sinn so, dass über die Jahre die Trauer der Frau einem guten Trost gefunden hatte, der es ihr ermöglichte ihr Leben neu auszurichten und Erfüllung zu finden in neuen Aufgaben unter anderem in der Gemeinde.
Zum Gottesdienst kam sie nicht mehr ganz so oft, aber auch nicht selten.
Ob sie jetzt am Sonntag da sein würde? Der Pastor dachte an sie, als er den Predigttext las.
Das war ja fast eine Umkehrgeschichte dessen, was die Frau erlebt hatte.
Sie hatte als Witwe eine Aufgabe gefunden, anderen beim Essen in Gemeinschaft Freude zu bereiten.

Hier aber in der Geschichte aus der ersten Zeit der christlichen Gemeinschaft in Jerusalem hatte es bei solch einem Essen Streit gegeben, weil ausgerechnet die nach Jerusalem zugezogenen Witwen  gegenüber den Einheimischen benachteiligt wurden. Die bekamen nichts ab, die wurden ob mit Absicht oder nicht einfach übersehen. Was für eine Kränkung, was für eine Demütigung war das.
Und wer war dafür verantwortlich?
Ausgerechnet die 12 Apostel. Das waren doch im Wesentlichen die Jünger Jesu, die das Essen initiiert hatten für alle, die sich selber das Essen nicht leisten oder kochen konnten.
Als nun die hinzugezogenen Witwen sich bitterlich beschweren, dass sie nichts abbekommen, kommt es zu einem Modellfall guter Problemlösung.
Die Apostel rufen die Gemeinde zusammen und geben dann zu, dass sie in ihrer Arbeit an und über die Grenzen  ihrer Belastbarkeit gekommen sind.
Wo ist unser Platz in der Gemeinde, ist es nicht so, dass wir zuallererst die Worte Jesu und die der Bibel weitergeben sollen, damit Segen daraus erwächst?
Jesus selber hat doch auch nicht das Essen geholt und verteilt, als die Tausende am See Genezareth hungrig versammelt waren. Da brauchte er doch auch Hilfe von andern, als Brot und Fische  geteilt wurden.
Die Apostel, die bislang meinten, alles selber tun und machen zu müssen, suchen nun Hilfe für den Dienst an den Notleidenden der Gemeinde.
Die Gemeinde soll nach klaren Kriterien selber suchen, wer für die Aufgabe geeignet ist.
In heutigen Stellenanzeigen würden diese Kriterien  allerdings vermutlich auch Kopfschütteln hervorrufen.
Einen guten Ruf sollen die Leute habe, und voll heiligen Geistes sein, dazu sollen sie weise sein.
Bei uns in den Stellenanzeigen ist davon rudimentär übriggeblieben der nüchterne Satz: „Kirchenmitgliedschaft wird vorausgesetzt.“

Der Vorschlag zu wählen gefällt der Menge, auch dass die Apostel ganz beim Dienst des Wortes und bei dem Gebet bleiben wollen.
Die Gemeinde wählt dann sieben Männer, die den Dienst beim Essen für alle aufnehmen. Unter Gebet und Handauflegung treten sie ihren Dienst an.
Dieser Dienst wird seitdem als Diakonie bezeichnet.

Liebe Gemeinde, die geglückte Problemlösung führt dazu, dass das Wort Gottes sich weiter ausbreiten kann. Die Gemeinde wächst, Gottesdienst und Menschendienst sind in der Gemeinde so gut geordnet, dass diese überall Anhänger fand.

Zurück zu Marianne. Sie war tatsächlich im Gottesdienst und hörte die Predigt von den Diakonen und den Witwen.
Nach der Kirche sprach sie darüber noch mit dem Pastor. „Also“, sagte sie, „da waren sie ja wieder, die Witwen als die Hilflosen, für die andere eintreten müssen. Aber ich habe verstanden, dass in biblischer Zeit das wahrscheinlich wirklich so gewesen ist.“
Der Pastor hatte hatte in seiner Predigt von dem großen Unterschied zwischen damals und heute erzählt, dass Witwen und Waisen früher sozial, wirtschaftlich und juristisch so gut wie rechtlos waren und deshalb unter den besonderen Schutz Gottes gestellt wurden. Keiner sollte ihnen Böses tun.
Was sie aber nicht verstand, dass nur Männer gewählt wurden. Das war ja schon ärgerlich genug, dass unter den Apostel keine Frau namentlich genannt wurde.
Sie wusste doch aus früheren Predigten und aus eigener Beschäftigung mit der Bibel, dass es von Beginn an in den christlichen Gemeinden Frauen auch in leitenden Positionen gegeben hatte. Wie war das denn mit den Diakonen? Oder war das ein besonderer Treppenwitz der Geschichte der frühen Gemeinden, dass hier die Männer in die Küche geschickt wurden, in der sie über Jahrhunderte nicht sein wollten?
Der Pastor räumte ein, dass hier wohl wieder einmal im Stil der damaligen Zeit das patriarchalische Denken die Feder beim Aufschreiben geführt hat und die vielen Frauen in den Gemeinden einfach nicht genannt wurden.
„Ja , das sei auch so ein Form von Übersehen“ meinte sie.

Zum Schluss hatte sie dann noch einen Vorschlag: Wie es denn wäre, wenn sie neben ihrem Dienst beim Essen in Gemeinschaft auch hin und wieder im Gottesdienst den Lesedienst übernähme. Sie hätte Freude daran, und das sei doch ein schönes Zeichen, dass tätiger Dienst und  Verkündigung doch zusammen gehörten, solange das keinen überfordert.
Der Pastor freute sich, dass die Predigt so eine schöne Wirkung gehabt hatte und bedankte sich herzlich. Zuhause aber guckte er gleich in den Terminkalender, wann denn der nächste freie Termin für den Lesedienst wäre. Den wollte er ihr am Mittwoch beim gemeinsamen Essen gleich mitteilen.  
Amen

Predigt vom 30. August 2020 von Pastor Stefan Henrich:


Liebe Gemeinde,

Im Predigttext von heute schreibt Paulus mit Feuereifer der Gemeinde in Korinth, die es schwer hat mit sich selber.
In der von Paulus gegründeten jungen Gemeinde war es recht bald zu Spaltungen, Eitelkeiten und Animositäten gekommen. Der eine dünkte sich besser zu sein als die anderen, die Reichen erhoben sich über die Armen, die Herren über die Sklaven, die Gebildeten über diejenigen, die keine Schule besucht hatten.
Dabei war zu Beginn alles noch so schön gewesen. Da hatte die Botschaft von Jesus Christus für Begeisterung gesorgt, da hatten sich alle in seinem Namen  an einen Tisch setzen können. Sie hatten miteinander geredet und gegessen, hatten  Gottesdienst und Abendmahl gefeiert und sie hatten dem, der was brauchte abgegeben von den eigenen Schätzen, weil sie doch alle eins waren in Christus, so wie Paulus ihnen das von Jesus doch gesagt hatte.
Aber dann hatte es Risse gegeben im Gefüge der Einheit, sie waren in alte Gewohnheiten und Denkmuster zurückgefallen. Zum Beispiel bei den Mahlzeiten. Die wurden nicht mehr gemeinsam eingenommen, sondern die Reichen schlugen sich vorher die Bäuche voll und die Armen kamen und blieben hungrig, der eine war betrunken bevor alles anfing und eine andere bekam nichts mehr ab. Die einen aßen Fleisch in Hülle und Fülle obwohl sie doch wussten, dass die anderen dieses Fleisch nicht essen durften. War es Nachlässigkeit oder Provokation und wie sollte da denn eine gemeinsame Feier noch gelingen? (vgl. besonders 1. Kor. 10,23ff und 1. Kor. 11,17ff.)
Zustände und Fragen waren das, die Paulus umtrieben und die ihn zur Feder greifen ließen, um seine doch eigentlich geliebte Gemeinde  wieder auf den rechten Weg zu holen.
Mit eindringlichen Bildvergleichen aus der Landwirtschaft und vom Bau versucht er gleichzeitig zu ermutigen und zu warnen .

Paulus schreibt:
Wir sind Gottes Mitarbeiter; ihr seid Gottes Ackerfeld und Gottes Bau. Nach Gottes Gnade, die mir gegeben ist, habe ich den Grund gelegt als ein weiser Baumeister; ein anderer baut darauf.
Ein jeder aber sehe zu, wie er darauf baut.
Einen andern Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.
Wenn aber jemand auf den Grund baut Gold, Silber, Edelsteine, Holz, Heu, Stroh, so wird das Werk eines jeden offenbar werden. Der Tag des Gerichts wird es ans Licht bringen; denn mit Feuer wird er sich offenbaren. Und von welcher Art eines jeden Werk ist, wird das Feuer erweisen. Wird jemandes Werk bleiben, das er darauf gebaut hat, so wird er Lohn empfangen. Wird aber jemandes Werk verbrennen, so wird er Schaden leiden; er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer hindurch. Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt? Wenn jemand den Tempel Gottes zerstört, den wird Gott zerstören, denn der Tempel Gottes ist heilig – der seid ihr. (1. Korinther 3, 9ff.)


Paulus schreibt mit Herzblut und doch so scheint mir, geht ein wenig die Logik mit ihm durch, wenn er gleichzeitig davon spricht, dass wir zum einen Gottes Mitarbeiter sind und zum zweiten und dritten sein Ackerfeld und sein Bau, der viertens dann noch durch Feuer auf seine Standfestigkeit hin geprüft wird.
Oder ist das vielleicht gerade so absichtsvoll verschlungen doppelt deutlich als  das zweifach Ausgespannte unseres christlichen Lebens gesagt?
Zum einen: Wir sind Mitarbeiter Gottes auf der Baustelle seiner Kirche und zum zweiten, wir selber sind der Bau, den Gott zusammenfügt als einen Tempel, der zusammengefügt ist wie aus lebendigen Steinen.
Oder sind wir vielleicht sogar der Acker, auf den wir unseren eigenen Mist ausbringen dürfen?
Der Mystiker Johannes Tauler hat im 14. Jahrhunderteinmal in einem schönen Gleichnis diesen Gedanken ausgespannt, so dass er alle Anrüchigkeit verliert:

Das Pferd macht den Mist im Stall, und obgleich der Mist einen Unflat und Stank an sich hat, so zieht dasselbe Pferd doch den Mist mit großer Mühe auf das Feld, und daraus wächst sodann schöner Weizen und der edle, süße Wein, der niemals wüchse, wäre der Mist nicht da.
Also trage deinen Mist - das sind deine Gebrechen, die du nicht abtun, ablegen noch überwinden kannst -mit Mühe und mit Fleiß auf den Acker des liebreichen Willens Gottes in rechter Gelassenheit deiner selbst.
Es wächst ohne allen Zweifel in einer demütigen Gelassenheit köstliche, wohlschmeckende Frucht daraus.


Ist das nicht entzückend schön geschrieben?  Anders gesagt:
Wir sind Gebende und Empfangende, an uns wird Gutes getan und wir dürfen Gutes weitergeben.
Das sind die zwei Pole christlichen Lebens zwischen denen wir pendeln mit all unsern Möglichkeiten, Fähigkeiten, Schwächen und Fehlern.
Noch anders gesagt: Wenn’s uns gut geht, dürfen, können und sollen  wir anderen helfen, wenn’s uns schlecht geht dürfen wir drauf setzen, dass Hilfe da ist. Wir dürfen, sollen und können sie einfordern zuerst und zuletzt bei all denen, die sich Christen nennen und die sich in der Kirche Jesu Christi verbunden wissen.


Paulus springt in seinen Zeilen recht schnell vom Acker auf den Bau, ich springe auch:


Paulus weiß sich als Baumeister darzustellen, dessen eigene Arbeit nichts wert ist, wenn andere sie nicht ausführen. Das ist das erste, wenn auch nicht das Grundlegende: Einer allein schafft es nicht, auf dem Bau wie in der Kirche braucht es viele verschiedene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die mit  ihren je eigenen Fähigkeiten sich einbringen ins Netzwerk des Ganzen.
Bei Paulus klingt das aber auch ein wenig chaotisch ungeordnet. Ein jeder siehe zu, wie er darauf baut! Das klingt nicht nach einem planvollem Ganzen sondern eher so: Jeder baue nach seiner eigenen Facon, so wie er oder sie lustig ist.  
Das ist das, was ich christliche Freiheit nennen möchte und was ich nicht missen möchte
Was aber wird das für ein Bau werden, so möchte ich auch fragen.
Das Bildprogramm der paulinischen Baugedankenwelt schlägt dann auch Kapriolen: von Stroh- und Lehmhütten, Holzpfahlbauten, Reetdachhäusern bis hin zum Marmornen Palast mit goldenen Wasserhähnen und Silberbeschlägen an Türen und Fenstern scheint mir da alles gebaut und verbaut zu werden, edelsteinbesetzte Klingelknöpfe und kristalllüsterne Leuchter inklusive.
Paulus ist aber an dieser Stelle weder daran gelegen für ökologische Baustoffe zu werben noch die Dekadenz der Reichen anzuprangern, sondern er macht vielmehr  die kostbaren Baustoffe zum Sinnbild für eine standfeste Gemeinde, besser gesagt für eine feuerfeste.
Was du mit den besten Materialien baust, wird nicht so leicht zerstört. Holz und Stroh brennen leicht dahin und Gold und Silber eben nicht. .
Und dann kommt es noch auf das Fundament an. Wer auf Sand baut, hat keine Zukunft, so ähnlich hatte es Jesus gesagt. Ihr aber habt ein festes Fundament sagt Paulus und das ist Christus. Der Grund für unsere Mühe, Liebe  und Arbeit ist gelegt. Keine Flut, kein Sturm und kein Feuer kann ihn wegreißen, wir dürfen Halt gewinnen, weil Christus bei uns ist in allem Glück, in aller Schaffensfreude und vielmehr noch in aller Not.
Das soll uns  in der Gemeinde vor Augen stehen, die Stärke dieses Fundaments soll uns weich machen für andere einzustehen.
Das ist das, was ich christliche Verantwortung nennen möchte. Diese muß zur christlichen Freiheit hinzutreten, damit das Leben gelingt.
 
Zum Schluß: Paulus, der an anderer Stelle deutlich Partei für die Schwachen ergreift (vgl. 1. Kor. 1,27f.), stellt  in seinem Brief an die Korinther bildhaft schön die Stärke eines feuerfesten fest gegründeten Baus vor Augen, um die Gemeinde zu neuer Einigkeit und Verbundenheit zu ermuntern.
Der gelungene Bau schlussendlich ist ein Tempel, besser gesagt der Tempel Gottes, der gefüllt ist mit heiligem Geist und wie Paulus an anderer Stelle sagt, gebaut aus lebendigen Steinen.
Ihr bildet diesen Tempel, die ihr in der Gemeinde verbunden seid. Seht zu, dass nicht das Feuer euer Streitereien und Neidereien euch alles kaputt macht, setzt aber darauf, dass Gott die Macht hat, mit dem Feuer seines Geistes das Beständige vom Vorläufigen zu trennen. Auch das ist gut zu wissen oder vielmehr zu glauben.  Amen

Nach der Predigt Liedvortrag EG 357, 1-4:
Ich weiß, woran ich glaube, ich weiß, was fest besteht, wenn alles hier im Staube wie Sand und Staub verweht; ich weiß, was ewig bleibet, wo alles wankt und fällt, wo Wahn die Weisen treibet und Trug die Klugen prellt.

Ich weiß, was ewig dauert, ich weiß, was nimmer lässt; mit Diamanten mauert mir's Gott im Herzen fest. Die Steine sind die Worte, die Worte hell und rein, wodurch die schwächsten Orte gar feste können sein.

Auch kenn ich wohl den Meister, der mir die Feste baut, er heißt der Herr der Geister, auf den der Himmel schaut, vor dem die Seraphinen anbetend niederknien, um den die Engel dienen: ich weiß und kenne ihn.

Das ist das Licht der Höhe, das ist der Jesus Christ, der Fels, auf dem ich stehe, der diamanten ist, der nimmermehr kann wanken, der Heiland und der Hort, die Leuchte der Gedanken, die leuchten hier und dort.








 

 

 

 

Predigt vom 10. Sonntag nach Trinitatis am 16. August 2020 von Pastor Stefan Henrich

Predigttext Markus 12, 28-34:

28 Und es trat zu ihm einer der Schriftgelehrten, der ihnen zugehört hatte, wie sie miteinander stritten. Als er sah, dass er ihnen gut geantwortet hatte, fragte er ihn: Welches ist das höchste Gebot von allen?
29 Jesus antwortete: Das höchste Gebot ist das: »Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der Herr allein, 30 und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und mit all deiner Kraft« (5.Mose 6,4-5).
31 Das andre ist dies: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst« (3.Mose 19,18). Es ist kein anderes Gebot größer als diese.
32 Und der Schriftgelehrte sprach zu ihm: Ja, Meister, du hast recht geredet! Er ist einer, und ist kein anderer außer ihm;
33 und ihn lieben von ganzem Herzen, von ganzem Gemüt und mit aller Kraft, und seinen Nächsten lieben wie sich selbst, das ist mehr als alle Brandopfer und Schlachtopfer.
34 Da Jesus sah, dass er verständig antwortete, sprach er zu ihm: Du bist nicht fern vom Reich Gottes. Und niemand wagte mehr, ihn zu fragen.

 

Liebe Gemeinde,

Jesus befindet sich mit seinen Jüngern im Vorhof des Tempels, hier herrscht buntes Treiben, Händler bieten ihre Waren an, Geld wird gewechselt und Pilger aus aller Frauen und Herren Länder kaufen Opfergaben und religiöse Mitbringsel.
Man könnte sagen, der Kiosk von heute hat seinen Vorläufer in der Bude am Tempel.
Irgendwann wird Jesus ob dieses Handels und Wandels im Vorhof des Allerheiligsten so genervt sein, dass er die Tische der Händler und Wechsler umstürzt. Dies Haus soll ein Bethaus sein und keine Räuberhöhle, so wird sein heiliger Zorn sich über den Ort ergießen, jetzt aber ist es noch nicht so weit.
Jetzt redet Jesus mit den Leuten, die religiös interessiert und bewandert sind.
Vor allem Schriftgelehrte mit eigenem Standpunkt und eigener Meinung kommen zu Jesus, suchen das Gespräch und die Auseinandersetzung.
Um wichtige Themen geht es dabei, um gesellschaftspolitisch relevante etwa, ob man dem Kaiser Steuer zahlen soll oder nicht. Schenll ist auch die persönliche Ebene erreicht, wenn Jesus gefragt wird,  aus welcher Vollmacht heraus er handelt und redet, und grundsätzlich wird die Frage nach Leben und Tod berührt, wenn einer der Leute die Frage nach der Auferstehung der Toten stellt.
Einer der Schriftgelehrten hatte offensichtlich die ganze Zeit interessiert zugehört, hatte mitbekommen, wie die Menschen mit Jesus um die Wahrheit ringen.
Martin Luther hatte diese Auseinandersetzung mit „sie stritten miteinander“ bezeichnet.
Das griechische Wort, dass Luther mit „streiten“ übersetzt, heißt wortwörtlich „zusammensuchen“. Mit „disputieren“ wird es auch wieder gegeben.
Luther hat mit der Übersetzung „streiten“ kräftig Farbe drauf gedrückt, was zumindest im Kern missverständlich sein kann, dann nämlich, wenn man aus dieser wie auch aus anderen Szenen heraus einen abgrundtiefen Gegensatz zwischen Jesus und den jüdischen Schriftgelehrten konstruieren will, den es so nicht gegeben hat, der aber immer wieder behauptet wurde.
Nein, Jesus und die Schriftgelehrten ringen auf der gemeinsamen Grundlage ihrer jüdischen Religion um Wahrheit. Gemeinsam suchen sie, was ihnen nicht von vornherein selbstverständlich und klar ist.
Als der Schriftgelehrte hört, wie Jesus fein und gut antwortet, stellt er ihm auch eine Frage, die sein Herz bewegt: „Welches ist das höchste, das vornehmste Gebot von allen?“
Wie hätten Sie selber darauf geantwortet, welches Gebot wäre uns eingefallen als das wichtigste und höchste?
Für meine Konfirmanden war der Fall meistens klar. „Du sollst nicht töten“,  sagten sie. „Das ist das wichtigste, dass kein Mord passiert.“
Jesus antwortet anders, erstaunlicherweise antwortet er auf die Frage nach dem einen höchsten Gebot mit Zweien.
Das scheint so ein wenig nach dem Motto zu gehen
Das Kind fragt: „Wen liebst du mehr, mich oder Laura?“
„Euch beide“ sagt die Mutter, „und euren Vater dazu.“

Jesus beantwortet mit zwei Geboten aus der Mitte der heiligen Schrift die Frage nach dem Höchsten und wenn wir genau hinsehen, sind diese zwei denn auch noch drei.
Schauen wir uns die beiden Gebote genauer an:
Das erste Gebot ist das Grundgebet des Volkes Israel, es heißt nach den hebräischen Worten, mit denen es beginnt: „Schema Jisrael“:
 »Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der Herr allein, und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und von allen deinen Kräften.« (5. Mose 6,4ff.)
Diese Worte bindet sich der fromme Jude mit Gebetsriemen auf Stirn und Arm, er fesselt sich sozusagen mit Kopf und Seele in die Liebe Gottes hinein, und er bindet diese Worte in einer Kapsel an den Türpfosten, damit er sie beim Ein- und Ausgang aus dem Haus vor Augen hat.
Wenn ein Kind geboren wird, sind das die ersten Worte, die dem Kind in die Ohren geflüstert werden, das wichtigste zuerst und wenn möglich spricht der fromme Jude diese Worte auf dem Sterbebett zuletzt.

Gott ist einer, er umschließt dich mit seiner Kraft und Gegenwart in Ewigkeit.
Ihn sollst du lieben. Das Gebot ist ist gleichzeitig Gebet und Glaubensbekenntnis, Quelle des Geistes und der Gnade. Gott ist einer, den sollst du lieben
Der Schriftgelehrte wird dieses Gebetsgebotbekenntnis wie mit der Muttermilch aufgesogen haben.
Täglich wird es gebetet, es ist vor Augen und im Herzen und doch ist es gut, sich das selbstverständliche wieder und wieder neu sagen zu lassen. Dieses Gebot ist das höchste, das vornehmste und das schönste. Es ist es aber nicht allein.
Jesus fügt ein zweites dazu, auch dieses aus der Heiligen Schrift entnommen, aus der Tora, das sind die fünf Bücher Mose: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. (3. Mose 19,18)
Wer der Nächste ist, wird Jesus an anderer Stelle mit der Geschichte vom barmherzigen Samariter beantworten. Dort hat der Nächste nicht von vornherein was mit dem nahe Wohnenden zu tun, sondern vielmehr derjenige ist der Nächste, dem in seiner Not geholfen werden muss.
Und ausgerechnet der Fremde, der aus Samarien stammt, erbarmt sich dessen, der unter die Räuber gefallen war, während zwei einheimische Würdenträger, geistliche noch dazu, versagen.
Anders gesagt: Die Liebe des Nächsten ist da gefordert, wo die Not auch des Fremden dies fordert.

Und schlussendlich das dritte:  Kann einer Liebe üben, der nur Schmerz und Hass in sich fühlt?
Nein, die Liebe zu sich selbst ist Voraussetzung dafür, dass ich anderen mit Liebe und Achtung begegnen kann.Deshalb: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.
Wer, liebe Gemeinde, das Gebot nachliest, sieht, das es einen kleinen Nachsatz hat, der lautet kurz und lapidar, inhaltsvoll:„Ich bin der Herr.“
Meisterhaft findet hier die Rückbindung an Gott statt. Er ist die Quelle des Stromes, der als erlösende Liebe uns Menschen ergreift und in Auftrag nimmt.
Die drei Liebesweisen sind ineinander verschränkt und aufeinander angewiesen.
Fehlte jeweils ein Teil, bräche die Grundlage der anderen Liebe weg. Ohne Gottesliebe keine dauerhafte Nächstenliebe, ohne Nächstenliebe verkümmerte die Selbstliebe, ohne Selbstliebe gäbe es weder das eine noch das andere.
Wie sagte ein Ausleger der Worte Jesu?
"Das erste Gebot kann man also nicht anders halten als so, dass man zugleich im zweiten lebt."

Zwei Gebote beschreiben den Dreiklang der Liebe, ohne den das Leben aus dem Gleichgewicht gerät.
Gottesliebe, Nächstenliebe und die Liebe zu dir selbst,
Übe diese drei und alles andere ergibt sich dann von selbst, sei aber auch barmherzig mit dir selbst, wenn du wieder und wieder daran scheiterst, du darfst neu anfangen.

Zum Schluss:
Der Schriftgelehrte , der mit der der Frage nach dem höchsten Gebot zu Jesus kam, hat im Frage- und Antwortspiel dreifach entfaltete Erkenntnis der Liebe gewonnen.
Jesus setzt dem Dialog ein Ende, indem er verheißungsvolles sagt: Du bist nicht fern vom Reich Gottes. Dieses Ende ist ein Anfang, ein besonders schöner, weil er sich speist aus gemeinsam gewonnener  Erkenntnis und Wahrheit und zugesagter Gnade.
Warum die Leute aber danach nicht wagen, Jesus was zu fragen, verstehe ich nicht. Oder haben die Leute da was nicht verstanden?
Amen.

 

 

 

Predigt am 5. Sonntag nach Trinitatis am 12. Juli 2020 von Pastor Stefan Henrich:

Predigttext Lukas 5, 1- 11:

Es begab sich aber, als sich die Menge zu Jesus drängte, zu hören das Wort Gottes, da stand er am See Genezareth. 2 Und er sah zwei Boote am Ufer liegen; die Fischer aber waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze. 3 Da stieg er in eines der Boote, das Simon gehörte, und bat ihn, ein wenig vom Land wegzufahren. Und er setzte sich und lehrte die Menge vom Boot aus. 4 Und als er aufgehört hatte zu reden, sprach er zu Simon: Fahre hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus!
5 Und Simon antwortete und sprach: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort hin will ich die Netze auswerfen.
6 Und als sie das taten, fingen sie eine große Menge Fische und ihre Netze begannen zu reißen.
7 Und sie winkten ihren Gefährten, die im andern Boot waren, sie sollten kommen und ihnen ziehen helfen. Und sie kamen und füllten beide Boote voll, sodass sie fast sanken.
8 Da Simon Petrus das sah, fiel er Jesus zu Füßen und sprach: Herr, geh weg von mir! Ich bin ein sündiger Mensch. 9 Denn ein Schrecken hatte ihn erfasst und alle, die mit ihm waren, über diesen Fang, den sie miteinander getan hatten, 10 ebenso auch Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, Simons Gefährten. Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht! Von nun an wirst du Menschen fangen.
11 Und sie brachten die Boote ans Land und verließen alles und folgten ihm nach.

 

Liebe Gemeinde,
ich liebe diese Geschichte vom wundersamen Fischzug des Petrus.
Sie ist so voll von Kontrasten und überraschenden Wendungen, dass einem schwindelig wird wie vermutlich den Fischern auf dem Boot, als deren Netze reißen unter der Fülle des Fanges.
Die Geschichte gibt Mut für die eigenen Lebensgeschichte und sie ist ein Sinnbild für Kirche. Ich versuche ihr nachzuspüren:
Ein Morgen ist ganz frisch und neu, die Sonne ist aufgegangen über den Bergen. Unten am Strand liegen Boote im Wassser. Fischer sind ausgestiegen, deren Morgen ist nicht so schön. Sie haben nichts gefangen in der Nacht. Existenznot bedeutet das.
Jetzt flicken die Fischer ihre Netze, die müssen ja wieder heil sein für die nächste Ausfahrt am  Abend. Hoffentlich wird die kommende Nacht einen besseren Fang bringen.


Andere Menschen kommen zum Strand. Wollen die baden oder Fisch kaufen, wollen die Frühsport machen oder Muscheln sammeln?
Jesus kommt auch. Einen der Fischer kennt er. Petrus ist das, der hat ein Boot und eine  Frau, ein Haus und eine Schwiegermutter. Die Schwiegermutter war einmal krank gewesen, hatte Fieber gehabt. Jesus hatte sie geheilt. Das war ein Zeichen gewesen für Gottes Güte. Von dieser Güte Gottes will Jesus den Leuten erzählen.
Wie können die ihn am besten hören?
Jesus bittet Petrus, ihn auf seinem Boot ein wenig herauszufahren auf das Wasser. Jesus macht das Boot zur Kanzel. Er steht im Bug. Laut und kräftig schallt seine Stimme über das Wasser, die Leute drängen sich am Strand. Eine erste Kirche ist entstanden, ein Kirchenschiff und eine Gemeinde von Fischern und Strandläufern. Da sind  Suchende und Enttäuschte, Fischer und Frühsportler. Die Sonne scheint, keine Glocken läuten, aber Wellen schwappen gegen das Boot.
Petrus im Boot schiebt Trübsinn. Was soll er essen, was soll er selber einkaufen, da doch keiner Fisch kaufen kann bei ihm an diesem Morgen?
Die vergebliche Mühe der Nacht steckt ihm in den Knochen, hoffentlich ist der Tag bald zuende.

Was aber sagt Jesus da? „Fahr hinaus auf die Tiefe.“
Es ist, als sei das ein Sinnbild für das Leben schlechthin: Gib nicht auf, schürfe tiefer, fische frischer, verlass dich nicht auf eigene Weisheiten, vertraue dich jemand anderem an.
Petrus denkt: Wie man fischt, das weiß ich am besten. Jetzt am Morgen in die Hitze des Tages hinauszufahren ist Unsinn. Fische fängt man nachts und nicht am Tag.
Ach, sagt er, wir haben doch schon die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen, was soll das werden?

Vielleicht aber denkt er auch an die Schwiegermutter und an ihr Fieber,  und dass Jesus gerade von der Fülle und Güte Gottes geredet hat.
Gleichwohl und deshalb, er hat ja nichts zu verlieren, er fährt hinaus auf Jesus Wort. 

Petrus macht den Fang seines Lebens, die eben geflickten Netze reißen. Auch die zur Hilfe herbei kommenden Boote schaukeln bedrohlich ob der Menge des Fanges. All das ist mit Sinnen und Verstand nicht zu fassen.
Petrus geht in die Knie, Schrecken und Furcht werden zum tiefen Graben, in dem er zu versinken droht. Ein weiter Sund tut sich auf zwischen ihm und Gott.
Ich bin ein sündiger Mensch, der über diesen Graben nicht springen kann, du aber kommst zu mir.


Was für eine Erkenntnis auf der Tiefe des Wassers und daraufhin lösendes Wort Jesu, seit jeher der  Gottesboten schönste Formel uns Menschen zugut für das weitere Leben: Fürchte dich nicht!

Jesus traut Petrus dann schlussendlich uranfänglich Großes zu: Du, Petrus, wirst Menschen für Gott und seine Güte begeistern. Von diesem wunderbaren Fischzug an wirst du ganz neu und anders Menschen fangen, damit du das Gefängnis ihrer Seelen aufbrichst und sie glücklich machst als Kinder Gottes, die glauben, hoffen und lieben gegen alle Not der Welt gegen an.

Liebe Gemeinde,
Petrus ist begeistert, seine Kollegen auch. Kirche in der Nachfolge Jesu gründet sich, die Fischer verlassen ihre Boote und Netze und ziehen mit Jesus. Hier bei ihm spüren sie, dass die Liebe Gottes in seiner Person nah ist. Mit ihm gründen sie ein Netzwerk der Hilfe und eine Gemeinschaft, die über alle Zeit hineinreicht in die Ewigkeit Gottes.
Menschen werden später wie zur Erinnerung auch an die Geschichte vom wunderbaren Fischzug  sich einen stilisierten Fisch aufs Auto kleben oder um den Hals tragen. Ichthys heißt der Fisch auf Griechisch und die Anfangsbuchstaben stehen für den schönen Bekenntnissatz: Jesus Christus, Gottes Sohn unser Retter.

Das Netzwerk seiner Kirche trägt so weit und so schön, dass wir gut davon haben dürfen in unserem Leben.
Die Theologin Dorothee Sölle sagte einmal:
Wir beginnen den Weg zum Glück nicht als Suchende, sondern als schon Gefundene.

Mir sagt die Geschichte, dass am Ende meiner Möglichkeiten immer noch der Beginn der Möglichkeiten Gottes liegt.
Und dass Gott mich sucht durch die Nähe Jesu Christi.

Amen    

 

 

 

Predigttext Mt 11,25-30:
„Zu der Zeit fing Jesus an und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du dies Weisen und Klugen verborgen hast und hast es Unmündigen offenbart. Ja, Vater; denn so hat es dir wohlgefallen. Alles ist mir übergeben von meinem Vater, und niemand kennt den Sohn als nur der Vater; und niemand kennt den Vater als nur der Sohn und wem es der Sohn offenbaren will.  Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.“

Liebe Gemeinde,
die chinesische Schriftstellerin Fang Fang machte in ihrem Tagebuch, das sie während der Zeit des Lockdown  in Wuhan schrieb, am 24. Februar folgenden Eintrag:

„Der Zivilisationsgrad einer Nation misst sich nicht an der Höhe von Gebäuden, der Geschwindigkeit der Autos, der Effizienz der Waffen und der Schlagkraft der Armee. Er misst sich auch nicht daran, wie fortschrittlich die Wissenschaft und wie glanzvoll die Künste sind. Und schon gar nicht am Aufwand von Tagungen und an der Pracht der Feuerwerke und nicht einmal an der Zahl von Touristen, die in die Welt ausschwärmen und die Luxusgeschäfte leer kaufen. Der einzige Maßstab ist ihre Haltung gegenüber den Schwachen.“ (aus dem Vorabdruck des Tagebuches in: DIE ZEIT Nr. 23 vom 28. Mai 2020, S. 45)

Die Worte klingen wie ein zeitgemäßer Widerhall auf Jesu Wort von den Mühseligen und Beladen, die er zu sich ruft, damit sie Erquickung finden und Ruhe für ihre Seelen.
Das ist ja das vielfache Sehnen zur Zeit, dass wir von allen Erschöpfungen und Bedrückungen Entlastung finden und Erholung. Aufs deutlichste hat sich dieses Sehnen bei uns ganz in der Nähe Anfang letzter Woche mitten in der Nacht ausgedrückt, als vor Mitternacht an den Grenzübergängen Richtung Dänemark jede Menge Staus entstanden. So viele wollten punktgenau rüber, ab in das Ferienhaus oder auf den Campingplatz.
Endlich Urlaub, endlich Wind und Weite und barfuß durch das Gras am Ufer der grünen Aue oder durch den Sand ans Meer. Da ist Erquickung, das ist Ruhe für die Seele, für diejenigen, die es sich leisten können.

Davon können andere nur träumen.
Ihre Last ist ungleich schwerer geworden in diesem Jahr.
Den Sommer müssen sie durcharbeiten, um finanziell wieder auf einen halbwegs grünen Zweig zu kommen.
Der eine verzweifelt darüber nicht sondern weiß sich immer noch einverstanden mit den Lockdown-Maßnahmen, auch wenn sie ihm wirtschaftlich richtig geschadet haben.
„Was war nach dem Krieg“ hat ihn neulich seine Mutter gefragt, „da sind wir auch wieder hochgekommen, mit Gottvertrauen und eigener Kraftanstrengung haben wir das geschafft“, hatte sie gesagt und er erinnert sich, dass früher im Schlafzimmer der Eltern ein Bild hing vom guten Hirten, der die Schafe zur frischen Aue führt.

Wie von fern kommen alte Worte in ihm hoch. Im Konfirmandenunterricht hatte er die gelernt.
„Du führest mich auf rechter Straße“ und
„...du erquickest meine Seele“.
„So spricht doch niemand mehr“, denkt er, „und trotzdem klingt das schön.“

In der letzten Woche war er mit seiner Frau und seinen Enkeln  im Tierpark Warder gewesen. Dort hatten sie richtige Schafe gesehen und auch ganz viele unterschiedliche Ferkel. Die Schafe waren eher müde gewesen, aber die Ferkel, die waren quicklebendig durchs Gehege gerannt und hatten sich im Matsch gesuhlt.
Ob das was mit erquicken zu tun hatte?
Über die Gedanken schieben sich schnell Bilder aus den Schlachthof, von zerlegten Tieren und den Mitarbeitern. „Was sind das für Bedingungen?“ haben sie auch in der Tagesschau gefragt. Er selber hat heute abend eine Einladung zum Grillfest. Was da wohl auf den Tisch oder den Teller kommt?

Ganz anders leidet die nette Frau aus der Nachbarschaft unter Mühsal und Lasten. Die Kinder sind aus dem Haus, der Mann auch. Aus Schwermut waren Depressionen geworden, hatte die Ärztin gesagt.
In einem evangelischen Krankenhaus hatte sie eine Kur machen können mit einer Reihe von guten Gesprächen. Da war auch eine Seelsorgerin gewesen. Der hatte sie ihr Herz öffnen können noch einmal ganz anders.
Einmal war sie zur Andacht gegangen
Die Seelsorgerin hatte die Andacht eröffnet mit eben diesen Worten Jesu: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid.“
Da hatte sie sich persönlich angesprochen gefühlt, fast wie bis bis ins Innerste erkannt. Es war, als breite sich ein warmes Licht in ihr aus.
Mitsingen konnte sie nicht (die Kur war ja noch vor Corona und dem Singeverbot in den Kirchen gewesen...), die Lieder waren ihr alle fremd, aber die Musik hatte ihr gut getan, hatten ihr manchmal sogar die Tränen in die Augen getrieben. Es war dabei, als löste sich ein Stein von ihrer Seele.
Die Seelsorgerin sprach dann davon, dass Kirche der Leib Christi sei.
Den Gedanken fand sie interessant.
„Wenn ich also in einem evangelischen Krankenhaus bin oder zu Diakonie gehe, dann ist das doch Kirche. Und wenn Kirche der Leib Christi ist, dann handelt Christus an mir durch die vielen, die da arbeiten. Ob die das wissen?“

Die Seelsorgerin hatte dann auch gesagt, das jede und  jeder in diesem Leib seine eigene ganz persönliche Aufgabe im Leben habe, „ein jeder nach der Gnade die uns gegeben ist (Römer 12, 6)“. So hatte sie das mit biblischen Worten gesagt. Nicht jeder muss also alles schultern, du darfst auch Lasten abgeben auch in der Familie und im Beruf spann sie den Gedanken weiter für sich.

Es war diese ganz eigentümlich schöne Spannung von persönlichem Angesprochen sein durch die Worte Jesu und den Gedanken, die die Seelsorgerin dazu geäußert hatte, die diese Andacht richtig wertvoll gemacht hatten für die Frau.

Ob sie die Wohltat davon mitnehmen könne in ihr Leben hinein.
Zuhause fühlte sie sich wieder ganz klein angesichts der Aufgaben, die ihrer warteten.
In einem stillen Augenblick aber nahm sie ihr Smartphone und suchte in ihrer Suchmaschine nach dem Wort von den Mühseligen und Beladenen. Sie machte eine überraschende Entdeckung.
Bevor Jesu sagte,dass die Mühseligen und Beladenen zu ihm kommen sollen, hatte er Gott gelobt, seinen Vater im Himmel.
Und ausdrücklich hatte er gesagt, dass man für Gottes  Wahrheit kein Hochschulstudium oder einen bestimmten Intelligenzquotienten braucht. So jedenfalls hatte sie die Worte verstanden. Ganz im Gegenteil, so sagt Jesus, erschließt sich die Wahrheit und Klarheit Gottes den Unmündigen, also den Kindern, die noch ganz unbefangen glauben und vertrauen können. Ob sie dahin wieder kommen könne?

Die weiteren Worte Jesuverstand sie nicht so recht. Warum solle nur der Sohn den Vater kennen und der Vater nur den Sohn? Das hieße ja, wenn der Vater Gott ist, dass kein anderer ihn kennen könne. Und was wäre mit den Töchtern?
Oder bedeutet das, dass wir Gott erkennen, wenn wir auf Jesus blicken oder zu ihm beten?
Das wäre dann ja gar nicht so schwer, oder doch?

Die Gedanken drehten sich heiß. Zum Glück hatte sie heute abend eine Einladung zum Grillen bei Nachbarn. Ob sie da über das reden könne, was sie beschäftigte? Sie wollte das versuchen.
Amen




 

 

 

 

Predigt am 1.Sonntag nach Trinitatis am 14.Juni von Pastorin Sylvia Meyerding

Predigttext Apg 4,32-35

Lesung: Lk 16,19-31

 Predigt: Friede sei mit euch von dem, der da war, der da ist und der da sein wird.                          Liebe Gottesdienstgemeinde, es ist ein harter Text, den wir heute als Evangeliumslesung gehört haben. Lazarus bettelt -voll von Geschwüren- vor der Tür des Reichen. Der Reiche hingegen, der alle Tage herrlich und in Freuden gelebt hat, landet in der Hölle und erleidet dort im wahrsten Sinne des Wortes Höllenqualen. Die jesuanische Überlieferung ist dem Reichen gegenüber mehr als kritisch. Die Worte Jesu: „Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt“ oder „Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.“ sind nur zwei von vielen Beispielen dafür.                                                   In der frühen Christenheit war es dann die Frage: Wie gehen wir mit dieser Erkenntnis um? Können wir sie in unseren Alltag umsetzen? Im heutigen Predigttext hören wir, wie die Jerusalemer Urgemeinde versucht hat, diesem Anspruch gerecht zu werden. Dort heißt es: 32 Die ganze Gemeinde war ein Herz und eine Seele. Keiner betrachtete etwas von seinem Besitz als sein persönliches Eigentum. Sondern alles, was sie hatten, gehörte ihnen gemeinsam. 33 Mit großer Kraft traten die Apostel als Zeugen dafür auf, dass Jesus, der Herrauferstanden war. Die ganze Gnade Gottes ruhte auf der Gemeinde.34 Keiner von ihnen musste Not leiden. Wer Grundstücke oder Gebäude besaß, verkaufte diese und stellte den Erlös zur Verfügung. 35 Er legte das Geld den Aposteln zu Füßen. Davon erhielt jeder Bedürftige so viel, wie er brauchte.     Der Evangelist Lukas beschreibt also in seiner Darstellung der frühen Kirchengeschichte die Lebensweise der ersten Christen in drei Schritten:

1.      Niemand nennt etwas, das er hatte, sein Eigentum; sie teilen alles.

2.      Im Zentrum steht das Zeugnis der Auferstehung des Jesus von Nazareth und die Erfahrung, dass die Gemeinde die Gnade Gottes erlebt.

3.       Niemand leidet Not, denn alle Wohlhabenden verkaufen Land und Häuser lassen deren Erlös von den Aposteln verteilen.

Der Glaube dieser Gemeinde wird also gerahmt von zwei Berichten über den Umgang miteinander, in dessen Mitte das Verhältnis zu Eigentum steht. Die Erfahrung der Auferstehung ermutigt auch zur Verhaltensänderung im wirtschaftlichen Bereich.

Neu war diese Erfahrung nicht: Die Gemeinde verstand sich in der Tradition der jüdischen Gemeinde, wie sie im 5. Buch Mose Buch beschrieben wird. Auch dort findet sich eine Beschreibung der Gemeinde Gottes, die eine Art ökonomische „Gegenwelt“ schildert. Eigentum ist kein Selbstzweck, sondern steht im Dienst der Gemeinschaft. Die Verteilung orientiert sich an den Bedürfnissen der Ärmsten. Im 15. Kapitel heißt es: „Doch eigentlich sollte es bei Euch keine Armen geben!“ Im Hintergrund steht die Erfahrung der Befreiung des Volkes Israel aus der ägyptischen Lohnsklaverei und Zwangsarbeit. Die Gnade Gottes und gerechte ökonomische Verhältnisse gehören untrennbar zusammen.

Die Idee einer Gemeinschaft, in der der Besitz den Bedürfnissen entsprechend verteilt wird, hat hier eine historische und soziale Wurzel. Immer wieder haben jüdische Glaubensgemeinschaften versucht, das umzusetzen.  Die junge christliche Gemeinde will auch so leben!                                                                                                                                               Sie liegt damit durchaus im Trend. Auch zahlreiche griechische Philosophen geben immer wieder zu bedenken, dass ungleich verteilter Besitz eine Gesellschaft spalten kann. Platon forderte daher den Verzicht auf Gold, Silber und Häuser, Pythagoras verbannte bei seinen Jüngern den Privatbesitz und Aristoteles beschreibt einen idealen Staat, in der der wichtige Wächterrat durch Freundschaft verbunden ist und allen Besitz teilt.

Trotzdem klingt für mich diese Beschreibung der ersten Gemeinde zu schön, um wahr zu sein? Lukas schreibt seine Text Jahrzehnte später. Und die „gute alte Zeit“ wird leicht verklärt. Oder wie Loriot Opa Hoppenstedt sagen lässt: „Früher war mehr Lametta!“                       Und auch Paulus und Lukas selbst sind ehrlich genug, um von Besitz- und Glaubensstreitig-keiten in den ersten Gemeinden zu besitzen.                                                                                                                                „Ein Herz und eine Seele“ zu sein ist gar nicht einfach. Das wissen wir nicht erst, seitdem Corona Familien in engen Wohnungen durch Homeoffice und Homeschooling unter enormen Druck stellt. Und ich finde es schon erhellend, dass die Fernsehserie um Ekel Alfred Tetzlaff den biblischen Titel „Ein Herz und eine Seele“ erhielt. Selbst vier so unterschiedliche Familienmitglieder haben es schwer miteinander in einer Wohnung. Wie soll es da in einer großen Gesellschaft klappen?                                                                                                                   Und tatsächlich ist die Kluft zwischen Arm und Reich in all den Jahrhunderten nicht kleiner geworden. Im Gegenteil. Ganz wenigen gehört enorm viel und der großen Masse der Menschheit so gut wie nichts. Die acht reichsten Milliardäre besitzen mehr Vermögen als die gesamte ärmere Hälfte der Weltbevölkerung. Die Anhäufung von Reichtum in den Händen von ganz Wenigen nimmt stetig zu, während viele kaum zu essen haben und Milliarden schlecht leben. „Geld ist genug da - es muss nur anders verteilt werden“ Dieser Slogan forderte einst Umdenken in Pflege und Gesundheitswesen. Doch davon sind wir weit entfernt. Die Schere zwischen arm und reich geht immer weiter auseinander. Welt-weit und auch bei uns.                                                                                                                                                  Wir leben im Jahr 2020 in einem der reichsten Länder der Welt. Der Ausbruch der Pandemie hat gezeigt, wie privilegiert wir sind, hier zu leben. Unser Gesundheitssystem funktioniert, das Instrument der Kurzarbeit hat vieles erst mal aufgefangen. Milliarden werden eingesetzt, um die größten Härten zu mildern. Ich kann dafür nur dankbar sein, verdient habe ich es nicht.                                                                                                                                                     Gleichzeitig wird uns langsam bewusst sein, vor welchen Herausforderungen wir stehen. Auch wenn wir zurzeit die gesundheitlichen Auswirkungen der Pandemie im Griff haben, die Folgen werden immens sein: Tausende von Konkursen in der Tourismusbranche, Massenentlassungen in flugnahen Betrieben, unzählige Pleite gegangene Clubs und Schausteller- und ob die Jugendherbergen zu retten sein werden, weiß auch niemand.                       Die Zahl der Menschen, die finanziell nicht mehr über die Runden kommen, wird auch bei uns deutlich zunehmen. Und dies ist erst die sehr begrenzte Perspektive auf unser reiches Land. Wie werden die Auswirkungen in Italien, Frankreich oder Spanien aussehen oder erst recht in Syrien, Bangladesch oder Äthiopien?                                                                                              Und damit drängt sich die Frage auf: Wie halten wir es mit diesem urchristlichen Geist des Teilens? Wir könnten uns entspannt zurücklegen und sagen: Was soll`s? Die Geschichte hat gezeigt, dass es eh nicht klappt. Der Mensch ist einfachzu egoistisch.                                                Oder wir könnten darauf schauen, dass es in unserer Kirchengeschichte auch regelmäßig ganz andere Erfahrungen gab. Menschen, die dieses biblische «Keiner betrachtete etwas von seinem Besitz als sein persönliches Eigentum. » wortwörtlich nahmen und versuchten, es umzusetzen. Bettelorden, Benediktiner und Franziskaner, Täufer, Hutterer und Quäker, die sich stark an dieser urchristlichen Ethik der Gemeinschaft und des Teilens ausgerichtet haben. Sie haben über Jahrhunderte das oft einzige soziale Sicherungssystem bereitgestellt und die Not unzähliger Armer und Kranker gelindert.  Gerade bei ihnen haben christliche Werte oft genug überlebt, wenn die Kirche durch Gier nach Macht und Besitz vom rechten Weg abgekommen war.

„Die ganze Gemeinde war ein Herz und eine Seele. Keiner betrachtete etwas von seinem Besitz als sein persönliches Eigentum.“  Ein Anspruch, dem wir alle sicher nicht gerecht werden. Aber zumindest ein Wegweiser in die Richtung, in die es gehen soll. Denn die Bibel soll ja nicht nur ein Trostbuch sein, sondern uns und unsere Lebenspraxis auch in Frage stellen. Natürlich werden wir nicht alle Nöte dieser Welt auffangen werden, Handlungsspielraum haben wir trotzdem: wenn ein Spendenaufruf von Caritas oder Diakonie im Briefkasten liegt, wenn Abstimmungen anstehen, die sich für mehr Gerechtigkeit und Ausgleich einsetzen. Und genug Beispiele gibt es ja auch, die zeigen, dass Veränderungen auch im Kleinen möglich sind. Nicht umsonst heißt es: Wenn viele kleine Menschen an vielen kleinen Orten viele kleine Schritte tun, verändern sie das Gesicht der Erde.

Da kochen Menschen regelmäßig einen großen Topf Suppe für die Tageswohnung der Obdachlosen kochen hier im Johanniskirchhof. Da nehmen Sharingmodelle gerade bei jungen Leuten zu und sie nutzen nicht nur ein Auto, sondern auch Spielzeug für die Kindern, Klaviere und Lastenräder gemeinsam. Nicht alle müssen alles haben. Das Wir ist wichtiger als das Ich. Und wir sind letztlich alle miteinander verbunden. Es hat mich sehr berührt, dass ein Bürgerrechtlicher bei der Trauerfeier für George Floyd zwei Hoffnungszeichen genannt hat: Die zunehmende Teilnahme von Menschen anderer Hautfarbe bei den Aufmärschen in den USA und die Demonstrationen hier bei uns in Deutschland. Die großen Herausforderungen von Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung können wir nur gemeinsam lösen.

Die Bibel ermutigt uns dabei, die von Jesus kritisch aufgeworfene Frage: «Wie hältst du es mit Besitz?» immer wieder zuzulassen, uns verunsichern und auch von ihr bewegen zu lassen. Vielleicht nicht gerade viel, wenig aber auch nicht. Und immerhin sind wir nicht allein. Gottes guter Geist schenkt uns immer wieder Kraft und Mut, so wie es im nächsten Lied beschrieben wird.                       

Lied:              Komm, heilger Geist                       Kehrvers: Komm, Heilger Geist, mit deiner Kraft, / die uns verbindet und Leben schafft.                                1. Wie das Feuer sich verbreitet / und die Dunkelheit erhellt, / so soll uns dein Geist ergreifen, / umgestalten unsre Welt. Kehrvers                                               2. Wie der Sturm so unaufhaltsam, / dring in unser Leben ein. / Nur wenn wir uns nicht verschließen, / können wir deine Kirche sein. Kehrvers                               3. Schenke uns von deiner Liebe, / die vertraut und die vergibt. / Alle sprechen eine Sprache, / wenn ein Mensch den andern liebt. Kehrvers                                         T:Klaus Okonek/J.Raile 1962 1M:S.Levy-Tanai 1975

 

                                                                          

Predigt am Sonntag Trinitatis am 07.Juni 2020 von Pastor Stefan Henrich:

Predigttext 4 Mose 6,22-27

Und der Herr redete mit Mose und sprach:
Sage Aaron und seinen Söhnen und sprich: So sollt ihr sagen zu den Israeliten, wenn ihr sie segnet:

Der Herr segne dich und behüte dich;
der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;
der Herr hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.

 So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne.


Liebe Gemeinde,

es gibt Worte, die ich nicht missen möchte im Gottesdienst. Die eben gehörten Segensworte gehören dazu.
Normalerweise hören wir sie am Ende des Gottesdienstes bevor die Türen sich öffnen und es hinausgeht in den weiteren Tag hinein. Dreifach entfaltet wird Gottes Name über der Gemeinde genannt und doch ist jede und jeder ganz persönlich gemeint: Du, mit allen Fasern deines Körpers und allen Empfindungen deiner Seele sollst behütet und gesegnet sein, dir gilt die Gnade Gottes. Sein Antlitz leuchtet über dir. Gott schaut dich an und schenkt dir Frieden, der hinaus strahlt in diese Welt und seinerseits Segen wirkt.

Ein Kind hat hat mir einmal auf schönste ihm gemäße Art verdeutlicht, was dieser Segen bedeutet:
„Mach noch einmal den Engel“ sagte das Kind draußen vor Kirche und  ich wusste zuerst gar nicht, was es meinte. Als das Kind meine fragenden Augen sah, da hob es die Arme und sagte: „So wie zum Schluß, und was du da gesagt hast.“
Da dämmerte es mir, dass die Geste des Segens mit den unter dem Talar erhobenen  Händen und den offenen Handflächen wie Engelsflügel gewirkt hatten, und die Worte dazu hatten das Kind erreicht ohne dass es wahrscheinlich doch wusste, was sie im einzelnen bedeuten.

Zum Wort kommt die Geste, die zum Himmel erhobenen offenen Hände sind ein Zeichen des Friedens, den wir von Gott erbitten.
Der Theologe Fulbert Steffensky sagte einmal dazu: „Es ist ein anderer Friede da als der mit Waffen erkämpfte und eroberte. Der Ausgang und der Eingang sind nicht  von den eigenen Truppen bewacht, sie sind von Gott behütet. Welche Erwachsenheit, wie viel Agressionslosigkeit und wie viel Mut gehören  dazu, nicht  auf  sich  selber  zu  bestehen  und  auf  alle  Panzer  des  Selbstschutzes  zu  verzichten.  Sich  der Güte des fremden Blicks zu verdanken, sich segnen zu lassen, ist eine hohe Kunst“.

Das Kind beherrschte diese Kunst...

Wie sehr stehen die Bilder der letzten Woche vom finster drein blickenden Präsidenten dagegen, der sich den Weg freiräumen ließ um sich ablichten zu lassen mit der Bibel in der Hand, als sei diese ein Faustpfand für den Einsatz des Militärs gegen friedliche Demonstranten.
Das Zeichen, das er gab, wirkte auch deshalb so fatal, weil er vor der Kirche kein Wort zum brutalen Tod von George Floyd sagte und nicht den alltäglichen und verbrecherischen Rassismus verurteilte, welcher doch Auslöser für die vielen Demonstrationen und Trauerbekundungen ist.

Segensworte sprechen eine andere Sprache in der Form der Bitte um Frieden, Schutz und Wohlergehen für alle Menschen.

Das deutsche Wort „segnen“ kommt dabei vom lateinischen „signare“, das bedeutet auch „ein Zeichen geben“ und segnen selber heißt  lateinisch „benedicare“.
Wörtlich heißt das „ gut sprechen“ und meint doch, dass wir im Segen gutes Geleit in die Zukunft hinein erbitten.

„Ich geb dir einen Engel mit“ so erzählte ein älterer Kollege, hatte seine Mutter früher immer zu ihm gesagt, wenn er zur Schule ging und sie ihm einen Kuß auf die Stirn drückte. Das ist auch ein Segenswort und eine Segenshandlung, eine die kindgemäßer ist, aber ich glaube  Kinder können auch Gottesworte der Bibel mit dem Herzen verstehen. Und um ein solches handelt es sich bei dem Segen, den wir am Ende des Gottesdienstes sprechen und hören.
Gott sagt zu Mose und Aaron: So sollt ihr die Israeliten segnen, sagt ihnen genau diese Worte.
Wir evangelische Christen sprechen diese Worte auch als ein Zeichen der Verbundenheit mit unseren jüdischen Geschwistern und weil sie als Gottes eigenes Wort wertvolles Geschenk sind für alle, die Segen empfangen und weitergeben. 

Ein genauerer Blick auf die vertrauten Worte brachte für mich noch einmal Überraschendes hervor.
Die Zahl der Worte steigt im hebräischen Urtext in den drei Teilen des Segens von drei auf fünf und sieben. Die Fülle nimmt zu, wobei jeder Vers zwei Verben enthält. Zeichen für ein lebendiges Geschehen zwischen Gott und den Menschen.

Die erste Zeile erbittet ganz grundsätzlich Segen und Schutz.
In einem fast ebenso alten Segenswort aus der Qumrangemeinde, die nahe am Toten Meer lebte, heißt es ganz ähnlich und doch wie zur Veranschaulichung:

„Er segne dich mit allem Guten und schütze dich vor allem Bösen.“

Alles Gute meint dabei wirklich alles: von den irdischen Gütern angefangen bis hin zum Glück für alle Vorhaben.

Die zweite Zeile weiß Gottes Gegenwart als ein leuchtendes Antlitz zu malen.
Jedes Kind, das das Glück hatte, dass Mutter oder Vater sich in liebender Freude über die Wiege beugten, kann nachempfinden, was mit dem leuchtenden Angesicht gemeint ist.
Wenn wir von leuchtenden Augen sprechen, dann wissen wir, dass dieses Leuchten aus einem vollen Herzen kommt. Wie viel mehr ist das leuchtende Angesicht die herzliche Liebe, die sich uns zuneigt.

Vor Gott, so heißt es, ist kein Ansehen der Person, das heißt, es geht hier nicht um Äußerlichkeiten, aber Gott sieht uns an mit der innerlichen Leuchtkraft  einer liebenden Mutter, eines liebenden Vaters.

Welche Verkehrung von Gottes Zuwendung zur Welt, wenn wir uns abwenden voneinander und meinen die eine Hautfarbe ist besser als die andere, das eine Geschlecht wertvoller als die anderen. Der Wert eines jeden Menschen liegt doch darin begründet, dass wir von Gott angesehen sind, das heißt doch wir haben Ansehen, Wert und Würde vor Gott und sollen die nicht gegenseitig kaputt machen.
 
Ein Vers der chilenischen Dichterin Gabriela Mistral heißt: „Wenn du mich anblickst, werde ich schön“.

„Die Schönheit, die Kraft, die Lebensstärke und die Ganzheit garantieren  wir  uns  nicht  selbst. Wir haben sie im Blick, der auf uns ruht.“ (Fulbert Steffensky)

Ich bin beim dritten Teil des Segenswortes angelangt.

"Gott hebe sein Angesicht auf dich und schenke dir Frieden."

Auf den Frieden läuft alles zu in dem Segen, den Gott uns schenkt. Dieser Frieden ist innerliche Kraft und äußere Tat, er ergreift alle Menschen guten Willens, die bereit sind, sich Gott und seinem Wort zu öffnen.

Noch einmal zurück zu den Demonstrationen gegen Rassismus  in den USA:

Ich weiß nicht, ob sie die Szene gesehen haben als bei einer Demonstarion ein 75jähriger Mann von einem Polizisten umgestoßen wurde.
Der Polizist schien seine Tat augenblicklich zu bereuen,  wandte sich dem am Boden liegenden zu, hob sein Angesicht über ihn und schaute ihm den Bruchteil einer Sekunde  in die Augen. Ehe er ihm aber seine Hand reichen konnte, drückte ein anderer Polizist ihn weg und zog ihn fort.
Derjenige, der helfen wollte und dies in der Hinwendung seines Angesichtes zum Ausdruck gebracht hatte, hatte leider nicht den Mut, dem Kollegen in die Parade zu fahren und umzukehren zu dem, der Hilfe brauchte. 

Wenn es von Gott heißt, dass er sein Angesicht auf uns hebt und uns Frieden schenkt, bedeutet dass auch, dass unser Blick sich öffnet für und gegen die Not, in der wir gebraucht werden.

Zum Schluß: Wer segnet?
Der Pastor oder die Pastorin segnen, Eltern segnen ihre Kinder und Kinder ihre Eltern mit guten Worten, selbstgemalten Bildern und manchmal rotzigen Nasen. Sterbende legen ihren Segen auf ihre Nachkommen und dann einmal auch werden wir das Zeitliche segnen.  Dichter segnen ihre Leser und Musiker ihre Hörer mit ihrer Kunst.

In all dem und vielem mehr aber segnet Gott mit dem guten Gaben seiner selbst und seinem Namen, den er auf uns legt, - uranfänglich in der Taufe mit dem Wasserzeichen seiner Liebe und wieder und wieder mit den Segensworten, die uns hinausgeleiten aus dem Gottesdienst in den Alltag unserer Welt, damit sein Frieden sich entfaltet in uns und um uns.
Amen



Pfingstpredigt am 31. Mai 2020 in St. Jürgen, gehalten von Pastor Stefan Henrich in einem musikalischen Gottesdienst mit Jens-Peter Müller (Geige und Gitarre) und Hinrich Langeloh (Concertina)

Predigttext Apostelgeschichte 2,1-21:

Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle beieinander an einem Ort.
Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Sturm und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt und wie von Feuer, und setzten sich auf einen jeden von ihnen, und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen zu reden eingab.
Es wohnten aber in Jerusalem Juden, die waren gottesfürchtige Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. Als nun dieses Brausen geschah, kam die Menge zusammen und wurde verstört, denn ein jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden. Sie entsetzten sich aber, verwunderten sich und sprachen: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, Galiläer? Wie hören wir sie denn ein jeder in seiner Muttersprache? Parther und Meder und Elamiter und die da wohnen in Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, Pontus und der Provinz Asia, Phrygien und Pamphylien, Ägypten und der Gegend von Kyrene in Libyen und Römer, die bei uns wohnen, Juden und Proselyten, Kreter und Araber: Wir hören sie in unsern Sprachen die großen Taten Gottes verkünden. Sie entsetzten sich aber alle und waren ratlos und sprachen einer zu dem andern: Was will das werden? Andere aber hatten ihren Spott und sprachen: Sie sind voll süßen Weins.
Da trat Petrus auf mit den Elf, erhob seine Stimme und redete zu ihnen: Ihr Juden, und alle, die ihr in Jerusalem wohnt, das sei euch kundgetan, vernehmt meine Worte! Denn diese sind nicht betrunken, wie ihr meint, ist es doch erst die dritte Stunde des Tages; sondern das ist's, was durch den Propheten Joel gesagt worden ist (Joel 3,1-5):
»Und es soll geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, da will ich ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter sollen weissagen, und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen, und eure Alten sollen Träume haben; und auf meine Knechte und auf meine Mägde will ich in jenen Tagen von meinem Geist ausgießen, und sie sollen weissagen.
Und ich will Wunder tun oben am Himmel und Zeichen unten auf Erden, Blut und Feuer und Rauchdampf; die Sonne soll in Finsternis verwandelt werden und der Mond in Blut, ehe der große und herrliche Tag des Herrn kommt.
Und es soll geschehen: Wer den Namen des Herrn anrufen wird, der soll gerettet werden.«


Liebe Gemeinde

Die Stadt ist voll, die Grenzen sind offen.
Aus aller Welt sind Leute gekommen ein schönes Fest zu feiern.
Kein Abstandsgebot schafft Distanz. Verschiedene Sprachen klingen durch die Gassen, nicht jeder versteht jeden. Wein fließt in Strömen aus Bechern in Kehlen,  irgendwann liegen eben noch Unbekannte einander in den Armen.
Die Türen zum Tempel stehen offen. Gott wird gelobt und gepriesen für seine Schöpfermacht. Das jüdische Wochenfest (Der Evangelist Lukas nennt es Pfingstfest...)  ist ein bunter Markt voller Möglichkeiten mit internationalem Flair.
Auch die Jünger Jesu sind da.
Die um sie wogende Festfreude hat es schwer ihre Herzen und Sinne zu erreichen. Noch sind sie gefangen in ihren Ängsten und in der Trauer um ihren Meister.
In einem Raum hocken die Betrübten, von draußen dringt der Festlärm hinein. Das macht die eigene Trauer nur größer.
Was hatte Jesus geheimnisvoll andeutungsreich gesagt, als er Abschied von ihnen nahm:
Ich will euch einen Tröster senden, dass er bei euch sei in Ewigkeit. (Vgl. Johannes 14,16)

Was für ein Trost wäre jetzt passend?
 
Welchen Trost braucht der alte Mann im Pflegeheim, der bis heute nicht verstanden hat, warum seine Kinder ihn nicht mehr besuchen kommen. Seine Winterschuhe stehen noch unter dem Bett. Was wäre das, wenn jemand käme und mit ihm an den Hafen ginge auf ein Eis oder Fischbrötchen.

Glücklich dagegen kommt das Kind nach hause. „Wir haben an der Kirche Wettrennen gemacht, immer um die Kirche rum mit Roller und Fahrrad. Und dann sind wir in einen Baum geklettert, ganz weit hoch. Das war schön und morgen darf ich wieder zur Schule.“
Das andere Kind erzählt: „Für Religion sollten wir online die Geschichte vom Turmbau zu Babel suchen.
In der Geschichte verstehen sich alle Menschen und bauen eine schöne Stadt, dann aber wollen sie einen Turm bauen, der bis in den Himmel reicht. Wisst ihr, was Gott da macht? Er macht, dass einer den anderen nicht mehr versteht, und so kriegen die Turmbauer Streit und hauen alle ab von deer Baustelle.
Im Internet hab ich ein schönes Bild davon gesehen, das war ein dicker Turm, aber er reichte nicht in den Himmel. Breughel glaub ich hieß der Maler…“

„Was machen wir zu Pfingsten“, fragte die Mutter.
In der Zeitung hatte sie gelesen, dass in einem Naturschutzgebiet an der Schlei ein seltener Vogel erstmalig gesichtet worden sei. Ein Mongolenregenpfeifer sei das, auf dänisch heißt der Regenpfeifer „præstekrave“,- Priesterkragen, so wußte sie zu erzählen
„Wollen wir da nicht hin an die Schlei?“
Zum Glück guckten die naturbegeisterten Eltern noch mal in die Zeitung. Das eigentlich öffentlich zugängliche  Nauturschutzgebiet sei geschlossen worden, rücksichtslose Zeitgenossen hatten da jedes Gespür für die Natur und Tierwelt vermissen lassen. Abstandsgebote und und das Einhalten der Naturschutzregeln hatten überhaupt nicht funktioniert.

Die Mutter, die sich sehr auf den Ausflug gefreut hatte sagte dann auch ein bisschen resigniert: „Welcher Geist treibt diese Leute?  Am besten schreibt die Zeitung gar nichts mehr über seltene Vögel, das wäre der beste Schutz für die bedrohte Kreatur.“ Und ein bisschen selbstkritisch fügte sie dann hinzu. „Na, wir hätten uns vielleicht auch ein anderes Ziel suchen sollen.“ Und das taten sie auch. Sie gingen morgens mal wieder in die Kirche zum Pfingstgottesdienst. Dort gab es auch einen Vogel am Altar zu sehen, das war die Taube als ein Zeichen für den Heiligen Geist, danach ging es in den Volkspark zum Picknick.

Welchen Trost brauchen wir, welchen Trost brauchen Sie persönlich, welcher Geist soll uns leiten? Die Pfingstgeschichte gibt eine eigene Antwort:

Heiliger Geist fährt wie frischer Wind und reinigendes Feuer unter die Jünger. Sie werden aus lähmender Trauer hochgerissen. Über den Köpfen zündeln Flammen ohne die Häupter zu verbrennen. Begeistert fangen die eben noch Stummen an zu predigen und wer noch denkt „Lass die mal, die versteht ja doch keiner“, der versteht tatsächlich selber nichts von dem was hier nun abläuft.
Die Festgäste aber in all ihren Fremdsprachen, die verstehen, was die Jünger sagen.
In  nie gehörter Vielfalt reden die Jünger von den großen Taten Gottes und die es hören, sind bis auf ein paar Zweifler begeistert.

Die Zweifler, die dem ganzen nicht trauen, fragen ein wenig spöttisch: Sind die da alle betrunken?
Aber Petrus stellt klar, dass das so früh noch nicht der Fall ist. Das ist kein Fall fürs  Konterbier und das hier ist auch kein zeitig früher Stammtisch, nein, das ist die Ausgießung des Heiligen Geistes und darunter verändert sich die Welt.
Petrus erinnert in diesem Zusammenhang alte prophetische Worte, nach denen Alte und Junge Träume und Visionen haben sollen. Jungen und Mädchen und Frauen und Männer sollen weissagen , also weise Dinge sagen und nicht dummes Zeug, und Gottes Geist soll sie leiten und verbinden was zerbrochen ist.

Das Fest wird noch mal so schön,  3000 Leute lassen sich an Ende des Tages taufen, was für ein Anfang für eine weltweite Zeitenüberdauernde Bewegung.
2000 Jahre später feiern wir das Fest in unserer Kirche ganz anders mit allen Einschränkungen auch, die die Achtsamkeit gegenüber dem Virus noch gebietet.
 
Eine Frage hat sich mir dabei aufgetan: Ist nicht das, was wir zur Zeit erleben, unter anderen Vorzeichen ganz ähnlich dem, was in der Turmbaugeschichte geschah?
Dort das monumentale Bauwerk, das in den Himmel ragt.
In unserer Gegenwart das winzig kleine Virus, dass alle Lebensbezüge erfasst.
Damals der Mensch, der in seiner Hybris den Himmel stürmen wollte, heute wir in einem oft rücksichtslosen Umgang mit Natur und Kreatur.
Es ist ja eine der Thesen zu Covid -19, dass aufgrund vielfach zerstörter Lebensgrundlagen gefährliche Viren von Wildtieren viel leichter überspringen können auf den Menschen, der ihnen einfach zu nahe gekommen ist.
Das Virus heute wirkt in alle sozialen und kreatürlichen Beziehungen hinein, während beim Turmbau zu Babel ausschließlich die soziale Einheit durch die Sprachverwirrung gestört wurde.
Beim ersten Pfingstfest war es dann so, dass der von Jesus gesandte Geist der Wahrheit, der Tröstergeist, die babylonische Sprachverwirrung auflöst  in der Form, dass in der sich gründenden Kirche alle sozialen Verwerfungen  aufgehoben wurden in ein gegenseitiges Verständnis gelungener Lebensbezüge hinein. 

Frage heute:
Ist es von Pfingsten herkommend eine der großen Aufgaben für uns in den Kirche auf ein ausgewogen gutes  Verhältnis von Mensch und Tier  in intakter Natur im Zusammenspiel mit anderen gesellschaftlichen Gruppen hinzuwirken?
Dass wir dabei Gott als den Schöpfer und Christus als unseren Retter anerkennen und uns durch ihrer beider heiligen Geist leiten lassen, das wäre die beste Grundlage für alle Visionen und Weissagungen von denen der Prophet Joel kündet. Dass die Stimmen der Kinder und Jugendlichen gehört werden (und das nicht nur freitags...), die Stimmen der Alten aber auch.
Eine Stimme Anfang Mai dabei klang überraschend, nicht wegen des Inhalts, aber weil man solche Worte eher aus anderem Mund erwartet hätte:

„Die Coronakrise ist ein Weckruf, mit Natur und Umwelt anders umzugehen.
Deswegen können wir nicht einfach zur Normalität der Globalisierung zurückkehren.
Der Immer-Weiter-Schneller-Mehr-Kapitalismus muss aufhören.“

Wissen Sie, wer das gesagt hat ?
Das war nicht Katja Kipping von der Linken und auch nicht Papst Franziskus aus Rom, das war Gerd Müller der Bundesentwicklungsminister, und der ist in der CSU.
Manch einer hätte aus seiner solche Worte eher nicht erwartet, aber unsere Erwartungen sind zum Glück nicht das Maß der Dinge. Der Entwicklungsminister sagte auch es stelle sich die Sinnfrage, denn: „Jedes einzelne Leben ist nur ein Flügelschlag in der Geschichte des Planeten. Wir tragen Verantwortung für die nächsten Generationen und Verantwortung vor Gott.“
(Quelle: rp-online.de/politik/deutschland/mueller-fordert-zum-erdueberlastungstag-abkehr-von-kapitalismus_aid-50338885, abgerufen am 30.05.2020)

Pfingsten 2020,-  der Geist weht im Flügelschlag eines jeden Lebens. Vieles ist anders, anderes ist zum Glück geblieben. Zum Beispiel das::
Der Tröstergeist ist der Geist der Wahrheit. Um die dürfen wir bitten und uns daran halten. Amen




Preddigt am Himmelfahrtstag, gehalten von Pastorin Sylvia Meyerding

 

Liebe Himmelfahrtsgemeinde!

"Aber sollte Gott wirklich auf erden wohnen? Siehe, der Himmel und aller Himmel können dich nicht fassen." So heißt es 1. Könige 8,27. Eine spannende Frage, der ich in dieser Predigt nachgehen möchte.

Auf dem Liederzettel finden Sie ein Bild, dass mich fasziniert hat. Es fasst auf eindrückliche Weise das Leben Jesu zusammen. Er hat auf dieser Erde gelebt. Er hat seine Fußspuren hinterlassen. Und sie führen in den Himmel. Das wurde den Jüngern an Himmelfahrt deutlich. Viele Frauen und Männer, denen Jesus begegnet ist, haben das so gesehen. Und so bekennen wir Christinnen und Christen bis heute: Wir glauben an Jesus Christus, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen.

Jesu Weg war ein steiniger Weg. Auf dem Bild sehen wir die Via Dolorosa in Jerusalem. Die Straße des Schmerzes und der Tränen. Der Tradition nach die letzte Straße, die Jesu gegangen ist. Jesus ist sie bis zum Ende gegangen. Bis zum Kreuz. Ein Schatten des Kreuzes fällt von rechts ins Bild. 

Und doch: Die Straße ist in helles, fast österliches Licht getaucht. Und da sind diese Fußabdrücke, die das Bild bestimmen. Die Steine sind durchbrochen. Sie geben den Blick frei auf den Himmel: Wo Jesus ist.

Ein Fußabdruck ist einerseits so individuell wie ein Fingerabdruck und verändert ich andererseits im Laufe unseres Lebens stetig. 

Und jetzt schauen die Jünger den Fußabdrücken Jesu hinterher. Dabei tut sich ein Blick in den Himmel auf. Doch die Jünger bleiben zurück.

Eine weitere Kurve in der Achterbahn ihrer Gefühle, die sie in den letzten Wochen mitgemacht haben

Gründonnerstag das feierliche Passahmahl mit ihrem Freund und Meisters, am  Karfreitag dann sein grausamer Tod. Und nur weinige Tage später- die Trauer noch ganz frisch- an Ostern die Begegnung mit dem auferstandenen Christus. Und jetzt gerade seine Himmelfahrt! Aufgefahren in den Himmel. Man möchte meinen, nach der Auferstehung Jesu hätte sie so schnell nichts mehr aus der Fassung gebracht. Und doch standen sie eine halbe Ewigkeit und starrten abwechselnd in den Himmel und auf den Fleck, wo Jesus gerade noch gestanden hat, bevor er in einer Wolke verschwunden war. Sie konnten sich erst losreißen als zwei Männer – waren es Engel? – sie nach Hause schickten. 

Jesus hat Spuren hinterlassen bei denen, die ihm am nächsten waren, seinen Jüngern und Jüngerinnen. Er hat sie zu gerufen, mit ihm zu gehen. Sie haben sich aufgemacht, sind ihm gefolgt. Haben ihr Leben radikal geändert. Gemeinsam waren sie unterwegs mit dem Sohn Gottes. Gemeinsam haben sie viele Spuren hinterlassen, im Sand zwischen dem See Genezareth und der Hauptstadt Jerusalem.

„Aber sollte Gott wirklich auf Erden wohnen“ fragt der Predigttext. 1. Kön 8,27

Jesus wohnte auf der Erde, ganz Gott- und hat sein Leben mit denen geteilt, denen er begegnet ist. Er hat Eindruck hinterlassen bei den Menschen, auch bei denen, denen er nur kurz begegnet ist: Bei den Weisen aus dem Morgenland, dem glücklich geheilten Gichtbrüchigen, der ruhigen Maria und der fleißigen Martha, dem staunenden Hauptmann in Kapernaum oder der verzweifelten Witwe zu Nain. Bei all den Menschen, die seine Worte gehört, seine Wunder gesehen und seinen Tod und seine Auferstehung voll Staunen bezeugt haben – damals wie heute.

„Aber sollte Gott wirklich auf Erden wohnen? Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen.“ 1. Kön 8,27

Der Menschensohn kam den Menschen nahe, lebte unter ihnen. Dann war es Zeit zu gehen und die Menschen mussten ohne seine Nähe auskommen. Denn Himmel und aller Himmel Himmel können ihn nicht fassen. Jesus kehrt dahin zurück, wo er hergekommen ist. Jesus kehrt zurück zu Gott und er nimmt seinen Platz ein zur Rechten Gottes. Die Menschen stehen da und schauen ihm nach: Den Blick auf den Himmel gerichtet und auf die Spuren, die er hinterlassen hat – sie führen in den Himmel.

Nach einem Abschied bleibt eine Lücke. Da zieht der älteste Bruder aus und die jüngeren Geschwister müssen sich neu orientieren und formieren. Und die Eltern erst... Die Kollegin wird pensioniert und ein ganzes Büro mit allen Angestellten muss sich an „die Neue“ gewöhnen. Eine Freundin zieht weg. Ehen und Partnerschaften zerbrechen. Und gar nicht so selten verliert man sich einfach aus den Augen. Wenn Menschen gehen, dann bleibt eine Lücke.

„Niemals geht man so ganz“, singt die Schauspielerin und Sängerin Trude Herr 1987. „Irgendwas von mir bleibt hier. Es hat seinen Platz immer bei dir.“

Irgendwas von Jesus bleibt hier. Wir feiern seinen Geburtstag an Weihnachten und erinnern uns an sein Sterben am Karfreitag. Christinnen und Christen erzählen seine Geschichten, seit den Tagen der Jünger und Jüngerinnen immer weiter. „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ sagt Jesus. Wir versammeln uns in seinem Namen, feiern Gottesdienst, teilen Brot und Wein. Und es gibt sie immer noch, die Menschen, die seine Worte hören, seine Wunder sehen und seinen Tod und seine Auferstehung bezeugen. Irgendwas von Jesus bleibt hier.

Und doch hinterlässt er eine Lücke, einen Leerraum, einen Riss. Jesus ist aufgefahren in den Himmel.

Wir müssen leben, wie die Jünger und Jüngerinnen nach seiner Himmelfahrt: Wir müssen leben, ohne Jesus in unserer Mitte zu haben. Wir können ihn nicht anfassen, wenn uns der Zweifel überrennt. Wir können ihn nicht fragen, wenn wir so gar nicht wissen, was wir tun sollen. Wir können seine Wunder nicht sehen, wenn wir sie so dringend  bräuchten.

„Aber sollte Gott wirklich auf Erden wohnen?“ Wohl kaum, denn „Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel können ihn nicht fassen.“ 1. Kön 8,27

Jesus nimmt Abschied von seinen Vertrauten. Das ist aber nur das eine.                  Das andere: Jesus nimmt seinen Platz ein, im Himmel, für alle Menschen. Jesus wird, was er ist und immer war: Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott. An allen Orten und zu allen Zeiten für alle Menschen.

Jesus, der Mensch und der Sohn Gottes, ist nicht spurlos verschwunden.

Himmel und Erde können ihn nicht fassen, doch er hat auf der Erde seine Spuren hinterlassen. Auf dem staubigen Boden der judäischen Wüsten und auf den blühenden Frühlingswiesen Galiläas. Auf der Via Dolorosa und dem gestampften Boden seines leeren Grabes. Er hat Spuren hinterlassen im Leben der Jünger und Jüngerinnen und im Leben derer, die ihm nur kurz begegnet sind. Und er hat Spuren hinterlassen im Leben unzähliger Christinnen und Christen – damals wie heute. Jesus hinterlässt Spuren auch in meinem Leben und in deinem:

Dort, wo in seinem Namen Menschen über sich hinauswachsen und für Frieden und Gerechtigkeit einstehen.

Dort, wo Menschen aufrichtig lieben, sich nehmen, wie sie sind und einander dienen.

Dort, wo der Himmel auf Erden für wenige kostbare Augenblicke greifbar wird, in einer zärtlichen Berührung, dem Lied einer Amsel oder dem Lächeln eines Fremden.

Jesus Christus ist nicht spurlos vorüber gegangen an dieser Welt. Niemals geht er so ganz. Seine Spur in den Himmel bleibt hier. Das ist unsere Hoffnung und unsere Freude. Amen.

 

Lied: Wir haben Gottes Spuren festgestellt

 

Predigt am Sonntag Rogate- Betet!- gehalten von Pastorin Sylvia Meyerding

Friede sei mit euch von dem, der da war, der da ist und der da sein wird.

Liebe Gottesdienstgemeinde, In Gesprächen höre ich oft den Satz: Es tut mir manchmal selber leid- aber ich kann einfach nicht mehr beten.

Manchmal finden die Menschen die innere Ruhe dazu nicht mehr, manchmal ist der Gesprächsfaden zu Gott schon lange abgerissen und sie wissen nicht, wie sie ihn wieder aufnehmen sollen. Und manchmal passt die Form des Gebets nicht mehr zum eigenen Leben. Versuche enden dann oft, weil der Beter den Sinn des Betens für sich nicht mehr finden kann. Denn Beten kann so vielfältig sein, wie unser Leben. Vier Texte habe ich deshalb mitgebracht, die auf ganz unterschiedliche Form vom Gebet erzählen. Zwei Mal hören wir zwischen den Texten Musik. Die erste Geschichte erzählt von dem, was uns vielleicht zuerst einfällt, aber nicht mehr so leicht geht. Doch manchmal können wir von Kindern lernen.

Eine Woche ist die kleine Enkelin bei den Großeltern einquartiert. Heute Abend soll sie unbedingt der Opa ins Bett bringen. Zunächst hat er abgewehrt- „Das kann die Oma doch viel besser.“ Doch letztlich hat er sich gefügt und sitzt nun an ihrer Bettkannte. „Müde bin ich, geh zur Ruh“ hat die Kleine gerade gebetet und er will aufstehen. Aber sie hält ihn auf. „Noch nicht Opa“, das Wichtigste kommt noch! Erst kommen die schönen Sachen: „Danke, lieber Gott für den tollen Tag heute und dass Oma mein Lieblingsessen gekocht hat. Dann kommen die nicht so schönen Sachen: Lieber Gott, ich habe meinem Opa eine Rose abgerupft. Das tut mir leid. Ich wollte sie Oma schenken, aber Opa wollte ich nicht ärgerlich machen. Amen“

„Mein Schatz, ich bin dir doch nicht mehr böse,“ meint der Opa. Und es tut ihm immer noch leid, dass er aufgebraust ist. „Ich weiß, Opa,“ antwortet die Kleine. „Aber ich möchte das Gott sagen, damit es wieder gut ist und ich nicht mehr daran denken muss. Dann kann ich viel besser schlafen. Jetzt kannst du runter zu Oma.“

Den ganzen restlichen Abend begleiten den Großvater diese Worte. Auch ihm geht immer wieder durch den Kopf, was ihn belastet oder ärgert- vor allem, wenn er etwas falsch gemacht hat. Den Geburtstag des alten Kollegen vergessen, den Skatfreund nicht im Krankenhaus besucht… Natürlich hat er sich entschuldigt- aber die Unruhe bleibt. Er steht am Fenster und blickt in die Nacht hinaus. „Lieber Gott,“ denkt er. Und weiter? Der Anfang ist ein bisschen holprig, aber bald kommen die Gedanken wie von selbst.

Da geht die Tür auf. „Was machst du denn da im Dunkeln?“ hört er seine Frau fragen. Er lächelt verlegen. „Ich habe gerade versucht, ein paar Dinge bei Gott loszuwerden, damit es wieder gut ist und ich nicht mehr daran denken muss. Und weißt du was? Ich habe wirklich das Gefühl, es dreht sich nicht mehr in meinem Kopf herum.“

Musik

Von zwei ganz anderen Arten zu beten erzählt der nächste Text:                                                Es war einmal ein Gaukler, der tanzend und springend von Ort zu Ort, von Jahrmarkt zu Jahrmarkt zog, und überall gaben ihm die die Leute so viel, dass es ihm zum Leben reichte. Doch er wurde älter und sehnte sich nach einem Platz, an dem er bleiben konnte.  Deshalb klopfte er an das Tor eines Klosters und bat, in die Reihe der Mönche aufgenommen zu werden. Aber weil er bis dahin sein Leben mit Springen, Radschlagen und Tanzen zugebracht hatte, war ihm alles fremd, was die Klosterbrüder machten: Er konnte nicht beten und auch keine religiösen Lieder singen. So ging er stumm umher, und wenn er sah, wie sie alle aus frommen Büchern lasen, während der Messe im Chor mitsangen und viele Gebete sprechen konnten, stand er dabei und schämte sich ...

In seinem Gram flüchtete er eines Tages in eine abgelegene Kapelle. „Wenn ich schon nicht zusammen mit den Mönchen beten kann", sagte er vor sich hin, „so will ich tun, was ich kann."

Er zog sein Mönchsgewand aus und stand da in seinem bunten Röckchen, in dem er als Gaukler umhergezogen war. Und während er die Lieder der Mönche hört, beginnt er mit Leib und Seele zu tanzen - vor- und rückwärts, linksherum und rechtsherum. Mal geht er auf seinen Händen durch die Kapelle, mal überschlägt er sich in der Luft und springt die kühnsten Tänze, um Gott zu loben. Er tanzt ununterbrochen, bis ihm der Atem stockt und seine Beine nicht mehr können.

Ein Mönch war ihm gefolgt und hatte durch ein Fenster seine Tanzsprünge gesehen und heimlich den Abt geholt. Am Abend ließ der Abt den tanzenden Bruder zu sich rufen. Der Arme erschrak zutiefst und dachte, er solle bestraft werden. Also fiel er vor dem Abt nieder und sprach:

„Ich weiß, Herr, dass ich hier nicht mehr bleiben kann. So will ich freiwillig ausziehen und wieder in Geduld die Unrast der Straße ertragen."

Doch der Abt verneigte sich vor ihm, und sprach: „In deinem Tanz hast du Gott mit Leib und Seele geehrt. Uns aber möge Gott alle Worte verzeihen, die uns über die Lippen kommen, ohne dass unser Herz sie sendet."

Der Gaukler tut das, was er besonders gut kann: Er lobt und ehrt Gott durch sein Tanzen und Springen, sie sind das Gebet, das am besten zu ihm passt. Vielleicht erleben die Menschen, die mit Pastorin Franzen Meditative Tänze machen oder mit der Kantorei eine Passion einüben, ja Ähnliches, während andere spüren, wie gut ihnen das  Pilgern tut.

 

Musik

 

Der Däne Sören Kierkegaard wird heute weltweit als Vater des Existenzialismus verehrt. Zugleich war er Religionskritiker und überzeugter Christ, der darum gerungen hat, Glauben in seiner Tiefendimension zu ergründen. Über das Gebet schreibt er:

Als mein Gebet immer andächtiger und innerlicher wurde,
da hatte ich immer weniger zu sagen.
Zuletzt wurde ich ganz still.

Ich wurde, was womöglich noch ein größerer Gegensatz zum Reden ist,
ich wurde ein Hörender.

Ich meinte erst, Beten sei Reden.
Ich lernte aber, dass Beten nicht bloß Schweigen ist, sondern Hören.

So ist es: Beten heißt nicht, sich selbst reden hören.
Beten heißt: still werden und still sein und warten,
bis der Betende Gott hört.

SÖREN KIERKEGAARD entdeckt die Stimme des Gebets. Nicht seine Stimme – nein – die Stimme Gottes, auf die er warten kann, still und andächtig. Gewiss, Kierkegaard lebte nicht in der Hektik unserer Zeit, in der das Hören scheinbar immer schwerer fällt und die Stille Angst auslöst. Vielleicht müssen wir das heute noch mehr üben als Menschen in weniger reizüberfluteten Zeiten. Und vielleicht bieten auch gerade diese Wochen, in denen viele gewohnte Ablenkungen wegfallen, die Gelegenheit dazu.  Zu diesem Üben möchte der letzte Text ermutigen:

Da kommt ein junger Mann zu einem Weisen, weil er das Beten verlernt habe. Der weise Mann verspricht ihm eine Antwort auf seine Frage, wenn er mit einem Korb zum Brunnen gehen und Wasser holen würde.

Gehorsam nimmt der Mann den Korb, geht zum Brunnen, füllt den Korb und kommt zurück. Doch bis er den Weg zurückgelegt hat, ist das Wasser längst aus dem Korb geronnen.

Wieder fragt der junge Mann den Weisen und wieder wird ihm befohlen, Wasser mit dem Korb zu holen.

Dreimal geschieht das so- da begehrt der junge Mann auf und sagt: Es hat doch keinen Zweck. Du siehst doch, dass ich es immer wieder versuche und es gelingt mir einfach nicht, dass Wasser bis zu dir zubringen.

Du hast recht, antwortet da der Weise. Wasser hast du mir nicht gebracht. Aber der ehemals dreckige Korb ist nun ganz sauber. Bete- und auch du wirst dich verändern.

Musik

 

 

Gottesdienst am 10. Mai 2020 in St. Johannis mit einer Predigt von Pastorin Sylvia Meyerding

Orgelmusik

Begrüßung:
Friede sei mit euch….. Acht Wochen konnten wir nicht gemeinsam Gottesdienst feiern. Wir haben die Karwoche und Ostern nicht gemeinsam erleben können.
Wir haben zu Hause ausgeharrt. Haben Einsamkeit erlebt oder Konflikte ausgetragen, sind an unsere Grenzen gekommen:
Von einem Moment auf den anderen waren wir ohnmächtig. Hatten unser Leben nicht mehr in der Hand. Viele haben sich gefragt:
Warum geschieht das alles? Viele haben immer noch Angst: um geliebte Angehörige und um gefährdete Bekannte, um die wirtschaftliche Existenz oder darum, was diese Krise mit unseren Kindern und Jugendlichen macht.
Und nun sind wir hier: Mit unserer Sehnsucht nach Gott, nach der Begegnung mit ihm in einem festen Rahmen. Nach Geborgenheit. Sie bringen wir vor ihn mit dem Lied „Meine engen Grenzen“. Unsere Organistin wird das Lied für uns spielen. Laut singen dürfen wir noch nicht.  Aber wir können den Text verfolgen und innerlich und äußerlich summen- Gott wird uns verstehen. Und so feiern wir diesen Gottesdienst im Namen Gottes, Quelle allen Lebens..

63: Meine engen Grenzen, Strophe 1-4 (My life is in your hands 63).

Wieviel haben wir erlebt in den letzten Wochen! Angst, aber auch positives.
Gottesdienste wurden über Telefon und Internet gehalten.
Glocken und Kerzen riefen zum Gebet
Man war verbunden, ohne beieinander zu sein.
Wildfremde haben Hilfe angeboten, Solidarität wurde wichtig.
Neben all den Schwierigkeiten gab es auch Überraschungen, kleine Wunder.
All das bringen wir vor Gott und beten:

Gebet:
Gott, wir kommen zu dir, mit allem, was uns bewegt und vertrauen darauf, dass du für uns da bist.
Dich preisen unsere Lieder –
leise und laute, gesummte und gespielte Weisen.
Dein Wort schenkt uns Freude und Zuversicht.
Es tröstet und stärkt uns.
Lass und das immer wieder erfahren.
Amen.

Friede sei mit euch, von dem, der da war, der da ist und der da sein wird!
Liebe Gottesdienstgemeinde
haben Sie die gemeinsamen Gottesdienste in diesem Raum vermisst? Es gibt ja zur Frage, wann sie wieder stattfinden sollen, unterschiedliche Auffassungen.
Die einen sagten: möglichst spät, denn Gottesdienstbesucherinnen und -besucher zählen meist zur Risikogruppe! Oder sagen: Mit all den Einschränkungen und Begrenzungen ist es nicht der Gottesdienst, den ich mir vorstelle. Da warte ich lieber, bis es wieder ohne angezogene Handbremse geht.
Andere sagen: Wenn Baumärkte aufhaben, wir auch! Wie so oft gibt es da wohl nicht die eine richtige Antwort. Wie so oft ist die Entscheidung von unseren eigenen Erfahrungen und Wünschen geprägt: Wie gut komme ich mit Fernseh- oder Internetgottesdiensten zurecht? Geben sie mir etwas? Wie sehr vermisse ich die gemeinsamen Gottesdienste in der Kirche, die sichtbare Gemeinschaft, die persönliche Ansprache?
Sie haben die Gottesdienste in St. Johannis offensichtlich vermisst, sonst wären Sie heute nicht als eine der Ersten wieder hier.
Im Psalm 27 wird die Freude über den Gottesdienst wunderbar ausgedrückt. Wir lesen ihn gemeinsam in Auszügen
 
Der Herr ist meines Lebens Kraft
 
Der Herr ist mein Licht und mein Heil;
vor wem sollte ich mich fürchten?
 
Der Herr ist meines Lebens Kraft;
vor wem sollte mir grauen?
 
Eines bitte ich vom Herrn, das hätte ich gerne:
dass ich im Hause des Herrn bleiben könne mein Leben lang,
 
zu schauen die schönen Gottesdienste des Herrn
und seinen Tempel zu betrachten.
 
Denn er deckt mich in seiner Hütte zur bösen Zeit,
er birgt mich im Schutz seines Zeltes
und erhöht mich auf einen Felsen.
 
Herr, höre meine Stimme, wenn ich rufe;
sei mir gnädig und erhöre mich!
 
Mein Herz hält dir vor dein Wort:
»Ihr sollt mein Antlitz suchen.«
Darum suche ich auch, Herr, dein Antlitz.
 
Verbirg dein Antlitz nicht vor mir,
verstoße nicht im Zorn deinen Knecht!
 
Denn du bist meine Hilfe; verlass mich nicht
und tu die Hand nicht von mir ab, Gott, mein Heil!
 
Denn mein Vater und meine Mutter verlassen mich,
aber der Herr nimmt mich auf.
 
Ich glaube aber doch, dass ich sehen werde
die Güte des Herrn im Lande der Lebendigen.

 Psalm 27,1.4.5.7-10.13   

Glaubensbekenntnis

Orgelmusik


Liebe Gottesdienstgemeinde,
Der Herr ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten? Der Herr ist meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir grauen?

Konnten Sie das sagen in den letzten Wochen? Oder waren Furcht und Grauen stärker? Ich hatte Furcht: Furcht um mir nahe Menschen, die durch ihre Vorerkrankungen besonders gefährdet sind. Diese Furcht habe ich immer noch, ich fürchte um ihre Gesundheit und ihr Leben.

Und Bilder des Grauens haben sich bei mir eingebrannt, aus Italien, Spanien oder Südamerika:
    • Menschen im einen Behelfskrankenhaussaal, fast nackt auf dem Bauch liegend am Beatmungsgerät.
    • Schnell ausgehobene Massengräber.
    • Und all das Erinnern an die Gräuel des zweiten Weltkrieges in diesen Tagen- 75 Jahre nach Kriegsende.
Der Herr ist meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir grauen?
Aus vollem Herzen könnte ich das nicht sagen. Und dabei habe ich es so gut! Ich lebe gemeinsam mit Mann und Hund in einem schönen Haus mit Garten, wirtschaftlich abgesichert. Ich kenne das Grauen nur aus der Ferne.

Der Psalmbeter kennt Bedrängnis und Furcht aus eigenem Erleben- deshalb sagt er: Herr, höre meine Stimme, wenn ich rufe. Sei mir gnädig und erhöre mich.

Doch zugleich spricht er aus einer tröstenden Erfahrung heraus, die er gemacht hat:

Er deckt mich in seiner Hütte zur bösen Zeit, er birgt mich im Schutz seines Zeltes und erhöht mich auf einen Felsen.
Vielleicht haben auch Sie solche Erfahrungen in diesen Wochen gemacht. Erfahrungen, die zeigen, dass Gott uns begleitet, bei uns ist.
Ich schaue zurück auf die letzten acht Wochen. Bei allen Schwierigkeiten, auch für uns als Gemeinden: Wie viel Schönheit Gottes war da trotz all der Beschränkungen! Was haben wir gelernt? Was ist dazu gekommen? Was hat Gott uns geschenkt in dieser Zeit?


    • Sehnsucht nach Gemeinschaft
    • Aufmerksamkeit füreinander.
    • Gottesdienste und Andachten am Familien-Tisch
    • Neue Formen von geistlicher Gemeinschaft


Bei unserem Ostertelefongottesdienst haben sich drei Schwestern von verschiedenen Orten aus eingewählt. Und am Nachmittag bekamen wir eine überschwängliche Mail: Unser erster gemeinsamer Ostergottesdienst seit vielen Jahren! Wie schön war es, ihn gemeinsam zu erleben und sich darüber auszutauschen. Danke!
Vielleicht konnten Sie erfahren, wie Menschen sich umeinander gekümmert haben
Vielleicht haben Sie mit Familienmitgliedern oder Freunden und Bekannten Kontakt aufgenommen, mit denen Sie sonst selten reden.
Vielleicht sind Sie in dieser Zeit der geschlossenen Kirchen Gott auf ganz andere Weise begegnet.
Und dennoch kann ich den Psalmbeter und seinen Wunsch gut verstehen:
„Eines bitte ich vom Herrn, das hätte ich gerne: dass ich im Hause des Herrn bleiben könne mein Leben lang/ zu schauen die schönen Gottesdienste des Herrn und seinen Tempel zu betrachten“

Warum? Weil mir persönlich gemeinsam gefeierte Gottesdienste gut tun. Zum einen wegen dieses wunderbaren Kirchraumes, der mein Herz und meine Sinne weitet und zugleich konzentriert, zum anderen wegen der Musik, die mich mit Freude, Hoffnung oder Wehmut erfüllt.
Vor allem aber wegen der Menschen, wegen Ihnen allen, die wir heute hier zusammengekommen sind! Zum Glauben gehört für mich die sichtbare Gemeinschaft. Das gemeinsame Feiern, gemeinsam im Haus des Herrn zu sein, gemeinsam zu hören, zu beten und wenigstens leise zu summen.

Martin Luther hat einmal über den Gemeindegottesdienst gesagt: „Hier ist der Vorteil dabei, wenn die Christen also zusammenkommen, dass das Gebet noch einmal so stark gehet, als sonst. Man kann und soll wohl an allen Orten und zu allen Stunden beten, aber das Gebet ist nirgends so kräftig und stark, als wenn der ganze Haufe einträchtig miteinander betet.“
Der Gottesdienst ist für mich auch ein Ort, an dem wir Gott gemeinsam daran erinnern können, dass wir ihn brauchen. Besonders in den Zeiten der Corona-Pandemie:
„Du bist meine Hilfe; verlass mich nicht und tu die Hand nicht von mir ab, Gott mein Heil“

Und ich stelle mir vor, was wird, wenn alles wieder möglich ist, was vor drei Monaten selbstverständlich war. Machen wir einfach weiter wie bisher? So wie es jedes Jahr zu Sylvester im „Dinner for one“ heißt: Same procedure as every year?
Oder können wir etwas mitnehmen aus dieser Zeit?
Die Erkenntnis vielleicht, dass es nicht um immer mehr, höher, weiter und schneller gehen muss. Satelittenbilder zeigen, wieviel reiner Luft und Wasser sind, wenn wir nur einige Wochen weniger produzieren! Hoffentlich fällt uns dann mehr ein, als Abwrackprämien zur Ankurbelung der Wirtschaft.
Hoffentlich vergessen wir auch nicht, dass die Leistungsträger nicht nur in den Chefetagen sitzen, sondern auch in den Krankenhäusern und Pflegeheimen, den Supermärkten und bei den Rettungsleitstellen. Und hoffentlich zeigt sich diese Erkenntnis nicht nur in Lobreden und Applaus, sondern führt zu besseren Arbeitsbedingungen.
Diese Zeit hat Wunden gerissen in so vieler Leben. Wir müssen gemeinsam nach Wegen suchen, sie zu heilen. Dazu brauchen wir Gottes guten Geist, der uns Einsicht, Phantasie und Geduld schenkt und bitten: „Du bist meine Hilfe; verlass mich nicht und tu die Hand nicht von mir ab, Gott mein Heil“
Denn wir dürfen mit dem Psalmbeter darauf vertrauen: Ich glaube aber doch, dass ich sehen werde die Güte des Herrn im Lande der Lebendigen.

Lied: EG 432 Gott gab uns Atem


Fürbitten
„Der Herr ist mein Licht und mein Heil; vor wem sollte ich mich fürchten?“
Gott, wir bringen vor Dich alle, deren Herz voll Angst und Sorge ist, um sich und andere,
die sich der Panik manchmal nicht erwehren können.
Für sie und uns bitten wir: Gedenke an Deine Verheißung "Ich bin bei euch".


„Eines aber bitte ich vom Herrn, das hätte ich gerne“
Wir bringen vor Dich alle, die schmerzlich Nähe und Gemeinschaft, Freiheit und Unbeschwertheit entbehren. Für sie und uns bitten wir: Gedenke an Deine Verheißung "Ich bin bei euch".


„Herr, höre meine Stimme, wenn ich rufe“
Wir bringen vor Dich alle, denen die Einsamkeit schwer auf der Seele liegt,
deren Arbeit durch die Schutzmaßnahmen bedroht ist, die große finanzielle Sorgen haben,
die sich von den vielen Neuerungen und Notwendigkeiten überfordert fühlen
Für sie und uns bitten wir: Gedenke an Deine Verheißung "Ich bin bei euch".

„Denn Du bist meine Hilfe, verlass mich nicht“
Wir bringen vor Dich alle, deren Gesundheit und Leben besonders gefährdet sind, die Kranken, die Sterbenden und alle, die sie lieben und für sie sorgen.
Für sie und uns bitten wir: Gedenke an Deine Verheißung "Ich bin bei euch".

„Ich glaube aber doch, dass ich sehen werde die Güte des Herrn im Lande der Lebendigen“
Wir bringen vor Dich alle, die in dieser Welt gestorben sind. [Stille]
Für sie und uns bitten wir: Gedenke an Deine Verheißung "Ich bin bei euch".

Stille

Vater unser
Segen

Orgelnachspiel



Predigt zum Sonntag "Jubilate" am 03. Mai 2020 von Pastor Stefan Henrich:

 Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen

Der Predigttext steht im Evanglium des Johannes im 15 Kapitel:
1 Christus spricht: Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner.
2 Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, nimmt er weg; und eine jede, die Frucht bringt, reinigt er, dass sie mehr Frucht bringe.
3 Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe.
4 Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht an mir bleibt.
5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.
6 Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt die Reben und wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen.
7 Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren.
8 Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.


Liebe Gemeinde,
seit Wochen gibt es keine Nachrichtensendung im Fernsehen, in der nicht im Hintergrund der Anmoderation das vieltausendfach vergrößerte Bild des „Sars-CoV-2“ - Virus zu sehen ist.
Kugelrund mit ausgenoppten krakenförmigen Tentakeln beherrscht es die sonstige Bilderflut der Nachrichtenlage und steht in dieser Dominanz auch für Durchdringung unseres Alltags und der Feiertage durch das Virus.
So vielfach die Tentakel so unterschiedlich sind auch die Reaktionen darauf. Bis in die Träume hinein verfolgt das Virus die einen, und gleichzeitig fühlen die meisten sich gut geschützt durch die bisher ja erfolgreichen Maßnahmen des bisherigen Lockdowns. Je besser aber die Maßnahmen griffen, umso lauter wurde der Ruf nach Lockerung der Maßnahmen und umso mehr Fragen stellen sich auch. Ist der Schutz noch verhältnismäßig im Blick auf die Nachteile, die die Schutzmaßnahmen bewirkten?
Wie schwer wiegt die Einschränkung der großen und kleinen Freiheiten; wie lange etwa hätte die pflegebedürftige Mutter die besuchslose Zeit noch ausgehalten?
Jetzt gibt es ja erste Möglichkeiten für nahe Angehörige zumindest für zwei oder drei Stunden Pflegeheime zu betreten. Und die Kinder freuen sich unbändig darauf, auf Spielplätzen zu toben und der Ladenbesitzer wartet auf Kundschaft, die verhalten mit Maske das Geschäft betritt. Und  wir in den Kirchen freuen uns darauf bald wieder leibhaftig gemeinschaftlich Gottesdienste feiern zu können.

Das Coronavirus in seiner vielfachen Vergrößerung ist auch Sinnbild für die Vereinzelung des Privatlebens, unter der viele leiden und die doch auch auf der Rückseite dessen eine Welle der Hilfsbereitschaft und des füreinander Einstehens geboren hat.
Das Bild, dass im Predigttext uns vor Augen gestellt wird,  mag da wie ein Gegenbild für eben diese rückseitige Welle stehen.
Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.
Jesus sagt das und er bleibt in dieser seiner Rede ganz in der Vorstellungswelt eines Weingärtners, der sich um seine Weinstöcke und ihre Früchte sorgt. Die faulen Früchte werden abgeschnitten und ins Feuer geworfen, Wasserschosse an den Reben werden im Frühjahr ausgebrochen und Triebe der Reben beschnitten, damit sie mehr Frucht bringen. Eine über das Erntejahr andauernde mühsam erfüllende Arbeit leistet der Weingärtner, ehe gute Ernte kraft seiner Bemühungen und dank günstiger Sonnenwetter zur Kelter gebracht werden kann.
Die Rebe steht dabei als ein Bild für die Gemeinschaft, die Christus gestiftet hat. Eine Gemeinschaft, in der wir als seine Gemeinde doppelt verbunden sind: In Zeit und Raum dieser Welt untereinander als Christen, die füreinander und für andere einstehen, ohne dass wir dabei das Christsein als Vorbedingung für Hilfe und Einstehen machen. Die Geschichte vom  barmherzigen Samariter etwa weist uns ja deutlich darauf hin, wie der ferne sonst außenstehende als der helfende Nächste sich erweist, und Barmherzigkeit verkehrte sich in ihr Gegenteil, wenn es Zulassungsbeschränkungen gebe für Hilfe und Zuwendung.
Und  zweitens sind wir verbunden über alle Grenzen von Zeit und Raum hinweg in der Ewigkeit Gottes mit Christus  und mit allen denen, die vor uns gingen und von denen wir in diesem Leben Abschied nehmen mußten.
Christus bricht mit seiner liebenden Macht alle Grenzen auf. Nach seinem eigenen Zeugnis sagt und verheißt er: Ohne mich könnt ihr nichts tun, aber ihr seid schon rein  um des Wortes willen, dass ich zu euch geredet habe. Rein sein heißt in diesem Zusammenhang doch: Ihr seid  aller schädlicher Einflüße enthoben.
Diese zwei Sätze aus der Rede begründen die Heilsmacht Jesu, die vor all unseren eigenen Bemühungen und Anstrengungen steht. „Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt“ sagt Jesus wenig später (Johannes 15, 16) und taucht uns dann in den kaskadenartigen Wasserfall einer göttlichen Liebe: Wie mich mein (himmlischer) Vater liebt, so liebe ich euch auch. Bleibt in meiner Liebe (Johannes 15, 9).

Eine geistliche Liebesbeziehung schenkt Jesus. In der dürfen wir bleiben dürfen ein Leben lang und eine Ewigkeit kurz. (Frage: Kann eine Ewigkeit kurz sein?)

Zum Schluß: Die Rebe, die Ausgangspunkt war für die Verheißungen Jesu, die bringt Frucht und wird zum wohlschmeckenden Wein, transformiert sich also in andere Zustände hinein. Wir sind ein Teil davon, auch wenn wir um unsere wahre von Gott zugesprochenen Bestimmung noch gar nicht ahnen, geschweige denn um sie wissen.  Der ansonsten auch für seine Schwierigkeiten mit den Religionen bekannte französische Dichter Michel Houellebecq hat einmal gesagt:

Der magische Ort des Absoluten und der Transzendenz./
Wo das Wort ein Gesang ist, das Gehen eine Tanz/
Den gibt es nicht auf Erden. Aber wir gehen ihm entgegen.

Dass wir unseren Weg gehen inmitten der verschiedensten Bilder und Einflüsse ist das eine. Das andere aber ist, dass wir unsere Augen, Ohren und Herzen immer wieder hinwenden können zu den Bildern, die die Bibel bereit hält für uns. Das Bild vom Weinstock und den Reben ist dabei nicht die schlechteste Zeichnung und macht Geschmack auf mehr. 
Amen

 

 

Predigt am Sonntag Quasimodogeniti (lat.: wie die neugeborenen Kinder) am 19. April 2020 von Pastor Stefan Henrich:

Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen

Der Predigttext steht im Buch des Propheten Jesaja im 40. Kapitel:
26 Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat all dies geschaffen? Er führt ihr Heer vollzählig heraus und ruft sie alle mit Namen; seine Macht und starke Kraft ist so groß, dass nicht eins von ihnen fehlt.
27 Warum sprichst du denn, Jakob, und du, Israel, sagst: »Mein Weg ist dem Herrn verborgen, und mein Recht geht an meinem Gott vorüber«?
28 Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der Herr, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich.
29 Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden.
30 Jünglinge werden müde und matt, und Männer straucheln und fallen;
31 aber die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.


Liebe Gemeinde,
ein Mensch allein vermag die Fülle der Sterne am Himmel nicht zu zählen, und auch heute mit den allerbesten Computerprogrammen lässt sich die Gesamtzahl der Himmelskörper nur schätzen.
Sie beträgt rund 10 Milliarden Sterne in einer jeden der rund 10 Milliarden Galaxien, das heißt 10 hoch 20 Sterne dürfen wir annehmen, gibt es. Deren Licht leuchtet in das Dunkel unserer Nächte hinein.

Mich hat es fasziniert, als ich als Junge irgendwann den Gedanken präsentiert bekam, dass eine Vielzahl von Sternen, die wir sehen, schon seit vielen Jahrmillionen nicht mehr existieren, nur ihr Licht ist noch unterwegs zu uns  in wellenförmigen Bewegungen und trifft jetzt-endlich die Netzhaut unserer Augen. Der das Licht aussendende Stern in der Unendlichkeit des Universums aber ist lange verglüht.

„Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst...“ (Psalm 8,4), wer bin ich mit meiner Handvoll Jahre vor dem Werden und Vergehen des Weltalls? Ist hinter, vor, über und unter all dem eine ordnende Hand, ein guter Sinn, ein fernes Ziel?
Ist der gestirnte Himmel über mir der Ausgangspunkt einer inneren Gotteserkenntnis?

Vor 2500 Jahren hat der Prophet Jesaja seine Landsleute aufgefordert, die Augen zu erheben und den Blick in den Himmel zu lenken. Es ist Nacht, innen und außen. Jesaja spricht zu traurig verzweifelten, heimatlos gewordenen Israeliten, die an den Wassern Babylons sitzen und weinen (Psalm 137,1).
Einen Dreiklang der Hoffnung stimmt Jesaja in diesem Geheule an.
Zuerst grundsätzlich auf die Sterne deutend fragt er:
Wer hat diese alle geschaffen?
Antwort: Nicht das Nichts ist schöpferisch tätig, sondern Gott hat sie alle geschaffen mit absichtsvollem Plan. Gott lässt nicht nur leuchten am Himmelszelt, er ruft die Sterne alle auch mit Namen, 10 hoch 20, 10 Milliarden Sterne jeweils  in 10 Milliarden Galaxien, unvorstellbar.

Ich las einmal in der ZEIT, dass das Forscherleben des hochbetagten Astrophysikers Reimar Lüst 1991 damit gekrönt wurde, dass ein Planetoid  nach ihm benannt wurde. Eigentlich hatte der Stern die Nummer 4336, jetzt aber heißt er Lüst, welch schön klingender Sternenname.
Lust und Licht funkeln da ja gleich mit im Spiel der Buchstaben, was aber ist das gegen die Wortakrobatik des Propheten, der da sagt, Gott führt die Sterne alle namentlich heraus, und nicht ein einziges kleines Sternlein geht dabei verloren.
Ach ja, und eine kleine Spitze ist auch noch drinnen in diesen Worten, wenn wir uns bewusst machen, dass Jesaja diese Worte den in Babylon gefangenen Israeliten sagt: Die Babylonier, die kannten doch ihrerseits den einen Gott Israels nicht, die hatten vielmehr jede Menge so genannter Astralgötter, sprich die verehrten Sonne, Mond und Sterne als göttliche Schicksalsmächte. Und wie sagte da der Prophet? Gott führt die Sterne alle wie an der Perlenschnur aufgereiht des Nachts heraus, in seiner Hand sind sie, seinem Plan folgen sie. Schöpfungswerke des Ewigen sind die Sterne, laternenmäßig aufgehängt am Himmel so wie die Sonne und der Mond.
 
Jesaja lenkt den Blick der verzagten Israeliten an den Himmel um Gotteserkenntnis zu wirken und Relationen gerade zu rücken. 
Wenn Gott so groß ist, dass er all dieses geschaffen hat und nach seinem Plan lenkt, warum zweifelst du dann an seinem Weg? Warum denkst du, dass Gott müde, lustlos und desinteressiert an seiner Welt geworden ist? Weil Gott nicht tut, was dir gefällt?
Mit dem Gewicht der ganzen Erde schreit Jesaja seinen Protest gegen diese fatalistische Welt- und Lebenssicht heraus. Gott, der Schöpfer aller Welt Enden wird nicht müde und matt. Und wenn du das doch meinst, dann projizierst du das womöglich aus deiner eigenen Befindlichkeit in ihn herein.

Gott wird nicht müde noch matt, sein Verstand vielmehr ist unausforschlich( Jesaja 40,28)
Gottes Verstand ist in Relation zu unserem Verstehen in etwa so wie das Leuchten meiner Augen zum Glanz aller Sterne am Himmel, hier Staubkorn und dort Ewigkeit.

Jesaja spricht zu Müden und Hoffnungslosen von einer Größe Gottes, die dich trägt und birgt.
Das ist die dritte Stimme im Hoffnungsklang des Jesaja. Gott der Ewige, der Erhabene, der Schöpfer von Himmel und Erde wendet sich dem einzelnen Geschöpf zu, - anders gesagt, den elenden Wurm  der Existenz lässt er nicht am Haken der Hoffnungslosigkeit verhungern.
Der Unermüdliche kräftigt den Müden, der Kraftvolle stärkt den Kraftlosen.
Die Deprimierten, die sprechen: „Unsere Gebeine sind vertrocknet, verloren ist unsere Hoffnung, es ist aus mit uns“ (Ezechiel 37,11), kehren zu neuem Leben und zu neuer Frische zurück.
Aus der Quelle des Guten  fließt Lebensmut zu, wer heute schwach ist, wird morgen gestärkt. Die Verhältnisse kehren sich um, Jünglinge werden schwach und die Starken werden straucheln. (Jesaja 40,30)
Die körperliche Kraft allein genügt nicht im Leben, denn sie wird immer schwächer, auch eine Erfahrung, der Jesaja bildreich schön anderes gegenübersetzt.
Es bedarf seelischer Ausrichtung auf Gott. "Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft" (Jesaja 40,31).
Harren heißt ausdauernd warten.  Harren heißt Härten wegstecken und trotzdem festhalten, harren heißt sich festkrallen an der Hoffnung und nicht aufgeben.
Harre des Herrn, sei getrost und unverzagt und harre des Herrn, so heißt es in den Psalmen ( 27, 14). Ist dieses Wort vom „harren“ auch deshalb fast aus unserem Sprachschatz verschwunden, weil die inne liegende Haltung so selten anzutreffen ist?
Jesaja malt das Harren als die Zugangsquelle zu Gott vor Augen und wer sich Gott überlässt und von ihm Weisung und Geleit empfängt, der bekommt neue Kraft mitten im Fallen und in Schwachheit.
Flügel wie Adler machen schwebeaufwindleicht in der Schwere der Zeit, Licht und Ewigkeit siehst du und Gotteserkenntnis hast du. Greise laufen Marathon auf der Himmelsbahn und babylonisch Gefangene kommen heim.
Die Sterne leuchten am Horizont und im Herzen, der Schöpfer ist einig mit dem Geschöpf. Glaube und Hoffnung erfüllt die Welt, Liebe das Herz.

Liebe Gemeinde, ich hoffe, sie sagen nun nicht, nun ist Jesaja völlig übergeschnappt. Nein, Jesaja antwortet auf mühselig schwere Fragen des Menschen, die unsere eigenen Fragen auch immer wieder sind: Wozu alles, warum die Mühe, wo liegt der Sinn?
Jesaja tröstet und richtet auf, er lenkt den Blick von der introvertierten Nabelschau an den Himmel  und spricht Betrübten Mut zu.
Der Weg mag verborgen erscheinen, die Sterne aber leuchten. Der Blick zum Himmel mag Bescheidenheit lehren, zugleich aber auch Einsicht, dass Gott da ist, als der Vater im Himmel, der diese Welt samt uns  geschaffen hat, damit wir das Leben haben in Seiner Fülle und Gnade.
Das möchte ich vor Augen und im Herzen behalten, jetzt in dieser Corona-Zeit, vielmehr aber mein Leben lang.    Amen 

Nach der Predigt gut zu singen: Weißt du, wieviel Sternlein stehen.... (Evang. Gesangbuch Nr. 511)

 

 

Predigt am Ostersonntag, den 12. April 2020

Am Ostersonntag hatten wir zu einem Telefongottesdienst aus unserer Kirche eingeladen. Um 10.30 Uhr  erklangen die Glocken; die Orgel und vertraute Stimmen aus der St. Jürgen Kirche und aus den Wohnstuben kamen übers Telefon in die Häuser.  Beteiligt waren : Doris to Baben, Volker Hansen (Technik)  Pastor Stefan Henrich , Pastorin Sylvia Meyerding, Küsterin Heike Thordsen,  Eike, Gerburg und  Klaus Ullrich und Elena Zhitina (Orgel). Mit Psalm, Gebet und  Evangelium, mit Lied, Orgelspiel und Segen konnten wir im Geiste nah und telefonisch vernetzt Ostern feiern, wir entzündeten die Osterkerze und sieben Glockenschläge trugen die sieben Vaterunser-Bitten hinaus. Ostergrüße der Teilnehmerinnen und Teilnehmer vorher und nachher rundeten diesen besonderen Ostergottesdienst ab.

Hier die Predigt von Pastor Stefan Henrich:

Liebe Ostergemeinde draußen in den Stuben,
ich habe schon an vielen ganz unterschiedlichen Stellen gepredigt, dass ich aber in unserer St. Jürgen Kirche per Telefon am Ohr eine Osterpredigt halten würde..., wenn mir das einer erzählt hätte vor einem viertel Jahr, dann hätte ich wohl gesagt "Ja, Ja, red mal nur weiter…"

"Ja , ja red mal nur weiter", das haben vermutlich auch die Leute gedacht, denen die Frauen am Ostermorgen erzählt haben, dass Jesus lebt und dass er seinen Jüngern erscheinen würde in Galiläa.

Und wenn dann noch jemand gesagt hätte, dass daraus eine weltweite Kirche werden würde, in der zweitausend Jahr später sich die Leute zwar nicht treffen aber trotzdem das Fest der Auferstehung Jesu feiern würden..., räumlich getrennt und doch im Geist nah beieinander…., ja wenn das jemand gesagt hätte, dann wäre das wohl ein Fall für den Arzt oder die Ärztin gewesen

All das aber ist nun genauso gekommen, wie wir das vor Monaten noch nicht für möglich gehalten hätten.
Ein winzigkleiner Virus hebt die Welt aus den Angeln, unser ganzes Leben ist wie auf den Prüfstand gestellt.
Keine unserer Gewohnheiten ist unberührt, so viele vermissen Berührung, Nähe und Begegnung vor allem im Freundes- und Familienkreis aber auch bei uns in der Gemeinde. Und wir merken, was uns fehlt und wie wertvoll aber auch selbstverständlich uns das Gewohnte gewesen ist.
Mit einmal sind da schlagartig über die ganze Gesellschaft gezogen die Ängste um die eigene Gesundheit und um das Wohl der Älteren und Kranken, die Sorge um die eigene berufliche Existenz und wird das Geld reichen um die Kinder zu ernähren oder den eigenen Betrieb aufrecht zu erhalten?

Die Verunsicherungen und Erschütterungen sind tief und doch gibt es im Sogfeld der Krise auch so viel Ermutigendes.
Wir merken, dass wir nicht wie das Kaninchen vor der Schlange erstarren müssen, sondern dass ganz im Gegenteil neue Kräfte uns zukommen.
„Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch“, so hat der Dichter Hölderlin gesagt, was wir in allen Ängsten auch erleben in dieser Zeit.

Dabei geschieht Erstaunliches : Wir sehen weniger auf uns selber, sondern richten den Blick mehr auf den anderen. Wo braucht sie oder er Hilfe, wo können wir füreinander etwas tun?

Ein kleines Beispiel?
Im Kirchenbüro wurde eine Klarsichthülle abgegeben mit zwei bunten fröhlichen selbstgemalten Osternbildern. Juliane hatte sie gemalt für die älteren Menschen unserer Gemeinde. Auf einem Bild kommt ein Mädchen zu Besuch. Die Tür ist noch dicht, aber ein Fenster ist offen, die Sonne lacht und am Himmel ist eine Bordüre mit Eis geklebt, kein Eis voller Eiseskälte sondern Speiseeis in der Waffel und Eis am Stiel- auf dass wir es einmal wieder gemeinsam essen können, so verstehe ich das Bild.

Auf dem anderen Bild fliegen Vögel am Himmel, und ein Schmetterling und eine Biene um eine Blüte. Dazu erreichten mich gestern andere Bilder und Basteleien, wir werden sie in die Pflegeheime bringen diese Bilder des Lebens, Gaben der Freude österlich gefärbt. 
Ich weiß, dass es fast unmöglich ist, übers Telefon so ein Bild zu sehen, aber ich kann mir vorstellen, dass Ihnen das fast gelingt.

Ich kann mir auch vorstellen, dass es in diesem Jahr ganz neu, weil anders gelingt die ursprüngliche Ostergeschichte mit dem Herzen zu lesen. Weil wir mit anderen Ohren hören, wie die Trauer  um Jesus umgewandelt wird in die kaum zu glaubende Botschaft, dass der Tod nicht die letzte Macht hat über uns.
Drei Freundinnen und Begleiterinnen Jesu waren frühmorgens ans Grab gegangen um dem Toten einen letzten Liebesdienst zu erweisen. Sie wollen ihn mit wertvollen Ölen salben. Das Herz ist schwer, der Stein vor dem Grab auch.
Wer wälzt uns den Stein weg, so lautete die bange Frage,
die Antwort findet kaum ist sie gestellt.
Der Stein ist weg. Im offenen Grab sitzt ein weißgewandeter Jüngling.
Er sagt, dass Jesus nicht hier ist aber er ist doch da,- ist da, wo die Frauen und Männer, seine Jünger mit ihm waren und wird da sein wo Menschen ihm nachfolgen.

Ihr werdet ihn sehen, so hören die Frauen die Botschaft von der Auferstehung, die alles Erwartete sprengt.
Furcht und Entsetzen ergreift die Frauen, dann aber nach gutem Zuspruch und einem vermutlichen Moment der Schockstarre rennen sie los: das müssen sie erzählen, das muß hinaus aus eigener Seele hin zu allen, die auf das Leben warten.
Das Leben, das Jesus gab für uns, dürfen die Frauen als erste tragen in die Not der Welt und des eigenen Herzens hinein.
Diese Wendung von Sorge und Trauer hin zu einem Leben, dass die Isolation der Verzweiflung aufbricht, bildet den Kern der Ostergeschichte.
Die davon ausgehende Kraft nährt und beflügelt, gibt Lebensmut und wirkt Freude: Am Leben,  dass Gott da ist und Christus und Du eben auch. Jetzt und hier im Geist und telefonisch verbunden, weit weg und trotzdem ganz nah.
Das Licht des Ostermorgens leuchtet heute anders, aber es leuchtet. Amen