Susanna Frisch (li.) und Katrine Hoop teilen die Stelle der Fluchtlingsbeauftragten (Foto: Pfaff)

Susanna Frisch und Katrine Hoop: Flüchtlingsbeauftragung jetzt im Team

21.08.2020

Seit 1. August 2020 ist das Team der Flüchtlingsbeauftragten im Ev.-Luth. Kirchenkreis Schleswig-Flensburg wieder komplett: Ergänzend zu Susanna Frisch, die seit 1.2.2020 als Flüchtlingsbeauftragte für die Ev. Kirche arbeitet, ist nun auch Katrine Hoop an Bord.

Beide teilen sich die Stelle der Flüchtlingsbeauftragten, um Kirchenasyle zu begleiten, Ehrenamtliche in den Kirchengemeinden zu unterstützen, interkulturelle Begegnungen zu ermöglichen, Netzwerke zu knüpfen bzw. zu pflegen und vieles mehr.

Das neue Team kennt sich von früher aus der Netzwerkarbeit und beide sind voll im Thema: Susanna Frisch berät bereits seit 2018 Kirchengemeinden in Fragen des Kirchenasyls und engagiert sich ehrenamtlich bei „Willkommen in Weiche – WIN“.

Katrine Hoop war eine der ersten, die 2015 „zufällig“ vor Ort am Flensburger Bahnhof war, als die ersten Flüchtlinge strandeten. So wurde sie eine der Initiatorinnen, die die beispiellose ehrenamtliche Hilfsaktion für Flüchtlinge lostraten, die Flensburg in ganz Deutschland bekannt gemacht hat. Das ehrenamtliche Bahnhofs-Team hieß über ein Jahr mehr als 60.000 Menschen auf der Flucht in Flensburg willkommen, informierte und übersetzte, zeigte Wege auf, versorgte mit Essen, Schlafsäcken, Kleidung und Windeln oder auch mit medizinischer Versorgung, wo nötig.

Katrine Hoop sagt: „Die Hilfsaktion am Bahnhof war die intensivste Zeit meines Lebens. Ich war – außer bei der Geburt meines Sohnes – vorher bzw. danach nie wieder so euphorisch und so erschöpft gleichzeitig.“ Als besonders beglückend beschreibt Hoop die solidarische Zusammenarbeit Aller – unabhängig von Alter, Geschlecht, Beruf oder Religion. Sie sagt: „Wir haben zusammen gehandelt ohne zu hinterfragen, wir haben Menschen auf der Flucht ein freundliches Gesicht gezeigt und wir haben gezeigt, dass ein anderes Leben in Fürsorge füreinander möglich ist.“

Nach dieser intensiven Bahnhofszeit wollte Katrine Hoop es noch genauer wissen: Sie reiste in den Nordirak, um das Herkunftsland vieler Flüchtlinge kennenzulernen, um die Zeltlager zu sehen und mit Jesiden und anderen religiösen Minderheiten zu sprechen. Sie sagt: „Ich war total beeindruckt, eine aramäische Liturgie zu erleben und dachte: Wow, das ist die Sprache, in der auch Jesus gesprochen hat.“

Wie sich Gesellschaften interkulturell öffnen können, beschäftigt die Sozialpädagogin und Kriminologin Katrine Hoop schon von Kindesbeinen an: Sie wuchs in der dänischen Minderheit auf. Früh diskutierte ihr Vater als Friese mit ihr die Frage, was Heimat bedeutet, wenn man zu einem Volk ohne Heimatstaat gehört. Später arbeitete Hoop, die immer auch politisch aktiv war, mit Kindern mit Migrationshintergrund in Hamburg. Dann kehrte sie nach Flensburg zurück, wo sie früher Internatsschülerin an der Duborg-Schule war, um ihrem Sohn das Aufwachsen in der dänischen Minderheit zu ermöglichen.

Ihre eigene Zugehörigkeit zur dänischen Minderheit sieht sie als maßgeblich prägend. Sie sagt: „Hier habe ich gelernt, dass sich Gemeinschaft verdoppelt, wenn man sie teilt. Die Begegnung und die Fragen der Anderen hilft, sich seiner eigenen Haltung bewusst zu werden und ist somit immer bereichernd.“

Natürlich sei nicht immer alles eitler Sonnenschein, sondern es gebe auch Probleme, beschreibt Hoop – für sie der Moment, in dem das Verbindende herauszuarbeiten ist statt das Trennende. Sie sagt: „Es gilt, Menschen zusammenzubringen, Gemeinsamkeiten zu finden und zu pflegen und Gelegenheiten zu schaffen, wo wir interkulturell anknüpfen können. Die Region hat sich hervorgetan durch eine Willkommenskultur. Als Flüchtlingsbeauftragte wollen wir dazu beitragen, dass dies auch so bleibt.“

Eine der ersten Veranstaltungen des Teams in der Pipeline: Ein Vortrag zur zivilen Seenotrettung mit Klaus-Peter Reisch. Er war der Kapitän der Lifeline, der wegen seiner Seenotrettungsaktiväten auf Malta verhaftet und angeklagt wurde. Der Vortragsabend findet am Freitag, 6.11.2020 in Flensburg statt. Ort und Uhrzeit werden noch bekannt gegeben.