DSC 1797
Klausurtagung in Breklum (Foto: Pfaff)

Aufbruchstimmung und Alltagsthemen in der Kirchengemeinde Stapelholm

Bilanz nach einem Jahr Fusion 27.02.2020

Wir haben früh die Notwendigkeit eingesehen und gesagt: "Wir machen das. Und darauf können wir stolz sein,“; sagt der Vorsitzende des Kirchengemeinderates von Stapelholm, Pastor Martin Baltzer. Mit „das“ ist in diesem Fall die Fusion der drei Kirchengemeinden Bergenhusen, Süderstapel und Erfde gemeint.

Am 1.1.2019 haben sich die drei zur Kirchengemeinde Stapelholm vereint und waren damit die ersten ländlich geprägten Kirchengemeinden im Ev.-Luth. Kirchenkreis Schleswig-Flensburg, die fusioniert haben.

Vom 7.-9. Februar 2020 – also gut ein Jahr später – hat sich der Kirchengemeinderat zur Klausurtagung in Breklum getroffen, um Bilanz zu ziehen.

Die Stimmung ist heiter und ausgelassen, es wird viel gelacht und die Gruppe hat es sichtlich gut miteinander. Aber: Leider ist es nicht möglich, dass alle mit dabei sind. Gerade in der guten Stimmung merken die Anwesenden, daß auch welche fehlen – jede*r hat schließlich etwas einzubringen. Die Gruppe schreibt in ihre Agenda, sich auch im Alltag immer für eine Atmosphäre einzusetzen, in der jede und jeder mit seinen Möglichkeiten willkommen ist und vorkommt.

Eine erste Bilanz des Klausurwochenendes: Der Kirchengemeinderat ist mit 20 Personen eine große Leitungsgruppe geworden. Eigentlich wären es sogar 23, aber drei Plätze sind derzeit nicht besetzt. Zur Arbeit im Kirchengemeinderat kommen zahlreiche Ausschüsse, das ist viel. Pastorin Anke Stolte-Edel fasst zusammen: „Die Sitzungskultur hat sich verändert, man kennt sich nicht mehr so gut und allein schon von der Akustik und der Sitzanordnung her sind Diskussionen mit 20 Teilnehmer*innen schwieriger als in den kleineren Kirchengemeinderäten, so wie wir sie früher hatten.“

„Das ist eines der Alltagsthemen, an dem wir arbeiten müssen“, sagt Armin Jans. Er selbst war am Anfang des Weges eher skeptisch, doch genau wie die anderen des Leitungsgremiums steht er heute voll hinter der Entscheidung, übernimmt als zweiter Vorsitzender und Prädikant besondere Verantwortung. Er sagt: „Das Beste an der Fusion ist, dass wir uns viel Neues gebracht und uns gegenseitig bereichert haben, auch bezogen auf die Gottesdienstformen. Das war ein spiritueller Aufbruch.“

Für ihre Fusion findet die Gruppe das Bild der Hochzeit bzw. der Ehe: Der Hochzeitsgottesdienst am 3.2.2019 war einer der wirklichen Höhepunkte – alle drei Kirchen waren einbezogen, die Gottesdienstgemeinde in absoluter Aufbruchstimmung. Nach dem Gottesdienst sind die drei Kirchengemeinden dann zusammengezogen und es galt, den Alltag zu organisieren, die Arbeit aufzuteilen und Alltagsprobleme zu lösen, kurz: Das Verliebtsein verging, die Liebe begann – und damit auch die Arbeit, die damit verbunden ist. Aufschwung gab es im ersten gemeinsamen Urlaub: Zum Pfingstgottesdienst machten sich alle gemeinsam auf an einen neuen, nicht-kirchlichen Ort in der Mitte von Stapelholm, dem Twiebarg. Dort habe der Heilige Geist besonders stark geweht, berichtet Britta Stamp.

Und Pastor Martin Baltzer ergänzt: „Was für eine Ehe gilt, ist auch für eine Fusion richtig: Es ist wichtig, sich gute gemeinsame Räume zu schaffen und im Alltag immer und immer wieder miteinander zu reden, sich füreinander Zeit zu nehmen und sich auszutauschen – auch über den Glauben.“

Seine Kollegin Pastorin Anke Stolte-Edel und er hatten anfangs besonders viel zu besprechen – und haben ihre Zusammenarbeit gut geregelt: So wechseln sie sich bei Beerdigungen immer ab – für die Gemeinde ist das inzwischen schon selbstverständlich geworden. Eng wird es allerdings, wenn einer der beiden krank oder in Urlaub ist und plötzlich mehrere Beerdigungen anstehen. „Hier würde ich mir wünschen, dass der Kirchenkreis spontan mit einem Springer / einer Springerin aushelfen kann“, sagt Pastorin Stolte-Edel.

Und noch eine gute Entscheidung des Kirchengemeinderates: An den „normalen Sonntagen“ wird auf dem gesamten Gemeindegebiet genau ein Gottesdienst gefeiert – und das reihum in allen Kirchen. Mehrere Gottesdienste gibt es nur zu den hohen Festtagen – und auch diese Ausnahme soll noch einmal auf den Prüfstand.

Genau so würde es der Kirchengemeinderat auch anderen Gemeinden empfehlen, die eine Fusion in den Blick nehmen.

Hier als Überblick weitere Bilanzpunkte, die die Gruppe ein Jahr nach ihrer Fusion anderen Kirchengemeinden, ans Herz legen möchte, falls sie über eine Fusion nachdenken:  

  • 1.    Gestaltet selbst und geht aktiv aufeinander zu anstatt zu warten, bis andere entscheiden.
  • 2.    Seid offen und neugierig aufeinander und bleibt es auch.
  • 3.    Richtet den Blick nach vorne und sprecht über die neue gemeinsame Gemeinde anstatt über die, in der die Mitglieder schon groß geworden sind.
  • 4.    Gleichzeitig ist es gut, gemeinsam „back to the roots“ zu gehen und gemeinsam zu buchstabieren, was Christsein bedeutet.
  • 5.    Nehmt Euch Zeit, miteinander zu reden, Euch kennenzulernen und Euch auszutauschen – auch und gerade über den Glauben.
  • 6.    Bleibt geduldig.
  • 7.    Gestaltet den Prozess nicht alleine, sondern lasst Euch frühzeitig begleiten – Konflikte wird es geben und jemand mit der Sicht von außen ist hilfreich.
  • 8.    Habt im Blick, dass sich nicht alle gleich viel einbringen können. Die Haltung, dass Jede*r wichtig und willkommen ist mit dem, was er / sie beitragen kann, hilft.
  • 9.    Ihr müsst nicht immer jede Kirche „bespielen“: Ein Gottesdienst pro Sonntag genügt.
  • 10.  Und wenn es zur Fusion kommen soll: Fusioniert rechtzeitig vor der Kirchenwahl, damit die neue Gemeinde die Wahlbestimmungen vorher festlegen kann.