Die Kirchenregionen im Überblick: Beispiele für Zusammenarbeit

Kirchenregionen gibt es in Teilen des heutigen Kirchenkreises Schleswig-Flensburg schon seit 1997. Sie wurden eingeführt, um Kräfte zu bündeln und das kirchliche Leben zu bereichern, z.B. durch gemeinsame Projekte oder dadurch, dass Kirchengemeinden ihre besonderen Stärken (z.B. Kinderbibelwoche, Stille-Angebote, Jugend-Gottesdienste, Besuchsdienst-Schulung) für die Nachbar-Kirchengemeinden geöffnet und dazu eingeladen haben - ein Geben und Nehmen von dem, was die einzelnen Kirchengemeinden speziell gut machen.

Dabei war es die Sache jeder Kirchenregion selbst, wie sie ihre Zusammenarbeit ausformten. So gab es Kirchenregionen, in denen die Kirchengemeinden ein freundliches Nebeneinander pflegten, und andere, die beispielsweise eine gemeinsame Jugendarbeiterstelle schufen, einen gemeinsamen Gemeindebrief herausgaben oder Projekte ins Leben riefen, die zum Teil weit über die Grenzen der jeweiligen Region in den Kirchenkreis hinein ausstrahlten wie die hochkarätige Konzertreihe „R(h)apsodie“ der Kirchenregion Nieharde , die „Innovative Seniorenarbeit“ der Quellregion oder die Angebote zu „Stille und Meditation“ der ehemaligen Kreuzregion .

Mit der notwendig gewordenen Reduzierung der Pfarrstellenzahl kamen die Regionen auch als gemeinsame Zuständigkeitsräume für Pastor_innen in den Blick. In Verträgen haben die Kirchengemeinden zweier Regionen auch die Tätigkeitsbereiche ihrer Pastor_innen über Kirchengemeindegrenzen hinweg miteinander vereinbart.

Die Regionen des Kirchenkreises Schleswig-Flensburg bieten ein buntes Bild. Sie haben sich nach Art und Tiefe der Zusammenarbeit sehr unterschiedlich entwickelt.

Mit dem Beschluss vom 15. April 2016 hat die Kirchenkreissynode die Zuordnung der Kirchengemeinden zu Regionen zum Teil neu geregelt. Gleichzeitig hat sie den Pfarrstellenrahmenplan für den Kirchenkreis beschlossen, der jeder Kirchenregion entsprechend ihrer Gesamtgemeindegliederzahl eine bestimmte Anzahl an Pfarrstellen zuordnet. Das war nötig gewesen, weil es aus unterschiedlichen Gründen in Zukunft deutlich weniger Pastor_innen geben wird. Bei jeder freiwerdenden Stelle muss nun überlegt werden, wie dieser Pfarrstellenrahmenplan umgesetzt werden kann. Dazu ist es grundlegend, dass die Region ein Konzept entwickelt, wo zukünftig in einer Region (Pastoratsstandorte) und ggf. mit welchen Aufgabenbereichen Pfarrstellen angesiedelt sein sollen. Wenn der Pfarrstellenrahmenplan und infolge das Pfarrstellenkonzept der Kirchenregion vom Ist-Zustand abweichen, muss - im Falle des Freiwerdens einer Pfarrstelle - die Synode die Neu-Besetzung oder Nicht-wieder- Besetzung beschließen. Denn um es zu ermöglichen, dass die Kirchenregionen das für sie angemessene Pfarrstellenkonzept entwickeln können, hat die Synode keinen detaillierten Pfarrstellenplan aufgestellt, der schon von vorneherein festlegte, welche Pfarrstellen zukünftig wieder besetzt werden und welche nicht. Stattdessen schafft der Pfarrstellenrahmenplan den Freiraum dafür, dass - unter den gegebenen Bedingungen -an der Basis nach den besten Lösungen gesucht wird.

Nach dem Synodenbeschluss vom 15. April 2016 gliedert sich der Kirchenkreis in die folgenden Kirchenregionen; mit angegeben ist die Anzahl der Pfarrstellen für jede Region nach dem Pfarrstellenrahmenplan:

Kirchenregionen in der Propstei Angeln
Kirchenregionen in der Propstei Flensburg
Kirchenregionen in der Propstei Schleswig

Die zukünftige Zusammenarbeit der Kirchengemeinden in den Kirchenregionen

a) Formen der Zusammenarbeit, die die Verfassung der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland vorsieht

Für alle möglichen Formen gilt der Grundsatz: Entscheidend ist zuerst der Inhalt, also: Worin genau, in welchem Bereich wollen die Kirchengemeinden in Zukunft kooperieren? Wie soll das aussehen? Erst wenn das in Grundzügen geklärt ist, folgt die Frage: Welche Struktur, welche Form brauchen wir, um diese Zusammenarbeit möglichst effizient umzusetzen.

Einige Beispiele:

  • Eine Zusammenarbeit im Bereich Kinderbibelwoche oder Gemeindebrief kann einfach auf gemeinsamen Absprachen / Vereinbarungen basieren. Die angemessene Form wäre eine gemeinsame Arbeitsgruppe bzw. ein gemeinsamer Ausschuss.
  • Sollen die Zuständigkeitsbezirke der Pastor_innen der Kirchengregion auch zum Teil in Nachbarkirchengemeinden liegen, kann es sich anbieten, dies in einem Vertrag der Kirchengemeinden verbindlich miteinander zu regeln - mit Zustimmung des Kirchenkreisrates. (Für den Fall, dass die Kirchengemeinden einer Kirchenregion übereinkommen, dass die pfarramtlichen Aufgaben grundsätzlich für alle Kirchengemeinden gemeinsam geregelt werden sollen, gibt es die Möglichkeit, einen Pfarrsprengel zu bilden [Verfassung Art. 23 Satz 2]. Siehe unten „Beispiele aktueller Entwicklungen 3.).
  • Wenn es sich von Anfang an um eine gemeinsame Stelle für die Kirchenregion handelt oder um einen komplexen Arbeitsbereich wie die Friedhöfe oder die Verwaltung, wird der Kurzportrait des Kirchenkreises / Seite 4 Kirchengemeindeverband die angemessene Form sein (Verfassung Art. 38). Der Kirchengemeindeverband ist selbst eine Körperschaft des Kirchenrechts und des öffentlichen Rechts und kann Anstellungsträger sein.
  • Ist darüberhinaus an eine noch tiefergehende Kooperation und gemeinsame Verantwortung für alle Mitarbeitenden und die Finanzen gedacht, bietet sich der Zusammenschluss, die Fusion (Verfassung Art. 22) an - mit klar festgelegten Kompetenzen und Verantwortungsbereichen für die Ortsausschüsse der ehemalig selbständigen Kirchengemeinden.


b) Die Richtlinie des Kirchenkreises über die Zuweisung von Gemeinschaftsmitteln
für Baumaßnahmen und größere Bauunterhaltungsmaßnahmen

Am 15. April 2016 hat die Kirchenkreissynode auch diese Richtlinie beschlossen, die im dritten Teil dieser Kirchenkreis-Ergänzung zum Ordner „Gemeinde leiten“ näher erläutert wird. An dieser Stelle soll nur darauf hingewiesen werden, dass die Kirchenregionen für die Synoden-Entscheidungen über eine Zuweisung von Gemeinschaftsmitteln eine maßgebliche Rolle spielen: Bei Anträgen auf Zuweisungen für Bauunterhaltungsmaßnahmen von bis zu 30.000 EUR muss der betreffende Kirchengemeinderat vorher in der Kirchenregion darüber Einvernehmen erzielen, dass das Gebäude erhalten werden soll.

Bei Anträgen auf Zuweisungen für Bauunterhaltungsmaßnahmen und Baumaßnahmen von über 30.000 EUR stellt die Kirchenregion den Antrag. In der Kirchenregion müssen sich vorher die Kirchengemeinden darüber verständigt haben, für welche (höchstens) zwei Maßnahmen im kommenden Jahr die Unterstützung durch den Kirchenkreis beantragt werden soll. Solche Entscheidungsprozesse in den Kirchenregionen setzen also ein gemeinsames Gebäudekonzept voraus.


Beispiele aktueller Entwicklungen in den Kirchenregionen des Kirchenkreises:
1. Gründung eines Kirchengemeindeverbandes
Die fünf Kirchengemeinden der Kirchenregion Nieharde sind im Jahr 2016 diesen Weg gegangen. Der „Evangelisch-Lutherische Kirchengemeindeverband Nieharde“ dient den Kirchengemeinden zur Erfüllung von gemeinsamen Aufgaben auf dem Gebiet der Kirchenmusik. Geplant ist, eine halbe Kirchenmusikerstelle zu schaffen, Anstellungsträger wird der Kirchengemeindeverband sein.

Die Kirchengemeinden hatten die Erfahrung gemacht, dass es zunehmend schwerer wurde, für Beerdigungen und z.T. auch für die Sonntagsgottesdienste nebenamtliche Organist_innen bzw. Organist_innen auf Honorarbasis zu finden. Zusätzlich soll diese/r Kirchenmusiker_in sich in geeigneter Form (z.B. Band, Pop-Chor) der Popular-Kirchenmusik zuwenden und dazu Projekte mit Jugendlichen ins Leben rufen. Für die Zukunft ist bereits angedacht, die Bewirtschaftung, Unterhaltung und Pflege der Friedhöfe der Kirchenregion im Kirchengemeindeverband zusammenzufassen.

2. Auf dem Weg zur Fusion
In der Quellregion haben die Kirchengemeinderäte Grundsatzbeschlüsse gefasst, auf die Zusammenlegung der fünf Kirchengemeinden zuzugehen und diese Pfingsten 2018 abzuschließen und zu feiern.

3. Einrichtung eines Pfarrsprengels
Nachdem die Pastorin der Kirchengemeinde Stapelholm eine neue Aufgabe übernommen und die Kirchengemeinde verlassen hatte, haben die beiden anderen Kirchengemeinderäte der Kirchenregion Stapelholm (Bergenhusen und Erfde) in Solidarität mit den Süderstaplern gesagt: Auch wir haben keinen eigenen Pastor bzw. keine eigene Pastorin mehr, sondern die beiden verbleibenden Pfarr-Personen sind von nun an die Pastorin bzw. der Pastor aller drei Kirchengemeinden der Kirchenregion. Entsprechend hat die sog. Leitungsrunde der Kirchenregion Stapelholm (die ersten und zweiten Vorsitzenden der drei Kirchengemeinderäte, darunter die Pastorin und der Pastor) einen Plan ausgearbeitet, nach dem die pastoralen Aufgaben für die Kirchenregion aufgeteilt und organisiert werden (z.B. zentrales Gemeindebüro, zentrale Telefon-Nummer, abwechselnde Beerdigungsbereitschaft, die auf einer online-Plattform koordiniert wird). Inzwischen hat diese Form der Zusammenarbeit einen festen rechtlichen Rahmen bekommen, indem die Synode des Kirchenkreises am 12. Nov. 2016 nach Artikel 23 Satz 2 der Verfassung der Nordkirche die Bildung des Pfarrsprengels Stapelholm beschlossen hat. Einem Pfarrsprengel aus mehreren Kirchengemeinden können gemeinsame Pfarrstellen zugeordnet werden.

4. Gottesdienstplan für die Kirchenregion
Nachdem der Pastor der Kirchengemeinde Sörup wegen Stellenwechsels die Kirchengemeinde verlassen hat, haben die Kirchengemeinderäte der Kirchenregion Nieharde einen Gottesdienstplan beschlossen, der nicht mehr von den einzelnen Kirchengemeinden ausgeht sondern konsequent die gesamte Kirchenregion im Blick hat.

Dabei waren vier Grundüberlegungen leitend:

a. Es muss ein absolut verlässliches Gottesdienstangebot in der Kirchenregion geben. Ohne irgendwo nachgucken zu müssen, sollen alle Gemeindeglieder der Nieharde wissen können: In ein und derselben Kirche wird immer zur selben Zeit an jedem Sonntag ein traditioneller Gottesdienst gefeiert. Dazu wird ein Fahrdienst angeboten.

b. Neben diesem traditionellen Angebot soll es in den fünf anderen Kirchen der Kirchenregion die Möglichkeit geben, mit neuen Gottesdienstformen und Zielgruppen zu experimentieren, um Gemeindeglieder anzusprechen, die sich im traditionellen Gottesdienst nicht heimisch fühlen.

c. Um den verbliebenen Pastorinnen und Pastoren den nötigen Freiraum für die Entwicklung und die Vorbereitung (meistens zusammen mit einem Team) dieser speziellen Gottesdienste zu ermöglichen, soll in diesen fünf Kirchen der Region nur einmal im Monat ein Gottesdienst angeboten werden. Dadurch wird in der Kirchenregion Nieharde an normalen Sonntagen zu zwei bis drei Gottesdiensten eingeladen.

d. Gottesdienste und Gottesdienstplanung im oben beschriebenen Sinne sind nicht allein eine Angelegenheit der Pastor_innen. Deshalb werden sich zur Erarbeitung des Gottesdienstplans alle Personen treffen, die sich in der Gestaltung von Gottesdiensten engagieren: die Prädikant_innen der Region, Gottesdienstbeauftragte oder Gottesdienst-Ausschuss-Vorsitzende der Kirchengemeinderäte und die Pastor_innen. Bei diesen Planungen können auch weitere Gottesdienste über das beschriebene Grundgerüst hinaus dazukommen, sofern jemand oder eine Gruppe dafür die Verantwortung übernimmt.

5. Ein regionales Gremium, das etwas bewegen kann
In etlichen Kirchenregionen des Kirchenkreises hat sich gezeigt, dass die sog. Runden Tische durch die z.T. immer wieder wechselnde Besetzung und die begrenzten Möglichkeiten, als Bindeglied zwischen der Kirchenregion und den Kirchengemeinderäten zu fungieren, nicht das richtige Gremium sind, weiterreichende Formen der Zusammenarbeit auf den Weg zu bringen. Deshalb haben diese Kirchenregionen (z.B. Stapelholm, Quellregion, Nieharde) ein neues Gremium eingesetzt, das aus den Vorsitzenden und stellvertretenden Vorsitzenden der Kirchengemeinderäte besteht. Damit sind die Leitungspersonen der Kirchengemeinden direkt in die Beratungen und in die Vermittlung der Ergebnisse in die Kirchengemeinderäte einbezogen. Die Kirchenregionen haben unterschiedliche Namen für dieses Gremium gewählt (z.B. Leitungsrunde, Lenkungsgruppe, Verwaltungsrunde).

6. Pastoratsstandorte als erster Pfeiler eines Gebäudekonzeptes
Der Pfarrstellenrahmenplan sieht für die Kirchenregion Nieharde zukünftig nur noch drei Pfarrstellen vor. Das bedeutet, dass in Zukunft auch nur noch drei Pastorate gebraucht werden. Die sog. Verwaltungsrunde hat sich überlegt, dass die Entscheidung darüber, welche drei das am Ende sind, unabhängig von Pfarrstellenwechseln festgelegt werden sollte. So haben sich die ersten und zweiten Vorsitzenden in einem strukturierten Verfahren zunächst über die Kriterien verständigt, die für die Entscheidung für drei Pastorate angelegt werden sollten, und über deren Prioritätsreihenfolge. Oberstes Kriterium war die Attraktivität für eine zukünftige Wiederbesetzung. Dazu gehörte vor allem die infrastrukturelle Anbindung (Hauptverkehrsadern, Nähe zu bzw. Erreichbarkeit von Schulen, Einkaufsmöglichkeiten). Die Verteilung über die Fläche der Kirchenregion bildete ein zweites Kriterium, gefolgt von baulichem Zustand und Eignung des Gebäudes. Mit diesen Kriterien war die Entscheidung dann schnell getroffen: Steinbergkirche, Sterup und Sörup sollen die drei zukünftigen Pastoratsstandorte sein. Allerdings steht dieser Beschluss noch unter dem Vorbehalt, dass er sich stimmig in ein Gesamt-Gebäudekonzept der Kirchenregion einfügt, das erst noch entwickelt wird.


Zurück zur vorherigen Seite