Bischof uebergibt Kerze an Henning Luethke Foto Pfaff
Bischof Magaard übergibt eine Kerze an Henning Lüthke (Foto: Anja Pfaff)

Abschied nehmen und Weitergehen mit Gottes Geleit: Schleswiger St. Michaelis-Kapelle entwidmet

14.01.2018

In einem Gottesdient im Schleswiger Gemeindezentrum St. Michaelis Süd hat Bischof Gothart Magaard am Samstag, dem 6. Januar die Schleswiger St. Michaelis-Kapelle entwidmet. Fast 200 Gemeindemitglieder waren gekommen, um in der übervoll besetzten Kapelle dieses Ritual mitzufeiern und die modernen Lieder des St. Michaelis-Chores unter Leitung von Guido Helmentag zu hören.

Bevor Bischof Gothart Magaard mit bewegenden Gebeten den Taufstein, das Kanzel-Pult, den Altar und das Abendmahlsgeschirr jeweils entwidmete, sagte er in seiner Ansprache: „Kirchen sind Herbergen am Wegesrand der Menschheitsgeschichte – in ihnen kehren wir ein, sollen Stärkung empfangen für unsere Wege und dann weiterziehen, in die Welt hinein. Sie sind Verweil-Orte, keine Bleibe-Orte. Und das Netz dieser Herbergen unterliegt einem geschichtlichen Wandel.

Es gibt Zeiten des Bauens und Zeiten, in denen sich unsere Kirche umsichtig befragen muss, ob manche Gebäude aufgegeben oder anders genutzt werden müssen. Das schmerzt gerade heute sicherlich Viele unter uns, die mit dieser Kapelle Lebens- und Glaubensgeschichten verbinden." 

Auszug mit entwidmeten Gegenständen: Bischof Magaard, Pastor Dübbers, Pastor Wilckens, Pastorin Hanselmann (Foto: Pfaff)

"Von Trauer und Hoffnung gleichermaßen" sprach der Vorsitzende des Schleswiger Kirchengemeinderates, Pastor Dr. Michael Dübbers: "Dem Kirchengemeinderat fällt es schwer, Abschied zu nehmen, verbindet damit aber auch die Hoffnung, einen entscheidenden Schritt auf dem Weg zum neuen Schleswiger Gebäudekonzept voranzukommen," sagte er.

Trennung mache frei für Neues und für die Entwicklung, das familienorientierte Zentrum in Paulus zu einem modernen und ansprechenden Ort für junge Familien umzugestalten. Er sagte: "Statt groß und schmuddelig zeigt sich unsere Kirchengemeinde klein und fein. Unter Geschichtspunkten des Klimaschutzes und der Barrierefreiheit war das Gebäude, das 1973/74 erbaut wurde, nicht zu sanieren." 

Schon seit 1995 fanden in der Kapelle von St. Michaelis Süd nur besondere Gottesdienste und Veranstaltungen, wie zum Beispiel Weihnachten in Gemeinschaft oder das Feierabendmahl am Gründonnerstag statt. Bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2015 lud Pastor Mathias Hertel, der St. Michaelis Süd mit seiner politischen Partnerschafts- und Friedensarbeit besonders prägte, zur wöchentlichen Friedensandacht ein. 

Dass diese Friedens- und Partnerschaftsarbeit weiter geht, machte seine Nachfolgerin im Amt, Pastorin Antje Hanselmann, deutlich: Die Gottesdienst-Kollekte sei für die Partnerschaftsarbeit bestimmt, die genauso wie das Abendmahlgeschirr, die Leuchter und das Taufbecken mitgenommen werde an die anderen Orte der Kirchengemeinde. Auch der Eine-Welt-Laden wird künftig weitergeführt, an welchem Standort berät der Kirchengemeinderat derzeit. 

Pröpstin Johanna Lenz-Aude, die das Gemeindehaus als Schleswiger Pastorin selbst gut sieben Jahre nutzte, machte in ihrer Ansprache im Anschluss an den Gottesdienst deutlich, wie Pastor Mathias Hertel mit seiner friendenspolitischen und seiner Sozialarbeit das Haus prägte. Sie sagte: "Dieses Haus hatte gute Zeiten und ich glaube, es ist Segen von hier ausgegangen. Gottes Wort kehrt nie leer zurück. Und Gottseidank ist es über Raum und Zeit erhaben. Ich denke gerne an die Jahre hier zurück. Und trotzdem ist die Entscheidung, sich von diesem Haus zu trennen, richtig. Auch Zusammenziehen bereichert."

St. Michaelis Chor (Foto: Pfaff)