2019 02 Seebrucke Podium
v.l.n.r.: Maileen Hintze, Kiel, Tobias Kaiser, Flensburg, Philipp Kranemann, Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein, Katrine Hoop, Flensburg, Philipp Frisch, Ärzte ohne Grenzen, Mareike Brombacher, Ev.-Luth. Kirchenkreis Schleswig-Flensburg (Foto: Ulrich George)

Aktionsbündnis "Sicherer Hafen Schleswig-Flensburg“

16.02.2019

"In diesen Zeiten ist es wichtig, dass die Stimmen, die sich für Solidarität und Humanität über Grenzen hinweg einsetzen, zu hören sind und mitten aus der Gesellschaft heraus deutlich machen, dass eine Abschottung Europas nicht hinnehmbar ist". Mit diesen Gedanken aus einem Grußwort Bischof Magaards eröffnete die Flüchtlingsbeauftragte des Kirchenkreises Schleswig-Flensburg, Mareike Brombacher, die Auftaktveranstaltung "Seebrücke schafft sichere Häfen" für den Kreis Schleswig-Flensburg im bis zum letzten Platz gefüllten evangelischen Gemeindehaus auf dem Michaelisberg in Schleswig.

Flüchtlingsinitiativen des Kreises sowie die Schleswiger Gruppe von Amnesty International hatten am 13.2.2019 zu diesem Abend eingeladen, um ein Aktionsbündnis für sichere Häfen auch im Kreis und in der Stadt Schleswig zu initiieren. Als Hauptredner begrüßte Mareike Brombacher, die den Abend moderierte, Philipp Frisch von "Ärzte ohne Grenzen". Frisch war bereits zehn Jahre lang in mehreren Ländern Asiens und Afrikas als Logistiker und Kommunikator für Ärzte ohne Grenzen tätig und leitet heute die Interessenvertretung der Organisation in Berlin.

"Drei Lügen bestimmen die öffentliche Wahrnehmung und den politischen Diskurs zum Thema Flüchtende", so Philipp Frisch, und er stellt klar: Die sogenannte Flüchtlingskrise sei keine Krise Europas. Weltweit sind 40 Millionen Menschen auf der Flucht, die meisten von ihnen wollen in ihrem vertrauten Lebensumfeld bleiben und nicht nach Europa. Der Flüchtlingsstrom habe nicht erst 2015 eingesetzt, und die Flüchtlingskrise sei keine Krise der Flüchtenden, sondern eine Krise der Solidarität und der öffentlichen Wahrnehmung, so Frisch.

Der Versuch, sich mit Zäunen und Mauern entlang der südlichen Küste Europas abzuschotten, werde Menschen künftig nicht daran hindern, aus ihrer Heimat vor Hunger, Not und Gewalt zu fliehen. Einige von ihnen werden weiterhin versuchen, übers Mittelmeer nach Europa zu gelangen. Anders als in Tunesien, Marokko oder Libyen, hoffen sie berechtigterweise, hier Orte zu finden, an denen faire Verfahren möglich seien. "Lieber tot, als zurück nach Libyen geschickt zu werden", ist die Meinung vieler Flüchtender, wo KZ-ähnliche Zustände herrschen, wie Mitarbeitende der Hilfsorganisationen bestätigen. Die Schaffung sicherer Häfen dürfe nicht der Politik überlassen werden, sondern müsse auf breiter Basis aus der Bevölkerung kommen. Die Bewegungen an vielen Orten, die sich für Humanität gegenüber den Flüchtenden engagieren, wie die Seebrücke, seien ermutigende Zeichen.

Das anschließende Podium mit Teilnehmenden der Flüchtlingshilfe Schleswig-Holstein sowie der Seebrücken aus Kiel und Flensburg regte an, mit Demonstrationen, spontanen symbolischen Aktionen - Flashmobs – und Veranstaltungen immer wieder auf die Situation der Flüchtenden im Mittelmeerraum hinzuweisen. In Kiel ist für den Monat März eine Demonstration vor dem Italienischen Konsulat geplant, um die Freigabe festgesetzter Rettungsschiffe zu fordern. Solche Aktionen, von Politikern oft als reine Symbolpolitik geschmäht, seien wichtig, um das Bewusstsein für die Situation zu schärfen und im öffentlichen Bewusstsein wachzuhalten, so Philipp Frisch.

Auf stimmige Weise setzte die Schleswiger Gruppe "Join The Music" den musikalischen Rahmen zu der Veranstaltung. Mit Arabischer Bouzouk, Geige und Keyboard präsentierten die drei Musiker verschiedener ethnischer Herkunft ein eindrucksvolles Spektrum an orientalischem Sound, Klezmerklängen und freien Improvisationen. Es erklang eine starke, lebendige Musik, wie sie nur aus dem friedlichen Zusammenspiel der Kulturen entstehen kann.

Die Seebrücken-Gruppe freut sich über weitere Mitglieder: Am 1.3. um 16 Uhr im TiLO, Lollfuß 48 in Schleswig findet das nächste Treffen statt. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.