Vlnr Inga Jochem Diakoniepastor Thomas Nolte Ernst Otto Lowenstrom Ministerin Dr Sabine Sutterlin Waack Propst Helgo Jacobs
V.l.n.r.: Inga Jochem, Diakoniepastor Thomas Nolte, Ernst-Otto Löwenstrom, Ministerin Dr. Sabine Sütterlin-Waack, Propst Helgo Jacobs

Diakonisches Werk stellt Ministerin Sütterlin-Waack die Arbeit mit Straffälligen und Haftentlassenen vor

Jede*r hat Chance auf einen Neuanfang 27.01.2020

Hoher Besuch im Flensburger Johanniskirchhof: Am Freitag, 17.1.2020 war Dr. Sabine Sütterlin-Waack; Ministerin für Justiz, Europa, Verbraucherschutz und Gleichstellung in Schleswig-Holstein, zu Gast im Diakonischen Werk des Ev.-Luth. Kirchenkreises Schleswig-Flensburg.

Die Mitarbeiter*innen der Arbeitsbereiche, die Straffällige und Haftentlassene begleiten, haben ihre Arbeit vorgestellt und sich gemeinsam mit Propst Helgo Jacobs, Diakoniepastor Thomas Nolte und Geschäftsführer Ernst-Otto Löwenstrom mit Ministerin Sütterlin-Waack über Chancen, Perspektiven und Probleme ausgetauscht. 

In seinem geistlichen Impuls zu Beginn ging Propst Helgo Jacobs darauf ein, dass diese Arbeit eine tiefe kirchlichen Verwurzelung habe. Die Bibel sei voller Geschichten von Menschen, die falsch abgebogen und dann umgekehrt seien. „Paulus war ein Krimineller und Mose war einerseits ein Totschläger und andererseits derjenige, der auch die 10 Gebote und viele weitere Gesetze formuliert hat“, so Propst Jacobs. Und Diakoniepastor Thomas Nolte ergänzt: „Umkehr ist immer möglich und jeder hat die Chance auf Neuanfang, damals wie heute. Wir brauchen Botschaften, die ins Leben führen und Menschen, die sich kümmern, politisch wie auch ganz praktisch vor Ort.“ 

Ministerin Sütterlin-Waack, die sich im Gespräch offen, lebensnah und lösungsorientiert zeigte, dankte allen, die sich in ihrer hoch qualifizierten Arbeit um die Resozialisierung von Strafgefangenen kümmern, für ihre Arbeit und dem Diakonischen Werk für die langjährige gute Kooperation. Sie sagte: Die Arbeit im Bereich der Resozialisierung ist der beste Opferschutz, denn sie geschieht, damit möglichst wenige Menschen wieder straffällig werden.“


Diakoniepastor Thomas Nolte und Ministerin Dr. Sabine Sütterlin-Waack im Gespräch

Im Diakonischen Werk kümmern sich sechs Mitarbeiter*innen darum, Menschen vor, während und nach der Haft zu beraten und zu begleiten. Außerdem vermitteln sie Menschen, die eine Geldstrafe nicht bezahlen können und deshalb eine Haft antreten müssten, in gemeinnützige Arbeit. Dadurch werden Haftkosten gespart und die Vollzugsanstalten entlastet. Ein weiterer Bereich widmet sich der außergerichtlichen Mediation zwischen Tätern und Opfern und schließlich hält das Diakonische Werk 2 Wohnungen vor, die Haftentlassene für eine Übergangszeit nutzen können, um – betreut von einer Sozialarbeiterin – wieder Fuß zu fassen. Fast 30% derjenigen, die aus dem Gefängnis entlassen werden, seien erstmal wohnungslos und wüssten nicht wohin, kommt als Fakt beim Gespräch im Diakonischen Werk auf den Tisch.

Die Ministerin führte aus, dass Menschen, die aus der Justizvollzugsanstalt entlassen werden, drei große Lebensbereiche in den Griff bekommen müssten, um wieder Fuß zu fassen: Wohnung, Arbeit und Familie. Wenn es mit Hilfe der resozialisierenden Sozialarbeit gelingt, einen dieser drei Bereiche ins Lot zu bringen, steigt für den Menschen, der einen Neuanfang vor sich hat, die Chance, sich gut wiedereinzugliedern. 

Sie sagte: „Alle die Angebote tragen dazu bei, dass die in Schleswig-Holstein bundesweit niedrigste Inhaftierungsquote aufrechterhalten werden kann, indem Haftstrafen durch eine enge Begleitung der Straftäter vermieden oder verkürzt werden“, sagte Sütterlin-Waack. „Ein solches Zusammenspiel zwischen strafenden und helfenden Interventionen im Rahmen einer Sozialen Strafrechtspflege bietet nach kriminologischen Erkenntnissen die beste Gewähr dafür, dass Kriminalitätskarrieren unterbrochen und potentielle Opfer geschützt werden.“