Propst Helgo Jacobs vor seinem Dienstsitz in Kappeln (Foto: Anja Ahrens)

Digitale Kirchenkreis-Synode mit „dicken Themen“

28.03.2021

Digitale Gremiensitzungen haben (auch) gute Seiten: Bei der ersten digitalen Synode des Ev.-Luth. Kirchenkreises am Sonnabend, 27.3.2021, die technisch reibungslos lief, waren 79 abstimmungsberechtigte Kirchenparlamentarier*innen anwesend – und auch vergleichsweise viele Gäste. Bis zu 25 Interessierte nutzten den begleitenden Live-Stream, um die Tagung zu verfolgen.

Inhaltlich widmeten sich die Synodalen drei großen Themen: Sie stimmten über den Finanzhaushalt 2021 ab, verabschiedeten nach Diskussion den neuen Pfarrstellenrahmenplan mit 33% weniger Gemeindepastor*innenstellen bis 2030 und widmeten sich der Wiederwahl von Helgo Jacobs als Propst.

Letzteres war nötig, weil Propst Helgo Jacobs erste Amtszeit ausläuft. Nach seiner Interessensbekundung, das Amt weiterzuführen, haben Kirchenkreisrat und Bischof einvernehmlich entschieden, die Stelle nicht auszuschreiben, sondern der Synode Jacobs zur Wiederwahl vorzuschlagen. In ihrer Begründung sagte Pröpstin Johanna Lenz-Aude, dass dies Kontinuität schaffe in Zeiten vieler Veränderungen. Jacobs habe auch eine Vision für den Kirchenkreis, sei ein außerordentlich begabter Prediger und „überhaupt der Richtige“, um hier geistlich zu leiten. Bischof Gothart Magaard empfahl die Wiederwahl unter anderem, weil Jacobs gleichzeitig Humor und Ernsthaftigkeit habe in dem, was er tue. „Er ist ein Propst mit Herz“, sagte er. Propst Jacobs selbst bewarb sich mit einem eingespielten Video, in dem er anhand des Jesus-Wortes „in meines Vaters Haus sind viele Wohnungen“ an ausgewählte Orte des Kirchenkreises führte. Unter anderem ging er dabei auf die hohe Bedeutung der diakonischen Arbeit und auf die Zusammenarbeit der Gemeinden in Regionen ein.

Im Fall der Wiederwahl wird er zunächst das Amt des Propstes für Angeln und für das Diakonische Werk sowie das Kitawerk behalten. Nach derzeitigen Planungen würde er nach dem Ruhestand von Pröpstin Lenz-Aude im März 2022 nach Schleswig wechseln, um dann für neue Propstei Angeln und Schleswig und die Verwaltung zuständig zu sein. Feiern konnte der Propst seine Wiederwahl allerdings noch nicht, denn aus rechtlichen Gründen stimmen die Synodalen erst im Anschluss an die Tagung per Briefwahl ab. Das Ergebnis wird am 8. April vorliegen.

Ebenfalls nichts zu feiern gab es bei dem anschließenden Tagesordnungspunkt, bei dem es um den Pfarrstellenrahmenplan ging. Demnach soll es bis 2030 ein Drittel weniger Gemeindepastor*innenstellen geben als noch 2015. Der Grund: Die Kirche hat Nachwuchssorgen. Es gehen weit mehr Pastor*innen in den Ruhestand als Neue ausgebildet werden. Deshalb hat die Landeskirche ein Gesetz verabschiedet, mit dem sie versucht, die weniger werdenden Pastor*innenstellen gerecht zu verteilen. Für den Kirchenkreis Schleswig-Flensburg sagt Pröpstin Johanna Lenz-Aude: „Wir wollen mit dem Pfarrstellenrahmenplan sicherstellen, dass wir überall präsent bleiben – in der Stadt wie auf dem Land.“ Mit diesem Ziel vor Augen sei es notwendig, linear zu kürzen – als Antwort auf die Vorgaben der Landeskirche. Demnach soll der Kirchenkreis 2030 noch 49,75 Gemeindepfarrstellen haben. 2015 waren es noch 76,25. Auch die Kirchenkreispfarrstellen sind bereits reduziert worden bzw. werden weiter reduziert. Lenz-Aude kündigte an, diese bei der nächsten Synodentagung in den Blick zu nehmen.

Bevor 54 Synodale für diesen Plan stimmten, gab es eine rege Diskussion. Norbert Wüstefeld zitierte beispielsweise seine 95-jährige Tante mit dem Satz: „Nutzt ja nix, muss ja“ und regte gleichzeitig an, statt Pastor*innen andere Berufe in die Kirchengemeinden zu holen, wie zum Beispiel Sozialpädagogen oder Gemeindemanager. Er forderte, Perspektiven zu eröffnen statt mutlos zu kürzen. Pastor Gunnar Engel warnte, dass der Pastor*innenberuf bei diesen Kürzungen immer weniger attraktiv würde und Pastor Dr. Philipp Kurowski bat, die Ausbildung von Prädikant*innen in den Blick zu nehmen. Pröpstin Carmen Rahlf sagte: „Wir müssen den Spagat hinkriegen, uns einerseits den Realitäten zu stellen und andererseits Präsenz zu zeigen. Die Arbeit der Pastor*innen wird sich verändern. Es geht nicht um eine Optimierung des jetzt Bestehenden, sondern um Neuerungen und um ein Umdenken.“ Und Pastor Ingo Gutzmann wies darauf hin, dass die Reduzierung nach den Vorgaben der Landeskirche verpflichtend sei. „Was wir inhaltlich daraus machen, ist unsere Sache. Lasst uns Schritt für Schritt strukturell und inhaltlich so entwickeln, dass wir die Mittel dort zur Verfügung stellen, wo wir etwas bewegen wollen.“

Ingo Gutzmann war es auch, der im nächsten großen Tagesordnungspunkt empfahl, den Haushalt für 2021 in der vorliegenden Fassung zu verabschieden – dieses Mal sprach er als Vorsitzender des Finanzausschuss. Coronabedingt stehen der Kirche in Schleswig-Flensburg mit knapp 20 Millionen Euro ca. 1,5 Millionen weniger zur Verfügung als 2020. Sowohl der Kirchenkreis als auch das Diakonische Werk und das Regionalzentrum werden 2021 auf Rücklagen zurückgreifen müssen. Wegen guter Haushaltsführung und einem Rücklagen-Puffer hält er dies (noch) nicht für besorgniserregend, wenngleich weiter zurückgehende Einnahmen und steigende Kosten gut im Blick behalten werden müssten. Ähnlich sah dies Diakoniepastor Thomas Nolte. Für das Diakonische Werk beschrieb er es als Herausforderung, Menschen am Rande der Gesellschaft in Corona-Zeiten zu begleiten. Er sagte: „Unsere Klient*innen sind durch die Krise zusätzlich schwer belastet. Gerade jetzt wollen und können wir weder Eltern mit beeinträchtigten Kindern noch Obdachlose oder Menschen mit Schulden bzw. in anderen Notsituationen alleine lassen. Die Arbeit nimmt zu, die Nöte werden immer größer und die Spaltung der Gesellschaft immer deutlicher. Gleichzeitig müssen wir mit weniger Erträgen kalkulieren. Das ist und bleibt ein Balanceakt.“

Die virtuelle Abschlussandacht der vierstündigen Tagung gestaltete Pröpstin Carmen Rahlf, die sich gleichzeitig vom Kirchenparlament verabschiedete. Sie sagte: „Das war meine letzte Synodentagung. Im August bin ich nicht dabei, da wird mein*e Nachfolger*in gewählt. Und Ende November werde ich in den Ruhestand verabschiedet. Danke, dass wir heute gemeinsam Weichen gestellt haben für die nähere und ferne Zukunft der Kirche.“