Propstinnen Lenz Aude links und Rahlf im Gesprach Beide gehen in den nachsten Jahren in den Ruhestand Foto Pfaff
Pröpstinnen Lenz-Aude (links) und Rahlf im Gespräch. Beide gehen in den nächsten Jahren in den Ruhestand. Foto: Pfaff

Ev. Kirche in Schleswig-Flensburg diskutiert Leitungsstruktur: Wie viele Pröpst*innen soll es künftig geben?

26.07.2020

Eine reguläre Synodentagung war wegen der aktuellen Corona-Regeln nicht möglich - stattdessen hatten Synodenpräses und Kirchenkreisrat die Kirchenparlamentarier von Schleswig-Flensburg am Sonnabend dem 20.6.2020 gemeinsam zu einer Info-Veranstaltung in den Schleswiger Dom eingeladen. Das Thema: Die künftige Leitungsstruktur der Ev. Kirche in Schleswig-Flensburg.

Anlass ist, dass Pröpstin Carmen Rahlf am 1.12.2021 und Pröpstin Johanna Lenz-Aude am 1.3.2022 in den Ruhestand verabschiedet werden. Propst Helgo Jacobs ist 2021 zehn Jahre im Amt, eine Wiederwahl steht an. „Es ist notwendig, dass die künftige Leitungsstruktur klar ist, innerhalb derer die pröpstlichen Stellen künftig besetzt werden“, sagte Linda Heiss. Gemeinsam mit Rainer Hanf stellte sie das Modell vor, das der Kirchenkreisrat dem Kirchenparlament zur Abstimmung im September empfiehlt. Demnach sollen die drei Propsteien zu zweien zusammenwachsen, zwei Pröpst*innen sollen künftig im Duo die geistliche Leitung übernehmen – und das in enger Zusammenarbeit mit den Leiter*innen der Dienste und Werke. Heiss sagte: „Der Austausch und die konstruktive Vernetzung der geistlichen Leitung und der Werke-Leitungen ist eine maßgebliche Säule für den Erfolg.“


Linda Heiss und Rainer Hanf bereiten ihre Präsentation vor (Foto: Pfaff)

Nach dem Modell des Kirchenkreisrates, das dieser in mehreren Klausurtagungen erarbeitet hat, soll künftig eine Pröpst*in die Propstei Angeln und Schleswig sowie die Kirchenkreisverwaltung leiten, ein zweiter bzw. eine zweite soll die Propstei Flensburg führen und als pröpstliche Ansprechpartner*in für alle Dienste und Werke zuständig sein.

Die Begründung, warum dies sinnvoll ist, lieferte Rainer Hanf in einem Rückblick auf die letzten 11 Jahre, die seit der Fusion der drei damaligen Kirchenkreise Angeln, Schleswig und Flensburg vergangen sind. Damals hatte die Nordkirche unter anderem anhand von Gemeindeglieder- und Gemeindezahlen ausgerechnet, dass für Schleswig-Flensburg 2,86 pröpstliche Stellen empfohlen sind. „Schon damals haben wir diskutiert, ob es zwei oder drei sein sollen. Wir haben uns für drei entschieden und in der damaligen Überleitungsvereinbarung festgeschrieben, dass diese Zahl zu überprüfen ist“, so Hanf.

Für 2021 sind von der Nordkirche 2,3 pröpstliche Stellen berechnet, nachdem es statt 70 Kirchengemeinden im Jahr 2009 aktuell 60 gibt und statt 176.000 Gemeindegliedern derzeit 150.000 gezählt werden. Auch die Zahl der Pastor*innen wird weiter sinken, prognostizierte Linda Heiss: Fast 60 Pastor*innen werden in den nächsten neun Jahren in den Ruhestand verabschiedet und nach Vorgabe der Nordkirche sind 2030 für Schleswig-Flensburg noch 74,5 Pfarrstellen vorgesehen statt 95,5 Stellen im Jahr 2019.

„Da ist es nur konsequent, die Strukturen anzupassen, um den veränderten Gegebenheiten Rechnung zu tragen und um den Kirchenkreis zukunftsfähig zu machen“, sagte Rainer Hanf.


Propst Helgo Jacobs in der Diskussion 2021 zur Wiederwahl nach 10 Jahren Amtszeit (Foto: Pfaff)

Die Diskussion zeigte ein erstes Stimmungsbild: So fragte zum Beispiel der Synodale Ralph Schmidt, ob es nicht konsequenter sei, gleich auf eine Propstenstelle zu reduzieren, wohingegen Pastor Jörg Jakisch ausdrücklich davor warnte - und Gurli Jendreiko zeigte sich besorgt, dass selbst durch die Reduzierung auf zwei Propstenstellen die kirchliche Präsenz in der Öffentlichkeit sinken könne. Norbert Wüstefeld fragte, ob durch die veränderte Leitungsstruktur mit Einsparungen zu rechnen sei oder ob neue Stellen im Mittelbau geplant seien.

Die Entscheidung, wie die Leitungsstruktur künftig aussehen soll, treffen die Kirchenkreissynodalen auf ihrer nächsten Tagung, die für 12.9.2020 geplant ist. Bis dahin wird das Modell in Konventen sowie auf einem Treffen der Kirchengemeinderäte weiter diskutiert.

Ein weiteres Synodenthema im September: Laut aktueller Schätzung muss die Kirche in Schleswig-Flensburg 2020 wegen der Corona-Pandemie mit drei Millionen Euro weniger auskommen als noch im Februar veranschlagt. Überbringerin dieser Hiobs-Botschaft war Pröpstin Johanna Lenz-Aude. Sie sagte: „Ich will Sie nicht in Schockstarre versetzen, aber bitte nehmen Sie in Ihre Gemeinde die Frage mit, wie wir unserem Auftrag mit weniger Geld gerecht werden können. Wir werden das hinkriegen. Dafür hoffe ich auf den Segen und die Hilfe Gottes – und auf Vernunft und gute Vorschläge.“