Hauptreferentin Yvonne Rehmann Foto Pfaff
Hauptreferentin Yvonne Rehmann (Foto: Pfaff)

Fortbildung des Evangelischen Kitawerks: Partizipation ganz praxisnah

26.05.2019

Volles Haus beim Kita-Fachtag: Knapp 160 pädagogische Fachkräfte aus 14 evangelischen Kitas im Raum Schleswig haben sich am Mittwoch dem 15. Mai 2019 auf den Weg in die VHS Büdelsdorf gemacht, um sich zu treffen, sich gemeinsam fortzubilden und sich auszutauschen.

„Wir sind zu Viele, um geeignete Räume für unsere Fortbildung in Schleswig zu finden, deshalb sind wir nach Büdelsdorf umgezogen“, sagte die pädagogische Leiterin des Ev. Kita-Werks im Kreisgebiet Schleswig-Flensburg, Christine Hansen. Im Raum Schleswig gehören insgesamt 14 Kitas zum Evangelischen Kitawerk, in denen die pädagogischen Fachkräfte mehr als 1.000 Kinder betreuen.

Ihr gemeinsames Fortbildungsthema: Partizipation, also die Beteiligung der Kinder im Kita-Alltag. „Dass Kinder und Jugendliche entsprechend ihrem Entwicklungsstand zu beteiligen sind, ist im Sozialgesetzbuch festgeschrieben. Beteiligung ist ein Schlüssel zur Bildung und ein wesentlicher Faktor, Demokratie zu lernen und einzuüben, erläuterte Kita-Werksleiter Ernst-Peter Rodewald in seiner Begrüßung.

Was erstmal abstrakt klingt, bekam im Hauptvortrag von Yvonne Rehmann, den anschließenden sieben praxisnahen Workshops und bei den Flurgesprächen „viel Fleisch an die Knochen“.

Yvonne Rehmann machte schnell deutlich, dass es nicht darum gehen könne, dass die Erwachsenen ihre Verantwortung abgeben und die Kinder alleine entscheiden, sondern dass sie mitentscheiden. „Demokratie lernt man nur durch Erfahrung und Beteiligung nur durch Beteiligung“, sagte sie in ihrem Vortrag und erläuterte ganz konkret, wie das gehen kann: So gab es beispielsweise in einer Kita immer wieder Konflikte, weil die größeren Kinder im langen Kita-Flur rannten und sich die Kleinen nicht mehr aus den Türen trauten, weil sie Angst hatten, umgerannt zu werden – und ein Renn-Verbot für die Großen brachte nicht weiter. „Ob ein Flur eine prima Rennstrecke oder ein Gefahrenbereich ist, hängt also von der Perspektive ab“, erläuterte Rehmann.

Eine praktikable Lösung für das Problem erarbeiteten die Kinder selbstständig in ihrer Kinder-Konferenz: Mit Hilfe eines roten Klebebandes entstanden zwei Flurzonen: Eine Seite zum Rennen, die andere zum sicheren und langsamen Laufen. „Und das klappte“, berichtete Rehmann. Sie ermutigte die pädagogischen Fachkräfte, die Kinder in Projekten zu beteiligen, ihre Erfahrungen dabei zu sammeln und die Partizipation immer weiter auszuweiten – ganz gleich, ob es um die Osterdeko geht, die Raumgestaltung oder das gemeinsame Essen.

Nur so könnten die Kinder lernen, was Mitbestimmung bei gemeinschaftlichen Fragen sei und Selbstbestimmung bei Fragen, die jedes einzelne Kind angeht. „Jedes Kind kann entscheiden, ob es etwas Bestimmtes essen möchte oder nicht“, erklärte sie, „aber was gekocht wird, entscheiden alle zusammen“, so Rehmann.