Schuld immer anderen
Foto: Michael Tolkmitt

Gedanken zur Woche: "Der Schuldige ist immer schnell gefunden"

15.07.2017

Gedanken zur Woche von Michael Tolkmitt, Leiter des Kirchenkreis-Jugendwerks der Propstei Flensburg

Egal, was für Ereignisse in unserer Zeit geschehen, ob Krawallnächte im Hamburger Schanzenviertel, Klimakatastrophe, HSV im Abstiegskampf oder die 5 im Zeugnis, der Schuldige ist schnell gefunden: Der Andere!

Dem Prinzip der eigenen Psychohygiene folgend, wird kommentiert, bewertet, entwertet was das Zeug hält. Wir sehen uns selbst fast immer auf der „richtigen“ Seite, und sind schnell dabei andere schuldig zu sprechen. Diese Haltung ist bequem und oft auch ein Selbstschutz, aber damit geht uns immer mehr die Fähigkeit der Eigenreflektion und die Bereitschaft der Vergebung verloren.

Wir behaupten gern, wir seien kritikfähig. Aber sind wir das wirklich? Wie oft fühlen wir uns angeklagt, persönlich angegriffen, wenn wir ein negatives Feedback für unser Handeln bekommen? Hier endet dann, was wir von anderen fordern. Die soziale Kompetenz, Kritik zu hören und sie positiv umzusetzen. Da hätten wir uns auch den Wochenend-Workshop „Kommunikationstraining“ sparen können.

Wie vielen unerledigten Vorwürfen und Beschuldigungen hängen wir seit Kindheitstagen nach, dass wir lieber austeilen und schnelle Urteile fällen? Wenn wir ehrlich sind, wissen Sie und ich, dass sind jetzt nicht die allerneuesten Top-News. Wir wissen sehr genau, wo wir über das Ziel hinausgeschossen sind.

Und dann sprach ich noch von Vergebung. Ich meine nicht diese weichgespülte Art, um Ruhe zu haben, die das Geschehene nicht ernst nimmt. Ich meine die, die uns Jesus anbietet. Da sagt Jesus zum Beispiel: „Wenn ihr bereit seid, anderen zu vergeben, dann wird auch euch vergeben.“ Auch im „Vaterunser“ beten wir um Vergebung.  

Lassen sie uns gemeinsam in den anstehenden Sommerurlaubstagen Zeit finden, einmal darüber nachzudenken, wo wir vorschnell bewerten, Schuldige finden, und uns fein rausreden.  Ich werde es tun.