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Foto: Antranias / Pixabay

Gedanken zur Woche: "Jemand, der mich liebt"

04.10.2016

Gedanken zur Woche von Pastor Lars Olaf Aue, Kirchengemeinde Nübel

„Ich wünsche mir, dass da immer jemand ist, der sie liebt.“ So begründete vor einiger Zeit eine Mutter ihren Wunsch, ihr erstes Kind taufen zu lassen. Ein Wunsch, der nicht ungewöhnlich ist. Das Besondere aber war das, was nicht gesagt wurde: Sie strahlte dabei so viel Zutrauen aus, dass das auch gelingt.

Wer wünscht sich das nicht, dass da jemand ist, der mich liebt, der zu mir steht. Furchtbar, wenn der Satz fällt: Keiner hat mich lieb. Es kann doch nicht sein, dass da niemand ist? Dass es keinen gibt. Und doch kann es sein, leider. Ich habe kürzlich den Briefwechsel Astrid Lindgrens mit einem Mädchen, Sara, gelesen. Mir ist ein Gedicht besonders im Gedächtnis geblieben, von Anna-Greta Wide, das die Schriftstellerin ihrer Brieffreundin mitgeben möchte, als sie dieses Gefühl empfindet: „Lass keinen auf der Welt sein, den niemand liebt.“ Ein Satz aus zwei gottlosen Gebeten, wie sie die Dichterin nennt. So gottlos sind die Gedanken gar nicht. Lass keinen sein, den niemand liebt . . . Eine Bitte, die an Gott geht, doch keinen ungeliebt sein zu lassen.

Die Mutter mit dem kleinen Täufling ist sich sicher, dass da immer zumindest einer ist, der mich und dich liebt und annimmt, bedingungslos. Astrid Lindgren schreibt übrigens ein paar Jahre später an ihre Briefreundin: „Wir tragen das Gefühl mit uns rum, dass es jemand geben sollte, der sich unserer annimmt, wenn das Leben uns zusetzt.“ Wenn es auch keinen gibt, der mich mag, wie ich bin, immerhin Gott tut das.

Vier Wochen später standen wir dann am Taufbecken, die junge Mutter, das Kind und ich. Und das Zutrauen in Gottes Begleitung war wieder da. In der Bibel heißt das in einem Satz, den ich wie eine Überschrift über das Leben lese: „Seht doch, wie groß die Liebe ist, die der Vater uns schenkt! Denn wir dürfen uns nicht nur seine Kinder nennen, sondern wir sind es wirklich!“