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Gedanken zur Woche: "Reiseveranstalter deines Lebens"

04.08.2017

Gedanken zur Woche von Johannes Ahrens, Stadtpastor in Flensburg

Der Strand zu sandig, und im Meer schwimmen Fische. Wer hätte das gedacht? Die Sommerferien haben gerade begonnen, da kursieren sommerlochpünktlich erste Nachrichten über kuriose Urlaubsbeschwerden. Und selbstverständlich erscheinen postwendend ratgebende Tipps: Wie sich verhalten, wenn das Urlaubsparadies irdischer ausfiel als der Reiseveranstalter versprochen hatte?

Baulärm, Mücken, Revolution. Selbst im Urlaub bist du anscheinend vor nichts sicher. Da kann ich die Sehnsucht nach einem wenigstens phasenweise unbeeinträchtigten Leben absolut verstehen. Wenigstens einmal im Jahr Pause von Widrigkeiten. Abstand von Lärm und Gewalt, Streit und Stress, Krankheit und Tod.

Gelungene Urlaubstage schmecken nach mehr. Im Idealfall - als Unterbrechung des Alltags - erinnern sie daran, wie paradiesisch unser Leben angelegt ist. Wo es herkommt und worauf alles hinausläuft. Zwischen Eden und dem Garten, zu dem wir unterwegs sind. Einklagen lässt sich dieser Idealfall dummerweise nicht - weder für den Urlaub noch für die übrige Lebenszeit, und nur die wenigsten suchen sich ihr Leben vorher im Prospekt aus.

„Welch hohe Lust, welch heller Schein wird wohl in Christi Garten sein!“, dichtet Paul Gerhardt in seinem berühmten Sommerlied „Geh aus mein Herz…“. Da lag Deutschland nach 30 Jahren Bürgerkrieg gerade in Trümmern.

Auch mitten in Zumutungen, Zerstörung und tiefem Schmerz aufmerksam zu bleiben für den kostbaren Moment und dankbar zu sehen, wie viel dir geschenkt ist, bewahrt dich vor unrealistischem Anspruchsdenken und andere vor kuriosen Klagen. Das Paradies liegt auf dem Rücken der Pferde, den Bahamas (oder meinetwegen an der Flensburger Förde), wenn es zuerst in Dir liegt. „Das Reich Gottes liegt inwendig in euch“, sagt Jesus, der Reiseveranstalter meines Lebens.