Gerd Nielsen ein Teamplayer verlasst das Kirchl Spielfeld Foto Pfaff
Gerd Nielsen (Foto: Pfaff)

Gerd Nielsen: Ein erfahrener Teamplayer verlässt das kirchliche Spielfeld

20.02.2020

Was 1977 in einem Jugendkeller mit 15 Jugendlichen, einer Gitarre und einer durchgesessenen Sitzgruppe begann, schließt Gerd Nielsen nach 43 Dienstjahren für die Ev. Kirche als Leiter des Kita-Werkes mit 42 Kitas zwischen Harrislee und Kropp im Kirchenkreis ab. Bis Ende März noch hat Gerd Nielsen Verantwortung für ca. 900 Kita-Mitarbeiter*innen, die ca. 3.400 Kinder betreuen, und für ein Budget von 36 Mio. Euro.

Am Freitag, 21.2.2020 wurde er in den Ruhestand verabschiedet. Am 31.3.2020 hat Gerd Nielsen seinen letzten Arbeitstag genau in dem Büro, in dem er 1976 bei Propst Helmut Steenbock um eine Stelle für das Anerkennungsjahr zum Diakon ersuchte.

Viel hat er erlebt in dieser Zeit und viel bewirkt: In seiner Zeit als Gemeinde- und Jugenddiakon in St. Petri Flensburg war er nicht nur Bandleiter, Konfi-Lehrer und Gestalter von Fahrten und Freizeiten, sondern auch Jugendsozialarbeiter. So saß er beispielsweise mit im Stadtteil auffälligen Jugendlichen beim Essen im Jugendkeller und hat sie bestärkt und praktisch begleitet, ihre Probleme in Schule und Ausbildung in den Griff zu kriegen. „Eine anspruchsvolle und aufreibende Arbeit“, beschreibt Gerd Nielsen diese Tätigkeit, von der er 1990 als Leiter ins Ev. Jugendwerk wechselte.

Besonders berührt ihn, heute immer wieder Menschen, zum Teil mit Familie und Kindern, zu begegnen, die damals bei ihm einen Jugendgruppenleitungskurs gemacht haben. Ca. 500 Jugendliche hat er - meist im Freizeitheim Norgaardholz – ausgebildet: Eine Multiplikatorenarbeit, die Generationen von Jugendlichen fürs Ehrenamt fit gemacht hat. Dazu kamen Jugendsegelfahrten und Reisen, die ihn zusammen mit den Jugendlichen durch halb Europa geführt haben. So ist er beispielsweise auf den Spuren von Anne Frank gewandelt, hat mit Jugendlichen Zeitzeugen des Holocaust in Amsterdam getroffen und mit den christlichen Pfadfindern zur See beim mit 16.000 Jugendlichen weltgrößten Jamboree im finnischen Turku Gottesdienst gefeiert. „Es ist ein großer Schatz, immer wieder Menschen begegnet zu sein, die motiviert waren, das Leben positiv zu gestalten“, resümiert Nielsen.

Positiv für ihn während dieser gesamten Zeit und bis heute: Seine sportjournalistische Tätigkeit bei der SG Flensburg-Handewitt. Mehr als ein Jahrzehnt hat er dort die Pressekonferenzen moderiert und war zeitweise Hallensprecher, heute beschränkt er sich auf die mediale Ausgestaltung des Vorprogramms bei den Heimspielen. Alles ganz großes Kino für ihn. Gerd Nielsen sagt: „Hier erlebe ich Champions-League und Handballbundesliga hautnah. Das ist spektakulär und spannend.“ Und natürlich lässt ihn diese so komplett andere Welt auch gut abschalten vom Arbeitsalltag.

Der ist seit 2011, als er Leiter des Kita-Werks wurde, geprägt von Begriffen wir Subsidiaritätsprinzip, kirchlichen Eigenanteilen, von Verhandlungen mit Bürgermeist*innen, Sitzungen in Beiräten, Gesprächen mit Mitarbeiter*innen und auch sonst von ganz viel Kommunikation. Der Auftrag der Synode, der er selbst angehörte, zu Beginn seiner Tätigkeit: Gerd Nielsen, bitte sorge dafür, dass das Kitawerk ausgebaut wird und gleichwohl die kirchlichen Finanzanteile am Kitabetreib abnehmen. Neun Jahre später kann er vermelden: Konsolidierungs-Auftrag grundsätzlich erfüllt. Dass mit neuen Kita-Gesetz ab 1.8.2020 der Eigenanteil der Freien Träger entfällt, woran er bereits neun Jahre gearbeitet hat, sieht er eher als Bestätigung. „Die Arbeit auf dem Kita-Tanker ist mein Lebenswerk“, sagt Nielsen

Insgesamt blickt er mit Dankbarkeit auf seine Arbeitsjahre zurück – nur einmal hatte er während seiner langen Dienstzeit eine Stelle außerhalb der Kirche im Visier, das Angebot schien attraktiv. Im letzten Moment hat er sich aber doch umentschieden: „Ich kann von Kirche nicht lassen“, sagte er und seine damalige Chefin, Pröpstin Jutta Groß-Ricker antwortete nur: „Herzlich willkommen. Gut für uns, dass Sie bleiben.“

Überhaupt hatte er immer Glück mit seinen Vorgesetzten, hielten sie ihm doch den Rücken frei und standen zu ihm, wenn es darauf ankam. „So viel Gestaltungsspielraum zu haben, das ist was Besonderes“, sagt Gerd Nielsen, der speziell die Zusammenarbeit mit seinem letzten Chef, Propst Helgo Jacobs, hervorhebt. Er sagt: „Wir haben in Beiräten und Ausschüssen immer erstklassig kooperiert. Jacobs feinsinniger Humor sorgte selbst in festgefahrenen Situationen für positive Überraschungen.“

Nicht mehr weiter zu wissen – das kam allerdings nicht so oft vor, gilt Gerd Nielsen doch als Problemlöser, der positiv und gestaltend nach vorne blickt. „Wir haben hier ein Problem und brachen eine Lösung“ dieser Satz ist Antrieb und Inbegriff seines Wirkens. Dass Gerd Nielsen als ausgesprochener Teamplayer gilt, war für die Lösung der großen Fragen sicher von Vorteil. Er sagt: „Ohne meine Kolleg*innen in all ihrer Vielfalt und mein breites Netzwerk hätte ich nicht erfolgreich arbeiten können.“ Schwierig für die Kolleg*innen und ihn selbst war allerdings manchmal sein hohes Tempo. „Bildlich gesehen saß ich schon im Zug und fragte mich, wo all die anderen sind, während mein Team am Bahnhof stand“, beschreibt Nielsen sich selbstkritisch.

Ohne Frage gab es auch schwere Zeiten – beruflich wie privat. „Das bleibt nicht aus in so einer langen Zeit“, sagt Gerd Nielsen. Im Rückblick beschreibt er, dass er zur rechten Zeit immer Menschen als Seelsorger an seiner Seite hatte, sich gut begleitet fühlte.

Und es gab viele Höhepunkte, zum Beispiel dass er im Kirchenkreis seine Liebe gefunden hat und dass er Vater geworden ist. „Das Beste, was spät in meinem Leben passiert ist, heißt Lasse-Bo“, sagt Gerd Nielsen. Dass sein heute 11-jähriger Sohn manchmal zu ihm sagt „Ey Papa, du bist voll 80er“, nimmt er mit Humor. So was kann er einordnen. Schließlich hat er mit Kindern und Jugendlichen richtig viel Erfahrung.