Stig Tanzmann Brot fur die Welt
Stig Tanzmann, Brot für die Welt: Wir müssen lernen neu und anders zu wirtschaften.

Gut besuchtes Hoffest auf dem Biohof Spannbrück

60 Jahre Brot für die Welt 05.06.2019

Viele kannten sie noch aus ihrer Kindheit: Die Kochkiste. Einfach, genial, Energie sparend. Da wird ein Topf mit erhitzten Speisen hinein gestellt, drumherum etwas zur Wärmedämmung. Dann können Speisen ohne weitere Energiezufuhr, über einen Zeitraum von Stunden, fertig garen. Frauen aus der Kirchengemeinde Toestrup in Angeln nahmen sie mit zu ihren Partnerinnen nach Tansania. Heute nutzen sie die dort. Holz wird gespart. Im Gottesdienst beim Hoffest stand sie nun auf dem Altar: Ein sichtbares Zeichen für Nachhaltigkeit. Darum ging es in vielen Facetten beim Hoffest „Was hat unser Essen mit Welternährung zu tun?“ am 2. Juni auf dem Biohof Spannbrück in Gulde.

Eingeladen auf ihren Hof hatten Sönke Thiesen und Ute Hörcher, regionales Netzwerk bio-vonhier.de,  gemeinsam mit Brot für die Welt Schleswig-Holstein und dem Kirchenkreis Schleswig-Flensburg.

Das Fest mit Gottesdienst, spannenden Vorträgen und einer Vielzahl von Infoständen und Livemusik fand im Rahmen der Veranstaltungsreihe 60 Jahre-60 Aktionen von Brot für die Welt Schleswig-Holstein statt.

In einem Interview berichtete Propst Helgo Jacobs von Aktionen des Kirchenkreises zu Ressourcenschutz, Nachhaltigkeit und Welternährung: „Ökofaire Gemeinde“, Fairer Handel,  Plastikvermeidung und Wärmedämmung. „Mehr davon ist erwünscht“, meinte auch Dr. Dietmar Fahnert vom Umweltministerium Schleswig-Holstein in seinem Vortrag. Eins von acht Handlungsfeldern im  geplanten Nachhaltigkeitskonzept der Landesregierung ist die „Globale Verantwortung“.

Unterstützt wurde sein Appell „Druck von unten ist wichtig!“ durch die beiden Agrarwissenschaftler Stig Tanzmann von Brot für die Welt Berlin und Markus Wolter von Misereor, Aachen. Eindrücklich erläuterten sie in ihren Referaten, dass aktuell trotz immer höherer Produktionsquoten der Landwirtschaft die Zahl der unter- und mangelernährten Menschen weltweit zunehme. Grund dafür sei besonders, dass auf mehr als der Hälfte aller Produktionsflächen Energiepflanzen und Tierfutter für die Fleischproduktion in den Industrieländern angebaut werden. Die Fleischproduktion ist in den vergangenen 50 Jahren etwa dreimal so stark angestiegen wie die Weltbevölkerung. Fehlernährung betrifft  aktuell jeden dritten  Menschen weltweit durch Unterernährung (821 Mio), Mangelernährung (2 Mrd) oder Überernährung (1,9 Mrd).

Deutlich wurde, wie unser Konsum mit der globalen Ernährung zusammenhängt: Beispielsweise erfordert der Anbau von Palmöl, das in den vielen Produkten unseres täglichen Bedarfs vorkommt, die Rodung artenreicher Regenwälder in Malaysia und Indonesien mit Verlust der biologischen Vielfalt. Zudem führt er oft zu sozialen Konflikten, Enteignungen und  Trockenlegung von Feuchtgebieten.

Politisches Handeln ist genauso nötig wie die Verantwortung von Konsumentinnen und Konsumenten.

Was für jede und jeden möglich ist und wie wir mit der eigenen Handlungsweise bei uns vor Ort auf globale Zusammenhänge Einfluss nehmen können, konnten alle Besucher und Besucherinnen bei dem bunten Angebot  von Ständen mit leckeren biologisch angebauten Produkten aus der Region und fair gehandelten Waren aus aller Welt entdecken und probieren.