Predigtgesprach mit Vertreter*innen der einladenen Organisatoren
Predigtgespräch mit Pastorin Susanne Schildt, Kirsten Losigkeit, Arne Sierck, Elke Thomsen, Arnd Folkers, Pröpstin Carmen Rahlf (vlnr)

„In Zukunft Dorf!“

Zentrales Thema beim Kreiserntedank 08.10.2018

In der Reithalle von Kirsten und Jochen Losigkeit in Janneby feierten am Sonntag, 7.10.2018 ca. 350 Gäste den Schleswig-Flensburger Kreiserntedank-Gottesdienst. Eingeladen hatten der Kreisbauernverband, die Landfrauen, die Landjugend und der Ev.-Luth. Kirchenkreis Schleswig-Flensburg gemeinsam mit der Kirchengemeinde zum Thema „In Zukunft Dorf!“.

Statt einer Predigt waren Vertreter*innen der einladenden Organisationen an einem Gespräch beteiligt. Facettenreich beleuchteten sie, warum sie gerne auf dem Dorf leben, wofür sie dankbar sind und was sich auf dem Dorf verändern sollte, damit es eine Zukunft hat. Arne Sierck von der Kreislandjugend beispielsweise setzt auf gute Infrastruktur und Internetanbindung genauso wie auf einen bodenständigen und ehrlichen Umgang miteinander. Er forderte, dass jeder und jede Verantwortung übernehmen solle. Mitzumachen hieße auch, andere zu bestärken, so Sierck.

Wie dies schon heute funktioniert, schilderte Kirsten Losigkeit eindrücklich. Sie betreibt gemeinsam mit ihrem Mann unter anderem den Reitbetrieb, auf dem das Erntedankfest stattfand. Zum Sport kämen beispielsweise wöchentlich mehr als 170 Reitschüler*innen zwischen 3 und 65 Jahren, Kita-Gruppen und Alterswohngruppen seien dort zu Gast und zu Veranstaltungen viele Bewohner*innen der umliegenden Dörfer.

Elke Thomsen von den LandFrauen strich als großes Plus auf dem Dorf den Zusammenhalt heraus und dass man sich gegenseitig helfe, wenn nötig. „Was zählt, ist die Gemeinschaft“, sagte sie und wünscht sich, dass sich auch Jüngere und Zugezogene aktiv beteiligen. Und auch Arnd Folkers vom örtlichen Bauernverband setzt für die Zukunft auf gutes Miteinander durch Toleranz und gegenseitige Unterstützung.

Das Stichwort „Miteinander“ war auch für Pröpstin Carmen Rahlf zentral, wobei sie dies auf die Vernetzung der Organisationen vor Ort bezog. Sie ermutigte, Neues auszuprobieren. Sie sagte: „Sowohl alte als auch junge Menschen brauchen eine bestimmte Infrastruktur, auch auf dem Lande. (…) Im Jahr 20130 sind hoffentlich schon mehr Anlaufstellen, Treffpunkte und Häuser entstanden, wo sich die verschiedenen Institutionen, Vereine, Kommunen, Kirche mit Haupt- und Ehrenamt mit Angeboten für das gemeinsame Leben zusammentun.“

Pastorin Susanne Schildt, die den Gottesdienst gemeinsam mit ihrem Kollegen Pastor Karsten Fritsche gestaltete, fasste das Gespräch mit einem Bibelspruch zusammen: „Gott hat uns nicht den Geist der Verzagtheit, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit gegeben“. Sie ermutigte, dass jeder und jede deshalb voran gehen, selbst etwas beitragen, die Chancen der Veränderung nutzen und sich freuen solle, wenn Gemeinsames gelingt.

Nicht nur inhaltlich, sondern auch musikalisch war der Gottesdienst facettenreich: Der Posaunenchor Tarp / Adelby und Jörl begleitete die Lieder, der Singkreis Eggebek trat auf und die beiden Pastoren griffen selbst zur Gitarre.

Nach dem Gottesdienst und noch vor gemeinsamer Suppe, Schnack und Präsentation der Oldtimer-Traktoren überbrachten Kreispräsident Ulrich Brüggemeier und die Vorsitzende des Flensburger Kreisbauernverbandes, Karen Franzen, Erntedank-Grüße. Beide hoben hervor, dass wir in einer Zeit mit reich gedeckten Tischen, gut gefüllten Lebensmittelregalen und hoher Qualität zu geringen Preisen leben. Brüggemeier mahnte an, jene in Solidarität einzuschließen, denen keine so reiche Ernte beschieden war. Er sagte: „Für uns, die wir den Hunger allem Anschein nach für geraume Zeit besiegt haben, muss es eine ganz selbstverständliche Herausforderung sein, an der Bewältigung dieses Problems an anderen Punkten dieser Erde mit unserem gesamten Wissen und mit allem Nachdruck mitzuarbeiten.“

Karen Franzen vom Bauernverband mahnte an, dass es an der Zeit sei, anders über Landwirtschaft nachzudenken. Sie forderte einen gesellschaftlichen Konsens, wie Landbewirtschaftung und Nahrungsmittelherstellung geschehen soll und eine höhere Wertschätzung der Landwirte für deren Arbeit und Produkte. Sie sagte: „Es gilt eine Landwirtschaft zu gestalten, die sich im Einklang mit Ökologie, Ökonomie und Sozialem befindet. Und dieses geht nur gemeinsam. Jeder einzelne muss sich bewusst werden, dass unsere Lebensgrundlage nicht vermehrbar ist und wir alle an einen Tisch müssen um die Herausforderungen der Zukunft zu bewältigen. Und nur im Miteinander wird es gelingen: In Zukunft Dorf.“