Das Vorbereitungsteam der Tagung Kirche und wie vlnr Pastor Hans Baron Christine Matzen Pastor Ingo Gutzmann Sylvia SChonrock
Das Vorbereitungsteam der Tagung: (v.l.n.r.) Pastor Hans Baron, Christine Matzen, Pastor Ingo Gutzmann, Sylvia Schönrock

Kirchen – und wie!?: Tagung in Sankelmark sorgt für neue Impulse

09.04.2019

„Kirchen und wie – Lust und Last an unseren Kirchengebäuden“ lautete der Titel der Tagung, zu der die Akademie Sankelmark und der Ev.-Luth. Kirchenkreis gemeinsam vom 28.-30.3.2019 in die Sankelmarker Akademie eingeladen hatte.

40 Teilnehmer*innen haben in Vorträgen und Workshops das Thema „Kirchennutzung“ drei Tage aus verschiedensten Blickwinkeln beleuchtet – von soziologischen über theologischen, architektonischen und rechtlichen bis hin zu ganz praktischen Themen war alles dabei.

Prof. Gerhard Wegner vom sozialwissenschaftlichen Institut der Ev. Kirche Deutschlands beispielsweise sprach sich dafür aus, Kirchen als „Kraftfelder des Geistes“ zu erhalten und sie gleichzeitig ins städtische Leben einzubinden. „Stadtplaner entdecken Kirchen als Teil der Quartiere wieder“, sagte Wegner. Von einer Tafel über eine Pflegeberatung bis hin zu einer Gesundheitskirche sei vieles möglich. Wenn die Kirche Teil der Bürgergemeinde sei und es eine strategische Verantwortungsgemeinschaft für das Leben vor Ort gebe, entstünden inklusive Sozialräume, so Wegner.

Ganz praktische Beispiele, wie das gelingen kann, brachte die Referentin Elke Bergt aus Mitteldeutschland mit, die das Querdenkerprojekt „500 Kirchen, 500 Ideen“ der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland vorstellte. Bei 4.000 Kirchen und einer Kirchenmitgliedschaft von ca. 3% galt es, Kirche anders zu denken, Ideen für die Gebäude zu entwickeln und Erprobungsräume zu schaffen. Entstanden ist beispielsweise eine Bienenkirche inmitten einer industriellen Landwirtschaft, eine Gesundheitskirche, die mit dem Klinikum vor Ort kooperiert, eine Kirche als Herberge auf einem Wanderweg und eine Kunstkapelle.

Die nüchterne theologische Überlegung Martin Luthers, dass Kirchen abgerissen werden sollten, wenn ihr Zweck, die Verkündigung, entfiele, beschrieb Mathias Lenz, Dezernent für Theologie im Landeskirchenamt. Er plädierte dann für eine erweiterte Kosten-Nutzen-Rechnung, die neben den finanziellen Gesichtspunkten auch die Bedeutung einer Kirche für den Ort und die betroffenen Menschen sowie die Akzeptanz einer eventuellen Nachnutzung berücksichtige.

Schließlich erläuterte Oberkirchenrat Jan Simonsen, Dezernent für Bauwesen im Landeskirchenamt insbesondere denkmalpflegerische Gesichtspunkte veränderter Kirchennutzungen. Diese bebilderte er mit vielen anschaulichen Fotos von Kirchen, die nunmehr eine Kindertagesstätte oder Gemeinderäume beinhalten oder zu einer Konzertkirche oder gar Pizzeria umgestaltet wurden.

In besonderer Weise lustvoll ging es beim Improvisionstheater der Gruppe Impro-Kontor aus Flensburg zu. Vier Mitglieder des Ensembles spiegelten das Thema in jeder Hinsicht humorvoll und bisweilen auch kritisch, wenn etwa den ruhesuchenden Pilgerinnen der abendliche Sushi-Kurs der Kirchengemeinde aufgenötigt wurde.

Das meist genutzte Wort der Tagung war der Begriff „Nutzung“ – die Rede war von Mitnutzung, Mischnutzung, Umnutzung, Benutzung, Fremdnutzung und Nutzungsvereinbarungen. Elke Bergt sagte dazu: Unsere Kirchen sind wunderbare Schätze, die etwas Besonderes sind – es gilt, sie zu nutzen, zu nutzen und nochmal zu nutzen!“

Einen Nutzen sahen die Teilnehmer*innen auch in der Tagung selbst: Sie fühlten sich bestärkt, über Veränderungen nachzudenken und dankten für Ideen und Impulse. Pastor Martin Baltzer aus der Kirchengemeinde Stapel – Süderstapel sagte: „Es ist wichtig, Menschen und Vereine vor Ort anzusprechen und die Veränderungen gemeinsam zu gestalten. Das Seminar hat mir gezeigt, wie wichtig die Vernetzung ist.“

Ein Dank gebührt der Kulturstiftung der Nord-Ostsee Sparkasse, die die Fachtagung mit dem Betrag von 3.700,- Euro gefördert hat.