Vertreterinnen der Kreislandjugend tragen die Erntekrone herein Foto Pfaff

Kreiserntedank in Kropp

04.10.2020

Posaunenmusik vor der Tür, ein prächtig geschmückter Erntedank-Altar und dazu Kameras für eine Liveübertragung ins Internet: Der Kreiserntedank-Gottesdienst fand in diesem Jahr am 4. Oktober in der Dorfkirche zu Kropp unter Corona-Bedingungen statt – und dabei gleichzeitig mit so viel Begegnung und Beteiligung wie möglich und derzeit erlaubt. Auf eigenes Singen mussten die Gottesdienstbesucher*innen beispielsweise corona-bedingt verzichten - aber sie waren entschädigt durch wunderbaren Gesang von Heike Branscheidt, die gleichzei-tig auch die Orgel im Gottesdienst spielte.

Mit Redebeiträgen beteiligt waren sowohl Pröpstin Johanna Lenz-Aude und Ortspastor Michael Jastrow für die Ev. Kirche als auch Klaus-Peter Dau für den Kreisbauernverband, Sylke Messer-Radtke für den Landfrauenkreisverband, Sandra Winther für die Kreislandjugend sowie der Landwirt Thies Brügmann aus dem Nachbarort Tetenhusen. Das Thema aller Beiträge: „Gemeinsam gut gestalten. Werte der Zukunft.“

Sowohl Klaus-Peter Dau als auch Thies Brügmann berichteten, dass die Stimmung unter den Landwirten schlecht sei, weil das Arbeiten erschwert würde – von Auflagen und Kontrollen über die Antragsflut bis hin zur Skepsis in der Gesellschaft sei die Liste lang, so Dau. Thies Brügmann, der als 31-jähriger Landwirt 15 Jahre im Beruf arbeitet, zog eine ähnliche Bilanz. Er bereue seine Berufswahl nicht, stelle sie mittlerweile in Frage, auch weil die Landwirte immer wieder pauschal als Tierquäler und Bodenverunreiniger verurteilt würden, so Brügmann. Er rief dazu auf, regionale und saisonale Produkte vor Ort zu kaufen, um die hiesige Landwirtschaft zu stärken. Und der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Klaus-Peter Dau wünschte sich für die Zukunft ein gutes Miteinander in den ländlichen Räumen, Vertrauen in die Arbeit und dass die Landwirtschaft auch künftig zum Bild in Schleswig-Holstein gehören wird.

Wie die Landfrauen das Leben auf den Dörfern positiv mitgestalten, führte Sylke Messer-Radtke als Kreisvorsitzende der Landfrauen aus: In über 30 Ortsgruppen engagieren sie sich mit Veranstaltungen, Fortbildungen, als Botschafterinnen für heimische Produkte und im Dialog mit Schüler*innen und Verbraucher*innen für ein lebenswertes Leben in den Dörfern und mehr Wissen um die Landwirtschaft und die Produkte.

Dass immer wieder aber auch Höfe aufgegeben werden, thematisierte neben Klaus-Peter Dau die 26-jährige Sandra Winther aus der Kreislandjugend. Sie stehe gerade vor der Frage, ob sie den Betrieb der Eltern übernimmt, was ihr Wunsch sei. Sie sagte: „Ich danke Gott, dass wir hier beste Böden, bestes Klima und brauchbares Wetter haben. Und ich danke den Landwirten, dass sie säen, ernten und das Vieh hüten.“ Lebenswichtig seien für sie und ihre Arbeit Wertschätzung und positive Begegnungen. Sie sagte: „Wir wollen und brauchen regionale Produkte, wir brauchen wertschätzendes Miteinander und wir brauchen eine Zukunft für junge Landwirte vor Ort.“

Die Predigt hielt Pastor Michael Jastrow aus der Kropper Kirchengemeinde, während sein Kollege Pastor Hergen Köhnke zusammen mit Semjon Köhne dafür sorgte, dass der Gottesdienst als Livestream im Internet zu verfolgen war. Mit Bezug zur Bibelstelle, in der es um die Speisung der 4.000 ging, sagte Jastrow, dass mit „satt werden“ nicht nur ein voller Teller gemeint sei, sondern ein gelingendes Leben und gelingendes gesellschaftliches Miteinander. Ein Schlüssel dafür sei das Teilen, so Jastrow. Es gelte, Jesus Klagen und Dank für das Leben hinzuhalten. Er sagte: „Was wir Jesus hinhalten, das segnet er.“ Dieser Segen könne Herzen und Köpfen Gewissheit und Frieden geben.

Im Fürbittengebet bat Pröpstin Johanna Lenz-Aude um Verständnis füreinander und Vermittlung zwischen verschiedenen Positionen. Sie sagte: Männer und Frauen, die in der Landwirtschaft tätig sind, beackern in Berufung und Beruf das Land, das Gottes gute Schöpfung ist. Mit großem Engagement sehen sie darauf und arbeiten sie dafür, dass Menschen satt werden. Gott, hilf uns, dass wir uns nicht entfremden – und dass wir alle miteinander Wege finden, dass es Brot und Nahrung genug für alle gibt, ohne dass die Schöpfung darunter leidet.“

Auch weltweit Schritte aufeinander zuzugehen, mahnte Kreispräsident Ulrich Brüggemeier in seinem Grußwort des Kreises an. Er sagte: "Erntedank sollte darüber hinaus immer jene in Solidarität einschließen, denen keine so reiche Ernte beschieden war. Für uns, die wir den Hunger allem Anschein nach für geraume Zeit besiegt haben, muss es eine ganz selbstverständliche Aufgabe sein, an der Bewältigung dieses Problems an anderen Punkten der Erde mit unserem Wissen und mit allem Nachdruck mitzuarbeiten."