Stephan Janbeck übergibt Pastorin Anja Kapust die oekofaire Urkunde (Foto: Ahrens)

Medelby und weitere Kirchengemeinden in Schleswig-Flensburg werden oeko-fair

02.10.2021

Beim großen Apfelrausch-Fest der Ev.-Luth. Kirchengemeinde Medelby hat Pastorin Anja Kapust am Sonntag, dem 26.9.2021 eine besondere Auszeichnung entgegengenommen: Medelby ist ab sofort oeko-faire Kirchengemeinde - nach Quern-Neukirchen und der Familienbildungsstätte die dritte kirchliche Einrichtung in Schleswig-Flensburg, die dieses Siegel tragen darf.

Passend zum Apfelrausch-Fest hat sich Pastorin Anja Kapust in ihrer Predigt beim Openair-Gottesdienst im Medelbyer Bibelgarten auf den Apfel als Frucht der Erkenntnis und die Vertreibung aus dem Paradies bezogen. Sie sagte: „Damals haben Adam und Eva erkannt, dass sie die Verantwortung übernehmen müssen für ihr Tun. Das gilt seitdem und auch heute – auch und gerade im Hinblick auf Umweltschutz und Gerechtigkeit.“ Dennoch gebe es die Kluft zwischen Erkenntnis und dem Tun, denn die Umsetzung sei nicht immer leicht, so Anja Kapust. 

Mindestens zehn Kriterien für ökologisches, regionales und faires Handeln muss eine Gemeinde erfüllen, um das ökofaire Siegel der Nordkirche und von Brot für die Welt zu bekommen. Dazu gehören zum Beispiel, umweltverträgliche Putzmittel und Recyclingpapier einzukaufen, Mehrweg- statt Einweggeschirr und Ökostrom zu nutzen, Menschen mit regionalen Produkten zu verpflegen, fair gehandelten Kaffee und Tee auszuschenken und energiesparende Leuchtmittel zu installieren. 

Seit die Kirchengemeinde im August 2018 den ökofairen Prozess begonnen hat, habe es viele Gespräche und Diskussionen gegeben, berichtet Pastorin Anja Kapust. Sie sagte: „Sich um diese Auszeichnung zu bemühen, ist nur der Beginn einer Entwicklung. Am Anfang haben wir bei Veränderungen oft darüber diskutiert, ob sich das rechnet. Mittlerweile haben wir die Erkenntnis, dass die Kosten nicht das Kriterium sein dürfen. Es geht darum, was wir unseren Kindern und Enkeln hinterlassen.“ Dafür gelte es, neue Wege zu gehen, sich gegenseitig zu ermutigen und anzustecken, so Kapust

Auch Pröpstin Carmen Rahlf bescheinigte der Kirchengemeinde in ihrem schriftlichen Grußwort, das Stephan Janbeck als Klimaschutzbeauftragter des Kirchenkreises übermittelte, „starke innovative Kräfte“, die es jetzt weiterzuentwickeln gelte. 

Und Pastor Ingo Gutzmann, der als Leiter des Regionalzentrums die oekofaire Urkunde und Plakette übergeben hat, sagte: „Ziel ist, wieder mit Gott und dem, was er uns anvertraut hat, in Einklang zu leben.“ Die ersten Schritte dorthin seien das Entscheidende, so Gutzmann. Er dankte der Kirchengemeinde Medelby, dass sie den oekofairen Weg beschreiten – genau wie dies andere Kirchengemeinden und Einrichtungen in Schleswig-Flensburg tun. In den nächsten Wochen werden die Flensburger Kirchengemeinde St. Michael und Oeversee-Jarplund ausgezeichnet. Steinbergkirche, Haddeby und das Regionalzentrum sind derzeit im Zertifizierungsprozess. 

Wie sehr die Medelbyer dem oekologischen und fairen Handeln verbunden sind, zeigte die Kirchengemeinde gleich im Anschluss an den Gottesdienst beim großen Apfelrausch-Fest: Neben dem Kinderspaß mit Torwandschießen, Hindernislauf, Kistenstapeln, Kutschfahrten mit echten Pferden und Basteln gab es regionale Biowurst, selbstgebackenen Kuchen und fair gehandelten Kaffee in Mehrwegbechern und das Most-Mobil, in dem die Medelbyer ortsnah ihren eigenen Apfelsaft produzieren lassen konnten. Fertigen regionalen Saft verkaufte der Schulförderverein zugunsten von Sonderprojekten an der Medelbyer Schule und die Pfadfinder luden zum Stockbrot ein. Die gute Nachricht des neuen Pfadi-Leiters Kevin Hinrichsen: Für Kinder und Jugendliche, die ihre Freizeit naturnah verbringen wollen, starten nach einer längeren Pause ab sofort wieder die Pfadfinder-Gruppenstunden in Handewitt, Großenwiehe und in Medelby.