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V.l.n.r.: M. Paulsen, F. Magaard, S. Zühlke , A. Schümann, N. Schmidt, G. Magaard, S. Hellriegel, K. Machlitt, U. Jacobsen

Paragraphendschungel - Wer blickt denn da noch durch?

17.05.2017

Anlässlich des Tages der Familie hat die Evangelische Familienbildungsstätte Schleswig am 15. Mai in Kooperation mit dem Christan Jensen Kolleg zu einer Talk Runde mit dem Thema Paragraphendschungel bei der Beantragung von familienbezogenen Leistungen eingeladen.

Nach einer Begrüßung durch die Leiterin Antje Schümann kamen die anwesenden Mütter zu Wort, die über ihre Erfahrungen beim Beantragen der aufstockenden Sozialleistungen berichteteten.

"Ich bin so froh, beim Diakonischen Werk Hilfe beim zum Ausfüllen der Anträge zu bekommen", sagte Frau Schmidt. Denn jede Verzögerung bedeutet auch spätere Zahlungen, und das macht enormem Druck berichten die Mütter. Es war bewegend zu hören, dass die Zwillingsmutter  Frau Zühlke kurz vor der Entbindung plötzlich nicht mehr gesetzlich krankenversichert war, da eine Meldung zu spät an die zuständige Behörde ging "Statt mich über die bevorstehende Geburt zu freuen, musste ich um die damit verbundenen Kosten bangen", erzählte sie den 40 anwesenden Gästen.

Der Moderator Friedemann Magaard, Leiter des Christian Jensen Kollegs in Breklum,  nahm das zum Anlass, Frau Hellriegel und Frau Paulsen vom Kreis Schleswig-Flensburg zu fragen, warum denn alles immer so kompliziert zu sein scheint.

Sie bestätigten einen hohen Verwaltungsaufwand, der aber durch die individuell angepassten Leistungen begründet sei. Es gäbe inzwischen Beantragungen aus allen Schichten, Arbeitslosigkeit und soziale Not  käme ja stets plötzlich. Die Mitarbeitenden des Kreises sind bemüht, die Beantragung zu unterstützen und auch auf noch nicht beantragte Leistungen hinzuweisen. Allerdings wird es ein längerer Prozess werden, bis die Formulierungen auf den Anträgen in einfacher Sprache geändert werden. Bestrebungen in diese Richtung sind schon für die zweite Jahreshälfte angeschoben.

Nun konnten der Leiter der Erziehungsberatungsstellen des Diakonischen Werkes Schleswig,  Herr Machlitt hier mit seiner Kollegin  Frau Jacobsen ihre Erfahrungen aus der Arbeit einbringen. Die Scheu der Familien, um Unterstützung zu bitten sei hoch, berichten sie. "Dabei steht Ihnen Geld zu, sie allerdings fühlen sich als Bittsteller und tun sich schwer, sie schämen sich" , Klaus Machlitt. In der folgenden Diskussion wurde die Idee des Familienlotsen angesprochen, der in der Behörde seinen Platz haben könnte und bei Fragen Familien zur Seite stehen könnte.

Bischof Magaard wurde dann von seinem moderierenden Bruder gefragt, was ihm so durch den Kopf gehe, wenn er die Meldungen zu diesem Thema höre.

"Die Sorge ums Geld löst einen großen Stress in den Familien aus, der durch einfachere Verfahren reduziert werden könnte. Diese Unsicherheit hat automatisch Einfluss aufs Familienleben".

Abschließend bat er alle anwesenden kirchlichen Vertreter,  Einrichtungsleiter, Politiker und Vereine, gemeinsam bessere Rahmenbedingungen zu fordern, um  Erleichterungen  in der Antragsstellung zu erschaffen.

Nach zwei Stunden endete ein reger Informationsaustausch mit dem Wunsch  aller Anwesenden, das Thema weiter aktuell zu halten.