2019 06 28 Verabschiedung Kernich Moller II Foto Pfaff
Foto: Anja Pfaff

Pastorin Susanne Kernich-Møller verabschiedet: Taschentücher und immer ein offenes Ohr

20.07.2019

„Nehmen Sie immer ein Päckchen Taschentücher mit zum Gespräch“: Diesen Rat gab Pastorin Susanne Kernich-Møller vor vielen Jahren ein Professor im Theologie-Studium. 36 Jahre lang hat sie sich an diesen Rat gehalten: Als Seelsorgerin hat sie viele Taschentücher verteilt, hat Menschen begleitet, Freud und Leid geteilt, Tränen getrocknet.

Die letzten 17 Jahre im Schleswiger Krankenhaus und im Ambulanten Hospizdienst, davor als Gemeindepastorin in Sieverstedt und in Kellinghusen. Am letzten Freitag (28.6.2019) ist Pastorin Susanne Kernich-Møller in einem fröhlichen Gottesdienst mit anschließendem Empfang im Schleswiger Helios-Klinikum in den Ruhestand verabschiedet worden.

Der rote Faden für ihre Arbeit sei das Bibelwort „Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden“ (Römer 12, 15) gewesen, den sie als Intuition, Sehnsucht und Vorsatz gleichermaßen verstanden habe. Sie habe Menschen begleitet, die froh und dankbar waren, wieder gesund zu werden oder ein gesundes Kind zur Welt gebracht zu haben. Mit Schwerkranken und Sterbenden galt es hingegen, Wut, Trauer und Schmerz auszuhalten und oftmals auch auszuharren und zu bleiben bis zum Schluss, beschrieb Kernich-Møller in ihrer Predigt im Konferenzsaal, der bis auf den letzten Platz besetzt war: Kolleg*innen aus dem Krankenhaus und des Ambulanten Hospizdienstes, aus der Kirche, der Diakonie, Freunde und Wegbegleiter*innen stellten gemeinsam den Besucherrekord bei Krankenhaus-Gottesdiensten, wie sie in ihrer Begrüßung lachend bemerkte.

Die Fröhlichkeit von Pastorin Susanne Kernich-Møller, ihre ungebremste Energie und ihr Engagement für die Menschen, ihre Zugewandtheit sowie ihre Fähigkeit, zuhören und begleiten zu können und dabei eine zuverlässige Konstante zu sein, hob Pröpstin Johanna Lenz-Aude in ihrer Ansprache hervor, bevor sie die Pastorin entpflichtete. Sie sagte: „Sie werden uns fehlen. Der Kirchenkreis ohne Sie, das ist kein schöner Gedanke. Sie gaben Trost, Sinn, Halt und Lebensmut. Und Sie haben in den schweren und leidvollen Alltag Kranker, Sterbender und derer, die damit zu tun haben, Gottes Freundlichkeit und eine Hoffnung gebracht, die weiter ist als wir sehen können – leichtfüßig, fast zärtlich.“

Dass Susanne Kernich-Møller im Krankenhaus bekannt war für leichtfüßige, kleine, schnelle Schritte auf Highheels, beschrieb Pastorin Kerstin Jakobi, die herzlich für die gute Zusammenarbeit dankte und ihre Kollegin als die „bestgekleidete Frau im ganzen Krankenhaus“ bezeichnete. Großen Dank für die gute Zusammenarbeit sprach auch der Helios-Geschäftsführer Dr. John Näthke aus. Er nannte Suanne Kernich-Møller „Konstante und gleichzeitig Instanz der Klinik“. Und als anschließend auch noch eine ihrer Töchter ein Grußwort sprach, griff die Pastorin selbst zum Taschentuch – vermutlich lagen Freude und Abschiedstrauer in diesem Fall nah beieinander.