Pröpstin Carmen Rahlf. Es war ihre letzte Synode und es gab standing ovations. (Foto: Anja Ahrens)

Pfarrstellenplanung auf der Kirchenkreis-Synode: Von Ruheständen und pastoralem Nachwuchs

14.11.2021

Mittelfristig wird der Evangelischen Kirche der pastorale Nachwuchs fehlen. Deswegen werden im Ev.-Luth. Kirchenkreis bis zum Jahr 2030 nur noch Zweidrittel der Gemeindepfarrstellen besetzt werden können, die es 2015 noch gab. Und: Um die Reduzierung planvoll zu gestalten, hatte das Kirchenparlament von Schleswig-Flensburg 2019 dafür einen so genannten „Pfarrstellenrahmenplan“ beschlossen.

Kurzfristig allerdings gestaltet sich der Übergang zu weniger Pastor*innen mit mehr Geistlichen als 2019 angenommen: Auf der aktuellen Synodentagung am Sonnabend, dem 6.11.2021 im Gemeindehaus St. Jürgen in Flensburg berichtete Pröpstin Johanna Lenz-Aude, dass derzeit noch mehr Pastor*innen ihr Studium beendeten als Stellen in der Nordkirche frei seien. 

Laut Lenz-Aude war das der Grund für den Kirchenkreisrat, in diesem und im nächsten Jahr mehr Theolog*innen einzustellen, als der Plan eigentlich hergibt. Lenz-Aude sagte: „Wir können uns das finanziell leisten. Und wir stellen damit die Weichen, denn wir wissen, dass wir die jungen Kolleg*innen wegen der Ruhestandswelle ab 2025 dringend brauchen. Wir wollen sie hier im Norden halten und ihnen eine Perspektive geben – und wir wollen nicht auf die nächsten zwei bis drei Jahre schauen. Wichtig ist die Gesamtentwicklung bis 2030.“

Dennoch bleibt insgesamt die Notwendigkeit, bis 2030 wegen des fehlenden Nachwuchses ein Drittel der Stellen einzusparen – und das nahmen die Synodalen auf ihrer Tagung beim Blick auf die übergemeindlichen Pfarrstellen auch ernst: Wie 2021 für die Gemeindepfarrstellen beschlossen, votierten sie jetzt, auch die auf Kreisebene angesiedelten Pfarrstellen nur noch zu Zweidrittel zu erhalten. Sechs der bleibenden Stellen haben Pastor*innen inne, die in Kirchengemeinden bei Krankheit, Vakanz oder in Sabbatzeiten vertreten. Damit kommen sie ausschließlich den Gemeinden zugute.

Aufgehoben wird allen voran zum kommenden März eine Propstenstelle, wenn nämlich Pröpstin Johanna Lenz-Aude in den Ruhestand tritt. Noch vorher wird Pröpstin Carmen Rahlf in den Ruhestand verabschiedet. Diese Stelle wird ab Dezember Pastorin Rebecca Lenz innehaben, so dass künftig zwei von derzeit drei Propstenstellen bleiben. Für Pröpstin Carmen Rahlf war diese Synodentagung somit die letzte in ihrer aktiven Amtszeit – mit nicht enden wollenden standing ovations hat ihr das Kirchenparlament zum Tagungsabschluss für ihre Arbeit gedankt. 

Laut Synodenbeschluss werden die Pfarrstellen für den kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt sowie die innovative Seniorenarbeit, die beide nicht mehr besetzt sind, beispielsweise aufgehoben. Bei zwei anderen Pfarrstellen, die ebenfalls aktuell nicht besetzt sind, hat die Synode hingegen entschieden, sie beizubehalten, um flexibel zu bleiben: Sowohl die Stadtpfarrstelle in Schleswig als auch die Pfarrstelle für Gemeinde- und Organisationsentwicklung sollen zumindest auf dem Papier bleiben, auch wenn beide Felder derzeit bzw. in Kürze von Mitarbeiterinnen anderer Professionen bearbeitet werden. 

Um eine neue Profession in der kirchlichen Dienstgemeinschaft ging es auch in einem weiteren Tagesordnungspunkt. Das Kirchenparlament hat beschlossen, eine Stelle für Gesundheitsmanagement einzurichten. Die Arbeitsgruppe „Gesunderhaltung am Arbeitsplatz“ hatte zuvor – so berichtete Ursula Einsiedler von der Mitarbeitervertretung - festgestellt, dass Langzeiterkrankung auch bei der Kirche ein Thema sei. 2020 sind allein für diejenigen, die mindestens sechs Wochen krank waren, Ausgaben von 412.000 Euro entstanden. Viel wichtiger sei allerdings, dass hinter jeder Langzeiterkrankung ein Mensch mit Schicksal stünde, ergänzte Diakoniepastor Thomas Nolte. Und: Studien würden belegen, dass gutes Gesundheitsmanagement nicht nur Krankheitszeiten minimiert, sondern auch ein wichtiger Faktor im Wettbewerb um Fachkräfte sei.