Juhl Klaus 1999 Foto Juhl
Propst Klaus Juhl, 1999 (Foto: Juhl)

Poesie, Musik und Kirche: Ehemaliger Propst Klaus Juhl verstorben

09.03.2019

Am 17. Februar ist der frühere Flensburger Propst, Klaus Juhl, im Alter von 85 Jahren verstorben. Er war von 1986 - 1995 der leitende Geistliche im damaligen Ev.-Luth. Kirchenkreis Flensburg.

Geboren wurde Klaus Juhl im Jahr 1933 als neuntes Kind einer Pastorenfamilie. Dass er wie sein Vater Theologe werden sollte, war nicht abzusehen. Er studierte zunächst Literatur- und Theaterwissenschaft sowie Germanistik und hatte zwischenzeitlich Ambitionen, Schauspieler zu werden.

Bevor Juhl 1986 in Flensburg als Propst berufen wurde, war er von 1965 bis 1971 schon einmal in Flensburg tätig - damals als Pastor in der Ev.-Luth. Kirchengemeinde Mürwik. Gemeinsam mit Freunden und Kollegen gehörte er zu einer Gruppe von kritischen Flensburger Theologen, die sich politisch auseinandersetzten und die Kirche aufmischten. Die deutschlandweit bekannten „Flensburger Pastoren“ - das so genannte Team - waren für die einen ein Teil einer hoffnungsmachenden Aufbruchsbewegung, für andere waren sie ein Skandalon, der Untergang der Kirche.

Zwischen seiner Amtszeit als Mürwiker Pastor und als Propst des Ev.-Luth. Kirchenkreises Flensburg war Klaus Juhl von 1971 – 1986 Studienleiter der Ev. Akademie in Bad Segeberg, pflegte dort Kontakte mit Künstlern und Literaten – darunter Martin Walser und Günther Grass - und betrieb aktives Kulturmanagement. Auch als Flensburger Propst und Pastor von St. Marien lud er – unter anderem zu Pastorenkonventen - veritable Dichter und Intellektuelle ein, teilte seine Belesenheit und seine Liebe zu Kunst, Musik und Literatur und steckte andere damit an. Er galt als begnadeter Prediger, der die hohe Kunst im Umgang mit Worten perfekt beherrschte und dessen Predigten - seelsorgerlich wie intellektuell - zu Herze gingen.

Klaus Juhl wird als geistreich, temperament- und humorvoll beschrieben, der sein Amt liberal geführt hat und bei seinen Entscheidungen als Propst auch immer wieder „über Mauern sprang.“ Direkt nach dem Mauerfall pflegte er schnell eine intensive Beziehung mit dem Partnerkirchenkreis in Wolgast und trug erheblich zum Mauerfall innerhalb der Kirche bei – unter anderem indem er Pastor*innen dorthin entsendete und sich dafür einsetzte, dass der Flensburger Kirchenkreis die Wolgaster Kirchensanierung mit mehr als einer Million DM unterstützte.

Auch nach seinem Ruhestand 1995 brachte Klaus Juhl weiterhin Poesie, Musik und Kirche zusammen – unter anderem mit der „Sommerkirche“ in Welt, die den kleinen Ort auf Eiderstedt neun Sommer lang zu einer Kulturmetropole werden ließ. Beliebt waren auch seine geführten Reisen nach Italien und nach Frankreich, bei denen er den Menschen tagsüber die Augen für die Kunstwerke öffnete und abends beim Wein mit manchmal durchaus spitzer Zunge für Gelächter sorgte.

Klaus Juhl hinterlässt seine Ehefrau, mit der er fast 59 Jahre verheiratet war, drei Kinder und sieben Enkelkinder.