Gro e Mehrheit fur neue Leitungsstruktur Foto Pfaff
Große Mehrheit für neue Leitungsstruktur (Foto: Pfaff)

Synode stellt Weichen

13.09.2020

Ab März 2022 werden zwei Pröpst*innen den Ev.-Luth. Kirchenkreis Schleswig-Flensburg geistlich leiten anstatt – wie derzeit – drei. Das hat das Kirchenparlament (die Synode) auf ihrer Tagung am 12.9.2020 im Flensburger Gemeindehaus St. Jürgen beschlossen. Sie ist damit dem Kirchenkreisrat gefolgt, der dieses Leitungsmodell für die Zukunft vorgeschlagen hat.

Damit einher geht, dass die Propsteien von derzeit drei (Angeln, Flensburg und Schleswig) zu zweien verschmelzen. Einer der beiden Pröpst*innen wird künftig die neue Propstei Angeln und Schleswig leiten und dazu den Kirchenkreisrat. Sein bzw. ihr Dienst- und Predigtsitz wird Schleswig sein. Der / die zweite Pröpst*in wird seinen / ihren Sitz in Flensburg haben und die Propstei Flensburg sowie die gemeindeübergreifenden Einrichtungen (Dienste und Werke) leiten. Diese sollen künftig in ihrer Leitungsstruktur gestärkt werden. Außerdem soll eine starke Sekretariats- und Assistenzfunktion entstehen, ohne dass dafür neue Stellen geschaffen werden.

Die Diskussion, wie viele Propstenstellen der Kirchenkreis künftig haben soll, kam auf die Tagesordnung, weil zwei der drei derzeitigen Pröpst*innen vor dem Ruhestand stehen. Pröpstin Carmen Rahlf plant diesen zum Dezember 2021, Pröpstin Johanna Lenz-Aude zum März 2022. Laut einer früher getroffenen Vereinbarung soll die Zahl der Propstenstellen immer dann diskutiert werden, wenn Veränderungen anstehen.


Gunther Höschen aus Kappeln bezieht Stellung (Foto: Pfaff)

Für die Reduzierung sprach Vieles: Nach den Berechnungen empfiehlt die Nordkirche dem Kirchenkreis für das Jahr 2023 2,35 Propstenstellen, im Jahr 2010 waren es noch 2,8. Dieser Rechnung liegen die Gemeindegliederzahlen, die Anzahl der Gemeinden, der Pastor*innen und der Einrichtungen zugrunde. Außerdem sei es nur konsequent, die Strukturen nicht nur auf Gemeindeebene, sondern auch bei der Leitung anzupassen, führte Linda Heiss aus, als sie das Modell des Kirchenkreisrates vorstellte. Dieser Argumentation folgten 60 der 63 anwesenden Synodalen, indem sie dem Vorschlag nach kurzer Diskussion zustimmten. Drei Synodale enthielten sich, einer davon war der Vorsitzende des Kappelner Kirchengemeinderates, Gunther Höschen.

In der vorhergehenden Diskussion bezog Höschen auf die ausdrückliche Bitte, dass sich Synodale aus Angeln zu dem Vorschlag äußern, Stellung. Er sagte: „Es schlagen zwei Herzen in meiner Brust. Der Vorschlag ist sinnvoll, aber für Kappeln ist dies gleichzeitig ein schwerer Schlag, verlieren wir doch unseren Propsten und Ansprechpartner vor Ort.“ Dafür wünsche er sich einen Ausgleich, sagte Höschen. Und Martina Braatz aus der Kappelner Kita, die ebenfalls Synodale ist, ergänzte: „Wir wissen, dass wir nicht anders können. Ich kann das schade und blöd finden, aber muss mich damit abfinden. Deshalb gibt es keinen Aufschrei.“


Linda Heiss erläutert das Leitungsmodell des Kirchenkreisrates (Foto: Pfaff)

Im darauffolgenden Tagesordnungspunkt wählten die Synodalen den Pröpstewahlausschuss, der die Bewerbungen für die Nachfolge von Pröpstin Rahlf in Flensburg sichten und der Synode dann Kandidat*innen vorschlagen wird. Außer Bischof Gothart Magaard, der dem Ausschuss qua Amt angehört, sind als Pastor*innen Birgit Lunde und Karsten Winter gewählt. Die Mitarbeiterschaft wird Christine Matzen vertreten. Seitens der Ehrenamtlichen gehören dem Ausschuss Henning Lüthke, Rainer Hanf, Linda Heiss und Wiebke Köster an.

Auch Strukturanpassungen auf Gemeindeebene und die Zusammenarbeit in Regionen war Thema der Synode. Für Ostangeln mit den Kirchengemeinden Arnis-Rabenkirchen, Kappeln, Ellenberg, Toestrup und Gundelsby-Maasholm haben die Synodalen der gemeindeübergreifenden Zusammenarbeit der Pastor*innen in einem Pfarrsprengel zugestimmt.

Weitere „dicke Themen“ gab es unter dem Punkt „Verschiedenes“, allerdings erstmal nur als Informationspunkte: Wegen der Corona-Pandemie erwartet der Kirchenkreis für 2020 drei Millionen Euro weniger im Kirchen-Portemonnaie als geplant: 17 Millionen statt der veranschlagten 20 Millionen. Die Gemeinschaftsausgaben für Kitas, Verwaltung, Pfarrbesoldung und andere Aufgaben bleiben gleich, so dass für Kirchenkreis- und Gemeindeaufgaben 30% weniger bleiben. 15% davon plant der Finanzausschuss auszugleichen - zum Beispiel, indem die Ausgleichsrücklage nicht gefüttert wird, die Zuweisungen für Bauinvestitionen aus der Rücklage bezahlt werden usw. Aber 15% weniger Einnahmen für die Einrichtungen und für die Kirchengemeinden bleiben.


Pastor Ingo Gutzmann spricht uber Geld und Gebäude (Foto: Pfaff)

Kurz vor dem Abschluss der Tagung lenkte Pastor Ingo Gutzmann als Leiter des Finanzausschusses den Blick auch noch einmal auf die Gebäude im Kirchenkreis: Langfristig weniger Geld und gleichzeitig hohe Klimaziele rufen nach einem Gebäudestrukturplan, um mittelfristig entscheiden zu können, welche Gebäude langfristig be- und erhalten werden sollen - und welche nicht. Die Bauabteilung erfasst derzeit, welche Gebäude die Kirche im Kreisgebiet und der Stadt Flensburg besitzt, in welchem baulichen Zustand sie sind, wie sie genutzt werden und welche Mittel in den nächsten Jahren nötig werden, um sie zu erhalten bzw. herzurichten.