Synodale bei der Andacht im Vordergrund Prases Luthke Propstin Lenz Aude Propst Jacobs Propstin Rahlf Foto Pfaff
Synodale bei der Andacht. Im Vordergrund Präses Lüthke, Pröpstin Lenz Aude, Propst Jacobs und Pröpstin Rahlf (Foto: Pfaff)

Tagung unseres Kirchenparlaments: Übergemeindliche Arbeit im Mittelpunkt

22.11.2019

Die übergemeindliche kirchliche Arbeit war das Hauptthema der Kirchenkreis-Synode, die am letzten Sonnabend, dem 16.11.2019 im Diakoniewerk in Kropp stattgefunden hat. Außerdem informierte Pröpstin Johanna Lenz-Aude über die aktuelle Pfarrstellenentwicklung und über den geplanten Prozess, der die Leitungsstruktur neu ordnen soll.

Der gerade mal 3,5 Jahre alte Pfarrstellenrahmenplan würde aktiv umgesetzt, führte die Pröpstin aus, beispielsweise über die Zusammenarbeit in Pfarrsprengeln oder Gemeindefusionen. 91,5 Pfarrstellen sind derzeit im Kreisgebiet Schleswig-Flensburg inklusive Flensburg Stadt besetzt, 18,5 davon übergemeindlich.

Wie kann Kirche mit weniger Pastor*innen aussehen?
Dass bis 2030 nur noch zwei Drittel davon gehalten werden können, weil der Nachwuchs fehlt, war vor 3,5 Jahren höchstens zu ahnen. Sie sagte: „Wie die Kirche mit weniger Pastoren aussehen kann, welche Rolle sie dann haben und wie sich Haupt- und Ehrenamt einander zuordnen, ist zu klären – ebenso, welche Stellen künftig mit anderen Professionen besetzt werden können.“

Kirchenkreisleitung muss neu strukturiert werden
Neu gedacht wird im Kirchenkreisrat derzeit auch, wie die Kirchenkreisleitung künftig strukturiert werden soll. Anlass ist, dass Propst Helgo Jacobs im Sommer 2021 zehn Jahre im Amt ist und damit turnusgemäß eine Wahl ansteht. Pröpstin Carmen Rahlf wird am 1.12.2021 in den Ruhestand gehen, Pröpstin Johanna Lenz-Aude am 1.3.2022 folgen. Nach den derzeitigen Zahlen (155.500 Gemeindegliedern, 60 Gemeinden und 93 Pastor*innen) errechnet die Nordkirche 2,41 pröpstliche Stellen für den Kirchenkreis. Geplant ist, dass der Kirchenkreisrat in zwei Klausurtagen zu Beginn des neuen Jahres erarbeitet, welche Leitungsstruktur mit wie vielen Pröpst*innen er für die Zukunft vorschlagen will. Bischof Gothart Magaard wird die Entscheidung beratend begleiten. Der Vorschlag soll auf einer Synodentagung im Frühjahr vorgestellt werden, im Herbst 2020 soll dann die Synode darüber entscheiden.

Übergemeindliche Arbeit im Mittelpunkt
Den größten Teil ihrer Zeit beschäftigten sich die Synodalen auf ihrer Tagung am letzten Sonnabend thematisch mit der Arbeit des Diakonischen Werkes, des Kita-Werkes, des Regionalzentrums und den übergemeindlichen Pfarrstellen. Der Ausgangspunkt dafür liegt mehr als ein Jahr zurück: In einem Antrag hatten Synodale damals gebeten, „der Kirchenkreisrat möge über die Tätigkeit und die Wirtschaftlichkeit des Diakonischen Werkes und des Kitawerkes berichten mit dem Ziel festzustellen, ob Änderungen in Struktur und Rechtsform angebracht sind“.

Besonderes Projekt: "Kirchberg Neukirchen"
Für das Regionalzentrum, das sich als Werkstatt für Kirche und Gesellschaft mit ihren Veränderungen verstehe, berichtete Pröpstin Rahlf von übergreifenden Projekten, Themen und Konzepten, die das Regionalzentrum für den ganzen Kirchenkreis erarbeitet. Ein besonderes Projekt ist derzeit, den „Kirchberg Neukirchen“ zu entwickeln. Dort sollen Jugendliche Freizeiten, Bildung, geistliches und soziales Leben erleben können. Bei ihrer Präsentation stellte die Pröpstin den Mehrwert der vernetzten Arbeit in den Vordergrund, was in der folgenden Diskussion von einzelnen Synodalen hinterfragt, von anderen belegt wurde.

Beratung, Begleitung und Hilfe durch das Diakonische Werk
Für das Diakonische Werk beschrieb Diakoniepastor Thomas Nolte, dass dieses Werk professionelle Beratung, Begleitung und Hilfe leiste, damit Menschen aus schwierigen Lebenssituationen herausfinden können. Oftmals würden sie unverschuldet in eine Krise geraten, zum Beispiel durch Krankheit Arbeitslosigkeit oder Trennung, so Nolte, der diese Arbeit als tätige Nächstenliebe und damit als kirchliche Ursprungsaufgabe bewertete. Die Kosten dafür im kommenden Jahr liegen bei ca. 6,5 Millionen Euro. 5 Millionen davon refinanziert der Bund, das Land, der Kreis und die Kommunen. 1,06 Millionen wendet die Ev. Kirche im Kreisgebiet aus Kirchensteuermitteln auf, der Rest wird aus Rücklagen finanziert.

Gerd Nielsen sagt: "Gottes Wort sagen, heißt Bildung"
Für das Kita-Werk führte Gerd Nielsen aus, dass es viele gute Gründe gebe, als Kirche Kitas zu betreiben, denn das Evangelium sei die beste Botschaft aller Zeiten. Er sagte: „Gottes Wort sagen, heißt auch immer Bildung vermitteln. Da sind wir als Kirche genau die Richtigen. Ich finde evangelische Kitas toll, weil wir konstant eine hohe Zahl junger Familien erreichen, weil Kinder hier regelmäßig singen und beten und weil Kinder bei uns über Gott und die Welt reden.“ Zum Kita-Werk gehören 47 Kitas in Schleswig-Flensburg und der Stadt Flensburg. 900 Mitarbeiter*innen begleiten 3.600 Kinder in 240 Gruppen dabei, mit Gott groß zu werden, dazu kommen 15 Mitarbeiter*innen im Kita-Werk und ebenso viele in der Kirchenkreisverwaltung.

Für und Wider der kirchlichen Trägerschaft
Ein Thema der synodalen Diskussion: Die Umstellung der Kita-Arbeit auf das offene Konzept. Außerdem berieten die Synodalen das Für und Wider einer kirchlichen Trägerschaft. Christian Oehler von der Kirchengemeinde Havetoft beispielsweise fragte, ob denn die Kitaarbeit samt Kitawerk zwischenzeitlich nicht derart expandiert sei, dass hier „der Schwanz mit dem Hund wedelt“. Diesem vermeintlichen Ungleichgewicht könne mit der Rechtsform ein gGmbH begegnet werden, um größere Haftungsrisiken für das „Mutterschiff“ zu vermeiden, so Oehler.

Das Kita-Werk ist mit 900 Mitarbeiter*innen und einem Haushaltsvolumen von 35 Mio Euro der größte Arbeitsbereich des Kirchenkreises. Aus Kirchensteuermitteln setzt die Kirche einen Eigenanteil von 2,57% des Haushaltsvolumens bzw. 900.000 Euro ein. 2009 waren es noch 11%, was 3 Millionen Euro bedeutete.

Die Diskussion zeigte, dass die Synode die bestehende Struktur derzeit für die angemessene Form hält, wenngleich diese immer wieder zu überprüfen ist. In seinem Schluss-Statement sagte Propst Helgo Jacobs: „Sowohl die Kita-Arbeit als auch die diakonischen Angebote sind Ur-Formen des kirchlichen Lebens, für die die Kirche auch die Steuerung behalten soll. Hier geschieht Verkündigung in Wort und Tat und dafür stehen wir als Kirche und sollten es auch weiter tun, solange wir das können.“