Pastor Thomas Bornemann Im Hintergrund St Nikolai Foto Pfaff
Pastor Thomas Bornemann. Im Hintergrund St. Nikolai in Flensburg. (Foto: Anja Pfaff)

Verabschiedung von Pastor Thomas Bornemann

06.02.2017

Seit einem Vierteljahrhundert ist Thomas Bornemann der Pastor im Herzen der Stadt Flensburg. Am Sonntag, den 05. Februar 2017 verabschiedete ihn die Kirchengemeinde St. Nikolai in einem festlichen Gottesdienst in den Ruhestand.

Pastor Thomas Bornemann stammt ursprünglich aus Hamburg, studierte dort zuerst Geologie, bevor er dann Pastor wurde. Als Vikar arbeitete er in direkter St. Pauli-Nähe und dann in Hamburg-Harvestehude. Deshalb bezeichnet er sich selbst als "Asphaltpflanze". "Die Stelle direkt am Flensburger Südermarkt war deshalb genau das Richtige für mich", fasst er rückblickend zusammen. Dennoch war die Kombination, Kirche im Herzen der Stadt zu prägen und gleichzeitig Gemeindepastor zu sein, für ihn immer wieder eine Herausforderung - besondere Themen warteten genauso auf Bornemann wie die Begleitung der Menschen in drei Altenheimen, regelmäßige Gottesdienste und Taufen, Trauungen oder Beerdigungen. Mehr als 1.000 Predigten hat Bornemann während seiner Amtszeit verfasst, über 700 Menschen beerdigt.

Unterstützend war für ihn bei der Vielfalt der Aufgaben die stets gute Zusammenarbeit mit dem Kirchengemeinderat. Dieser hat beispielsweise Ende der 1990er Jahre in einem Leitbildprozess das Konzept der "offenen Kirche im Herzen der Stadt" erarbeitet. "Den Raum zu öffnen und im Dialog mit Menschen und Themen zu sein, das war und ist genau meine Sache", sagt Bornemann. Nach diesem Konzept ist St. Nikolai mit seinen täglichen Öffnungszeiten von 9 bis 18 Uhr nicht nur Anlaufstelle für ca. 70.000 Besucherinnen und Besucher jährlich, sondern darüber hinaus ein Forum für politische, gesellschaftliche, soziale und städtische Themen und ein Ort zum Gedenken. "Als sich beispielsweise die Nachricht vom Amoklauf in einer Erfurter Schule verbreitete, organisierte St. Nikolai spontan eine Gedenkandacht für 1.000 Schülerinnen und Schüler der Region", erinnert sich Bornemann.

"Der Kirchraum von St. Nikolai bietet ein breites Spektrum - hier ist ein Rockkonzert genauso möglich wie Diskussionen, zum Beispiel über die Stadtentwicklung, oder die Inszenierung eines Schauspieles", so Bornemann, "und dies wiederum hat Ausstrahlung auf viele sehr unterschiedliche Menschen, die hierher kommen." Eine Handvoll hauptamtlicher Mitarbeiter sowie eine große Zahl an Ehrenamtlichen ermöglicht diese Vielzahl an Angeboten. Sie reicht vom Deutschunterricht für Flüchtlinge über intensive Kinderchor-Arbeit bis hin zu hochkarätigen Konzerten.

Viel erlebt hat der Pastor in den 25 Jahren in der Flensburger Innenstadt. Besonders prägend war für ihn, der Musik liebt und selbst Geige und Bratsche spielt, die Einweihung der einzigartigen St. Nikolai Orgel 2009. Ebenfalls bedeutend im Konzert der Angebote waren der Konfirmandenunterricht und die generationsübergreifenden Freizeiten. "Hier sind sich die Menschen des Stadtteils begegnet, die sonst "nur" nebeneinander wohnen und sich vielleicht gar nicht kennen", so Bornemann.

Ein persönliches Highlight für ihn: Seine dreimonatige Sabbatzeit, in der er mit dem Fahrrad 3.750 km von der Flensburger Förde bis zum Cap Finisterre, dem äußersten Ende des Jakobswegs, gefahren ist. Er sagt: "Bei dieser Reise bin ich mir selbst, vielen anderen Menschen und Gott intensiv begegnet. Es war eine großartige Erfahrung, sich stets begleitet und getragen zu fühlen.

"Diese Tour war für ihn so besonders, dass er auch nach dem Eintritt in den Ruhestand am 1.3.2017 bald wieder aufs Rad möchte: Er plant, per Drahtesel von Flensburg bis nach Prag und dann weiter zu seinen beiden Töchtern zu reisen, die in Wien und München leben.