Wiedereröffnung des Schleswiger Doms wurde mit zahlreichen Gästen gefeiert

25.10.2021

Bischof Magaard: „Wir brauchen diese Orte“ Mit dem heutigen Tag kehrte wieder uneingeschränkt Leben in den Schleswiger Dom zurück. Zahlreiche Gäste aus Politik und Gesellschaft, aus der Stadt Schleswig sowie dem gesamten Land nahmen am Sonntag (24. Oktober) an der festlichen Wiedereröffnung des Schleswiger Doms teil und füllten ihn bis auf den letzten Platz. Im Anschluss an den Gottesdienst und einen Empfang mit Grußworten von Daniel Günther, Ministerpräsident des Landes Schleswig-Holstein, Susanne Ross, Bürgervorsteherin der Stadt Schleswig, und Kristina Kühnbaum-Schmidt, Landesbischöfin der der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche), konnten die Besucherinnen und Besucher an den angebotenen Kurzführungen durch den Dom teilnehmen oder sich bei einem Imbiss austauschen. Spürbar war bei allen Gästen die große Freude darüber, dass der Dom nach seiner Sanierung im neuen Glanz erstrahlt und nun wieder besucht und genutzt werden kann.

Predigt und Dank des Bischofs
In seiner Predigt ließ sich Gothart Magaard, Bischof im Sprengel Schleswig und Holstein, von dem Gedanken leiten, dass nicht Gott die Kirchengebäude brauche. Doch Gott lasse sich von den Menschen berühren und ansprechen, die in eine Kirche kommen: von ihrem Hoffen, von ihrer Sehnsucht, von ihrem Klagen und ihren Ängsten. Der Bischof sagte: „Gott hört auf das, was Menschen im Innersten ihres Herzens bewegt. Daher brauchen wir Orte wie dieses „Gottes-Haus“, und er fuhr fort: „Es ist unsere Aufgabe, den Dom als Ort der Begegnung und des Dialogs über soziale, kulturelle, konfessionelle und religiöse Grenzen hinweg zu prägen. Wie wir es beispielsweise so intensiv in der guten dänisch-deutschen Nachbarschaft erleben. Wir brauchen Orte wie diesen, um die Hoffnung nicht aufzugeben und uns zu vergewissern, dass da einer ist, der diese Welt hält.“

 

Mit Dank und Anerkennung wandte Bischof Magaard sich an diejenigen, die die Domsanierung ermöglicht und durchgeführt haben: „All das zu sehen und zu erleben macht mich dankbar gegenüber denen, die hier bis zuletzt geplant und gearbeitet haben. Dankbar bin ich auch gegenüber den Menschen aus Politik, Gesellschaft und Kirche, die im Hintergrund so vielfältig unterstützt haben. Und ich bin dankbar gegenüber Gott, der diesen umfassenden Umbau hat gelingen lassen“, schloss er.

Grußworte von Land, Stadt und Nordkirche

 

Daniel Günther, Ministerpräsident des Landes Schleswig-Holstein, bezog sich in seinem Grußwort auf das gelungene Zusammenwirken der Beteiligten und die Bedeutung des Doms: „Ich freue mich, dass sich Nordkirche, Bund, Land und Stadt gemeinsam beispielhaft für die Sanierung des Schleswiger Doms engagiert haben. Die Bedeutung des Doms reicht über die Stadt- und Landesgrenzen hinaus. Er ist ein nationales Kulturgut und mit Blick auf unsere dänischen Nachbarn und die gemeinsame Geschichte auch ein Kulturgut europäischer Dimension.“

„Ein so besonderer Raumeindruck von Licht, Weite und Raum für Gottes Gegenwart - wie wunderbar!  Einen Raum mit dieser Wirkung über vier Jahre gemeinsam in unzähligen Stunden zu planen, ist das eine“, sagte Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt in ihrem Grußwort und fuhr fort: „Aber wenn dann nach so langer Bauzeit endlich das Ergebnis zu sehen ist, wenn alle Diskussionen, Planungen, auch Mühen und die besonderen Herausforderungen in den Zeiten der Pandemie zum Abschluss gekommen sind, wenn dann zum heutigen Gottesdienst die Glocken läuten – dann ist das nicht nur ein besonderer und kostbarer, sondern auch: ein Gänsehautmoment!“

Die Bürgervorsteherin der Stadt Schleswig, Susanne Ross, blickte mit persönlichen Worten auf die Bauzeit zurück: „Meinem verstorbener Mann Harald Ross, der als Schleswiger Fischer in seinem offenen Kahn auf der Schlei arbeitete, zeigte die Domuhr über Jahrzehnte an, wann es Zeit war, die Arbeit zu beenden und nach Hause zu kommen. Wie viele andere hätte auch er die Domuhr schmerzlich vermisst.“ In vielfacher Hinsicht galt es, auf die Zukunft und das Ende der Bauzeit zu warten. „Doch die lange Zeit des Wartens hat sich gelohnt“, fasste die Bürgervorsteherin zusammen.

Statements von Bürgerinnen und Bürgern
Im Gottesdienst kamen stellvertretend für Bürgerinnen und Bürger Teilnehmende zu Wort, die in Statements darlegten, was der Dom für Sie persönlich bedeute. Katja Wriedt ist als Kirchenpädagogin im St. Petri Dom ehrenamtlich tätig. Sie sagte: „Die Geschichte des Doms lebendig werden zu lassen, Glauben zu erleben und den Kirchenraum mit allen Sinnen zu entdecken, ist für mich eine echte Herzensangelegenheit.“

Charlotte Krützfeld, Ehrenamtliche in der Jugendarbeit, ist seit Kindertagen über die Chor- und Jugendarbeit mit dem Dom vertraut und verbunden. Für sie sei, so ihre Worte, der Dom ein Zuhause.

„Es müssen hunderte Stunden sein, die ich im Dom verbracht habe“, resümierte Julia Claussen, Geschäftsführerin einer Filmproduktionsfirma aus der Region, und fuhr fort: „Der Dom ist für mich Musik, Geschichte, Kultur, Leben, Lernen, Wahrzeichen, Zeit und nicht wegzudenken aus Schleswig - aus meiner Heimat.“

Jan-Henrik Schmidt ist Einrichtungsleiter der Schleswiger Werkstätten. Er sagte: „Heimat, Freude, Ehrfurcht und Glaube sind die Worte, die mir durch den Kopf gehen, wenn ich den Dom sehe. Ich fühle mich klein, aber gleichzeitig als Teil einer großen Gemeinschaft, die mir Halt und Zufriedenheit gibt.“

Einschalten der Turmbeleuchtung und abendliches Konzert
Um 19 Uhr erfolgte das Einschalten der neuen Turmbeleuchtung. An die Stelle der Strahler, die in der Vergangenheit vom Boden aus dem Dom beleuchtet hatten, sind bei der Sanierung zahlreiche LED-Leuchten getreten, den auf den Gesimsen der Turmetagen platziert wurden. Mit der neuen Anlage kommt die Architektur des Turmes deutlicher zum Tragen, gleichzeitig nimmt die neue Beleuchtung Rücksicht auf die Tierwelt in und am Dom.

Direkt im Anschluss, ab 20 Uhr, fand ein öffentliches Orgelkonzert mit Domkantorin Mahela T. Reichstatt statt. Das Konzert kann auf dem YouTube-Kanal der Kirchengemeinde Schleswig angesehen werden.