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Foto: Detlef Flüh

Wort zur Woche: "Alles hat seine Zeit?"

05.10.2019

Wort zur Woche von Pastorin Anne Vollert, Ev.-Luth. Kirchengemeinde Süderbrarup

Da liegen sie wieder: die Spekulatiusplätzchen, die Weihnachtskekse und Lebkuchen. Pünktlich Anfang September fanden sie ihren Platz in den Regalen der Geschäfte. Ich bin irritiert. Das Erntedankfest steht vor der Tür. Soll ich es etwa mit Glühwein und Lebkuchen feiern? Nach dem Erntedankfest folgen noch acht Wochen voller Feste, Feiertage und Gedenktage bis zum 1. Advent. Das Reformationsfest, der 9. November, der Volkstrauertag, Buß- und Bettag, der Ewigkeitssonntag. Es ist die Zeit, sich der eigenen wie auch der kollektiven Geschichte unseres Volkes zu stellen.

Das Reformationsfest am 31. Oktober: Luther hat uns den Blick geschärft für den barmherzigen Gott. Ewigkeitssonntag: Unsere Tage sind begrenzt! Unser Leben auf Erden ist endlich. Der 9. November, der Volkstrauertag: Es geht um die vergangene Unfähigkeit, friedlich mitzuspielen im Konzert der Völker, und zugleich um die Vergewisserung, es in Zukunft besser zu machen.

Der Buß- und Bettag mahnt, genau hinzusehen: Was alles trennt uns von anderen Menschen, von anderen Völkern und von Gott!

Solche gesellschaftlichen Sinn- und Orientierungsfragen führen in die Abgründe unseres Menschseins. So etwas lässt sich nicht werbewirksam vermarkten!

So bleibt mir nur eins: Ich werde mir die Zeit nehmen, das Erntedankfest zu feiern und Gott für die Gaben dieses Jahres zu danken.

Ich werde den Altweibersommer im Oktober ausführlich genießen und mich am Reformationstag über unseren gnädigen Gott freuen.

Ich werde im November die Tage der Trauer und der Erinnerung bewusst begehen.  „Alles hat seine Zeit“, schreibt der Prediger im Alten Testament. Und diese Zeit werde ich auskosten. Auf Stollen und Punsch freue ich mich jetzt schon: Aber ich werde sie erst nach dem Ewigkeitssonntag aus den Regalen nehmen.