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Foto: Josh Boot | Unsplash

Wort zur Woche: "Fürchtet euch nicht"

18.12.2020

Wort zur Woche von Pröpstin Carmen Rahlf, Ev.-Luth. Kirchenkreis Schleswig-Flensburg

Neulich hatte ich ein Streitgespräch mit meinem Sohn. Über eine Stunde haben wir uns am Telefon über die Corona-Pandemie, über die Maßnahmen, über mögliche Ursachen und die verschiedenen Hintergründe,  über Auswirkungen und Interessenslagen unterhalten. Wir haben miteinander um Definitionen und Erkenntnisse gerungen, einander widersprochen, uns ermahnt, uns gegenseitig ausreden zu lassen und nicht sofort ein – aber- entgegen zu setzen.

Hoch ging es her – inhaltlich, jedoch im Ton respektvoll. Am Ende blieben Punkte, an denen wir nicht überein stimmten. Aber das  tat der Liebe keinen Abbruch. Im Gegenteil – es war gut, uns mal so richtig auseinanderzusetzen mit einer Thematik, die wir z. T. unterschiedlich betrachten. Wir konnten uns gegenseitig gestatten verschiedene Sichtweisen zu haben, natürlich versuchten wir auch einander zu überzeugen, bei aller Differenz blieben wir jedoch in unserer Beziehung. Auf die können wir vertrauen.

„Fürchtet euch nicht“ ist eine der zentralen Botschaften in der Weihnachtsgeschichte. Gott wendet sich nicht von uns ab, weil wir so anders sind in unserem Denken und Tun, als er es sich von uns wünscht. Im Gegenteil. Er kommt um Brücken zu bauen - von ihm zu uns, von uns zu ihm.

Diese Art der Furchtlosigkeit wünsche ich uns auch untereinander. Wir sind dabei, den offenen Austausch untereinander, das  Interesse aneinander und unsere  Möglichkeiten für ein gutes Miteinander zu verspielen. Wir lassen uns allzu leicht gegeneinander ausspielen. Natürlich müssen wir ringen, um die wichtigen und richtigen Dinge. Das ist anstrengend,  manchmal auch desillusionierend – aber es hält uns eher beieinander als uns der gegenseitigen Be-Achtung für unwürdig zu halten.

Und der Engel des Herrn trat zu ihnen und sprach: „ Fürchtet euch nicht!“