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Wort zur Woche: "Kleider machen Leute"

23.03.2019

Wort zur Woche von Thomas Nolte, Diakoniepastor, Diakonisches Werk des Ev.-Luth. Kirchenkreises Schleswig-Flensburg

Kennen Sie Wenzel Strapinski - den Schneiderlehrling aus Gottfried Kellers Novelle „Kleider machen Leute“?

Aufgrund seiner Kleidung wird er für einen Grafen gehalten. Und das findet Strapinski sehr verlockend, denn die Annehmlichkeiten, die er dadurch empfängt, sind wohltuend und zudem hat er so als falscher Graf, Chancen bei der hübschen Nettchen zu landen.

Die Kleidung und die, auf diese entsprechend reagierende Umwelt, machen Strapinski  zu einer anderen Person, als er eigentlich ist. Kleider machen  Leute. 

Ich weiß, dass dieser Umstand oft schamlos ausgenutzt und Menschen durch das Vortäuschen falscher Tatsachen betrogen werden. Darum aber geht es mir heute nicht. Sondern um den Umstand, dass eine entsprechende Kleidung unser Wohlbefinden und  Selbstbewusstsein hebt. Darauf zielt der Apostel Paulus im Kolosserbrief ab, wenn er schreibt: „belügt einander nicht; denn ihr habt den alten Menschen mit seinen Werken ausgezogenund den neuen angezogen, der erneuert wird zur Erkenntnis  nach dem Ebenbild dessen, der ihn geschaffen hat“ (Kol 3,9+10).

In der Tat haben wir als Christen durch die Taufe einen Kleiderwechsel vollzogen. Wir haben Christus geistlich übergezogen und sind zu einer neuen Person geworden. Zu einer Person, die nach wie vor verletzbar und fehlbar ist, dieses aber nicht mehr mit Lügen kaschieren muss. Zu einer Person, die nach wie vor der  Wertschätzung und der Liebe bedarf, sich aber, um diese zu erhalten, nicht mehr verstellen muss. 

Deshalb nicht, weil  uns der „Christusanzug“ als Person in eine unverlierbare Würde hebt. Deshalb nicht, weil der „Christusanzug“ uns dazu verhilft, uns gut zu fühlen und dieses Gefühl  auch anderen zuzugestehen.