Foto: Michael Ottersbach  / pixelio.de
Foto: Michael Ottersbach / pixelio.de

Wort zur Woche: "Religion und Gewalt"

07.07.2018

Wort zur Woche von Preben K. Mogensen, Flensburg, Pastor in der dänischen Kirche in Südschleswig

Religion führt zu Gewalt! Dieses weit verbreitete Dogma stellt sich bei näherem Hinsehen als recht merkwürdig heraus. „Religion“  meint man vielleicht definieren zu können. Aber wie, denn es gibt „Religionen“ die ohne ein „Höheres Wesen“ auskommen (was dieses „Höchste“ auch sein mag) und sogenannt weltliche Glaubenssysteme, die genau wie „Religionen“ funktionieren. Nationalismus und andere -ismen fallen einem da sofort ein. Und ich bin wohl nicht der einzige, der beim Lesen von den „neuen“ Atheisten sofort das Gefühl hat, in die Hände von religiösen Eiferern geraten zu sein.

Aber das setzt vielleicht voraus, dass man sich auch mal evangelikale Fundamentalisten angehört hat? Gemeinsam ist auf jeden Fall, dass ein „Gegner“ ganz genau so beschrieben wird, das man ihn leicht abschießen kann. Egal wer man ist, so scheint es im „Krieg“ für das, woran wir glauben, keine Kompromisse zu geben und um mal den Schluss eines Buches mit dem bezeichnenden Titel „Wieso Menschen im Namen von Religion Böses tun“ zu zitieren: „Vielleicht tun wir alle böse Dinge im Namen von Religion“, d.h. im Namen von allem was unser Leben Sinn und Ordnung verleiht. „Religion“ ist dann so weit gefächert, dass der Begriff keinen Sinn mehr ergibt oder er hantiert mit etwas, wovor der Mensch kein Entrinnen hat. Wie vor Gewalt.

Jesus sagt bekanntlich, dass wir die andere Wange hinhalten sollen. Dabei setzt mein Herr und Gott voraus, dass es für mich kein Entrinnen vor Gewalt gibt. Ich werde ihr begegnen, in mir und um mir. Ich kann sie nicht verhindern, es sei denn vielleicht wenn ich außerordentlich große Gewalt anwende, z.B. indem ich ständig meine Kinder unter strenger Beobachtung halte und sofort eingreife, wenn irgend ein Streit sich anbahnt. Sollten sie später im Leben unbeobachtet sein, müsste ich furchtbare Angst um sie haben müssen. Was sie anderen antun könnten.  Sie würden ja nicht wissen, hätten nie von sich aus gelernt, wann sie inne halten müssen. Das wissen Tiere sogar. Vielleicht ausgenommen unsere nächsten Verwandte im Tierreich. 

Dame Jane Goodall wurde berühmt, als sie nachwies, dass Schimpansen Werkzeuge verwenden. Als sie beobachtete, dass ihre geliebten und gefühlvollen Affen, denen sie Namen gegeben hatte, auf regelrechte Raubzüge gingen und andere Schimpansen, die nicht zu ihrem Stamm gehörten, erbarmungslos und buchstäblich zerfleischten, meinte sie zuerst, es wäre ihre Gegenwart/Eingreifen in das Leben der Schimpansen, die dies verursacht hätte und sie behielt es, sehr verstört wie sie darüber war,  sehr lange für sich. Ihre Beobachtungen sind aber seither bestätigt worden.

Der Punkt? Dass Schimpansen religiös sein müssen? Wohl kaum. Eher dass Mennchen u.a. religiös sind um Gewalt im Zaum zu halten.