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Wort zur Woche: "Trau' dich!"

17.11.2018

Wort zur Woche von Pastor Ingo Gutzmann, Leiter des Regionalzentrums

“Die Flüchtlinge kriegen doch alle ihr Handy bezahlt.”
Was tun Sie, wenn Sie solchen Unwahrheiten begegnen?

„Seitdem die Flüchtlinge hier sind, kann man sich als Frau im Dunkeln nicht mehr auf die Straße trauen.“
Was tun Sie, wenn sie solchen Vorurteilen begegnen?

In der Schlange an der Kasse oder beim Treffen im Verein?

„Ich bleibe still. Ich will keine Auseinandersetzung.“

„Ich weiß , dass das alles nicht stimmt, kann das aber nicht belegen.“

„Ich habe das unbestimmte Gefühl, dass das so nicht geht, weiß aber nicht, was ich sagen soll.“
Eine Idee ist: Nachfragen!

Woher weißt du das? Wo steht das? Oder: Wie meinst du das? Wann und wo hast du das erlebt?  Denn, wer Unwahrheiten oder Vorurteile verbreitet, soll sie ruhig näher erläutern. Das macht diese meist schon als solche kenntlich.

Oder wenn ich selbst unsicher bin oder wenn es bei den Vorurteilen doch einen Anhalt an der Wirklichkeit gibt, kann ich das ruhig zugeben. Aber ich kann Wert darauf legen, dass wir nicht verallgemeinern, dass wir die verschiedenen Seiten einer Sache anschauen. Ich kann deutlich machen, dass ich eher für Großzügigkeit bin als für Einschränkungen und mir eher ein gutes Zusammenleben verschiedener Menschen wünsche als ihre Trennung. Ich kann auf Genauigkeit in der Sprache drängen und den Wert unserer Demokratie und unseres Rechtsstaates betonen.

Lasst uns um Himmels willen miteinander reden!

Wir begehen dieses Wochenende den Volkstrauertag, wir gedenken der Unmenschlichkeiten zweier Weltkriege. Sie hatten einen bösen Vorlauf, in dem Menschen ihres Menschseins beraubt wurden. Sie wurden nur noch als Feinde oder noch schlimmer gar nicht als Menschen angesehen. Das soll nicht noch mal passieren.