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Foto: Kerstin Popp

Wort zur Woche: "Urbi et Orbi"

04.04.2020

Wort zur Woche von Pastorin Kerstin Popp, Ev.-Luth. Kirchengemeinde Schuby

Eigentlich gibt es ihn nur zweimal im Jahr, nämlich zu Weihnachten und zu Ostern: den Segen des Papstes „urbi et orbi“, das heißt „für die Stadt und den Erdkreis“. Dieser Segen hat - streng verbunden mit dem fest gelegten Zeitpunkt- eine lange Tradition. Aber Papst Franziskus hat jetzt mit dieser Tradition gebrochen. Wegen der Corona-Krise hielt er es für angebracht, diesen Segen schon vor Ostern zu geben. Denn die Menschen brauchen ihn jetzt!

Da macht es auch nichts, dass er ganz allein dasteht, der Papst. Wo ihm sonst Zehntausende zuwinken, ist gähnende Leere, kein Mensch da.

So wird die Einsamkeit des Papstes fast zum Symbol für die dringenden Appelle an uns alle weltweit: bleibt zuhause – auch wenn es eine Zeit lang eine gewisse Einsamkeit mit sich bringt. Um eurer eigenen Gesundheit willen muss es sein.

Aber Franziskus steht nicht nur einsam da, er kann in diesem Augenblick etwas Gutes tun: er kann um Gottes Segen bitten und diesen allen Menschen weltweit zusprechen.

Der Segen kommt überall an, und das ist das Schöne daran: weltweit, das heißt, über alle Ländergrenzen und Kontinente hinweg: der Segen erreicht die Ärzt_innen und Pflegekräfte genauso wie alle, die zum Wohlergehen anderer zur Arbeit gehen (müssen). Ebenso jene, die nun zuhause sind. Der Papst steht da und segnet vor Ostern, weil die Menschen Zuspruch brauchen. Das war wieder mal mutig! Und nebenbei: er nutzt sein Amt eben nicht, um womöglich selbstgefällig Klage über die vermeintlichen Sünden der Menschheit zu erheben oder, was ich schrecklich fände, um Schuldige zu benennen, die den Virus angeblich verursacht hätten. All das besorgen schon andere. Leider. Dies ist jetzt die Zeit zum Segnen und zum Mut machen. Wir schaffen das, mit Gottes Hilfe. Seid gesegnet!