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Foto: Johannes Ahrens

Wort zur Woche: Zeit für Neues

26.06.2020

Wort zur Woche von Pastor Dr. Michael Dübbers, Schleswig

Ich will wieder zurück! Nicht nach Westerland, sondern zurück in die Zeit vor Corona! Dahin, wo alles so war, wie ich es kenne. Zu meinem  gewohnten Tagesablauf. Kein Mundschutz. Kein Desinfektionsmittel. Keine Leute, die einen in den Läden anfahren: „Abstand halten!“ Ich sehne mich danach, dass alles wieder so ist wie früher! Kennen Sie das Gefühl auch?!

Doch halt: Das wollten die Israeliten auch. Damals auf dem Weg durch die Wüste. Sie wollten wieder zurück nach Ägypten. Die Mühen hinter sich lassen. Lieber in der bekannten Sklaverei leben als in der ungewissen Freiheit. Denn die Wüste war gefährlich, und man wusste nicht, wie es weiter gehen soll. Aber jemand sagte: Die Zukunft wird besser! Und sie wurde besser. Und vor allem: ganz anders als früher: Freier und vertrauensvoller.

Vielleicht werden wir uns in einigen Jahren nicht mehr an das Schwere der letzten Monate erinnern. Weder an die Gesichtsmasken noch an die Abstandsregeln oder die Sorgen vor Ansteckung. Vielleicht werden wir dann vor allem die Chancen erkennen, die uns diese Zeit gebracht hat. Welche sind das? Ich spreche nur für mich: Dass ich mir mehr Zeit für die Familie nehme. Ich möchte mir den Mut bewahren, auch mal etwas ausfallen zu lassen und nicht überall dabei sein zu müssen. Mut zu kreativen Formen in unserer kirchlichen Arbeit und im Umgang mit neuen Medien. Aber vor allem: Zeit und Freiraum zum Austausch mit anderen und zum Denken. Denn wenn das Mühlrad des Alltags erst einmal wieder angelaufen ist, dann geht die Möglichkeit, etwas zu ändern, gegen null. So soll es nicht wieder sein!

Ich hoffe deshalb, dass Freiraum bleibt. Vielleicht nicht ganz so viel wie in den letzten Wochen. Aber immer noch genug, um etwas auszuprobieren. Denn Neues zu wagen, braucht Zeit Und darum ist unverplante Zeit im Kalender vermutlich eine der besten Investitionen in die Zukunft.  Und mit etwas mehr Zeit hetzen wir auch nicht an Gott vorbei, wenn er neben uns hergeht, sondern bemerken ihn eher. Könnte doch sein?!