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Foto: Johannes Ahrens

Wort zur Woche: "Zeit um loszulassen"

30.12.2018

Wort zur Woche von Pastorin Franziska Suhail, Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Schleswig

Die Zeit zwischen den Jahren ist für mich immer eine besondere Zeit. Eine Zeit in der ich sammle um loszulassen – Dinge, die ich nicht mit ins neue Jahr nehmen will.

Dazu brauche ich Zeit. Tage des Nachdenkens und der Besinnung.Und ich laufe durch meine Wohnung, ganz bewusst. Meine Augen suchen Gegenstände, Symbole, Erinnerungen.

Vor mir liegt mein prallvoller, etwas abgegriffener Kalender. Und so gehe ich gedanklich nochmal durch das Jahr. Welchen Menschen bin ich begegnet? Welche Termine haben auf mich gewartet. Wo bin ich rein gestolpert, was hat mich eingeholt? Was habe ich gar nicht gewollt? Welche Rechnungen sind offengeblieben?

Ich finde, die Zeit zwischen den Jahren ist eine besondere Zeit. Sie atmet etwas von „ergangen und noch nicht da“. Sie hilft mir, mir selbst rückblickend auf die Schliche zu kommen, über das was ich im letzten Jahr aus welchen Motiven heraus getan habe – und um zu lernen, im besten Fall.

Ich mache mir keinen guten Vorsätze für das nächste Jahr. Und ich gebe mich auch nicht der Illusion hin, plötzlich nicht mehr konfrontiert zu werden mit Dingen und Denkweisen, die unangenehm sind. Aber ich will vorbereitet sein.

Und wenn ich zurückblicke entdecke ich dass ich dankbar bin. Dankbar, alles erlebt zu haben. Es hat mich geprägt. Das war manchmal schön und manchmal gar nicht so angenehm. Alles hatte seinen Platz und Wert. Deshalb kann ich getrost loslassen.

Über die Schwelle des neuen Jahres will ich frei gehen. Und natürlich weiß ich, dass ich vielem im neuen Jahr wieder begegnen werde. Aber ich darf neu anfangen. Als Christ vertraue ich darauf, dass ich diese Freiheit geschenkt bekomme. Immer wieder. Denn mein Wert kommt nicht aus mir selbst, sondern wird mir geschenkt. Das wünsche ich ihnen fürs neue Jahr – Die Freiheit loszulassen und zu beginnen!