Die St. Matthäus Kirche

Die Kirche steht auf einem Hügel am Nordrand des Dorfes. Gebaut wurde der Hauptteil der Kirche etwa 1150 - 1200 aus ungehauenen Feldsteinen. Es war damals im hohen Mittelalter die Zeit, in der sehr viele Kirchen gebaut wurden. Der dänische König Knut der Große war im 11. Jhd. aus England zurückgekehrt und trieb die Missionierung und den Aufbau der Kirche durch angelsächsische Priester voran.

Es wird hier auch hin und wieder von einer "Wehrkirche" gesprochen. Die kleinen hochgelegten, rundbogigen Fenster romanischer Bauweise an der Nordseite haben tatsächlich etwas Festungsähnliches an sich, vielleicht ist es zu der Zeit der einzige Steinbau im Dorf gewesen. Daher ist der Begriff "Wehrkirche" nicht ganz abwegig. Die Kirche ist vielleicht auch ein Schutzraum für die Bevölkerung gewesen.

Karnhaus 

Das Karnhaus (Vorbau an der Südseite) ist 1753 zum Teil aus Steinen erbaut, die von einer alten Kapelle in Strichsand herstammen. Im katholischen Mittelalter lag Strichsand an einem der bedeutensten "Straßen" (Handelswege) von Tondern nach Flensburg. Der Ort war etwa die Mitte dieser Verbindung und somit wichtiger Viehmarkt und Handels-platz. So ist im Jahre 1463 dort auch erstmals die Marienkapelle erwähnt worden. Bis 1964 (als die Leichenhalle gebaut wurde) wurden im Karnhaus auch die Särge aufgebahrt ("Karnhaus", wohl aus dem Platt-deutschen hergeleitet, weil die Särge dort auf Karren standen), sofern die Verstorbenen nicht zu Haus aufgebahrt wurden.

Auf dänisch wird das Karnhaus auch "våbenhus" genannt, wohl weil dort zum Kirchgang die Waffen abgestellt wurden, die nicht mit in die Kirche genommen werden durften. 1969 wuden dann an der Ostseite noch zwei Fenster eingebaut, um den Eingang in die Kirche etwas ansprechender zu machen.

Glockenturm

1709 brach die ganze Westwand und somit auch der Glockenturm zusammen. Die Wand und der Turm oben wurden zum Teil aus Steinen der alten Marienkapelle, zum Teil auch aus gehauenen Feldsteinen, die aus dem Rheinland hergebracht wurden, wieder aufgebaut.

Der Glockenturm selber (obere Teil) ist vorher wohl aus Holz gewesen, denn es sollen im Jahre 1645 Eichen für die Erbauung des Turmes angeschafft worden sein, die 1650 für den Turmbau gebraucht wurden. Der Glockenturm ist mehrfach wieder aufgebaut worden, da dies ja die Wetterseite (Westen) ist und das Material damals nicht so wetterbeständig war und weil auch mit Lehm gebaut wurde.

Die Bedeutung der Buchstaben: Oben steht das Monogramm des dänischen Königs Friedrich V. Darunter 7 Buchstaben, über dessen Bedeutung sich die Geister scheiden. Die 1. Version besagt, das es sich um einen dänischen Spruch handeln soll, „lad vor kirke ro på jesu bryst“ (lass unsere Kirche an Jesu Brust ruhen).

Die 2. Version besagt, das es sich um die Initialen damaliger Kirchenhonoratioren handelt:

  • LVK steht für Ludwig von Königstein. Er war Amtmann im damals noch herzoglich gottorfischen Amt Tondern.
  • RP dürfte Reimarus Präpositus bedeuten, d.h. der damalige Hauptpastor von Tondern und Propst über das      Amtsgebiet.
  • JB steht für den amtierenden Pastor, Johannes Boethius.

1906 wurde überlegt, eine Turmuhr einzubauen, das ließ die Konstruktion des Turmes aber nicht zu. Alternativ sollte dann eine Uhr an der alten Schule angebracht werden - dieser Vorschlag wurde ebenfalls verworfen - zum Schluss wurde 1907 eine Uhr beim Kaufmann angebaut.

Ebenso sieht man deutlich das Muster der Schindeln auf dem Dach. Die Luken am Glockenturm ließen sich öffnen, damit das Geläut weiter zu hören war.

Besonderheiten des Kirchengebäudes

An der Nordseite unter dem kleinen Fenster sind noch deutlich die Umrisse einer Tür zu erkennen. Durch diese Tür mussten früher die Frauen die Kirche betreten, sie durften nicht den Eingang im Süden benutzen, der den Männern vorbehalten war. Auch saßen bis weit in 20. Jhd. die Frauen und Männer getrennt in der Kirche, angeblich damit sie nicht voneinander abgelenkt wurden. Es war vom Kirchenvorstand genau festgelegt, welche Bänke für Frauen und welche für Männer gedacht waren. In Blickrichtung Altar: Links die Frauen und Rechts die Männer. So gab es zum Beispiel aus dem Jahre 1899 ein Beschluss vom Kirchen-vorstand: Die Männer hatten 246 Plätze, die Frauen 164 Plätze. Dies war aber von Kirche zu Kirche verschieden, also galt nicht generell für alle Kirchen. Bei den älteren Kirchenbesuchern merkt man es zum Teil noch heute, dass sich besonders die Frauen auf die Bänke unter der Empore Setzen. Das war bei uns die "Frauenseite". Nordseite mit den Umrissen der früheren Frauentür.

Altarraum

Der Altarraum ist 1765 aus Backstein gebaut. Die Tür an der Ostseite ist heute Notausgang. Wozu die eingebaut wurde, darüber wird spekuliert. Eine Geschichte erzählt, dass durch diese Tür den Menschen, die eine ansteckende Krankheit hatten, und deshalb nicht in die Kirche durften (Pest?), das heilige Abendmahl nach draußen gereicht wurde. Schließlich sollten diejenigen ja nicht ausgegrenzt werden. Ebenso soll es in der Südwand in Höhe der Kanzel ein Loch gegeben haben, damit die Kranken auch die Predigt mit verfolgen konnten.