Geistliches Wort im August: „Mal wieder Paul…“ - Zum 350. Todestag des Liederdichters Paul Gerhardt
24.07.2026
Mit seinen Liedern werden Kinder zum Schlafen gebracht, Erwachsene fühlen sich mutiger und ältere Menschen getröstet. Unfassbar, wie viele Menschen durch seine Texte berührt wurden und sie gesungen haben.
Ich selbst staune immer wieder, dass sogar kirchenferne Menschen oder solche, die aus der Kirche ausgetreten sind, das Lied -es ist eines seiner bekanntesten - „Geh aus mein Herz und suche Freud“ kennen und gerne mitsingen.
Persönlich verbinde ich mit Paul eine meiner liebsten Kindheitserinnerungen. Unvergessen hat es sich in meinem Gedächtnis eingebrannt, wie sich meine Großmutter bei schlechtem Wetter ans Klavier setzte und mit den Worten „Jetzt müssen wir die Sonne herbeisingen“ das Lied „Die güldne Sonne“ spielte und sang. Ich sang mit. Und wirklich, kam denn nicht die Sonne hinter den Wolken hervor… :-)
2026 jährt sich zum 350. Mal der Todestag des großen Liederdichters Paul Gerhardt. 1607 in Gräfenhainichen (im heutigen Sachsen-Anhalt) geboren, hatte er - bedingt durch persönliche Schicksalsschläge, aber auch durch die politischen Verhältnisse seiner Zeit kein- einfaches Leben: Früh verlor er seine Eltern. Nach einem Theologiestudium in Wittenberg war er zuerst als Hauslehrer in Berlin tätig. Später übernahm er Pfarrstellen in Mittenwalde, Berlin und Lübben, war allerdings zeitweise ohne Anstellung, sprich arbeitslos und damit auch ohne Einkommen. Er kannte Armut. Noch dazu: Von seinen fünf Kindern starben vier sehr früh. Hinzu kamen die Unsicherheiten und das Chaos des Dreißigjährigen Krieges, der während seines Lebens tobte. Mindestens das Hälfte seines Lebens verbrachte er in Ausnahmesituationen.
Manches seiner Dichtung klang auch bereits zu Zeiten der Aufklärung anstößig, sperrig und altmodisch: Breit aus die Flügel beide, oh Jesu, meine Freude, und nimm dein Küchlein ein! Will Satan mich verschlingen, so lass die Engel singen: Dies Kind soll unverletzlich sein. Wer kann das noch verstehen und überhaupt: Macht man Kindern damit nicht eher Angst?
Doch wie ist das in den sogenannten Postmodernen Zeiten, in denen wir angeblich leben: trifft diese bildlich-wuchtige Sprache nicht schon wieder den Zeitgeist? Und überhaupt: Es hat einen Reiz, dass wir nicht alles sofort entschlüsseln können. Es ist das Spiel von Fremdheit und Nähe.
Auf alle Fälle ist es erstaunlich, wie lange sich seine Texte gehalten haben und wieviel sie Menschen durch die Jahrhunderte hindurch bedeutet haben. Wenn man bedenkt, dass ein Hit in unserer Zeit oft eine Verfallszeit von nur wenigen Monaten hat…
2028 bekommen wir ein neues evangelisches Gesangbuch mit vielen neuen Liedern. Das ist gut so und darüber freue ich mich sehr. Jede Zeit braucht neue Lieder. Oder, wie Jesus sagt: Du kannst neuen Wein nicht in alte Schläuche füllen, sondern nur in neue. Dennoch freue ich mich über diese alten Lieder von Paul Gerhard. Sie inspirieren meine Fantasie, mein Gebet und mein Glaubensleben. In dem Sinne wünsche ich Ihnen: Auch euch, ihr meine Lieben, soll heute nicht betrüben, ein Unfall und Gefahr. Gott lass euch selig schlafen, stell euch die güldnen Waffen ums Bett und seiner Engel Schar.
PS:
Sonntag, den 30. August um 18 Uhr werden wir uns in der St. Georg Kirche zu Oeversee im Rahmen einer musikalischen Abendandacht an diesen großen Liederdichter erinnern. Herzliche Einladung dazu!