Sommerkirchenandacht 25.7.21 zu Margaret Fishback Powers

Liebe Leserin, lieber Leser,

Sie fragen sich bestimmt, wer sich hinter diesem Namen verbirgt. Es ist die Autorin des Gedichts „Spuren im Sand“, das Sie vielleicht schon mal gehört haben. Sie stand im Mittelpunkt der 6. Sommerkirche.

Ich mag dieses Gedicht sehr und war selber ganz gespannt, wer diese Frau ist, und wollte gerne mehr über sie erfahren.

Sie wurde 1944 in Kanada geboren und wuchs mit ihren 5 Geschwistern auf einer Farm auf. Schon als Kind liebte sie es, ihre Gedanken in Reimen aufzuschreiben. Sie war außerdem sehr musikalisch und schrieb später eigene Lieder.

Als sie 1964 das Gedicht „Spuren im Sand“ schrieb, war sie Anfang 20. Sie arbeitete damals als Lehrerin und wurde kurz zuvor durch einen Blitzschlag schwer verwundet, sodass sie eine Zeitlang nicht arbeiten konnte. Außerdem zerbrach eine Beziehung, und sie kehrte niedergeschlagen zu ihren Eltern zurück.

Dort begegnete sie Paul Powers, in den sie sich verliebte. Beide verband auch ihr Glaube. Als er sie fragte, ob sie seine Frau werden wollte, war sie jedoch hin- und hergerissen. Sie liebte ihn, aber die zerbrochene Beziehung hatte sie noch nicht verwunden. Außerdem kannten sie sich noch nicht lange.

Sie machten einen Spaziergang am Meer und beobachten, wie die Wellen ihre Fußspuren wegspülten, sodass nur noch eine zu sehen war. Darauf sagte sie: „Vielleicht ist es mit uns ja auch so wie mit diesen Fußspuren – vielleicht werden unsere Träume ebenso weggewischt.“ „Nein, nein.“ sagte Paul. „Mir kommt da ein ganz anderer Gedanke. Denk doch nur an unsere Zukunft. Wenn wir heiraten, werden wir beide eins werden.“  Und als sie fragte, wie sie mit Schwierigkeiten fertig werden sollten, die in ihrer Ehe auftauchen könnten, machte er ihr Mut, dass sie es schaffen würden. Auf die Frage, was denn sei, wenn es so große Probleme gäbe, dass sie nicht damit fertig werden würden, antwortete er: „Dann wird Gott uns tragen.“

Dieser Spaziergang hatte sich unauslöschlich in ihr Gedächtnis eingegraben. In der Nacht konnte sie keinen Schlaf finden. Das Gespräch am Strand ging ihr nicht mehr aus dem Sinn. Da tastete sie im Dunkeln nach Notizbuch, Kugelschreiber und Taschenlampe und begann zu schreiben. Dabei tauchten Bilder aus der Vergangenheit auf. „Gott hat mich immer auf meinem Lebensweg begleitet“, das wurde ihr im Rückblick klar. „Und er hat mich nicht nur begleitet, nein, in schweren Zeiten hat er mich sogar getragen.“

Am nächsten Morgen las sie sich das, was sie geschrieben hatte, nochmal durch. Es war das Gedicht „Spuren im Sand“:

Eines Nachts hatte ich einen Traum:
Ich ging am Meer entlang mit meinem Herrn.
Vor dem dunklen Nachthimmel erstrahlten,
Streiflichtern gleich, Bilder aus meinem Leben.
Und jedesmal sah ich zwei Fußspuren im Sand,
meine eigene und die meines Herrn.
Als das letzte Bild an meinen Augen
vorübergezogen war, blickte ich zurück.
Ich erschrak, als ich entdeckte,
dass an vielen Stellen meines Lebensweges
nur eine Spur zu sehen war.
Und das waren gerade die schwersten Zeiten meines Lebens.
Besorgt fragte ich den Herrn:
„Herr, als ich anfing, dir nachzufolgen, da hast du mir versprochen,
auf allen Wegen bei mir zu sein.
Aber jetzt entdecke ich, dass in den schwersten Zeiten meines Lebens
nur eine Spur im Sand zu sehen ist.
Warum hast du mich allein gelassen,
als ich dich am meisten brauchte?“
Da antwortete er: „Mein liebes Kind,
ich liebe dich und werde dich nie allein lassen,
erst recht nicht in Nöten und Schwierigkeiten.
Dort, wo du nur eine Spur gesehen hast,
da habe ich dich getragen!“

Da wusste Margaret, dass Gott sie niemals verlassen würde. Gott ist Liebe, und deswegen konnte sie auch lieben und Paul heiraten.

Bei einem späteren Umzug ging das Gedicht verloren, worüber sie zutiefst unglücklich war, weil es ihr soviel bedeutete, doch es war einfach nicht mehr wieder zu finden.

Jahre später entdeckte sie in einer Buchhandlung ihren Text, aber es stand eine andere Autorin darunter. Auch in anderen Buchhandlungen wurde sie fündig, und stellte fest, dass ihr Gedicht seit etlichen Jahren schon auf Karten, Postern, Tassen und anderem mehr verkauft wurde.  Oft stand „Verfasser unbekannt“ oder eben andere Namen darunter. Manchmal war der Text auch verändert worden. Sie war fassungslos und kämpfte um ihre Urheberrechte, doch es war ein jahrelanger vergeblicher Kampf. Als sie das Gedicht schließlich in ihrer alten Hochzeitszeitschrift wiederfand, konnte sie endlich einen Beweis dafür vorlegen, dass sie wirklich die Autorin war. Doch als ihre Familie daran zu zerbrechen drohte, zog sie sich aus den juristischen Auseinandersetzungen zurück und verzichtete auf ihre Ansprüche.

Erst später wurden ihr die Rechte zuerkannt. Im Jahr 2007 auch in Deutschland.

Viele Menschen schrieben ihr jedoch, wie das Gedicht ihnen geholfen und wie dankbar sie waren, dass sie es kennenlernen konnten, auch als es noch nicht unter ihrem Namen veröffentlicht wurde. Das versöhnte sie mit dem Ärger darüber, dass andere es sich einfach angeeignet und es vermarktet hatten.

Sie war viele Jahre mit ihrem Mann zusammen in der kirchlichen Kinderarbeit in Kanada tätig. 2 Töchter hat das Paar.

Ich weiß nicht, ob Sie das Gedicht „Spuren im Sand“ schon vorher kannten und welche Erfahrungen Sie damit gemacht haben. Ich mag diesen Text sehr und empfinde ihn als eine der beeindruckendsten Beschreibungen für das, was Vertrauen zu Gott sein kann. Immer, wenn ich diesen Text lese, bin ich berührt von dem Bild, dass Gott uns trägt – vor allem, wenn wir in schweren Zeiten sind. Es stärkt mein Vertrauen zu ihm, und ich kann getroster weitergehen.

So ging es auch Millionen von Menschen mit diesem Gedicht, und darum habe ich sie für unsere Sommerkirche ausgesucht.

Solches Vertrauen können wir alle haben, was wir auch erleben. Wir sind nie allein, sondern in Gottes Hut!

Ganz viel Segen möge Sie begleiten! Bleiben Sie gesund und behütet!

Herzliche Grüße auch von Frau Schulze-Kösterke
Ihre Heike Baran­


Andacht zur Sommerkirche am 18. Juli 2021

Sommerkirchenandacht 18.7.21 zu Paul Gerhardt

Liebe Leserin, lieber Leser,

Unter dem Motto „Hoffnungswege“ steht jeden Sonntag eine Person im Mittelpunkt, die auf irgendeine Art Hoffnung weitergegeben hat. Für diesen Sonntag habe ich den bekannten Liederdichter Paul Gerhardt ausgesucht. Sie kennen bestimmt Lieder von ihm, z.B. „Geh aus, mein Herz“ oder „Befiehl du deine Wege“ und andere. In unserem Gesangbuch finden wir sehr viele Lieder von ihm, mit denen er damals schon vielen Menschen Hoffnung gegeben hat.

Er lebte zur Zeit des 30jährigen Krieges, der 1618 -1648 war, und dieser Krieg hat ihn geprägt, denn das war von seinem 11. bis zu seinem 41. Lebensjahr! Geboren wurde er am 12. März 1607 in Gräfenhainichen in der Nähe von Wittenberg im heutigen Sachsen- Anhalt. In den Kriegsjahren hat er sehr viel Not und Elend erlebt. Er hatte jedoch seinen Glauben, und der hat ihm in diesen schweren Jahren sehr geholfen. Er hat Theologie studiert und wollte Pastor werden, doch durch den Krieg hat er erst im Alter von 44 Jahren seine erste Stelle bekommen. Vorher musste er sich als Hauslehrer in Berlin mühsam durchschlagen.

Damals hatte er schon Lieder geschrieben, die bei den Leuten gut ankamen, sodass er schon recht bekannt war.

Die meisten Lieder aber schrieb er in Mittenwalde in Brandenburg, wo er 1651 seine 1. Pfarrstelle bekam. Dort war er 5 Jahre lang tätig. Er hatte jedoch einen Kollegen, der ihm das Leben schwer machte, wo er nur konnte, und das war natürlich schlimm. Schön war, dass er dort 1655 seine Frau Anna Marie heiraten konnte, die er aus Berlin kannte, denn in ihrer Familie war er Hauslehrer gewesen. Sie war damals 32 Jahre alt (er war bereits 48 Jahre alt). Von den 5 Kindern, die sie bekamen, blieb jedoch nur der jüngste Sohn Paul Friedrich am Leben – die anderen starben leider – und das war für die Eltern ganz furchtbar, wie wir uns vorstellen können.

1657 kam er nach Berlin an die Nikolaikirche. Hier tobte gerade ein Streit zwischen Lutheranern und Reformierten Christen. Das sind 2 Richtungen innerhalb der evangelischen Kirche. Kurfürst Friedrich der Weise war darüber sehr bekümmert. Er versuchte, den Streit zu schlichten, doch als das nicht klappte, erließ er 1664 ein Toleranzedikt und verlangte, dass alle Theologen es unterschrieben und so die jeweils andere Richtung anerkannten. Wer das nicht wollte, wurde entlassen. Da auch Paul Gerhardt nicht unterschrieb, wurde auch er entlassen. Auf großen Protest seiner Gemeinde und des Berliner Magistrats hin konnte er sein Amt zurückbekommen, doch er wollte es aus Glaubens- und Gewissensgründen nicht.

2 Jahre lang war er fast ohne Einkommen, doch Freunde unterstützten ihn. Leider starb seine Frau 1668, und das war ein furchtbarer Schlag für ihn. Sie war so ein wichtiger Mensch für ihn gewesen. 1 Jahr später bekam er eine Pfarrstelle in Lübben in Brandenburg, wo er noch 7 Jahre lang tätig war und sich auch sehr um seinen Sohn kümmerte. Leider starb er schon im Alter von 70 Jahren, als dieser erst 14 Jahre alt war.

Die Stadt Lübben ließ ihm zu Ehren ein Gedenkgemälde in der Kirche aufhängen, und die Kirche trägt seit 1930 seinen Namen. Das schönste Denkmal für ihn sind jedoch seine 120 Lieder, die auch ihm selbst oft Kraft gegeben haben. V.a. aber haben sie unzähligen Menschen ganz viel gegeben und tun es noch. Von Dietrich Bonhoeffer wissen wir z.B., dass er viele Lieder auswendig konnte und dass er daraus in seiner Zeit im Gefängnis ganz viel Trost und Hoffnung geschöpft hat.

2 Dinge möchte ich Ihnen mitgeben:

Das erste hat mit dem Lied „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“ zu tun, das Sie bestimmt alle kennen. In diesem Lied geht es um die Natur und ihre Schönheit, die Paul Gerhardt beschreibt. Mir kommt es so vor, als spaziere er durch Gärten und Felder und erzählt uns, was er an Schönem sieht. Da sind die Blumen und Tiere, an denen er sich freut und für die er  Gott dankt. Das kann ich sehr gut verstehen, denn ich bin auch sehr gern in der Natur.

Vieles darin ist jedoch bedroht, viele Tierarten sind schon ausgestorben oder stehen auf der roten Liste. Bei uns wird gerade viel über die Insekten insbesondere die Bienen gesprochen, die immer weniger werden, und es wird glücklicherweise viel versucht, etwas dagegen zu tun.

Uns alle erschüttert in diesen Tagen die Flutkatastrophe in einigen Teilen Deutschlands und in unseren Nachbarländern, und wir fühlen mit den Menschen, die in so großer Not sind! Experten weisen uns immer wieder darauf hin, dass das mit dem Klimawandel zu tun hat. Darum sind wir gefragt, wie wir unsere Natur schützen und sie bewahren können!

Das zweite hat auch mit den Liedern von Paul Gerhardt zu tun. Darin hat er aufgeschrieben, was ihm wichtig war, v.a. sein Glaube, und er hat dabei eine Gabe, die Dinge so zu formulieren, dass sie zu Herzen gehen und einem ganz viel geben, so erlebe ich es. Im Lied „Befiehl du deine Wege“ schreibt er:

Befiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt

der allertreusten Pflege des, der den Himmel lenkt.

Der Wolken, Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn,

der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann.

 

Diese Worte rühren mich jedesmal an, wenn ich sie lese oder singe. Diese Liedstrophe ist eine meiner Lieblingsstrophen, denn das Vertrauen darin ist groß, dass Gott bei uns ist und für uns sorgen wird, was auch kommen mag. Dieses Vertrauen können auch wir haben, denn Gott hat es zugesagt. Seine Zusage ist wie ein festes Fundament, auf dem wir stehen können. Und wir können es an andere weitergeben, können füreinander da sein und einander Hoffnung schenken.

 

Ich wünsche Ihnen ganz viel Segen weiterhin!

Liebe Grüße aus der Friedenskirche

auch von Pastorin Schulze-Kösterke!

 

Ihre Pastorin Heike Baran

 

Andachten für Zuhause

Gebet (gleicher Text an jedem Tag – eine*r betet für sich oder alle, die in Wohnung/Haus sind beten gemeinsam laut)

Gott. Ich bin hier. Und Du bist hier. Ich bete zu Dir. Und weiß: Ich bin verbunden. Mit Dir. Mit anderen, die zu Dir beten. Genau jetzt. Ich bin hier. Und Du bist hier. Das genügt. Und ich bringe Dir alles, was ist.

Stille

Höre auf mein/unser Gebet. Amen

Weitere Ideen:

Bibeltext des Tages Lied des Tages oder ein anderes vertrautes Lied (Text lesen oder in Hausgemeinschaft miteinander singen) Eventuell Verkündigungsimpuls (Text lesen oder eine*r in der Hausgemeinschaft liest vor)

· Vertiefung, passend zum Tag: Impuls zum Weitertragen in die Welt (z.B.: Hoffnungssteine bemalen und „aussetzen“ (#ostersteine), siehe u.a. hier: https://www.kirche-hamburg.de/nachrichten/details/ostersteine-zeichen-der-hoffnung.html ) (Emilia Handke, Kirche im Dialog – Nordkirche) oder Botschaften gegen die Furcht schreiben / malen (#mutinfarbe) und in der Welt aufhängen, siehe u.a. hier: https://sebastiants.de/mut-fuer-die-fastenzeit)

· Fürbitten:

Gott. Wir sind verbunden. Als Menschen mit Menschen. Als Glaubende miteinander. Als Glaubende und Menschen mit Dir. Wir bringen Dir unsere Gedanken, unser Danken und unser Sorgen. Heute. Stille

Wir denken an alle, die wir lieben. Stille. Wir denken an alle, die in diesen Zeiten noch einsamer sind. Stille. Wir denken an alle Kranken. Und an alle Kranken in Krankenhäusern, die keinen Besuch haben können. Stille. Wir denken an alle, die helfen. Sie setzen sich und ihre Kraft und ihre Gaben ein füreinander. Stille. Gott. Wir sind Deine Menschen. Wir sind miteinander verbunden. Atmen die Luft Deiner Schöpfung. Beten zu Dir in allem, was ist. Beten zu Dir mit den Worten, die uns im Herzen wohnen:

·   Vater Unser

·   Segen

Hände öffnen und laut sprechen:

Gott segne uns und behüte uns.

Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.

Gott erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden. Amen

(Elisabeth Rabe-Winnen, Zentrum für Gottesdienst und Kirchenmusik Michaeliskloster, Hildesheim)