Andacht - für Sonntag, d. 17.05.2020 Rogate

6. Sonntag nach Ostern, Exaudi, Jeremia 31,31-34 

 "So spricht der Herr: „Es kommt die Zeit,. in der ich mit dem Volk Israel und dem Volk von Juda einen neuen Bund schließe. Er ist nicht mit zu vergleichen, den ich damals mit ihren Vorfahren schloss, als ich sie mit starker Hand aus Ägypten befreite. Diesen Bund haben sie gebrochen, obwohl ich doch ihr Herr war.  Der neue Bund mit dem Volk Israel wird ganz anders aussehen. Ich schreibe mein Gesetz in ihr Herz; es soll ihr ganzes Denken und Handeln bestimmen. Ich werde ihr Gott sein, und sie werden mein Volk sein! Niemand muss dann den anderen noch belehren, keiner braucht seinem Bruder mehr zu sagen: Erkenne doch den Herrn! Denn alle, vom Kleinsten bis zum Größten, werden erkennen, wer ich bin. Ich vergebe ihnen ihre Schuld und denke nicht mehr an ihre Sünden. Mein Wort gilt!“

 Liebe Gemeinde,

Wenn man den Predigttext für den Sonntag liest oder hört, dann fällt besonders ein Wort auf. Es kommt drei Mal im Text vor. Es ist das Wort „Bund“.

Es ist irgendwie ein altmodisches Wort, obwohl es uns auch heutzutage immer wieder begegnet. Als Erstes fällt mir dazu der Ehebund ein, den zwei Menschen miteinander eingehen. Wo sie sich gegenseitig das Versprechen geben, füreinander da zu sein. Aber mir fallen auch noch andere Worte ein, wie z.B. der Begriff Bundesrepublik Deutschland oder den Gewerkschafts-Bund.

 

Und dann gibt es noch eine Organisation für nachhaltige Entwicklung und Umweltschutz. Sie schreibt sich sogar in Großbuchstaben: der BUND.

Mit dem Begriff „Bund“ ist in diesen Fällen meistens ein Zusammenschluss von Menschen/ Menschengruppen unter einem Merkmal, das sie miteinander verbindet, gemeint. In diesem Zusammenschluss geben sie sich gegenseitig ein Versprechen, füreinander da zu sein.

Solch einen Bund geht Gott mit den Menschen ein. Den ersten Bund Gottes mit einem Menschen finden wir schon relativ zu Anfang der Bibel bei Abraham. Gott gibt Abraham das Versprechen für ihn dazu sein und Abraham soll sich umgekehrt auch für die Menschen einsetzen. Im I. Buch Mose im 12 Kapitel heißt es: „Ich will Dich segnen und Du sollst ein Segen sein!“

Die Zeit vergeht jedoch. Die Geschichte Gottes mit den Menschen geht weiter.

Der Predigttext wurde zu einer Zeit geschrieben, da schon viele Jahre vergangen sind, als Gott sein Volk aus der ägyptischen Knechtschaft ins gelobte Land geführt hat. Und Gott befreite nicht nur sein Volk und überließ es dann seinem Schicksal, nein, Gott meinte es gut mit den Menschen und stellte sich an ihre Seite. Genau wie er es bei Abraham versprochen hat. Gott ist ihr Verbündeter. Er schenkte ihnen die Zehn Gebote, nicht um ihr Leben einzuschränken, sondern um es zu schützen. Schützende Grenzen, damit das Leben gelingen kann. Doch die Israeliten halten sich nicht an den Bund mit Gott. Und nun stehen sie vor der Vernichtung. Die Assyrer stehen als Belagerungsmacht vor den Toren Jerusalems. Es droht eine erneute Gefangenschaft. Diejenigen, die überleben, kommen als Sklaven ins assyrische Exil. Jeremia sieht den Grund für diese Ereignisse darin, dass sich Israel von Gott abgewendet hat und die Israeliten müssen ihre Abkehr von Gott und seinen Geboten mit Gefangenschaft bezahlen.

Aber Jeremia hält den Menschen nicht einfach nur eine Strafpredigt, sondern in einer Zeit großer Verunsicherung ruft er die alte Glaubensgrundlage in Erinnerung und lädt Menschen ein, es ihm gleich zu tun. So beginnen die Menschen zu fragen: Was war es, was uns damals Kraft gegeben hat und heute wieder Kraft geben kann?
Ich denke, Sie merken deutlich: das ist eine Fragestellung, die heute nichts an Aktualität verloren hat!

Auch wir erleben heute eine Zeit großer Verunsicherung. Überall auf der Welt hat das Corona-Virus die Menschen aus der Bahn geworfen. Das Leben ist ein anderes als zuvor.

Auch für uns stellt sich die Frage: Wie können wir klar kommen? Was trägt uns?

Im Predigttext heißt es: „Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben“. Im alten Bund war es noch so, dass die Worte des Gesetzes auf steinerne Tafeln gemeißelt waren. Wie wir vergangenen Sonntag gehört haben, waren die Steintafeln in der Bundeslade eingeschlossen und wurden im Heiligtum des Tempels´ aufbewahrt. Der Bund lag vor als eine Art Urkunde.

Der neue Bund dagegen ist etwas grundlegend Neues: Gott schreibt ihn in die Herzen der Menschen ein. Was bedeutet das?

Unser Herz ist der Motor unseres Körpers. Es versorgt alle lebensnotwendigen Organe mit Blut. Es ist ständig in Bewegung.

Im hebräischen Denken ist das Herz darüber hinaus die Mitte des Menschen. Das Herz ist Sitz der Vernunft und damit zugleich die Mitte der Persönlichkeit. Im Herz werden Entscheidungen getroffen. Gott geht es nicht um ein bloßes Einhalten von Vorschriften, sondern um eine grundlegende Veränderung des Herzens. Deswegen schreibt Gott das Gesetz in die Herzen der Menschen. Gott verändert uns!

Zu Abraham sagt er: „Ich segne dich und du sollst ein Segen sein!“

Mit anderen Worten: Ich bin für dich da, hör Dir zu und daraus kannst auch Du Kraft schöpfen und auch für andere da sein.

Auf diese Weise verändert Gott uns und unser Leben. Vielleicht spüren wir dieser Veränderung nicht immer sofort, aber wir können darauf vertrauen, dass er in uns wirkt, auch wenn wir es nicht spüren.

Um einmal ein Bild zu nutzen. Wenn man versucht, das Gras beim Wachsen zu beobachten, dann kann das schon manchmal ganz schön langweilig sein, denn natürlich kann man das nicht sofort sehen. Aber wenn man in regelmäßigen Abständen in den Garten schaut, bemerkt man die Veränderung. Nach ein paar Tagen erscheint das Gras schon länger, als da wo es frisch gemäht war. Wieder ein paar Tage später entdeckt man schon die ersten Gänseblümchen. Und irgendwann ist das Gras so hochgewachsen, dass man es schon wieder mähen könnte.

So ist es mit den Veränderungen, die Gott in uns vornimmt. Wir bemerken sie nicht immer gleich, aber wenn man nach einer Weile einmal zurückblickt, stellt man fest, dass sich vielleicht doch viel im eignen Leben getan hat.

Nächste Woche Sonntag feiern wir Pfingsten. Das Fest des Heiligen Geistes, den Jesus zu seinen Jüngerinnen und Jüngern schickt.

In der Pfingstgeschichte verwandelt der Heilige Geist das Herz der Menschen, die von ihm erfüllt werden. Und während wir immer mehr zu dieser neuen Person werden, verändert sich auch unser Handeln. Der Heilige Geist wirkt in uns wie ein Kompass. Er schlägt die richtige Richtung an. Sicherlich machen wir auch noch viele Fehler als Christen. Aber auch wenn wir es selber vielleicht gar nicht so deutlich wahrnehmen verändert sich unser Leben, weil wir Kraft aus Gottes „Ja“ zu uns schöpfen können.

Vielleicht haben Sie ja einmal Lust, sich etwas Zeit zu nehmen, um darüber nachzudenken, wo sich in Ihrem Leben Ihr Herz verändert hat. Und eventuell entdecken Sie die Bereiche in Ihrem Leben, wo Sie Stück für Stück gewachsen sind, wo Sie Gottes Kraft in ihrem Leben gespürt haben. Ich wünsche Ihnen eine spannende Entdeckungsreise!

 

Amen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Andachten für Zuhause

Gebet (gleicher Text an jedem Tag – eine*r betet für sich oder alle, die in Wohnung/Haus sind beten gemeinsam laut)

Gott. Ich bin hier. Und Du bist hier. Ich bete zu Dir. Und weiß: Ich bin verbunden. Mit Dir. Mit anderen, die zu Dir beten. Genau jetzt. Ich bin hier. Und Du bist hier. Das genügt. Und ich bringe Dir alles, was ist.

Stille

Höre auf mein/unser Gebet. Amen

Weitere Ideen:

Bibeltext des Tages Lied des Tages oder ein anderes vertrautes Lied (Text lesen oder in Hausgemeinschaft miteinander singen) Eventuell Verkündigungsimpuls (Text lesen oder eine*r in der Hausgemeinschaft liest vor)

· Vertiefung, passend zum Tag: Impuls zum Weitertragen in die Welt (z.B.: Hoffnungssteine bemalen und „aussetzen“ (#ostersteine), siehe u.a. hier: https://www.kirche-hamburg.de/nachrichten/details/ostersteine-zeichen-der-hoffnung.html ) (Emilia Handke, Kirche im Dialog – Nordkirche) oder Botschaften gegen die Furcht schreiben / malen (#mutinfarbe) und in der Welt aufhängen, siehe u.a. hier: https://sebastiants.de/mut-fuer-die-fastenzeit)

· Fürbitten:

Gott. Wir sind verbunden. Als Menschen mit Menschen. Als Glaubende miteinander. Als Glaubende und Menschen mit Dir. Wir bringen Dir unsere Gedanken, unser Danken und unser Sorgen. Heute. Stille

Wir denken an alle, die wir lieben. Stille. Wir denken an alle, die in diesen Zeiten noch einsamer sind. Stille. Wir denken an alle Kranken. Und an alle Kranken in Krankenhäusern, die keinen Besuch haben können. Stille. Wir denken an alle, die helfen. Sie setzen sich und ihre Kraft und ihre Gaben ein füreinander. Stille. Gott. Wir sind Deine Menschen. Wir sind miteinander verbunden. Atmen die Luft Deiner Schöpfung. Beten zu Dir in allem, was ist. Beten zu Dir mit den Worten, die uns im Herzen wohnen:

·   Vater Unser

·   Segen

Hände öffnen und laut sprechen:

Gott segne uns und behüte uns.

Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.

Gott erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden. Amen

(Elisabeth Rabe-Winnen, Zentrum für Gottesdienst und Kirchenmusik Michaeliskloster, Hildesheim)