Andacht am 11. April 2021

Liebe Leserin, lieber Leser,

wir sind in der Zeit nach Ostern, ebenso wie die Jünger Jesu damals. Ganz unterschiedlich haben sie das Ostergeschehen aufgenommen: in einem Text des Evangelisten Markus steht, dass sie es zunächst nicht glauben wollten, dass Jesus auferstanden war. Weder den Frauen glaubten sie, die Jesus am Grab gesehen hatten, noch den beiden Jüngern, die Jesus auf dem Weg nach Emmaus begegnet waren. Erst als sie Jesus mit eigenen Augen sahen, konnten sie es glauben. Dazu schreibt Johannes in seinem Evangelium (Kap. 20):

Am Abend des ersten Tages der Woche, da die Jünger versammelt und die Türen verschlossen waren aus Furcht vor den Juden, kam Jesus und trat mitten unter sie und sprach: „Friede sei mit euch!“ Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und seine Seite. Da wurden die Jünger froh, dass sie den Herrn sahen. Da sprach Jesus abermals zu ihnen: „Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.“ Und als er das gesagt hatte, blies er sie an und sprach zu ihnen: „Nehmt hin den Heiligen Geist.“

Thomas aber, einer der Zwölf, der Zwilling genannt wird, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. Da sagten die anderen Jünger zu ihm: „Wir haben den Herrn gesehen.“ Er aber sprach zu ihnen: „Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale sehe und lege meinen Finger in die Nägelmale und lege meine Hand in seine Seite, kann ichs nicht glauben.“

Nach acht Tagen waren seine Jünger abermals drinnen und Thomas war bei ihnen. Kommt Jesus, als die Türen verschlossen waren, und tritt mitten unter sie und spricht: „Friede sei mit euch!“ Danach spricht er zu Thomas: „Reiche deinen Finger her und sieh meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig.“

Thomas antwortete: „Mein Herr und mein Gott!“ Spricht Jesus zu ihm: „Weil du mich gesehen hast, darum glaubst du? Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.“

Sie sitzen hinter verschlossenen Türen aus Angst vor den Juden. Sie sind immer noch ganz gefangen in dem traumatischen Geschehen um Karfreitag. Die schrecklichen Ereignisse, der Tod Jesu, haben sich ihnen eingebrannt. All ihre Hoffnung war zerstört, und so haben sie ihr Leben in Sicherheit gebracht. Die Botschaft vom leeren Grab haben sie gehört, aber konnten es nicht glauben.

Und dann geschieht etwas – Jesus kommt durch die geschlossene Tür zu ihnen. Mit eigenen Augen können sie ihn sehen.

Er zeigt ihnen seine Hände und seine Seite, und zögernd hören sie seine Worte: „Friede sei mit euch.“ Mehrmals sagt Jesus es zu ihnen, und sie spüren, wie wieder Leben in sie hineinkommt.

Die Jünger sehen Jesus, ihren Herrn, lebendig! Das Leben aus Gott ist stärker als alles andere. Und die Jünger, so heißt es, wurden wieder froh! Endlich dringt es zu ihnen durch – das Wunder von Ostern!

„Nehmt hin den Heiligen Geist“ hören sie dann. Jesus sendet sie.

Es gibt auch heute viele verschlossene Türen, hinter denen Menschen sitzen – gerade in unserer Zeit – und durch all diese Türen will der Osterfriede und die Osterfreude dringen. „Friede sei mit euch!“

Doch dann war da noch Thomas. Er war einer der Jünger, der an diesem Abend nicht dabei gewesen war. Und obwohl die anderen ihm erzählten „Wir haben den Herrn gesehen.“, glaubte er es nicht.

Hier wiederholt sich im Grunde noch einmal die Geschichte der anderen Jünger. Noch einmal wird deutlich, wie schwer es war und ist, das Unmögliche zu begreifen. Er war doch tot!

Wie kann einer von den Toten zurückkehren und leben? Das kann nicht sein. Die anderen können ja viel erzählen. Er soll es glauben, doch das kann er nicht.

Und Jesus kommt auch zu ihm. Er verurteilt ihn nicht wegen seines Zweifels und seines Unglaubens. Jesus ist sich nicht zu schade, sich auf Thomas einzulassen – diesen Ungläubigen. Auch für ihn nimmt er sich Zeit und lässt sich auf das ein, was er braucht.

Das gibt mir Hoffnung und Mut für uns heute. Wenn wir Zweifel haben oder uns der Glaube fehlt, dann können wir auch damit zu Gott kommen und ihm alles sagen. Für jede und jeden ist er da! Er will helfen, uns wieder Mut machen und neues Vertrauen schenken. Das sehen wir an Thomas. Er darf Jesus berühren und es mit eigenen Augen sehen, um wieder glauben zu können. Jesus geht ihm entgegen, und Thomas ruft: „Mein Herr und mein Gott!“

Auch wir können diese Erfahrung machen, dass Gott uns entgegenkommt, so, wie wir es brauchen. Achten Sie einmal darauf. Vor ihm können wir sein, wie wir sind. Ihm müssen wir nichts vormachen, wie wir es sonst so oft müssen. Bei Gott können wir ehrlich sein, können ihm alles sagen. Wir können klagen und weinen, zweifeln und schreien, so wie es in den Psalmen zu lesen ist. Gott ist für uns da – wie für Thomas. Er hält es aus und kommt uns immer wieder entgegen, damit wir glauben und vertrauen können. Das können wir aus der Begegnung mit Thomas mitnehmen.

„Selig sind, die nicht sehen und doch glauben“, sagt Jesus zum Schluss. Und dies gilt nun für uns heute. Diese Geschichte macht uns Mut, den Augenzeugen von damals zu trauen und auf ihr Zeugnis hin an die Auferstehung Jesu zu glauben. Es ist nicht leicht, aber sie alle laden uns dazu ein, weil sie Jesus mit eigenen Augen gesehen haben: Maria Magdalena und die anderen beiden Frauen, die beiden Emmausjünger, all die anderen Jünger und Thomas! Sie laden uns ein, dem zu glauben, der von den Toten auferstanden ist, und darauf zu vertrauen, dass das Leben stärker als der Tod ist!

Gott ließ Jesus nicht im Stich, und er lässt auch uns nicht im Stich! Dieselbe Kraft, die Jesus aus dem Tod herausholte, ist noch immer unter uns mächtig und erfahrbar. „Ich lebe und ihr sollt auch leben“, sagt Jesus. Ihr sollt leben mit Gottes Kraft im Rücken. Ihr sollt leben in Ewigkeit. Die Hoffnung, die darin erklingt, lassen Sie uns mitnehmen! Gott ist auf unserer Seite. Gott geht mit und kommt uns immer aufs Neue entgegen. Darum lassen Sie uns ihm vertrauen!

Ich wünsche Ihnen alles Gute und ganz viel Segen!

Bleiben Sie gesund und behütet!

Liebe Grüße                                                                     

Ihre Pastorin Heike Baran

Andachten für Zuhause

Gebet (gleicher Text an jedem Tag – eine*r betet für sich oder alle, die in Wohnung/Haus sind beten gemeinsam laut)

Gott. Ich bin hier. Und Du bist hier. Ich bete zu Dir. Und weiß: Ich bin verbunden. Mit Dir. Mit anderen, die zu Dir beten. Genau jetzt. Ich bin hier. Und Du bist hier. Das genügt. Und ich bringe Dir alles, was ist.

Stille

Höre auf mein/unser Gebet. Amen

Weitere Ideen:

Bibeltext des Tages Lied des Tages oder ein anderes vertrautes Lied (Text lesen oder in Hausgemeinschaft miteinander singen) Eventuell Verkündigungsimpuls (Text lesen oder eine*r in der Hausgemeinschaft liest vor)

· Vertiefung, passend zum Tag: Impuls zum Weitertragen in die Welt (z.B.: Hoffnungssteine bemalen und „aussetzen“ (#ostersteine), siehe u.a. hier: https://www.kirche-hamburg.de/nachrichten/details/ostersteine-zeichen-der-hoffnung.html ) (Emilia Handke, Kirche im Dialog – Nordkirche) oder Botschaften gegen die Furcht schreiben / malen (#mutinfarbe) und in der Welt aufhängen, siehe u.a. hier: https://sebastiants.de/mut-fuer-die-fastenzeit)

· Fürbitten:

Gott. Wir sind verbunden. Als Menschen mit Menschen. Als Glaubende miteinander. Als Glaubende und Menschen mit Dir. Wir bringen Dir unsere Gedanken, unser Danken und unser Sorgen. Heute. Stille

Wir denken an alle, die wir lieben. Stille. Wir denken an alle, die in diesen Zeiten noch einsamer sind. Stille. Wir denken an alle Kranken. Und an alle Kranken in Krankenhäusern, die keinen Besuch haben können. Stille. Wir denken an alle, die helfen. Sie setzen sich und ihre Kraft und ihre Gaben ein füreinander. Stille. Gott. Wir sind Deine Menschen. Wir sind miteinander verbunden. Atmen die Luft Deiner Schöpfung. Beten zu Dir in allem, was ist. Beten zu Dir mit den Worten, die uns im Herzen wohnen:

·   Vater Unser

·   Segen

Hände öffnen und laut sprechen:

Gott segne uns und behüte uns.

Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.

Gott erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden. Amen

(Elisabeth Rabe-Winnen, Zentrum für Gottesdienst und Kirchenmusik Michaeliskloster, Hildesheim)