Foto: Unsplash - Whitney Sause; Text übersetzt

Kleine Auszeit: "Das Abo fürs "Gut-genug-Sein"

30.10.2026

Kleine Auszeit von Lena Modrow aus dem Social Media Team des Kirchenkreises

Kennen Sie noch diesen Werbe-Klassiker aus den 1990er Jahren?
Nein, nicht den Sahne-Joghurt mit "Weekend-Feeling". Auch nicht das Törtchen mit dem Kerzchen oben drauf, das eine Eiskunstläuferin bekommt, die "ausgerechnet an ihrem Geburtstag" in der kalten Halle trainieren muss.
Die Rede ist von einem Kreditkarten-Anbieter, der mehr als über ein Jahrzehnt lang mit folgendem Erzählmuster warb:
- Eintrittskarten zum Baseball-Spiel: 28 Dollar
- HotDogs und Getränke: 18 Dollar
- Ein signierter Baseball: 45 Dollar
- Gespräche von Vater und Sohn während des Spiels: Unbezahlbar.

Bei jedem Spot dieser Kampagne wurden erst die Preise der einzelnen Käufe aufgezählt (die natürlich mit besagter Kreditkarte beglichen wurden) - dann folgte ein menschlicher Moment, der sich dieser Rechnung entzieht: Es gibt eben Dinge, die kann man nicht kaufen.
Wie das Team an Werbeleuten zu dieser Idee kam? Unter anderem über eine Studie, wie eine der Macherinnen der Kampagne später in einem Interview verrät. Nach dem rauschhaften Mantra "Gier ist gut" der 1980er-Jahre zeigten Studien, dass es eine Werteverschiebung gab: Zeit mit der Familie zu verbringen wurde immer mehr zu einem Statussymbol. Weniger Materialismus, mehr Liebe. Hier wird das Nichtkäufliche mit Konsum verbunden - werbemäßig brillant, moralisch kritisierbar. Doch eine Botschaft bleibt auch ganz ohne Kreditkarte:
Es gibt Dinge, die kann man nicht kaufen.

Im Grunde genommen hat dafür schon jemand vor mehr als 500 Jahren die Werbetrommel gerührt (und das soll gar nicht so lapidar klingen; es brauchte hier nur einen passenden sprachlichen Übergang). Kleine Erinnerung zum Reformationstag (31.10.): Vor 509 Jahren schlug Martin Luther seine 95 Thesen an die Schlosskirche zu Wittenberg; vor 500 Jahren kamen die reformatorischen Gedanken mit dem ehemaligen Mönch Gerhard Slewart in Flensburg an - und führten damit zu einer massiven Werteverschiebung, die tatsächlich bis heute in unserer Gesellschaft nachwirkt. Freiheit, Gnade, Bildung, Teilhabe, Selbstbestimmung, Autoritätskritik - und eben auch der Gedanke: dass Gott den Menschen bedingungslos annimmt.

In der Sprache der Reformatoren könnte die Werbung vielleicht heute so übersetzt werden:
- Fitness-Studio: 30 Euro im Monat.
- Karriere-Coaching: 150 Euro die Stunde.
- Das Gefühl, endlich gut genug zu sein: mit keinem Abo dabei.
- Gottes Liebe: Nicht nur unbezahlbar, sondern geschenkt.

Das ist nicht nur für das Weekend-Feeling, nicht nur ausgerechnet am Geburtstag; das ist für das ganze Leben. Herzlichen Glückwunsch an uns alle, darf man da wohl sagen, und einen schönen Reformationstag!