Kleine Auszeit: "Dringend gesucht: Die Lieblingskastanie"
02.10.2026
Kleine Auszeit von Lena Modrow aus dem Social Media Team des Kirchenkreises
Das Licht ist anders. Die Luft riecht nach heraufziehender Kühle. Auf dem Boden liegen die ersten aufgebrochenen Kastanien. Mir kommen Zeilen von Gisbert zu Knyphausen in den Sinn: "Es ist ein Mittwoch kurz vor Herbst/Ein alter Baum fängt schon mal an sich zu entkleiden"...
Da geht eine Zeit zu Ende, während der Alltag einfach weiterläuft - und was hinterlässt? Ein Schulterzucken mit Melancholie. Zu Knyphausen singt weiter: "Der Sommer war ein viel zu kurzer Scherz/Und hinterlässt nichts als betretenes Schweigen/Bis sich endlich einer aufrafft und müde lacht/(Hahaha...)"
War's das jetzt schon? Jedes Jahr dieser Umbruch im Übergang zwischen den Jahreszeiten, bei dem man sich noch am Sommer festkrallt - in der Hoffnung die Wintermüdigkeit würde einfach etwas später kommen; die Kastanie später herabfallen, die Hülle später knacken. Und vor allen Dingen noch keine Lebkuchen Ende August im Supermarkt auftauchen. "Das macht mich regelrecht wütend!", rief letztens eine Frau völlig außer sich vor dem Regal.
Doch während ich mir von der ersten aufgeknackten Baumfrucht in der Tasche meiner schon wieder viel genutzten Regenjacke die Hand schmeicheln lasse (glatt, fest, aber irgendwie seidig, so furchtbar angenehm poliert), ist auch in meiner inneren Schale irgend etwas aufgegangen. Das ist doch alles kein Zufall.
Wir tun uns mit Veränderung so schwer - selbst mit der, die wir alljährlich kennen, von der wir wissen, dass sie notwendig ist und wir sie nicht ändern können. Und trotzdem: Wir halten wie traurige Kletten an einem Fusselpullover daran fest.
Gleichzeitig gibt es da aber etwas, das wir greifen können. Der Weg ist im wahrsten Sinne des Wortes gepflastert mit kleinen Geschenken, die uns den Übergang offenbar leichter machen sollen: die kleinen "Kastanien" - im übertragenen Sinn natürlich. Jede sieht etwas anders aus. Jede fühlt sich etwas anders an. Jede kann etwas anderes bedeuten. Und vor allem: Jeder findet seine eigenen Lieblinge.
Klar, der nackte Baum ist doof. Die rutschigen Blätter. Die Spinnen, die unbedingt in unserem Haus ihr neues Lager aufschlagen wollen. Doch wenn man sich ein ganzes Stück weit damit arrangiert hat, dann kann da vielleicht ein anderes Gefühl Platz nehmen, das mehr als ein müdes Lachen hervorbringt: Dankbarkeit. Und das feiern wir - wie der Name schon sagt - unter anderem zu Erntedank. Und by the way: Ich liebe diese runden braunen Lebkuchen - könnte ich mich reinlegen, zu jeder Jahreszeit! #Dankbarkeit