Kleine Auszeit: "Ein Abwasch - und fertig?"
15.05.2026
Kleine Auszeit von Lena Modrow aus dem Social Media Team des Kirchenkreises
„Die Taufe ist Gottes große Liebeserklärung an die Menschen“, schreibt Pastor Kai Hansen zum großen Tauffest, das Sonnabend (16.5.) auf der Ansgarwiese in Haddeby stattfindet. Und wir aus der Medienabteilung haben dieses Zitat natürlich verbreitet - auf der Website, in den sozialen Kanälen.
Seitdem geht es mir nicht mehr aus dem Kopf. In einer Kiste streife ich durch die fotografischen Überbleibsel meiner eigenen Taufe: Mein Vater und mein Onkel mit einer Haarpracht irgendwo zwischen Rudi-Völler- und David-Hasselhoff-Vokuhila (es waren die 90er...); meine Oma wie immer klassisch stilsicher zeitlos schick gekleidet. Dazwischen ich in blumigem Outfit - und das beste: Mein Bruder, der damals noch ein Baby war, trug ein weißes TaufKLEID, was mein vierjähriges Ich bei einem Jungen einfach nur urkomisch fand. Um ehrlich zu sein: Da war viel los. Vielleicht ein bisschen zu viel. Denn an eine Liebeserklärung kann ich mich leider gar nicht mehr erinnern.
Meine Eltern hatten sich gedacht: Das Kind wird erst getauft, wenn es sich dazu selbst entscheidet. Also vielleicht im Jugendalter, wenn es Richtung Konfirmation geht. Tja, Rechnung ohne einen vierjährigen Sturkopf gemacht, der nach Aussagen der Eltern "so lange rumgenervt hat", bis klar war: Ok, wir feiern jetzt doch schon Taufe. Und dann können wir den Bruder ja gleich mittaufen. Ein Abwasch, fertig. (Sehr bildlich, oder?)
Seitdem versuche ich herauszufinden, was mein Innerstes damals zur Taufe bewegt, ja offenbar geradezu gedrängt hat. Da ist dieser Satz "Ich taufe dich auf den Namen...", den ich als Kind im Kopf immer mit meinem eigenen Vornamen komplettiert habe. Denn mein Gefühl war: Wer nicht getauft ist, der kann noch gar nicht richtig seinen Namen tragen. So als ob der Baum erst eine offizielle Bestätigung braucht, bevor man ihn "Baum" nennen kann; so braucht auch Lena ein Ritual, damit alle wissen, mit wem sie es hier zu tun haben. Die Dinge beim Namen nennen. Keine Ahnung damals gehabt von Hegel, Sprechakttheorie oder geschweige denn der Bibel. Dabei war der Gedanke des Benamens gar nicht so weit weg von "Ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein“ (Jesaja 43,1).
Doch das Positive ist: Wenn man eine Liebeserklärung bekommt, muss man sie nicht gleich komplett begreifen. Es reicht, dass sie da ist, einen trägt, fühlen lässt. Nicht der kleine Mensch beginnt die Beziehung, sondern etwas viel Größeres macht den ersten Schritt. Und wieso sollte man das nicht einfach feiern, immer und immer wieder? Ein Abwasch und immer noch nicht fertig.